{"id":7736,"date":"2019-03-18T19:34:27","date_gmt":"2019-03-18T18:34:27","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7736"},"modified":"2019-03-18T19:34:27","modified_gmt":"2019-03-18T18:34:27","slug":"koenig-roger-stockholm-koenigliche-oper","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7736","title":{"rendered":"K\u00f6nig Roger &#8211; Stockholm, K\u00f6nigliche Oper"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Karol Szymanowski (1882-1937), Oper in drei Akten, Libretto: Komponisten und Jaros\u0142aw Leon Iwaszkiewicz, UA: 19. Juni 1926 Warschau, Teatr Wielki<\/p>\n<p>Regie: Mariusz Treli\u0144ski, B\u00fchne: Boris Kudli\u010dka, Maske\/Kost\u00fcm: Konrad Parol, Licht: Marc Heinz, Video: Bartlomiej Macias, Choreographie: Tomasz Wygoda, Dramaturg: P\u00ecotr Gruszczy\u0144ski<\/p>\n<p>Dirigent: Andrea Molino, K\u00f6nigliche Hofkapelle, Chor der k\u00f6niglichen Oper, Choreinstudierung: James Grossmith<\/p>\n<p>Solisten: \u0141ukasz Goli\u0144ski (K\u00f6nig Roger II von Sizilien), Elin Rombo (Roxana), Niklas Bj\u00f6rling Rygert (Edrisi), Arnold Rutkowski (der Hirte), Lennart Fors\u00e9n (Erzbischof) Katarina Leoson (Diakonin), u.a.<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 15. M\u00e4rz 2019 (schwedische Erstauff\u00fchrung)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/Stockholm-K\u00f6nig-Roger.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-7737\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/Stockholm-K\u00f6nig-Roger.png\" alt=\"\" width=\"690\" height=\"460\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/Stockholm-K\u00f6nig-Roger.png 690w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/Stockholm-K\u00f6nig-Roger-300x200.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 690px) 100vw, 690px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Die Handlung spielt im mittelalterlichen Sizilien, also an einem Ort und zu einer Zeit wo sich christliche, heidnisch-antike und arabische Einfl\u00fcsse durchmischen. W\u00e4hrend einer Messe in Palermo wird K\u00f6nig Roger ein Hirte vorgef\u00fchrt und dieser der Gottesl\u00e4sterung angeklagt. Die Menge fordert seinen Tod. Roger vernimmt ihn. Der Hirte stellt sich in r\u00e4tselhaften Worten als Verk\u00fcnder eines heidnischen Gottes vor. Rogers Frau Roxana, die von den Worten des Hirten sichtlich beeindruckt ist, gelingt es, Roger von einer schnellen Verurteilung abzubringen. Roger verlangt vom Hirten, in derselben Nacht allein bei ihm vorstellig zu werden, um sein Urteil zu erhalten. W\u00e4hrend Roxana einen verf\u00fchrerischen Gesang anstimmt, der den K\u00f6nig immer mi\u00dftrauischer werden l\u00e4\u00dft, erscheint der Hirte im Palast und wird auf Rogers Befehl in Ketten gelegt. Doch streift er seine Fesseln leicht ab und entschwindet wobei ihm der Hofstaat folgt. Roger und sein arabischer Berater Edrisi bleiben allein zur\u00fcck. In einem antiken Theater finden sie Roxana wieder, die Roger erz\u00e4hlt, der Hirte k\u00f6nne ihn von Argwohn und Eifersucht heilen. Ein heidnisches Ritual wird vollzogen, w\u00e4hrend dessen alle in Ekstase verfallen und der Hirte sich in Dionysos verwandelt. Roger singt einen Hymnus und die Morgensonne geht auf.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Das Regieteam hat die Oper mit einer v\u00f6llig anderen Handlung unterlegt. Sie zu beschreiben soll hier gar nicht erst der Versuch gemacht werden, dazu ist sie viel zu verworren und pr\u00e4tenti\u00f6s. W\u00e4hrend der ersten beiden Akte ist die Szene sehr dunkel und Roger verbringt viel Zeit an einem Waschbecken im vorderen B\u00fchnenraum, wobei er einen gequ\u00e4lten Eindruck macht. Der Hirte ist komplett wei\u00df gekleidet, Roger hingegen komplett schwarz. Im letzten Akt ist die Szene hell und Roger wei\u00df gekleidet. Die beiden ersten Akte werden mit einem Film eingeleitet. Viele Komparsen bev\u00f6lkern die B\u00fchne, es gibt st\u00e4ndige Videoprojektionen und Ver\u00e4nderungen der Szenerie. Insgesamt wird das B\u00fchnenbild dadurch sehr unruhig. Von dem antik-mittelalterlichen Lokalkolorit bekommt man nichts zu sehen. Die Nebenrollen des Librettos treten so gut wie gar nicht in Erscheinung. Stattdessen tauchen die vielen stummen Figuren der Bilderflut kurz auf, um genauso schnell wieder darin zu verschwinden.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Szymanowskis Partitur ist sp\u00e4tromantisch\u2013\u00fcppig, mit einem sehr dichten, klanglich ausufernden, oft ins Atonale hineinragenden Orchestersatz. Um als S\u00e4nger hier zur Geltung zu kommen, braucht es eine kr\u00e4ftige Stimme. <strong>\u0141ukasz Goli\u0144ski<\/strong> (K\u00f6nig Roger) verf\u00fcgt dar\u00fcber wie auch \u00fcber eine kraftvolle B\u00fchnenpr\u00e4senz. Er verleiht der Rolle des K\u00f6nigs W\u00fcrde und Gewicht so weit die Regie ihn nicht zu k\u00fcnstlich aufgeregten Bewegungen n\u00f6tigt.