{"id":777,"date":"2009-09-22T22:02:37","date_gmt":"2009-09-22T20:02:37","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/?p=777"},"modified":"2010-03-21T23:41:11","modified_gmt":"2010-03-21T22:41:11","slug":"bonn-theater-tannhauser-und-der-sangerkrieg-auf-wartburg","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=777","title":{"rendered":"Bonn, Theater &#8211; TANNH\u00c4USER UND DER S\u00c4NGERKRIEG AUF WARTBURG"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>Musik und Text von Richard Wagner, Romantische Oper in drei Aufz\u00fcgen, UA: 19. Oktober 1845, Hoftheater Dresden<br \/>\nRegie: Klaus Weise, B\u00fchne: Martin Kukulies, Kost\u00fcme: Fred Fenner, Choreographie: Nick Hobbs<br \/>\nDirigent: Stefan Blunier, Choreinstudierung: Sybille Wagner<br \/>\nSolisten: Ramaz Chikviladze (Hermann, Landgraf), Scott MacAllister (Tannh\u00e4user), Lee Poulis (Wolfram von Eschenbach), Mirko Roschkowski (Walther von der Vogelweide), Mark Marouse (Biterolf), Mark Rosenthal (Heinrich der Schreiber), Martin Tzonev (Reimar von Zweter), Ingeborg Greiner (Elisabeth), Daniela Denschlag (Venus), Anna Virovlansky (Ein junger Hirt) u.a.<br \/>\nBesuchte Auff\u00fchrung: 18. September 2009 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Kurzinhalt<\/strong><br \/>\n<a TITLE=\"bonn-tannhauser.jpg\" HREF=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/09\/bonn-tannhauser.jpg\"><img ALIGN=\"right\" ALT=\"bonn-tannhauser.jpg\" SRC=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/09\/bonn-tannhauser.jpg\" \/><\/a>Tannh\u00e4user weilt bei Venus im Venusberg, sehnt sich aber nach der Menschenwelt zur\u00fcck und verl\u00e4\u00dft das Liebesnest. Zur\u00fcck in der Menschenwelt erf\u00e4hrt er vom Landgrafen, da\u00df Elisabeth, die Nichte des Landgrafen, ihn heimlich liebt und auf ihn wartet. Beim S\u00e4ngerwettstreit auf der Wartburg antwortet Tannh\u00e4user auf die ritterlichen Minneges\u00e4nge Wolframs, Walthers und Bitrolfs mit seinem Loblied auf die sinnliche  Liebe, indem er Venus verherrlicht. Von den emp\u00f6rten Rittern wird er mit dem Tod bedroht, doch Elisabeth wirft sich sch\u00fctzend  vor ihn. Danach schickt ihn der Landgraf zur Bu\u00dffahrt nach Rom. Von dort kehrt er im Herbst ohne die erhoffte Absolution des Papstes zur\u00fcck. Er will zur\u00fcck in den Venusberg, doch Wolfram erz\u00e4hlt ihm von der schwer erkrankten Elisabeth. Tannh\u00e4user besinnt sich und stirbt in den Armen Wolframs den Namen Elisabeths auf den Lippen.<br \/>\n<strong>Auff\u00fchrung<\/strong><br \/>\nW\u00e4hrend der Ouvert\u00fcre formieren sich in Strapsen gekleidete Frauen auf der B\u00fchne, sie tanzen skurril, manchmal synchron. Eine nackte Frau schreitet durch die Tanzenden hindurch. Venus tritt sp\u00e4ter auf in einem wei\u00dfen Ganzk\u00f6rperanzug auf und r\u00e4kelt sich an einer Harfe.<br \/>\nDanach wird das B\u00fchnenbild einfacher und klarer. Elisabeth tr\u00e4gt ein rotes Kleid und empf\u00e4ngt die S\u00e4nger zum Wettbewerb in einem kathedralenartigen Geb\u00e4ude. Im dritten Akt rieselt aus einer \u00d6ffnung an der Decke Schnee. Tannh\u00e4user steht am Sarg Elisabeths, von der Decke wird ein Netz mit nackten Menschen darin heruntergelassen. Was bedeutet das Schlu\u00dfbild? Die erotische Liebe gefangen, geb\u00e4ndigt, verdr\u00e4ngt?