{"id":7719,"date":"2019-02-03T11:33:44","date_gmt":"2019-02-03T10:33:44","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7719"},"modified":"2019-02-10T11:46:07","modified_gmt":"2019-02-10T10:46:07","slug":"der-fliegende-hollaender-malmoe-oper","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7719","title":{"rendered":"Der fliegende Holl\u00e4nder &#8211; Malm\u00f6, Oper"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Richard Wagner (1813-1883), Romantische Oper in drei Aufz\u00fcgen: Libretto: Richard Wagner, UA: 2. November 1843 Dresden, Hoftheater<\/p>\n<p>Regie: Lotte de Beer, B\u00fchnenbild\/Kost\u00fcm: Christof Hetzer, Dramaturgie: Peter te Nuyl, Licht: Jean Kalman, Choreographie: Katarina S\u00f6renson Palm<\/p>\n<p>Dirigent: Steven Sloane, Opernorchester und Opernchor Malm\u00f6, Einstudierung: Andr\u00e9 Kellinghaus<\/p>\n<p>Solisten: Nikolay Didenko (Daland), Zolt\u00e1n Ny\u00e1ri (Erik), Timothy Fallon (Steuermann), Cornelia Beskow (Senta), Josef Wagner (Holl\u00e4nder), Karin Lovelius (Mary)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 2. Februar 2019 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/malmo_1flygande_hollandaren_.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-7720\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/malmo_1flygande_hollandaren_.png\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"433\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/malmo_1flygande_hollandaren_.png 650w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/malmo_1flygande_hollandaren_-300x200.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Der fliegende Holl\u00e4nder ist dazu verdammt, mit seiner Mannschaft f\u00fcr ewige Zeiten auf dem Meer zu segeln. Alle sieben Jahre darf er f\u00fcr einen Tag das Land betreten, um eine Frau zu suchen, die ihm die Treue h\u00e4lt und ihn dadurch erl\u00f6st. In der Bucht Sandwike vor der norwegischen K\u00fcste trifft er das Schiff des Kapit\u00e4ns Daland an und wirbt bei ihm um seine Tochter, Senta. Beeindruckt von den Reicht\u00fcmern des fremden Seemanns erkl\u00e4rt Daland sich dazu bereit. Senta, die seit Kindheitstagen die Ballade vom fliegenden Holl\u00e4nder kennt und Mitleid mit dem Verfluchten hat, erkennt ihn sogleich bei ihrer ersten Begegnung. Um ihre Treue zu beweisen, st\u00fcrzt sie sich von einem Felsen. Das Geisterschiff versinkt und der Fluch ist \u00fcberwunden.<\/p>\n<p><strong>Vorbemerkung<\/strong><\/p>\n<p>Bei ihrer Umsetzung der szenischen Angaben des Textbuchs lassen die Regisseurin <strong>Lotte de Beer<\/strong> und ihr Team Sorgfalt walten. Es geht ihnen nicht nur um die Realisierung der meisten Regievorgaben Wagners, sondern auch um die Schaffung eines bestimmten Lokalkolorits.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Wagner siedelt die Handlung bekanntlich in Norwegen an, und das B\u00fchnenbild zeigt ein sehr distinktes nordisches Milieu. Teilweise verwandelt sich die Szene in regelrechte Lebende Bilder, und zwar nach dem Vorbild eines der bekanntesten nordeurop\u00e4ischen Maler, der das Image Schwedens pr\u00e4gte wie kein anderer: Carl Larsson. Kost\u00fcme, Interieur und die Gartenlandschaft im dritten Aufzug sind allesamt nach dem Vorbild seiner ber\u00fchmten Aquarelle gestaltet, die das l\u00e4ndliche Leben im Schweden der Jahrhundertwende zeigen. Das Regieteam befolgt im \u00fcbrigen nicht nur die Angaben in der Partitur, was die Personenregie angeht, sondern auch Wagners Kommentare zu <em>Der fliegende Holl\u00e4nder<\/em> in seinen Schriften und Briefen. Darin hei\u00dft es u.a.: L Senta sei ein junges M\u00e4dchen, dessen mitunter exzessive Schw\u00e4rmereien ihre Umgebung \u00e4ngstigten. Diesen Charakterzug Sentas stellen die w\u00e4hrend der Ouvert\u00fcre zu sehenden stummen Bilder deutlich heraus, in denen sie als Kind und Heranwachsende zu sehen ist, die sich f\u00fcr die Dunkelheit begeistert. Sie ist in dieser Inszenierung die eigentliche Hauptfigur.