{"id":7787,"date":"2019-03-11T07:45:25","date_gmt":"2019-03-11T06:45:25","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7787"},"modified":"2019-04-09T07:47:51","modified_gmt":"2019-04-09T06:47:51","slug":"die-walkuere-kassel-staatstheater","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7787","title":{"rendered":"Die Walk\u00fcre &#8211; Kassel, Staatstheater"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Richard Wagner (1813-1883) Erster Tag des B\u00fchnenfestspiels in drei Akten, Libretto: Richard Wagner, UA: 26. Juni 1870 M\u00fcnchen, Nationaltheater<\/p>\n<p>Regie: Markus Dietz, B\u00fchne: Mayke Hegger, Kost\u00fcme: Henrike Bromber<\/p>\n<p>Dirigent: Francesco Angelico, Staatsorchester Kassel<\/p>\n<p>Solisten: Martin Iliev (Siegmund), Yorck Felix Speer (Hunding), Egils Silins (Wotan), Nadja Stefanoff (Sieglinde), Nancy Wei\u00dfbach (Br\u00fcnnhilde), Ulrike Schneider (Fricka) u.a.<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 9. M\u00e4rz 2019 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/Kassel-Walk\u00fcre.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-7788\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/Kassel-Walk\u00fcre.png\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"427\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/Kassel-Walk\u00fcre.png 650w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/Kassel-Walk\u00fcre-300x197.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Der verfolgte W\u00e4lsunge Siegmund findet bei der verlorengeglaubten Zwillingsschwester Sieglinde Zuflucht und zeugt Siegfried. Fricka verlangt S\u00fchne f\u00fcr Ehebruch und Blutschande. Durch die eigenen Gesetze gebunden, mu\u00df Wotan Siegmund opfern. Todgeweiht will Siegmund die Schwester lieber t\u00f6ten, als ungesch\u00fctzt zur\u00fcckzulassen. Da beschlie\u00dft Br\u00fcnnhilde, entgegen Wotans Befehl, die W\u00e4lsungen zu retten, doch Wotan bewirkt Siegmunds Tod. Br\u00fcnnhilde flieht zun\u00e4chst mit Sieglinde vor Wotan, aber Wotan bestraft Br\u00fcnnhilde und bettet sie in einen Feuerring, aus dem nur ein Held sie erretten kann.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Schon das Vorspiel zum ersten Akt wird bebildert. Wenn der fl\u00fcchtende Siegmund zu h\u00f6ren ist, sieht man hinter Hundings moderner Halle in einem schwarzem Raum, in dem auch ein gro\u00dfes Feuer brennt, wie Sieglinde von Hundings Mannen im schwarzen Anzug entf\u00fchrt \u201e wei\u00dfen Kleid\u201c Siegmund an einem wei\u00df gedeckten, b\u00fchnenbreiten E\u00dftisch und zwei wei\u00dfen Anrichten mit Getr\u00e4nken in Designerflaschen an beiden Kopfenden des Tisches. Die blutgetr\u00e4nkte Kleidung Siegmunds hinterl\u00e4\u00dft h\u00e4\u00dfliche Flecken auf dem wei\u00dfen Grund.<\/p>\n<p>Im zweiten Akt ist Hundings Halle, die Anrichten und der Tisch zu Asche zerfallen. Im Hintergrund taucht das gro\u00dfe leuchtende W f\u00fcr Walhall auf und die Walk\u00fcren feiern schon mal (was denn?) mit Sekt. Ungl\u00fccklich gel\u00f6st ist der Kampf zwischen Wotan, Hunding und Siegmund, der im mystischen Dunkel undurchsichtig bleibt.<\/p>\n<p>Im dritten Akt t\u00fcrmt sich die Rampe f\u00fcr den Walk\u00fcrenfelsen auf. Auf einen Feuerzauber mu\u00df man leider verzichten, daf\u00fcr wird Br\u00fcnnhilde zu Wotans Abschied in einen langen Mantel geh\u00fcllt. Auch dieser Mantel ist, wie alle anderen Kost\u00fcme auch, der heutigen Mode entlehnt.