{"id":7727,"date":"2019-03-12T17:23:08","date_gmt":"2019-03-12T16:23:08","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7727"},"modified":"2019-03-12T17:23:08","modified_gmt":"2019-03-12T16:23:08","slug":"nabucco-hamburg-staatsoper","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7727","title":{"rendered":"Nabucco  &#8211; Hamburg, Staatsoper"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Giuseppe Verdi (1813-1901), Opera seria in vier Akten, Libretto: Temistocle Solera, UA: 9. M\u00e4rz 1842 Teatro alla Scala, Mailand<\/p>\n<p>Regie\/B\u00fchne\/Kost\u00fcme: Kirill Serebrennikov, Co-Regie: Evgeny Kulagin, Mitarbeit B\u00fchne: Olga Pavluk, Mitarbeit Kost\u00fcme: Tatyana Dolmatovskaya, Licht: Bernd Gallasch, Video: Ilya Shagalov, Fotografie: Sergey Ponomarev, Dramaturgie: Sergio Morabito<\/p>\n<p>Dirigent: Paolo Carignani, Philharmonisches Staatsorchester Hamburg, Chor der Hamburgischen Staatsoper, Projektchor <em>Nabucco<\/em><\/p>\n<p>Solisten: Dimitri Platanias (Nabucco), Dovlet Nurgeldiyev (Ismaele), Alexander Vinogradov (Zaccaria), Oksana Dyka (Abigaille), G\u00e9raldine Chauvet (Fenena), Alin Anca (Oberpriester des Baal), Sungho Kim (Abdallo), Na&#8217;ama Shulman (Anna), Hana Alkourbah (Intermedien &#8211; Gesang), Abed Harsony (Intermedien &#8211; Gesang und Oud)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 10. M\u00e4rz 2019 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/Hamburg-Nabucco.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-7728\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/Hamburg-Nabucco.png\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"433\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/Hamburg-Nabucco.png 650w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/Hamburg-Nabucco-300x200.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>In Jerusalem wurde das Volk Israels von den Babyloniern unter der Herrschaft ihres K\u00f6nigs Nabucco besiegt. Als Nabucco sich zum Gott erkl\u00e4rt, trifft ihn der Blitz, und er verliert den Verstand. Seine Tochter Abigaille entrei\u00dft daraufhin Fenena, der rechtm\u00e4\u00dfigen Thronerbin, die Krone. Als Fenena hingerichtet werden soll, fleht Nabucco den Gott der Hebr\u00e4er um Erbarmen an und gelangt wieder zu Verstand. Er l\u00e4\u00dft das G\u00f6tzenbild Baals st\u00fcrzen und befreit die Hebr\u00e4er. Gemeinsam mit ihnen preist er die neu gewonnene Freiheit.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Die stark politisch aufgeladene Auff\u00fchrung verlegt das Geschehen konsequent in die Gegenwart, und zwar an den Sitz der <em>Vereinten Nationen<\/em>. Nabucco und Abigail sind Vertreter einer migrantenfeindlichen Autokratenpartei, die an Trump gemahnt. Zaccaria, Ismaele und Fenena stehen f\u00fcr einen liberalen, migrantenfreundlichen Kurs. Durch den permanenten multimedialen Einsatz von Schriftlaufb\u00e4ndern, Bildschirmen und Kameras, die das Geschehen auf einer gro\u00dfen Leinwand verdoppeln, entsteht auf der B\u00fchne eine permanente Bewegung, die durch die detaillierte Personenf\u00fchrung noch wuseliger wird. Eine weitere gro\u00dfe Besonderheit besteht in mehrfachen Zwischenmusiken, die vor schwarzem Vorhang von syrischen Musikern gegeben werden. Dazu werden Bilder von Gefl\u00fcchteten und aus den zerst\u00f6rten St\u00e4dten Syriens gezeigt. Zudem singt ein Projektchor aus realen Gefl\u00fcchteten den ber\u00fchmten Gefangenenchor ein zweites Mal.