{"id":7698,"date":"2018-11-25T15:28:37","date_gmt":"2018-11-25T14:28:37","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7698"},"modified":"2019-01-08T15:59:32","modified_gmt":"2019-01-08T14:59:32","slug":"xerxes-nuernberg-staatstheater","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7698","title":{"rendered":"Xerxes &#8211; N\u00fcrnberg, Staatstheater"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Georg Friedrich H\u00e4ndel (1685-1759), Dramma per musica in drei Akten, Libretto: anonymer Verfasser nach Silvio Stampiglia und Niccol\u00f2 Minato, UA 15. April 1738, London, King\u2019s Theatre, Haymarket<\/p>\n<p>Regie\/B\u00fchne\/Kost\u00fcme: Clarac-Deloeuil <em>le lab <\/em><\/p>\n<p>Dirigent: Wolfgang Katschner, Staatsphilharmonie N\u00fcrnberg<\/p>\n<p>Solisten: Almerija Delic (Xerxes), Zvi Emanuel-Marial (Arsamene), Martina Dike (Amastre), Nicolai Karnolsky (Ariodate), Julia Gr\u00fcter (Romilda), Andromahi Raptis (Atalanta), Wonyong Kang (Elviro)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 24. November 2018 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/N\u00fcrnberg-Xerxes.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-7700\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/N\u00fcrnberg-Xerxes.png\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"433\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/N\u00fcrnberg-Xerxes.png 650w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/N\u00fcrnberg-Xerxes-300x200.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Xerxes verliebt sich in Romilda, die ihrerseits aber mit Xerxes Bruder, Arsamenes, ein Liebespaar ist. Eine Intrige der Schwester Romildas, Atalantas, die ihrerseits Arsamenes f\u00fcr sich haben m\u00f6chte, schl\u00e4gt fehl und das Paar Arsamenes-Romilda findet schlie\u00dflich zueinander, w\u00e4hrend sich schlie\u00dflich Xerxes mit der inkognito erschienen Verlobten Amastris verheiratet, die verzweifelt seinem Werben um Romilda zugesehen hat.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Das B\u00fchnenbild besteht aus einer raumf\u00fcllenden Halfpipe, auf der die N\u00fcrnberger Jugendlichen ihre Runden drehen. Xerxes meint mit der Arie <em>Ombra mai fu \u2013 Nie war der Schatten eines geliebten gr\u00fcnden Baums lieblicher<\/em> sein Skateboard, von einem Krieg mit den Griechen ist keine Rede. Daf\u00fcr gibt es immer wieder Einblendungen von Piktogrammen, die das \u201eSkateboarding\u201c preisen und Filmaufnahmen von besser gestellten N\u00fcrnberger Jugendlichen, die minutenlang \u00fcber ihre Freizeitgestaltung schwadronieren \u2013 und sprachliche Probleme offenbaren. Gekleidet sind die Darsteller grell bunt, entspringen einer abgehobenen Designer-Gruppe, keinesfalls der heutigen Jugendmode. Selbst die Skateboard-Statisten von der Stra\u00dfe sind dezenter gekleidet. Lediglich Papa Ariodate darf als Erziehungsberechtigter in einem gediegeneren gr\u00fcnen Anzug daher kommen.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Musikalisch hat die Produktion zwei Problemfelder: Zum einen sind alle Rollen aus dem Ensemble heraus besetzt &#8211; mit mehr oder weniger Erfahrung in barocker Gesangstechnik. Alle, bis auf den Gast <strong>Zvi Emanuel-Maria<\/strong>, ein h\u00f6hensicherer und effektverliebter Countertenor. Seine Darstellung des Arsamene ist stimmlich ausgewogen und macht die Leiden eines Liebhabers immer wieder nachvollziehbar. <strong>Julia Gr\u00fcter<\/strong> ist das Objekt seiner Begierde und sie w\u00e4chst im Laufe