<\/p>\n<p><strong>Elin Rombo<\/strong> als Roxana st\u00f6\u00dft hingegen von der Lautst\u00e4rke her an ihre Grenzen. Auch f\u00fcr sie h\u00e4lt die Regie einige besondere Einf\u00e4lle parat, beispielsweise hatte sie zu Beginn des ersten Aktes eine Zigarette zu rauchen, warum auch immer. <strong>Niklas Bj\u00f6rling Rygert<\/strong> (Edrisi) macht s\u00e4ngerisch und darstellerisch eine gute Figur, hat aber auch eine etwas dankbarere Partie als die \u00fcbrigen Nebenrollen.<\/p>\n<p>Bemerkenswert ist der Tenor <strong>Arnold Rutkowski<\/strong> (der Hirte). Es handelt sich dabei um die neben K\u00f6nig Roger l\u00e4ngste Partie der Oper. Er verf\u00fcgt \u00fcber ein ausgeglichenes, strahlendes Organ. Allerdings singt er etliche Passagen seiner Partie mit Mikrofonverst\u00e4rkung, teilweise auf der B\u00fchne stehend, teilweise unsichtbar. Das ist auch bei einigen anderen Rollen der Fall und kommt leider etwas zu h\u00e4ufig vor, als bei einer Oper streng genommen legitim ist. Es ist ja normalerweise die Aufgabe eines Opernregisseurs, die S\u00e4nger so zu plazieren, da\u00df sie auch bei den lauten Stellen noch zu h\u00f6ren sind und die Personenregie dementsprechend anzupassen. Doch hier geht es eher um die Realisierung von eigenen szenischen Einf\u00e4llen als um die Ber\u00fccksichtigung der akustischen Gegebenheiten der Stockholmer B\u00fchne.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das Orchester unter der Leitung von <strong>Andrea Molino<\/strong> bringt die klanglich zwischen Debussy und Skrjabin stehende Partitur zum Leuchten. Trotz der bisweilen wuchtigen und vor allem im Ba\u00dfbereich ausladenden Klangmischungen bleibt das Orchester immer transparent und rund. Der <strong>Chor<\/strong>, der das Werk mit einem gr\u00e4zisierend ver\u00e4nderten Me\u00dftext im \u00e4u\u00dfersten Fortissimo er\u00f6ffnet und sp\u00e4ter musikalisch im Hintergrund agierend die Klangfarben des Orchesters bereichert, tr\u00e4gt seine Partien ebenso klar und ausgewogen vor. Die Musik derart solide und nuanciert aufgef\u00fchrt zu h\u00f6ren wie an diesem Premierenabend, ist eine wahre Freude. Die \u00fcberragenden orchestratorischen F\u00e4higkeiten des Komponisten kommen hier voll zu ihrem Recht.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Szymanowskis Oper ist eine echte Rarit\u00e4t und musikalisch so anspruchsvoll wie ansprechend. S\u00e4nger, Chor und Orchester leisten an diesem Abend wirklich Bemerkenswertes. Doch wird der Genu\u00df an dieser sch\u00f6nen musikalischen Realisierung durch die gr\u00fcndlich mi\u00dfgl\u00fcckte Inszenierung erheblich getr\u00fcbt. Die Akte sind jeweils mit einem inhaltsschweren Motto wie \u201eOffenbarung\u201c, \u201eTod\u201c und \u201eAuferstehung\u201c versehen und mit Symbolen und viel zu vielen abgedroschenen Regieeinf\u00e4llen \u00fcberfrachtet, die die Zuschauer ratlos zur\u00fccklie\u00dfen.<\/p>\n<p>Das h\u00f6fliche Stockholmer Publikum w\u00fcrde zwar nie eine Auff\u00fchrung ausbuhen, hatte es nach dem Schlu\u00dfakkord aber sichtlich eilig, den Saal zu verlassen. Es mag sein, da\u00df die Handlung von Szymanowskis Oper abstrakt, ja vielleicht sogar zeittypisch versponnen ist. Aber zu ihrer Erhellung oder zum Erwecken eines Interesses an Szymanowskis Spiel mit historischen Epochen und antiken Mythen tr\u00e4gt eine bis ins \u00c4u\u00dferste getriebene Mystifizierung sicherlich nichts bei. Im Gegenteil, was sich einstellt ist Langeweile und das dumme Gef\u00fchl, da\u00df sich die Regie sich hier selber etwas zu wichtig nimmt. Viel weniger w\u00e4re hier mehr gewesen. Fast bekommt man den Eindruck, als solle der Zuschauer auch gar nicht verstehen, was auf der B\u00fchne vor sich geht. Hinzu kommt regelrechte handwerkliche Schnitzer. So erzeugt die blo\u00dfe Aneinanderreihung von vermeintlich ausdrucksvollen Geb\u00e4rden der Hauptrollen noch lange keine Figurenentwicklung, sondern wirkt auf die Dauer recht platt. Musikalisch erstklassig, von der Inszenierung her aber leider Unfug.<\/p>\n<p>Dr. Martin Knust<\/p>\n<p>Bild: S\u00f6ren Vilks<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: \u0141ukasz Goli\u0144ski (K\u00f6nig Roger II von Sizilien), Elin Rombo (Roxana), Niklas Bj\u00f6rling Rygert (Edrisi), Arnold Rutkowski (der Hirte), Lennart Fors\u00e9n (Erzbischof) Katarina Leoson (Diakonin)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Karol Szymanowski (1882-1937), Oper in drei Akten, Libretto: Komponisten und Jaros\u0142aw Leon Iwaszkiewicz, UA: 19. 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