{"id":7754,"date":"2019-03-10T18:56:35","date_gmt":"2019-03-10T17:56:35","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7754"},"modified":"2019-04-01T18:58:37","modified_gmt":"2019-04-01T17:58:37","slug":"die-verkaufte-braut-dresden-semperoper","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7754","title":{"rendered":"Die verkaufte Braut &#8211; Dresden, Semperoper"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Bed\u0159ich Smetana (1824-1884), Komische Oper in drei Akten, Libretto: Karel Sabina, Deutsch von Kurt Honolka unter Verwendung von Carl Riha und Wilfried H\u00f6ntsch, UA: 30. Mai 1866 Prag, Interimstheater<\/p>\n<p>Regie: Mariame Clement, B\u00fchne\/Kost\u00fcme: Julia Hansen, Choreographie: Mathieu Guilhaumon<\/p>\n<p>Dirigent: Tomas Netopil, S\u00e4chsische Staatskapelle und S\u00e4chsischer Staatsopernchor, Choreinstudierung: Cornelius Volke.<\/p>\n<p>Solisten: Matthias Henneberg (Kruschina), Sabine Brohm (Ludmilla), Hrachuhi Bassenz (Marie), Tilmann R\u00f6nnebeck (Micha), Michael Doron (Hata), Benjamin Bruns (Wenzel), Pavol Breslik (Hans), Tijl Faveyts (Kezal), Tahnee Niboro (Esmeralda) u.a.<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 8. M\u00e4rz 2019 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/Dresden-verkaufte_Braut.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-7755\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/Dresden-verkaufte_Braut.png\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"433\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/Dresden-verkaufte_Braut.png 650w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/Dresden-verkaufte_Braut-300x200.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Marie liebt Hans, doch ihre Eltern schlie\u00dfen mit Heiratsvermittler Kezal einen Vertrag: Marie soll den unbeholfenen Wenzel heiraten, den Sohn von Micha. Marie, die sich nicht zu erkennen gibt, r\u00e4t Wenzel davon ab, sie zu heiraten; ihm werde B\u00f6ses widerfahren. Aus Angst verweigert dieser nun die Heirat. Hans willigt gegen 300 Gulden ein, auf Marie zu verzichten, wenn diese einen Sohn Michas heiratet. Alle sind emp\u00f6rt. Auf einem Zirkusfest verliebt sich Wenzel in eine T\u00e4nzerin und es stellt sich heraus, da\u00df Hans der Sohn Michas aus erster Ehe ist \u2013 so nimmt die Entr\u00fcstung \u00fcber die \u201everkaufte Braut\u201c ein gutes Ende.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Dominant am B\u00fchnenbild ist die Deckenbeleuchtung \u2013 die erinnert an \u201eErichs Lampenladen\u201c, den ehemaligen Palast der Republik in Berlin. Unverst\u00e4ndlich das Schild darunter <em>Kezals City<\/em>. Immerhin ohne Deppen-Apostroph, aber handelt es sich hier um ein DDR-Einkaufszentrum? Auf einem Podium im Mittelpunkt der B\u00fchne zeigt eine Tanzschul-Volkstanzgruppe folkloristische b\u00f6hmische T\u00e4nze in historischen Kost\u00fcmen. Auch der Zirkus hat seinen Auftritt: Der B\u00e4r, mexikanische Amigos, S\u00fcdsee-Hula-Hula im Blumenkranz, w\u00e4hrend Esmeralda nagelfeilend als Burgfr\u00e4ulein auf ihren Auftritt wartet. Vorne rechts die Bar, an der Kezal Drinks ausgibt. Vorne links der Personaleingang, hinter dem sich Marie zur Kellnerin mit Trachten-Sch\u00fcrze umzieht oder Kezal sein Personal <em>betreut<\/em>. An den Tischen dazwischen wartet der Chor rauchend-trinkend auf seine Auftritte. Die Gesellschaftskleidung im Stil des Rundstrichanzugs f\u00fchrt zur\u00fcck zu der Endphase des Sozialismus 1989.