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Mit ihrem schier unersch\u00f6pflichen dramatischen Sopran ist Oksana Dyka wohl die eigentliche Heldin des Abends. Dank ihrer enorm beweglichen Stimme und einem weiten dynamischen wie farblichen Spektrum verleiht sie der Abigail auf vielseitige Weise Ausdruck. Auf diese Weise wird die Abigail zu einem B\u00f6sewicht, mit dem das Publikum mitfiebern kann. In den dramatischen Arien tr\u00e4gt ihre Stimme bis in die hintersten Reihen, in den leisen Passagen weicht ihre stimmliche Strenge anr\u00fchrend nachgiebig auf.<\/p>\n<p>Mit viel stimmlichem Gewicht erh\u00e4lt auch der Nabucco von Dimitri Platanias Nachdruck. Nicht nur dank seines Mienenspiels (sichtbar durch die gro\u00dfe Leinwand) wirkt Platanias Verk\u00f6rperung des gebrochenen Herrschers auf diese Weise \u00e4u\u00dferst \u00fcberzeugend. Wie ein singender Justin Trudeau (z.Zt. Premierminister Kanadas) gibt hingegen Alexander Vinogradov den Zaccaria, der seinen Gegenspielern darstellerisch wie gesanglich mehr als gewachsen ist. Vinogradov versieht seine Partie mit gebieterischer Pr\u00e4senz, die frei von jeder Anstrengung wirkt.<\/p>\n<p>Schade ist es, da\u00df die Partien von G\u00e9raldine Chauvet als Fenena und Dovlet Nurgeldiyev als Ismaele nicht umfangreicher ausfallen. Beide wissen mit bet\u00f6render kantabler Weichheit zu gefallen. \u00dcberhaupt gelingen auch die Ensembleszenen plastisch wie harmonisch. Der Chor der Staatsoper Hamburg ist w\u00e4hrend der Auff\u00fchrung viel in Bewegung, bew\u00e4ltigt seine Aufgaben aber souver\u00e4n. Der ber\u00fchmte Gefangenenchor wird unaufgeregt gegeben, mit viel Emphase, aber ohne dick aufgetragenes Pathos. Das Philharmonische Staatsorchester Hamburg ist unter Paolo Carignani bestens aufgelegt. So gelingt es dem Orchester, das B\u00fchnengeschehen nie zu \u00fcberdecken, und doch angemessen rhythmisch streng und expressiv zu agieren. Wackler waren am Premierenabend keine zu vernehmen, vor allem die Blechbl\u00e4ser spielten furios auf, ohne dabei je grell zu klingen. Musikalisch ist dieser Nabucco ein Genu\u00df.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Das Publikum spendete am Ende lauten Jubel ohne Einw\u00e4nde. Audiovisuell ist dieser <em>Nabucco<\/em> ein bis ins kleinste Detail durchgeplantes Spektakel, das aufgrund der Masse an Vorg\u00e4ngen auf der B\u00fchne jedoch dazu neigt, die Musik in den Schatten zu stellen. Als Besucher sollte man sich jedoch auf die stark politisch aufgeladene Seite der Auff\u00fchrung einlassen k\u00f6nnen, zumal die realen Bilder von Krieg und Flucht in den Zwischenmusiken an die Substanz gehen. Auch wurde am Premierenabend unter anderem ein Banner (Free Kirill) entrollt, das auf die Lage des in Ru\u00dfland unter Hausarest stehenden Regisseur aufmerksam machte.<\/p>\n<p>Dr. Aron Sayed<\/p>\n<p>Bild: Brinkhoff\/M\u00f6genburg<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Dimitri Platanias (Nabucco), Chor der Hamburgischen Staatsoper<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Giuseppe Verdi (1813-1901), Opera seria in vier Akten, Libretto: Temistocle Solera, UA: 9. 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