{"id":7767,"date":"2019-04-02T07:40:35","date_gmt":"2019-04-02T06:40:35","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7767"},"modified":"2019-04-04T07:43:41","modified_gmt":"2019-04-04T06:43:41","slug":"neues-vom-tage-coburg-landestheater","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7767","title":{"rendered":"Neues vom Tage &#8211; Coburg, Landestheater"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Paul Hindemith (1895-1963), Lustige Oper in drei Teilen, Libretto: Marcellus Schiffer, Fassung 1928\/29, UA: 8. Juni 1929 Berlin,<\/p>\n<p>Kroll-Oper<\/p>\n<p>Regie: Tibor Torell, B\u00fchne\/Kost\u00fcme: Sibylle G\u00e4deke<\/p>\n<p>Dirigent: Johannes Braun, Philharmonisches Orchester und Chor des Landestheater Coburg, Choreinstudierung: Mikko Sidoroff<\/p>\n<p>Solisten: Rannveig Karadottir (Laura), Marvin Zobel (Eduard), Milen Bozhkov (Der sch\u00f6ne Herr Herrmann), Dirk Mestmacher (Herr M), Kora Pavelic (Frau M), Marcello Mjia-Mejia (Standesbeamter), Bartosz Araszkiewicz (Fremdenf\u00fchrer), Christian Huber (Hoteldirektor\/ Zimmerm\u00e4dchen\/ Oberkellner), u.a.<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 30. M\u00e4rz 2019 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/Coburg-Neues-vom-Tage.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-7768\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/Coburg-Neues-vom-Tage.png\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"433\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/Coburg-Neues-vom-Tage.png 650w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/Coburg-Neues-vom-Tage-300x200.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Laura und Eduard sind frisch verheiratet, schon folgt der erste Streit. Beiden ist klar: <em>Wir lassen uns scheiden! <\/em>Problem: 1929 ben\u00f6tigt man einen Scheidungsgrund. Frau und Herr M empfehlen ihnen die Dienste des \u201eB\u00fcros f\u00fcr Familienangelegenheiten\u201c, die als perfekten Scheidungsgrund den sch\u00f6nen Herrn Hermann vermieten. Doch der inszenierte Seitensprung wird zum Desaster: Eduard zerschl\u00e4gt in rasender Eifersucht die wertvolle Venusstatue des Museums, Laura wird anschlie\u00dfend in der Hotelbadewanne liegend mit Herrn Hermann erwischt \u2013 f\u00fcr die lokale Klatschpresse ein gefundenes Fressen. Laura und Eduard sind die Neuigkeit des Tages. Sie lassen sich vermarkten, um das Geld f\u00fcr die Scheidung und den Schaden aufzubringen. Als sie sich doch nicht trennen wollen, ruft das genauso heftigen Protest hervor.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Eigentlich spielt die Handlung vor einem gro\u00dfen Bretterzaun, an dem Zeitungsartikel, Plakate oder Fotos angebracht sind. Dieser Zaun \u00f6ffnet sich: mal sind es Fenster, hinter denen Reporter sitzen, mal \u00f6ffnet er sich als zweifl\u00fcgeliges Tor, um den Blick freizugeben auf ein gro\u00dfes Wahlplakat, auf Besucher in einem Museumsraum, auf eine Rampe mit Rahmen oder auf ein gro\u00dfes rosa Badezimmer von oben \u2013 mit Schaum vor der Badewanne. Das Ensemble ist zeitlos gekleidet: das alte Ehepaar im roten Anorak und Rollator (die wieder j\u00fcnger werden), das Ehepaar M kommt zweimal aus den Flitterwochen \u2013 einmal aus der S\u00fcdsee und danach vom Skifahren in Norwegen. Die sechs Manager sind Gestalten der Filmgeschichte von <em>Nosferatu<\/em> bis <em>Caesar<\/em>. Der sch\u00f6ne Herr Hermann wird von Girls in P\u00fcnktchenblusen verfolgt und als <em>running<\/em> <em>gag<\/em> robbt eine Robbe \u00fcber die B\u00fchne.