<br \/>\n<strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><br \/>\nDie Besetzung von Scott MacAllister als Tannh\u00e4user war eine besonders gute Wahl. Der amerikanische Tenor sang nahezu akzentfrei und bewies neben seinen technischen Fertigkeiten auch eine extreme Wandelbarkeit seiner Stimme. So preist er mit warmer und beschwingter Stimme die G\u00f6ttin Venus <em>Dir t\u00f6ne Lob! Die Wunder sei\u2019n gepriesen<\/em>, verschmilzt hingebungsvoll mit dem Sopran <strong>Ingeborg Greiners<\/strong> (Elisabeth) bei dem Duett <em>Oh F\u00fcrstin!<\/em> und berichtet Wolfram mit expressivem Duktus, zeitweise fast rufend wehklagend mit <em>Inbrunst im Herzen<\/em> von Rom. Ebenfalls ein Genu\u00df war der Bariton <strong>Lee Poulis<\/strong> als Wolfram, vor allem sein Lob auf <em>die Liebe Blick ich umher in diesem edlen Kreise<\/em> ist bewegend und mitrei\u00dfend. Auch alle anderen Minnes\u00e4nger \u2013 <strong>Mirko Roschkowski<\/strong> (Walther), <strong>Mark Rosenthal<\/strong> (Heinrich), <strong>Mark Marouse<\/strong> (Biterolf) und <strong>Martin Tzonev<\/strong> (Reimar) \u2013 konnten s\u00e4ngerisch \u00fcberzeugen.<br \/>\nEin besonderes Schmankerl an diesem Abend ist <strong>Anna Virovlansky<\/strong> (ein junger Hirt), deren lupenreiner Sopran leider nur allzu kurz zu h\u00f6ren ist. <strong>Ingeborg Greiner<\/strong> (Eva)  beeindruckt mit ihrem gewaltigen Stimmvolumen, ihrer Intonationssicherheit und den mit Leichtigkeit gesungenen Spitzent\u00f6nen.<br \/>\nBesonders hervorzuheben ist bei ihr neben dem nuancenreichen Timbre, vor allem das perfekt gesungene pianissimo. Auch <strong>Daniela Denschlag<\/strong> (Venus) sang ihre Partie gut, dies vor allem in der ausdrucksstarken Zornesarie <em>Zieh hin Wahnsinniger, zieh hin!<\/em> In den h\u00f6heren Lagen waren die mitlaufenden \u00dcbertitel allerdings sehr hilfreich f\u00fcr das Textverst\u00e4ndnis. Schauspielerisch war Daniela Denschlag aber kein Sinnbild f\u00fcr Erotik und Leidenschaft.<br \/>\nDer <strong>Chor<\/strong> intonierte gl\u00e4nzend und sang sich zu keinem Zeitpunkt ungeb\u00fchrlich  in den Vordergrund. Das <strong>Beethoven Orchester Bonn<\/strong> unter der Leitung von <strong>Stefan Blunier<\/strong> nahm sich zur\u00fcck und vermochte die vollstimmige Partitur Wagners zu spielen, ohne dabei auf Kosten der S\u00e4ngerverst\u00e4ndlichkeit zu gehen.<br \/>\nEin wirklich rundum gut besetzter Apparat von Orchester- Chor und Solisten.<br \/>\n<strong>Fazit<\/strong><br \/>\nMusikalisch ein ganz besonderer Abend. Die Inszenierung hat durchaus bewegende Momente: zum Beispiel das Aufeinandertreffen von Tannh\u00e4user und Elisabeth, aber auch viele \u00fcbertriebene, nicht stimmige Episoden: das Netz mit den nackten Menschen am Schlu\u00df und die Venus-T\u00e4nzerinnen, durch die unerotischen wenig runden Bewegungen der T\u00e4nzerinnen ist der Versuch Erotik und Sinnlichkeit zu vermitteln eher gescheitert.  Beeindruckend waren vor allem die musikalischen Leistungen des Abends, was das Publikum auch geb\u00fchrend belohnte.<br \/>\nKatharina Rupprich<\/p>\n<p>Bild: Thilo Beu<br \/>\nDas Bild zeigt das gesamte Ensemble.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Musik und Text von Richard Wagner, Romantische Oper in drei Aufz\u00fcgen, UA: 19. 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