{"id":774,"date":"2009-09-11T16:38:12","date_gmt":"2009-09-11T14:38:12","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/?p=774"},"modified":"2010-03-21T23:42:05","modified_gmt":"2010-03-21T22:42:05","slug":"theater-lubeck-siegfried","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=774","title":{"rendered":"Theater L\u00fcbeck &#8211; SIEGFRIED"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Richard Wagner (1813 \u2013 1883), Zweiter Tag des B\u00fchnenfestspiels \u201eDer Ring des Nibelungen\u201c, Libretto vom Komponisten, UA: 1876, Bayreuth<br \/>\nRegie: Anthony Pilavachi, B\u00fchne: Momme R\u00f6hrbein<br \/>\nDirigent: Roman Brogli-Sacher, Philharmonisches Orchester der Hansestadt L\u00fcbeck<br \/>\nSolisten: Alfons Eberz (Siegfried), Arnold Bezuyen (Mime), Stefan Heidemann (Wanderer), Antonio Yang (Alberich), Daniel Lewis Williams (Fafner), Ulrike Schneider (Erda), Rebecca Teem (Br\u00fcnnhilde), Andrea Stadel (Stimme eines Waldvogels)<br \/>\nBesuchte Auff\u00fchrung: 6.September 2009 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Kurzinhalt<\/strong><br \/>\n<a TITLE=\"lubeck-siegfried.jpg\" HREF=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/09\/lubeck-siegfried.jpg\"><img ALIGN=\"right\" ALT=\"lubeck-siegfried.jpg\" SRC=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/09\/lubeck-siegfried.jpg\" \/><\/a>Siegfried wird vom Zwerg Mime gro\u00dfgezogen. Er kennt weder Respekt, noch Furcht. Wie es der Wanderer prophezeit gelingt es dem Furchtlosen, das Schwert Nothung aus Tr\u00fcmmern neu zu schmieden. Mimes Ziel ist es, Siegfried gegen Fafner aufzustacheln, damit er ihn t\u00f6te und ihm den Ring verschaffe. Als Siegfried den Riesenwurm get\u00f6tet hat, bringt er den Ring an sich und erkennt durch das magische Drachenblut die wahren Ziele Mimes. Aus Zorn bringt er ihn um und macht sich auf zum Br\u00fcnnhildenfelsen, um dort Br\u00fcnnhilde zu erwecken und ihre Liebe zu erringen. Zuvor trifft er auf den Wanderer \u2013 den umherstreifenden Gott Wotan \u2013 und zerschl\u00e4gt dessen Speer, der Wotan die Macht \u00fcber die Welt sicherte. Wotan tritt ab und macht Siegfried so den Weg frei.<br \/>\n<strong>Auff\u00fchrung<\/strong><br \/>\nMime betreibt ein Altersheim. Erda verbringt hier ihre letzten Tage vor dem Fernseher, Alberich lebt als abgedankter Diktator in Uniform und laut klimpernder Ordensbrust im Rollstuhl, Br\u00fcnnhilde schl\u00e4ft in ihrem Bett seit sie in der Walk\u00fcre zwangsverrentet wurde, Fafner liegt fett und feist auf seinem Gold (und erinnert mit seiner langen goldenen Per\u00fccke an Ludwig XIV.), das Waldv\u00f6gelein ist die intrigante Krankenschwester im kurzen Rock, die von Wotan bestochen wird, damit sie Siegfried Tips gibt. Wotan selbst wandert nicht, sondern f\u00e4hrt mit dem Motorrad, seinen Speer auf dem R\u00fccken. Siegfried pflegt als junger Naturbursche den Zoo der Anstalt. Von dort treibt er auch den B\u00e4ren in Mimes Chemielabor, um Mime bei seinen Experimenten zu st\u00f6ren. Sp\u00e4ter wird er hier das Schwert Nothung neu schmieden, indem er die mit einer Feile zerriebenen Sp\u00e4ne auf einer Elektroplatte schmilzt, zum Schwert gie\u00dft und den Labortisch damit spaltet. Nachdem er das Schwert Fafner in die verfettete Niere gesto\u00dfen hat, t\u00f6tet er den im Smoking gekleideten Mime in seiner Cocktailbar. Als Wotan in das Zimmer tritt, in dem Erda dahind\u00e4mmert kommt es zu den ber\u00fchrenden Momenten dieser Produktion: Wotan umarmt weinend ihr Jugend-Portr\u00e4t &#8211; schlie\u00dflich hat er in ihrer Jugend mit ihr Br\u00fcnnhilde gezeugt. Zum Schlu\u00df erw\u00fcrgt er sie.<br \/>\n<strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><br \/>\nIm tiefen Graben ist nur Platz f\u00fcr 60 Musiker, das Solo-Horn f\u00fcr den Siegfriedruf als J\u00e4gerbursche auf die B\u00fchne zu stellen, schafft kaum Platz. Trotzdem sorgt das Dirigat von Roman Brogli-Sacher f\u00fcr einen aufsehenerregenden Abend. Es dringt satter Wohlklang aus dem Graben, was fast sensationell ist. Genauso preisverd\u00e4chtig die Leistung von Arnold Bezuyen (sein Bayreuther Loge war eine der Topleistungen des Jahres 2009).  