{"id":7778,"date":"2019-03-29T12:47:11","date_gmt":"2019-03-29T11:47:11","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7778"},"modified":"2019-04-05T12:53:28","modified_gmt":"2019-04-05T11:53:28","slug":"la-boheme-muenchen-staatstheater-am-gaertnerplatz","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7778","title":{"rendered":"La Boheme &#8211; M\u00fcnchen, Staatstheater am G\u00e4rtnerplatz"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Giacomo Puccini (1858-1924), Szenen in vier Bildern, Libretto: Giuseppe Giacosa und Luigi Illica nach Henry Murgers <em>Scenes de la vie de Boh\u00e8me<\/em>, in italienischer Sprache mit deutschen \u00dcbertiteln, UA: 1. Februar 1896, Turin<\/p>\n<p>Regie: Bernd Mottl, B\u00fchne: Friedrich Eggert\/Kost\u00fcme: Alfred Mayerhofer<\/p>\n<p>Dirigent: Anthony Bramall, Orchester, Chor und Kinderchor des Staatstheaters am G\u00e4rtnerplatz, Choreinstudierung: Pietro Numico<\/p>\n<p>Solisten: Camille Schnoor (Mim\u00ec), Maria Celeng (Musetta), Lucian Krasznec (Rodolfo), Matija Meic (Marcello), Christoph Filler (Schaunard), Levente Pall (Colline), Holger Ohlmann (Alcindoro), Martin Hausberg (Benoit), Stefan Thomas (Parpignol) u.a.<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 28. M\u00e4rz 2019 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/M\u00fcnchen-La-Boheme.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-7781\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/M\u00fcnchen-La-Boheme.png\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"437\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/M\u00fcnchen-La-Boheme.png 650w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/M\u00fcnchen-La-Boheme-300x202.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Rodolfo, Marcello, Schaunard und Colline sind bettelarme K\u00fcnstler und unzertrennliche Freunde. Sie leben unbeschwert von der Hand in den Mund in einer Mansarde \u00fcber den D\u00e4chern des Pariser K\u00fcnstlerviertels Quartier Latin. Rodolfo begegnet Mim\u00ec und verliebt sich in sie. Marcello erobert seine ehemalige, stets untreue Geliebte Musetta zur\u00fcck. Den Weihnachtsabend verbringt man im Caf\u00e9 Momus. Nach der Trennung von Rodolfo verschlimmert sich Mim\u00ecs Krankheit. Sie kehrt zu ihm zur\u00fcck und stirbt in seinen Armen im Kreis der Freunde.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Die aufwendigen Verwandlungen beim Kulissenwechsel sind besonders spektakul\u00e4r und weisen auf die vielen technischen M\u00f6glichkeiten seit der Renovierung des G\u00e4rtnerplatztheaters hin. Das erste Bild spielt in einem Guckkasten, der nach hinten begrenzt wird von einem gro\u00dfen Kamin, in dem aber nie Feuer brennt, und zwei gro\u00dfen Fl\u00fcgelfenstern, deren Fl\u00fcgel aber daneben liegen. Durchs offene Fenster sieht man den Schnee rieseln, kein Wunder da\u00df es im Raum kalt ist. Die ehemals schwarzen W\u00e4nde sind mit wei\u00dfen Graffiti wieder und wieder \u00fcbermalt. Streichh\u00f6lzer f\u00fcrs Licht werden nicht ben\u00f6tigt, \u00fcber dem Kamin h\u00e4ngt eine gro\u00dfe Edison-Gl\u00fchbirne (als Designer-LED-Leuchtmittel).<\/p>\n<p>Die \u201earmen K\u00fcnstler\u201c tragen heutige Designerkleidung, entweder ist der Reichtum gepumpt oder sie sind genauso reich, wie die heutigen sogenannten K\u00fcnstler es sein m\u00fcssen, um in den angesagten K\u00fcnstlervierteln, den fr\u00fcheren Scherbenvierteln, wohnen zu k\u00f6nnen. So hat Marcello Geld, um Musetta zum Einkauf loszuschicken. Daher mu\u00df Colline seinen Mantel nicht verkaufen. Auch andere zentrale Punkte der Handlung finden nicht statt.