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Die Walk\u00fcre lebt eigentlich von den Spannungen in der Dreiecksbeziehung im ersten Akt, dem Ehestreit zwischen Wotan und Fricka und Wotans Abschied mit Feuerzauber zum furiosen Finale. Das wird eindrucksvoll umgesetzt von <strong>Francesco Angelico<\/strong>. Unter seiner Leitung erlebt man einen unverstellten Blick auf das Notenwerk, das mit gro\u00dfer lyrischer Spielfreude ohne dramatischen Pomp und gr\u00f6\u00dfere Steigerungen der Lautst\u00e4rke auskommt. Der Walk\u00fcrenritt wirkt nicht monumental und der Feuerzauber wird feingliedrig zelebriert als leise Abschiedsfeier. Etwas zur\u00fcckhaltend starten <strong>Nadja Stefanoff<\/strong> als Sieglinde und <strong>Martin Ilievs<\/strong> als Siegmund mit volumin\u00f6ser Stimme. Ilievs ist jedoch sp\u00e4testens mit den langanhaltenden <em>W\u00e4lse<\/em>-Rufen pr\u00e4sent trotz etwas rauher Stimme, w\u00e4hrend Stefanoff ihre Rolle der Sieglinde eher ausdrucksstark anlegt und den Schwerpunkt auf die dramatischen Ausbr\u00fcche im zweiten Akt legt. Im Zentrum des Dreiecks als statischer Ruhepol steht <strong>Yorck Felix Speer<\/strong> als Hunding mit dunkel herben Ba\u00df. Stimmlich geht das Duell zwischen Wotan und Fricka unentschieden aus. <strong>Ulrike Schneider<\/strong> als Fricka zeigt, wie mit langer Erfahrung am Haus die stimmliche Durchschlagskraft ohne reines Keifen pr\u00e4sentiert werden kann. <strong>Egils Silins<\/strong> h\u00e4lt dagegen als kraftvoller, strahlender und in der h\u00f6hensicherer G\u00f6ttervater Wotan. Und er kann dieses hohe Niveau im Finale sogar noch steigern, wenn er sich von <strong>Nancy Wei\u00dfbach<\/strong> als Br\u00fcnnhilde verabschiedet, die als schwerer dramatischer Sopran mit ihrer klangvollen Dynamik besticht.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Wieder einer der von den Feuilletons verschiedener Zeitungen hochgelobten Regietheater-Produktionen, die vom Regisseur dazu genutzt wird, zus\u00e4tzliche Bilder, Kommentare und Handlungsstr\u00e4nge einzuflechten. Leider f\u00fchren diese Regieeinf\u00e4lle nicht zu einer stringenten Erl\u00e4uterung oder einer zus\u00e4tzlichen Handlungsebene \u00e0 la Stefan Herheim, sondern stellen nur eine bildgewaltige Darstellung von Einf\u00e4llen dar. So d\u00fcrfen die Walk\u00fcren statt des Walk\u00fcrenritts die gefallenen Helden (oder Sexsklaven?) an der Leine f\u00fchren, das Lagerfeuer in Hundings Loft ist leuchtender als der Feuerzauber, und Fricka wird auf einer Harley (mit laufendem Motor!) auf die B\u00fchne gefahren. Den gro\u00dfvolumigen Motor h\u00f6rt man auch unter Frickas pointiert zelebriertem Motiv heraus. Sie kann vom Orchester nicht \u00fcberdeckt werden. Musikalisch und s\u00e4ngerisch ist diese <em>Walk\u00fcre<\/em> dank <strong>Francesco Angelico<\/strong> und <strong>Egils Silins<\/strong> (Wotan) eine faszinierende, fesselnde und begeisternde Produktion. St\u00fcrmischer und langer Applaus des Publikums zum Schlu\u00df!<\/p>\n<p>Oliver Hohlbach<\/p>\n<p>Bild: Nils Klinger<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Die Walk\u00fcren nach dem Ritt<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Richard Wagner (1813-1883) Erster Tag des B\u00fchnenfestspiels in drei Akten, Libretto: Richard Wagner, UA: 26. 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