Er stellt als Mime klar, da\u00df die Zeit der abgesungenen Ten\u00f6re in dieser Rolle ihrem Ende entgegen geht: Genauso wie Wolfgang Schmitt in gleicher Rolle in Bayreuth hat er die \u00fcberragenden stimmlichen Mittel f\u00fcr einen servilen und schmierigen Mime. Gleiches kann man auch \u00fcber <strong>Antonio Yang<\/strong> als Alberich sagen. Auch er singt die Rolle voll aus, ohne dem Sprechgesang auch nur nahe zu kommen. <strong>Alfons Eberz<\/strong> (er war der umjubelte Parsifal im Schlingensief-Parsifal) gibt wie gewohnt mit viel Kraft einen sehr soliden Siegfried, auch wenn ihm gegen Ende etwas die Sch\u00f6nheit in der H\u00f6he schwindet. <strong>Stefan Heidemann<\/strong> hat eher ein helles baritonales Timbre und noch manche Schw\u00e4che in den tiefen Lagen, aber seine Durchschlagskraft und strahlende H\u00f6he pr\u00e4destinieren ihn f\u00fcr gr\u00f6\u00dfere Aufgaben an gr\u00f6\u00dferen H\u00e4usern. Der Einsatz von <strong>Rebecca Teem<\/strong> als Br\u00fcnnhilde kommt etwas zu fr\u00fch, daf\u00fcr begeistert <strong>Andrea Stadel<\/strong> als Waldvogel mit glockenklarer Stimme.<br \/>\n<strong>Fazit<\/strong><br \/>\nDer Siegfried wird gemeinhin als Scherzo im Ring bezeichnet. Nun stellt sich die Frage, wie lustig ein Scherzo sein darf. Das L\u00fcbecker Publikum sagt sehr lustig, so donnernd war der Schlu\u00dfapplaus f\u00fcr Regie und Musik. Szenenapplaus erhielt schon der Drache f\u00fcr seinen Kurzauftritt: ein Scho\u00dfhund mit Drachenkopf. Zwar bleibt festzustellen, da\u00df die Inszenierung von <strong>Anthony Pilavachi<\/strong> einige Anregungen aus anderen Inszenierungen \u00fcbernommen hat \u2013 z.B. erinnert das Chemielabor an die derzeitige Bayreuther Produktion. Aber anders als mancher Kollege, gelingt es ihm eine schl\u00fcssige Handlung abzuliefern, da er die Regieanweisungen aus der Partitur Richard Wagners ernst nimmt und so demonstriert wie im modernen Regietheater eine werkgetreue Inszenierung aussehen kann. Das ist schwerlich zu \u00fcberbieten, wenn die Hamburgische Staatsoper am 13. Oktober mit ihrer Siegfried-Produktion im nordischen Ringkampf nachziehen wird.<br \/>\nOliver Hohlbach<\/p>\n<p>N\u00e4chste Vorstellungen: 20.09. \/ 3.10. \/ 25.10.<br \/>\nBild: J\u00f6rg Metzner<br \/>\nDas Bild zeigt: Alfons Eberz als Siegfried.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Richard Wagner (1813 \u2013 1883), Zweiter Tag des B\u00fchnenfestspiels \u201eDer Ring des Nibelungen\u201c, Libretto vom Komponisten, UA: 1876, Bayreuth Regie: Anthony Pilavachi, B\u00fchne: Momme R\u00f6hrbein Dirigent: Roman Brogli-Sacher, Philharmonisches Orchester der Hansestadt L\u00fcbeck Solisten: Alfons Eberz (Siegfried), Arnold Bezuyen<span class=\"ellipsis\">&hellip;<\/span><\/p>\n<div class=\"read-more\"><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=774\">Weiterlesen \u203a<\/a><\/div>\n<p><!-- end of .read-more --><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[101,1],"tags":[],"class_list":["post-774","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-lubeck-theater","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/774","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=774"}],"version-history":[{"count":1,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/774\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1302,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/774\/revisions\/1302"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=774"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=774"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=774"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}