<\/p>\n<p>F\u00fcr das zweite Bild verschwindet die R\u00fcckwand nach hinten, eine gro\u00dfe gl\u00e4serne Bar f\u00e4hrt nach oben. Die Kellner sind schwule, orangefarbene menschliche Pudel, Alcindoro wird von Musetta an der Leine vorgef\u00fchrt. Parpignol ist ein gr\u00fcner Weihnachtsbaum, um den die Kinder planlos herumlaufen. Er kehrt als Weihnachtsmann-Tambourmajor einer geschmacklosen Pelzm\u00fctzenblaskapelle zur\u00fcck und legt einen Strip hin. Daraufhin wird er der Geliebte der Musetta, die das im dritten Bild in einer Tiefgaragen-Disko feiern. Die Z\u00f6llner sind die T\u00fcrsteher an der Stahlt\u00fcr. Das B\u00fchnenbild wandelt sich wieder zum Anfangsbild. Mim\u00ec kehrt in Jeans mit Rucksack und Isomatte zur\u00fcck. Sie stirbt.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Das <strong>Dirigat<\/strong> von <strong>Anthony Bramall<\/strong> ist das gro\u00dfe Problem in dieser Premiere. Viel zu laut werden gerade im ersten Bild all die herzergreifenden Momente zugedeckt, f\u00fcr die Puccini bekannt ist. So gibt es im ersten Bild eigentlich nur ein H\u00e4ndchenhalten und keine Liebesszene, Mim\u00ec stirbt im vierten Bild relativ unerkl\u00e4rlich, das leise Verl\u00f6schen einer sch\u00f6nen Stimme ist nicht zu vernehmen. Dabei h\u00e4tten alle Solisten Eigenschaften, um herausragende Rollenbilder abzuliefern. <strong>Camille Schnoor<\/strong> hat f\u00fcr die Mim\u00ec eine sch\u00f6ne seidenweiche lyrische Stimme, aber, weil sie viel Kraft ben\u00f6tigt, wird die Stimme in der H\u00f6he immer enger und schaler. F\u00fcr einen sch\u00f6nen Liebestot fehlt ihr am Ende die Geschmeidigkeit. Gleiches Vorzeichen gilt f\u00fcr<strong> Lucan Krasznec<\/strong>: er gibt den Rodolfo als schwerer italienischer Tenor mit hoher Durchschlagskraft, wirkte aber eher hilflos und alleingelassen. <strong>Maria Celeng<\/strong> macht aus der Musetta mit ihrer hochbeweglichen schlanken Stimme die Hauptrolle des St\u00fcckes, <strong>Matija Meic<\/strong> (Marcello) ist ein schwerer dunkler wohlt\u00f6nender Ba\u00dfbariton und als Einziger zum Erzeugen von Mitgef\u00fchl in der Lage, <strong>Levente Pall<\/strong> kann mit der Mantelarie des Colline zurecht die Aufmerksamkeit kurz auf sich ziehen.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Manchmal stellt man sich die Frage, warum in der Oper die Kontrollmechanismen versagen: ein akustisch, s\u00e4ngerfreundliches B\u00fchnenbild, aber ein Dirigent, der so laut ist, da\u00df gerade im ersten Bild, die beiden Hauptdarsteller sich gegenseitig anschreien m\u00fcssen, um sich Geh\u00f6r zu verschaffen. Von Romantik oder Liebe ist nichts zu sp\u00fcren bei <em>Che gelida manina<\/em> <em>\u2013 Welch eiskaltes H\u00e4ndchen.<\/em> Der Regieeinfall, die Handlung in eine heutige sogenannte K\u00fcnstlerszene zu verlagern, aber Mim\u00ec einfach an der Schwindsucht sterben zu lassen, ist unglaubw\u00fcrdig \u2013 denn heutzutage stirbt niemand mehr in Europa in dieser Form an der Schwindsucht! Der schwule Weihnachtsmarkt mit Strip ist einfach nur geschmacklos. Offensichtlich sind die K\u00fcnstler so reich, da\u00df sie nicht von der Hand in den Mund leben, sondern sich in der Delikatessenabteilung der Galerie Lafayette (der einzige Hinweis auf Paris!) laben. Die Szene, da\u00df \u2013 trotz K\u00e4lte \u2013 das Fenster nicht schlie\u00dft, ist kaum glaubw\u00fcrdig und daher eben bl\u00f6d. Daher kann man auch die Lebensmittel verschwenderisch auf den Boden werfen. Das Publikum applaudiert freundlich, wahrscheinlich, weil es sich den K\u00fcnstlern aus dem G\u00e4rtnerplatz-Reichenbachviertel zugeh\u00f6rig f\u00fchlt und deshalb dieses Geschehen gewohnt ist?<\/p>\n<p>Oliver Hohlbach<\/p>\n<p>Bild: Marie-Laure Briane<\/p>\n<p>Das Bild zeigt die letzte Szene, in der Mim\u00ec stirbt: Levente P\u00e1ll (Colline), Christoph Filler (Schaunard), Matija Mei\u0107(Marcello), Camille Schnoor (Mim\u00ec), Lucian Krasznec (Rodolf)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Giacomo Puccini (1858-1924), Szenen in vier Bildern, Libretto: Giuseppe Giacosa und Luigi Illica nach Henry Murgers Scenes de la vie de Boh\u00e8me, in italienischer Sprache mit deutschen \u00dcbertiteln, UA: 1. 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