des Abends auch stimmlich mit ihm zusammen. Ihre Romilda gl\u00e4nzt mit sicherer H\u00f6he und ausgewogener Technik, die auch Koloraturen klangsch\u00f6n zaubert. H\u00f6rbar viel Erfahrung in der alten Musik hat <strong>Martina Dike<\/strong> aus der Zusammenarbeit mit Rene Jacobs. Auch wenn die verschm\u00e4hte Verlobte des Xerxes zur Rache ruft, bleibt Amastre dezent im Hintergrund. Ebenso wie Dike ist <strong>Almerija Delic<\/strong> ein Mezzo. Ihre Darstellung des Xerxes ist aber zu eindimensional, klingt wenig m\u00e4nnlich, kann auch in der Stimmf\u00fchrung nicht \u00fcberzeugen &#8211; und so geht die Arie <em>Ombra mai fu \u00a0<\/em>unter &#8211; normalerweise ein Selbstl\u00e4ufer. Sie kann sich jedoch im Laufe des Abends entsprechende Sicherheit erarbeiten. Obwohl die Stimme jugendlich dynamisch klingt scheitert <strong>Andromahi Raptis<\/strong> an <em>Dira che amor &#8211; Er wird sagen, da\u00df die Liebe<\/em> der Atalanta. Die Tempo-Arie fordert ihren Tribut, sie kann der Koloratur nicht detailgetreu folgen. <strong>Nicolai Karnolsky<\/strong>\u00a0 als Ariodate und <strong>Wonyong Kang<\/strong> als Elviro sind erfahrene B\u00e4sse, die mit viel Erfahrung die Auftritte gestalten k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Zum anderen mangelt es sicherlich dem Dirigenten und Lautenisten <strong>Wolfgang Katschner<\/strong> nicht an Erfahrung, da er die Lautten Compagney in Berlin gr\u00fcndete. Trotzdem will sich das um deren barocken Instrumente erg\u00e4nzte Orchester der Staatsphilharmonie nicht auf die barocken Effekte einlassen. Es klingt \u00fcber weite Strecken zu weich, unflexibel und zu romantisch &#8211; und nicht wie barocke Musik.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Diese Produktion hinterl\u00e4\u00dft aus mehreren Gr\u00fcnden einen fahlen Nachgeschmack. Die Frage wieso man das Libretto um eine Stunde k\u00fcrzt und die bekannten Ch\u00f6re streicht, um dann eine Viertelstunde v\u00f6llig sinnfreie Interviews mit N\u00fcrnberger Skateboardfahrern zu zeigen, kann die Produktion nicht beantworten. \u00dcberhaupt wird die \u00dcbertragung der Oper um einen persischen Gottk\u00f6nig in die N\u00fcrnberger Skateboardszene dem Werk nicht gerecht. Noch dazu die schrecklichen Kost\u00fcme der Solisten: Gelbe Socken in Sandalen, pinke Str\u00fcmpfe zu silbernen Pantoletten: Die Liste der Mode-Vergehen ist lang und manche Darsteller sehen eher aus wie ein Mops im Streckverband.<\/p>\n<p>Musikalisch haben einige Solisten keine oder nur geringe Erfahren mit barocker Auff\u00fchrungspraxis. Ebenso das Orchester. Das ist dann auch \u00fcber weite Strecken zu h\u00f6ren. Diese entt\u00e4uschende Produktion hat mit der zeitgem\u00e4\u00dfen Auff\u00fchrungspraxis der Alten Musik wenig zu tun. So sieht das auch das Publikum: nach der Pause gibt es L\u00fccken im Parkett, Unmuts\u00e4u\u00dferungen nach l\u00e4ngeren Videoeinspielungen und nur kurzen Applaus mit Buh-Rufen f\u00fcr die Regie.<\/p>\n<p>Oliver Hohlbach<\/p>\n<p>Bild: Pedro Malinowski<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Nicolai Karnolsky (Ariodate), Andromahi Raptis (Atalanta), Wonyong Kang (Elviro)<\/p>\n<p>Zvi Emanuel-Marial (Arsamene), Martina Dike (Amastre), Julia Gr\u00fcter (Romilda)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Georg Friedrich H\u00e4ndel (1685-1759), Dramma per musica in drei Akten, Libretto: anonymer Verfasser nach Silvio Stampiglia und Niccol\u00f2 Minato, UA 15. 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