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>An diesem Abend kommt man ins sinnieren, wie nahe sich b\u00f6hmische Heimatkl\u00e4nge und die (deutsche) Romantik doch sind. Sicher, <em>Die verkaufte Braut<\/em> wurde schon immer mit Billigung des Komponisten auch auf Deutsch aufgef\u00fchrt, wie auch hier, aber selten wurde es so h\u00f6rbar, wie an diesem Abend. Es gelingt <strong>Tomas Netopil<\/strong> sowohl das b\u00f6hmische Feuer Smetanas hochkochen zu lassen, als auch in den Duetten die Gef\u00fchle immer wieder hochschlagen zu lassen. Die vielen Orchesterst\u00fccke, die b\u00f6hmischen T\u00e4nze, aber auch die dazugeh\u00f6renden hervorragend einstudierten Chorpassagen, funktionieren ohne drastische Temposteigerungen oder \u00c4nderungen der Lautst\u00e4rke. Hinsichtlich der Besetzung bleibt festzustellen, da\u00df die Leistungsdichte eng beisammen liegt und auch die kleinen Rollen mit (teils altgedienten) Mitgliedern des Hauses besetzt werden k\u00f6nnen \u2013 wie die beiden Elternpaare im \u2013 oft zu Unrecht gestrichenen Sextett <em>Ein Weilchen noch, Marie<\/em>.<\/p>\n<p>Beginnen mu\u00df man aber sicherlich bei der verkauften Braut Hrachuhi Bassenz, eine Paraderolle f\u00fcr diesen schweren und ausdrucksstarken Koloratursopran. Denn <strong>Hrachuhi Bassenz<\/strong> besitzt eine enorme Ausdruckskraft, verf\u00fcgt \u00fcber ein schwerelos leichtes Pianissimo, kann aber auch Furor mit Kraft und Strahlglanz verbreiten und demonstriert, wie man Phrasierungen zum Gl\u00e4nzen bringt. <strong>Pavol Breslik<\/strong> als Hans hat den herben Schmelz in der Stimme, den man f\u00fcr den slawischen Ausdruck dieser Tenorrolle ben\u00f6tigt und verf\u00fcgt \u00fcber eine strahlend sch\u00f6ne Mittellage, die er als Basis f\u00fcr die technisch sicheren hohen T\u00f6ne verwendet. Leider fehlten ihm in der Premiere die Durchschlagskraft und der Glanz der tenoralen Lage, so da\u00df ein etwas blasser Eindruck bleibt. <strong>Benjamin Bruns<\/strong> als sein Bruder Wenzel singt seine <em>Stotter-Arie<\/em> als schwerer lyrischer Tenor mehr als nur technisch sauber auch mit leiseren T\u00f6nen. Er k\u00f6nnte im traumhaft mitmenschlichen Duett <em>Ich wei\u00df euch einen lieben Schatz<\/em> mit Marie ihr nicht nur stimmlich ebenb\u00fcrtiger Partner sein. <strong>Tijl Faveyts<\/strong> ist ein Ba\u00df mit einer sehr sicheren leuchtenden Tiefe und kann so die negativen Seiten des Kezal ausleuchten.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Musikalisch sicherlich eine herausragende Leistung einer Staatsoper: \u00fcberzeugende Solisten, ein wie immer bestens eingestellter <strong>Chor<\/strong>, eine Wunderharfe unter der Leitung eines Dirigenten mit der richtigen Verve f\u00fcr Romantik und b\u00f6hmischen Aplomb. Szenisch ist die Verortung in die DDR Ende der 1980ziger Jahre problematisch. Ist der Gro\u00dfbauer Micha Chef einer LPG? Die Handlung spielt in \u201eKezals Village\u201c aber betreibt der Heiratsvermittler Kezal ein Einkaufscenter? Zwar ist der Laienauftritt der Zirkus- und Folkloregruppen glaubhaft, das Niveau von <em>Ein Kessel Buntes<\/em> wird jedoch nicht erreicht. Das Staatsopernballett wird schmerzlich vermi\u00dft! Eine Regietheater-Produktion ohne Tiefgang, ohne Ausloten der Charaktere. Dank an <strong>Benjamin Bruns <\/strong>(Wenzel) der einfach ein liebenswert-l\u00e4chelnder Kerl ist, so wirkt Wenzel nicht wie ein linkischer Stotterer, sondern ist eine sympathische Alternative zu Hans, was er auch stimmlich \u00fcberzeugender untermauern kann. Daf\u00fcr kann man erleben, da\u00df das Gespr\u00e4ch zwischen Marie und Wenzel szenisch gleichzeitig mit der Verhandlung zwischen Kezal und Hans abl\u00e4uft, jedoch nacheinander gesungen wird. Alle vier Personen agieren zweimal identisch in derselben Szene, singen jedoch nur einmal. Das ist mit viel Aufwand inszeniert, szenisch jedoch wenig \u00fcberzeugend. Hingegen ist das Publikum mit Beifall sehr freigiebig, nur f\u00fcr die Regie melden sie leisen Zweifel an.<\/p>\n<p>Oliver Hohlbach<\/p>\n<p>Bild: Ludwig Ohla<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Hrachuhi Bassenz (Marie), Pavol Breslik (Hans)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Bed\u0159ich Smetana (1824-1884), Komische Oper in drei Akten, Libretto: Karel Sabina, Deutsch von Kurt Honolka unter Verwendung von Carl Riha und Wilfried H\u00f6ntsch, UA: 30. 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