{"id":7751,"date":"2019-03-25T19:32:14","date_gmt":"2019-03-25T18:32:14","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7751"},"modified":"2019-03-28T19:34:23","modified_gmt":"2019-03-28T18:34:23","slug":"madama-butterfly-nuernberg-staatstheater","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7751","title":{"rendered":"Madama Butterfly &#8211; N\u00fcrnberg, Staatstheater"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Giacomo Puccini (1858-1924), Trag\u00f6die in zwei Akten, Libretto: Luigi Illica und Giuseppe Giacosa nach dem Schauspiel <em>Madame Butterfly<\/em> von David Belasco, UA: 17. Februar 1904 Mailand, Teatro alla Scala<\/p>\n<p>Regie: Tina Lanik, B\u00fchne\/Kost\u00fcme: Stefan Hageneier<\/p>\n<p>Dirigent: Guido Johannes Rumstadt, Staatsphilharmonie N\u00fcrnberg, Chor des Staatstheaters N\u00fcrnberg, Choreinstudierung: Tarmo Vaask<\/p>\n<p>Solisten: Barno Ismatullaeva (Cio-Cio-San, genannt Butterfly), Almerija Delic (Suzuki), Tadeusz Szlenkier (B.F.Pinkerton), Katrin Heles (Kate Pinkerton), Denis Milo (F\u00fcrst Yamadori), Sangmin Lee (Konsul Sharpless), Hans Kittelmann (Goro), Tada Girininkas (Onkel Bonze, ein Priester), Suren Manukyan (Kaiserlicher Kommissar), u.a.<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 23. M\u00e4rz 2019 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/N\u00fcrnberg-Madama-Butterfly.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-7752\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/N\u00fcrnberg-Madama-Butterfly.png\" alt=\"\" width=\"433\" height=\"650\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/N\u00fcrnberg-Madama-Butterfly.png 433w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/N\u00fcrnberg-Madama-Butterfly-200x300.png 200w\" sizes=\"auto, (max-width: 433px) 100vw, 433px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Der amerikanische Marineoffizier Pinkerton m\u00f6chte in Nagasaki die Geisha Cho-Cho-San, genannt Butterfly, heiraten. Die Hochzeit wird von dem Heiratsvermittler Goro arrangiert \u2013 inklusive Familienfeier und Urkunden. Butterfly wird wegen der Heirat von ihrer Familie versto\u00dfen, Pinkerton verl\u00e4\u00dft Butterfly nach der Hochzeitsnacht. Nach drei Jahren schickt Pinkerton einen Brief, den Konsul Sharpless \u00fcberbringt. Als Antwort zeigt Butterfly ihm das aus der Hochzeitsnacht hervorgegangene Kind. Der Brief k\u00fcndigt die Ankunft Pinkertons und seiner amerikanischen Ehefrau Kate an. Nachdem Butterfly das Kind diesen \u00fcberlassen hat, ersticht sie sich aus entt\u00e4uschter Liebe \u2013 mit dem Dolch des Samurai, den einst ihr Vater zum Selbstmord verwendete.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Das B\u00fchnenbild ist einfach und wenig ausdrucksvoll: Es soll auf einen heutigen japanischen Handlungsort verweisen. Auf einem Stufenpodest auf B\u00fchnenbreite stehen zwei schr\u00e4g aufgestellt hellbraune W\u00e4nde, die mit zwei gitterf\u00f6rmigen Schiebet\u00fcren verl\u00e4ngert oder im Zentrum verschlossen werden k\u00f6nnen. Der hintere Wandteil hat Fenster, die mit L\u00e4den verschlossen sind. Diese \u00f6ffnet Suzuki, um nach Schiffen zu sp\u00e4hen, oder damit das Licht der Abendd\u00e4mmerung hereinf\u00e4llt. Die Kost\u00fcme sind der heutigen Zeit zuzurechnen, Pinkerton tr\u00e4gt eine einfache wei\u00dfe Marineuniform und Adiletten, die Offiziersm\u00fctze nutzt sein ungeborenes Kind f\u00fcr seinen spektakul\u00e4ren ersten Auftritt als Schlu\u00dfbild des ersten Aktes. Cio-Cio-San tr\u00e4gt bis zur Hochzeit Kimono, ab dem Liebesakt ein T-Shirt und Jeans, in den Schlu\u00dfakten ein rotes Kleid. Die glatzk\u00f6pfige, niemals l\u00e4chelnde Suzuki tr\u00e4gt einen schwarzen Kimono. Goro ist der servile, schleimige Heiratsvermittler, der seine Ware sp\u00e4rlich gekleidet und Handschellen auff\u00e4hrt und st\u00e4ndig seinen Leguan streichelt. Der ausgestopfte Konsul Sharpless ist in schlecht sitzendem wei\u00dfem Polo und wei\u00dfer Jeans als US-Konsul nicht vorstellbar. Kate Pinkerton kommt als blondes langbeiniges Mode-P\u00fcppchen daher.