<\/p>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/malmo_2flygande_hollandaren.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-7721\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/malmo_2flygande_hollandaren.png\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"417\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/malmo_2flygande_hollandaren.png 650w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/malmo_2flygande_hollandaren-300x192.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><\/a>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Die Hauptpartien der Oper sind durchweg stark besetzt, und sie unterstreichen die musikalisch und dramaturgisch heterogenen Z\u00fcge dieses Werkes, in dem sich Momente der deutschen Schauerromantik und der komischen franz\u00f6sischen Oper mischen.<\/p>\n<p><strong>Nikolay Didenko<\/strong> (Daland) und <strong>Timothy Fallon<\/strong> (Steuermann) repr\u00e4sentieren den heiteren Anteil. Sie tun dies darstellerisch ausgezeichnet. Ihre Maske und Kost\u00fcme unterstreichen ihre bewegliche, humoristische K\u00f6rpersprache. Beispielsweise gelingt es Didenko im zweiten Aufzug exakt so wie von Wagner in seiner Regieschrift <em>Bemerkungen zur Auff\u00fchrung der Oper \u201aDer Fliegende Holl\u00e4nder\u2018<\/em> von 1852 gefordert, die spannungsvolle erste Begegnung von Holl\u00e4nder und Senta immer wieder gekonnt zu unterbrechen. Rhythmisch und von der Tonbildung her ist Didenko sehr sicher. Mit der Textaussprache haperte es jedoch zu Beginn ein wenig. Timothy Fallon belebte die B\u00fchne im ersten Aufzug mit seinem stummen Spiel.<\/p>\n<p><strong>Zolt\u00e1n Ny\u00e1ri<\/strong> (Erik) sang und spielte seinen musikalisch und dramaturgisch nicht allzu dankbaren Part mit gro\u00dfer Energie. <strong>Josef Wagner<\/strong> in der Titelrolle bestach durch seine Ruhe und Souver\u00e4nit\u00e4t und einen makellos deutlichen Wortvortrag. Es verlangt vom S\u00e4nger dieser Partie schon einiges an Nervenst\u00e4rke, den Monolog des Holl\u00e4nders, mit dem er sich dem Publikum pr\u00e4sentiert, tats\u00e4chlich zwischen den Zuschauern auf- und abgehend zu singen. Stimmlich zeigte er sich allen Anforderungen gewachsen. Im \u00fcbrigen wird die Schwierigkeit dieser Partie untersch\u00e4tzt, die von einem massiven Orchestersatz begleitet wird, wom\u00f6glich, weil es sich bei dem <em>Fliegenden Holl\u00e4nder<\/em> um eine fr\u00fche Wagneroper handelt. Tats\u00e4chlich war der junge Wagner wesentlich r\u00fccksichtsloser, was den Einsatz stark instrumentierter Passagen anging, als der \u00e4ltere, und unter Hornisten wird dieser Oper deswegen auch mit gro\u00dfem Respekt begegnet. Da\u00df sich zum Ende des zweiten Aufzugs, der sich ohne Pause an den ersten anschlo\u00df, in den H\u00f6rnern Erm\u00fcdungserscheinungen zeigten, ist nur zu verst\u00e4ndlich und beeintr\u00e4chtigte den exzellenten Gesamteindruck, den das Orchester unter seinem Dirigenten <strong>Steven Sloane<\/strong> hinterlie\u00df, keineswegs. Hier wurde zupackend und rhythmisch auf den Punkt musiziert. Das gilt in gleichem Ma\u00dfe auch f\u00fcr den Opernchor, einstudiert von <strong>Andr\u00e9 Kellinghaus<\/strong>, der vor allem im dritten Aufzug mit seiner kraftvollen Tongebung und exzellenten Textaussprache begeisterte.