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Nur ein relativ kleines Orchester mit Streichern und Bl\u00e4sern ist n\u00f6tig. Den meisten Platz im Graben nimmt der Fl\u00fcgel und die Orgel ein. Das Philharmonische Orchester unter der Leitung von <strong>Johannes Braun<\/strong> startet mit Elan und Esprit in die Ouvert\u00fcre, f\u00fchrt dann quasi wie eine Zeitreise durch die unterschiedlichen Musikrichtungen: Von Atonalit\u00e4t am \u00dcbergang der Romantik zur Moderne, von leicht swingender Revuemusik zur seichten Unterhaltungsmusik kann man ohne Nahtstelle umschalten. Diese Beweglichkeit stellt der bestens eingestellte <strong>Chor<\/strong> in vielerlei Auftritten ebenso unter Beweis, wobei der Unterschied zu den Solisten bei zwanzig Rollen etwas schwierig wird. Die sechs Manager und die sechs Girls sind aber auch eigentlich als kleiner Chor aufgestellt. <strong>Marvin Zobel <\/strong>ist der spielerisch eindrucksvolle Eduard, zusammen mit der gelenkigen Laura <strong>Rannveig Karadottir <\/strong>ein zwar zerstrittenes, aber doch bestens harmonisierendes Traumpaar. Sie \u00fcberzeugt auch mit der klassischen Koloraturarie \u00fcber die <em>Vorz\u00fcge der Warmwasserversorgung<\/em>. Gleiches gilt f\u00fcr die Familie M. Mit ausdrucksstarken, gef\u00fchlvollen Spieltenor besticht <strong>Dirk Mestmacher<\/strong>. <strong>Kora Pavelic <\/strong>als Frau M \u00fcberzeugt mit einer sehr lyrisch ausgepr\u00e4gten Stimme. <strong>Milen Bozhkov<\/strong> als der Liebhaber Herr Hermann ist am Haus der schwere italienische Tenor. Mit seinem weichen italienischen Timbre, verbunden mit strahlender H\u00f6he, gro\u00dfem Stimmvolumen und Durchschlagsf\u00e4higkeit kann er von einem traumhaft leichten Piano zu einem durchaus kraftvollen Fortissimo anschwellen. Ein beliebter Liebhaber.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Diese satirisch heitere Oper ist eine Abrechnung mit den goldenen zwanziger Jahren: hier wird nicht nur das Leben 1929 und die Klatschpresse mit ihrer Sensationsgier auf die Schippe genommen, nein, auch die Sp\u00e4tromantik und die Jazz-Kabarett-Revuen werden durch den Kakao gezogen. Und nat\u00fcrlich die absurd ausufernde preu\u00dfische Verwaltung. Das wird mit den Mitteln eines absurd-surrealen Theaters umgesetzt. Bunt und in immer unwirklicheren Zusammenh\u00e4ngen oder Kost\u00fcmen werden sie Situationen immer komischer. Und bei zwanzig Hauptrollen f\u00e4llt f\u00fcr jedes Hausmitglied eine Rolle ab. Das Publikum folgt dem neunzigmin\u00fctigen Spa\u00df lachend und beklatscht die Produktion heftig \u2013 drei Vorh\u00e4nge lang.<\/p>\n<p>Oliver Hohlbach<\/p>\n<p>Bild: Sebastian Buff<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Die Show (\u00fcber das Ehepaar in Scheidung) must go on<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Paul Hindemith (1895-1963), Lustige Oper in drei Teilen, Libretto: Marcellus Schiffer, Fassung 1928\/29, UA: 8. Juni 1929 Berlin, Kroll-Oper Regie: Tibor Torell, B\u00fchne\/Kost\u00fcme: Sibylle G\u00e4deke Dirigent: Johannes Braun, Philharmonisches Orchester und Chor des Landestheater Coburg, Choreinstudierung: Mikko Sidoroff Solisten:<span class=\"ellipsis\">&hellip;<\/span><\/p>\n<div class=\"read-more\"><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7767\">Weiterlesen \u203a<\/a><\/div>\n<p><!-- end of .read-more --><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":7768,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[12,1],"tags":[],"class_list":["post-7767","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-coburg-landestheater","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7767","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=7767"}],"version-history":[{"count":1,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7767\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":7769,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7767\/revisions\/7769"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/7768"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=7767"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=7767"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=7767"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}