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p><strong>Guido Johannes Rumstadt <\/strong>geht das Drama schon im Vorspiel flott an. Au\u00dferdem erreicht er eine f\u00fcr N\u00fcrnberger Verh\u00e4ltnisse hohe Lautst\u00e4rke. Die fesselnde Wirkung, die klanglichen Raffinessen Puccinis und dessen dynamische, manchmal etwas platt s\u00fc\u00dflichen Effekte gehen unter, wie die Erkennungsmelodie der Butterfly \u2013 ebenso die Nachtwache der Butterfly. Beide fallen kaum musikalisch ins Gewicht.<\/p>\n<p>Die Besetzung dieser Oper steht und f\u00e4llt mit der Hauptrolle der Butterfly. Von der Darstellerin wird kindliche naive Freude und eine unendliche Leidensf\u00e4higkeit im st\u00e4ndigen Sehnen nach der Wiederkehr Pinkertons erwartet.<\/p>\n<p>F\u00fcr <strong>Barno Ismatullaeva <\/strong>ist das eigentlich kein Problem: Ihr schwerer dramatischer Sopran kennt keinerlei Probleme in den H\u00f6hen und Tiefen, technisch brilliert sie st\u00e4ndig und singt jede Phrase voll aus. Jedoch geht mitunter die zierliche Sch\u00f6nheit der Gesangslinie wegen der hohen Durchschlagskraft verloren. Schmerzlich bewu\u00dft wird das in ihrer Auftrittsarie <em>Lo sono la fanciulla \u2013 ich bin das M\u00e4dchen<\/em>. <strong>Tadeusz Szlenkier <\/strong>liegt ebenso auf dieser Linie. Ein Tenor im italienischen Fach, mit hohem Strahlglanz, der mit viel Pathos und Verve einem etwas tumben Pinkerton Kraft verleiht. Seine gro\u00dfe Arie im dritten Akt <em>Addio fiorito asil &#8211; Lebwohl blumengeschm\u00fcckter Zufluchtsort<\/em> kann er als ausdrucksstarke Glanznummer aus dem Off verbuchen \u2013 Mitleid sieht anders aus.<\/p>\n<p>Sehr spannend das Stimmduell zwischen Pinkerton und Konsul Sharpless: <strong>Sangmin Lee <\/strong>kann als ausdrucksstarker Heldenbariton, die die Kritik des Konsuls an der Handlung Pinkertons deutlich werden lassen. Er kann dramatische Ausbr\u00fcche mit Furor glaubhaft gestalten, kann aber auch weich und nachdenklich in einem fl\u00fcsterzarten Piano agieren. Gerade wenn er Butterfly auf das bittere Ende vorbereitet, ist das hilfreich. <strong>Hans Kittelmann <\/strong>als Goro bleibt hinsichtlich der Durchschlagskraft etwas hinter den Hauptprotagonisten zur\u00fcck, aber als eloquent verst\u00e4ndlicher lyrischer Tenor macht er das mehr als wett. <strong>Tada Girininkas <\/strong>gelingt es, Onkel Bonze den richtigen dramatischen Auftritt mit einer soliden Ba\u00dftiefe zu verschaffen \u2013 Butterflys Verfluchung und Ausschlu\u00df aus der Familie ist markersch\u00fctternd.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Szenisch chargiert die Produktion zwischen allen St\u00fchlen: bei Butterfly (auf deutsch Schmetterling!) denkt niemand an eine zierliche japanische T\u00e4nzerin, sondern eher an eine starke Pers\u00f6nlichkeit wie Elektra oder Medea \u2013 und nicht an Mimi oder Tosca. Aufarbeitung des Kolonialismus? Fehlanzeige!<\/p>\n<p>Der tagesaktuelle Kampf um Gleichstellung der Frau und der Integrationsgedanke geraten endg\u00fcltig ad absurdum als Mrs. Pinkerton als dummes Blondchen auftritt, der man keinesfalls ein Kind anvertrauen w\u00fcrde \u2013 das hier zum beliebtesten, stets aktiven Darsteller wird, weil es f\u00fcr das kindlich naive Opfer steht, das man gemeinhin Cio-Cio-San zurechnet. Auch ist die Personenf\u00fchrung manchmal recht einfallslos, wenn Cio-Cio-San h\u00e4ufig mit dem Schwert ihrer Vaters herumfuchtelt oder Konsul Sharpless ihr den Brief Pinkertons den ganzen zweiten Akt hindurch hinh\u00e4lt. Das spiegelt sich auch beim Schlu\u00dfapplaus wieder \u2013 die Produktion wird mit zwei Vorh\u00e4ngen beklatscht, die Hauptdarsteller bekommen Bravo-Rufe.<\/p>\n<p>Oliver Hohlbach<\/p>\n<p>Bild: Ludwig Olah<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: (v.li.n.re.) Barno lsmatullaeva (Cio-Cio-San), Sangmin Lee (Sharpless), liegend: Jana Beck (Das Kind)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Giacomo Puccini (1858-1924), Trag\u00f6die in zwei Akten, Libretto: Luigi Illica und Giuseppe Giacosa nach dem Schauspiel Madame Butterfly von David Belasco, UA: 17. 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