<\/p>\n<p>Doch kommen wir nun zu derjenigen s\u00e4ngerischen Leistung, die an diesem Abend klar im Mittelpunkt stand: <strong>Cornelia Beskow<\/strong> als Senta. Sie trat zum ersten Mal in einer Wagner-Hauptrolle vor das Publikum und, soviel sei gleich verraten, feierte damit an diesem Abend einen Triumph. Daf\u00fcr gibt es mehrere Gr\u00fcnde: Zum einen steht, wie bereits erw\u00e4hnt, die Rolle der Senta in dieser Produktion im Vordergrund. Zum anderen gelang es ihr problemlos, dieser Aufgabe auch darstellerisch gerecht zu werden. Mit gerade einmal 32 Jahren ist Cornelia Beskow noch recht jung f\u00fcr eine solch schwere Partie, und sie besitzt neben einer unverkennbaren Freude am schauspielen auch eine starke B\u00fchnenpr\u00e4senz und nicht zuletzt eine sehr kr\u00e4ftige Stimme. Auch in den lautesten Passagen der Oper, beispielsweise dem Terzett mit Erik und Holl\u00e4nder im dritten Akt, schlug ihre Stimme, die bereits recht reif klingt, stets durch. Manches klang ein wenig gewaltsam \u2013 was nicht nur der S\u00e4ngerin anzulasten ist, denn auch ihre Partie geh\u00f6rt \u2013 wie die des Holl\u00e4nders \u2013 zu den musikalisch prek\u00e4ren Wagnerpartien, und die Textaussprache des Deutschen, besonders das Absprechen der Endsilben, w\u00fcrde noch ein wenig mehr Sorgfalt vertragen. Doch f\u00fcr einen Einstand als Wagnerheroine war ihre Leistung alles in allem hervorragend.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Kr\u00e4ftige Stimmen, ein wirklich sch\u00f6nes B\u00fchnenbild \u2013 es gab daf\u00fcr Szenenbeifall \u2013, spielfreudige Darsteller, sicher agierende Choristen, Respekt im Umgang mit dem Libretto seitens der Regie und ein spannungsvoller Vortrag des Orchesters \u2013 derzeit d\u00fcrfte es wenige Produktionen dieser Oper geben, die das alles auf einmal zu bieten verm\u00f6gen.<\/p>\n<p>Als Bonus d\u00fcrfen die Zuschauer eine vielversprechende junge S\u00e4ngerin erleben, die das Zeug dazu hat, im Wagnerfach noch von sich reden zu machen. Stehende Ovationen gab es f\u00fcr ihre Leistung, die diejenigen ihrer Mitstreiter, obwohl sie durchweg tadellos waren, in den Schatten stellte. F\u00fcr Wagnerfreunde, die an den derzeit in Bayreuth zu sehenden Inszenierungen keinen rechten Gefallen finden, ein absolutes Mu\u00df, diese Opernauff\u00fchrung zu besuchen!<\/p>\n<p>Dr. Martin Knust<\/p>\n<p>Bild: Jonas Persson<\/p>\n<p>Bild 1 zeigt: Cornelia Beskow (Senta), Malm\u00f6 Opernchor<\/p>\n<p>Bild 2 zeigt Cornelia Beskow (Senta) &#8211; Karin Lovelius (Mary), Damen des Malm\u00f6 Opernchor<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Richard Wagner (1813-1883), Romantische Oper in drei Aufz\u00fcgen: Libretto: Richard Wagner, UA: 2. November 1843 Dresden, Hoftheater Regie: Lotte de Beer, B\u00fchnenbild\/Kost\u00fcm: Christof Hetzer, Dramaturgie: Peter te Nuyl, Licht: Jean Kalman, Choreographie: Katarina S\u00f6renson Palm Dirigent: Steven Sloane, Opernorchester<span class=\"ellipsis\">&hellip;<\/span><\/p>\n<div class=\"read-more\"><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7719\">Weiterlesen \u203a<\/a><\/div>\n<p><!-- end of .read-more --><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":7720,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[204,1],"tags":[],"class_list":["post-7719","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-malmo-opera","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7719","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=7719"}],"version-history":[{"count":1,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7719\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":7722,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7719\/revisions\/7722"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/7720"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=7719"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=7719"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=7719"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}