{"id":7688,"date":"2018-12-04T14:48:18","date_gmt":"2018-12-04T13:48:18","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7688"},"modified":"2019-01-02T14:52:08","modified_gmt":"2019-01-02T13:52:08","slug":"ariadne-auf-naxos-dresden-semperoper","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7688","title":{"rendered":"Ariadne auf Naxos &#8211; Dresden, Semperoper"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Richard Strauss (1864-1949), (1916), Libretto. Hugo von Hofmannsthal, UA: 25. Oktober 1912 Stuttgart, Hoftheater (Oper in einem Aufzuge (1912), 4. Oktober 1916 Wien, Hofoper (mit Erg\u00e4nzung eines Vorspiels)<\/p>\n<p>Regie: David Hermann, B\u00fchne: Paul Zoller\/Kost\u00fcme: Michaela Barth<\/p>\n<p>Dirigent: Christian Thielemann, S\u00e4chsische Staatskapelle<\/p>\n<p>Solisten: Alexander Pereira (Haushofmeister), Albert Dohmen (Musiklehrer), Daniela Sindram (Komponist), Stephen Gould (Tenor\/Bacchus), Daniela Fally (Zerbinetta), Krassimira Stoyanova (Primadonna\/Ariadne), Rafael Fingerlos (Harlekin), Carlos Osuna (Scaramuccio), Torben J\u00fcrgens (Truffaldino), Joseph Dennis (Brighella), Evelin Novak (Najade), Simone Schr\u00f6der (Dryade), Tuuli Takala (Echo), Beomjin Kim (Offizier), Aaron Pegram (Tanzmeister), Jiri Rajnis (Per\u00fcckenmacher), Bernhard Hansky (Lakai)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 2. Dezember 2018 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/Dresden-Ariadne_GP_261.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-7689\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/Dresden-Ariadne_GP_261.png\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"433\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/Dresden-Ariadne_GP_261.png 650w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/Dresden-Ariadne_GP_261-300x200.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Im Vorspiel erf\u00e4hrt das Publikum, da\u00df anl\u00e4\u00dflich eines rauschenden Festes eines reichen Wieners die neue Opera seria <em>Ariadne auf Naxos<\/em> eines talentierten, jungen Komponisten uraufgef\u00fchrt werden soll. Als anschlie\u00dfende Gem\u00fctserfrischung w\u00fcnscht der Gastgeber eine komische Tanzeinlage mit Gesang durch eine Commedia-dell\u2019arte-Truppe. Unerwartet wird die festgelegte Programmfolge umgesto\u00dfen, und der reiche Herr verlangt die Zusammenlegung von ernster Oper und Kom\u00f6die. Der Komponist f\u00fchlt sich in seiner k\u00fcnstlerischen Freiheit beschnitten, aber Zerbinetta, Star der Kom\u00f6dianten, kann ihn beschwichtigen.<\/p>\n<p>Die anschlie\u00dfende Oper in einem Akt erz\u00e4hlt die Geschichte der Ariadne, welche von ihrem Verlobten Theseus auf Naxos zur\u00fcckgelassen wird. In unendlicher Trauer \u00fcber ihr Schicksal ersehnt sie sich den Tod. Zerbinetta und ihre Truppe versuchen erfolglos, durch Tanz und Gesang Ariadne zu tr\u00f6sten und abzulenken. Als unerwartet der Gott Bacchus, gerade den F\u00e4ngen der Zauberin Circe entkommen, auf der Insel ankommt, h\u00e4lt Ariadne ihn zun\u00e4chst f\u00fcr den Todesboten und folgt ihm auf sein Schiff.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Die Handlung vor der Handlung findet vor dem Mittelbalkon im Rangfoyer statt: Hier sitzen der reiche Herr und seine Gesellschaft zu Tisch. Am Ende der Oper haben sie einen kurzen Auftritt f\u00fcr ein Selfie. Der Ort der Handlung f\u00fcr das Vorspiel ist ein karger Flur, von dem drei T\u00fcren nach hinten f\u00fchren. Je nach Handlung holt der Haushofmeister eine Feuerwerksrakete heraus, sieht man einen Duschraum (aus dem der Tenor im Bademantel kommt), einen Lagerraum (in dem der Komponist friert), einen Garten (f\u00fcr die Zerbinetta) oder einen dunklen Raum (aus dem die Sopranistin in Schwarz kommt).<\/p>\n<p>Die Oper selbst ist als Theater auf dem Theater dialektisch \u2013 also getrennt nebeneinander \u2013 aufgebaut. Links befindet sich eine Wald-Park-Landschaft als gemalte Rokoko-Kulisse, die mit einer Blumenschaukel nach dem Barockmaler Fragonard erg\u00e4nzt und optisch die Schaustellertruppe des Bajazzo in eine <em>Rosenkavalier<\/em>-Welt \u00fcbertr\u00e4gt. Rechts sieht man die in mystische Dunkelheit einer griechischen Trag\u00f6die verh\u00fcllte Welt der Elektra. Die Nymphen reinigen als M\u00e4gde die Stufen einer Rampe, Ariadne im B\u00fc\u00dferkleid kommt mit der Axt aus ihrer H\u00f6hle. Bacchus sieht aus wie der unter die Hufe gekommene Orest, seine Per\u00fccke hat er dem Per\u00fcckenmacher hinterher geworfen.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p><strong>Christian Thielemann<\/strong> gilt als der derzeit beste Leiter der Werke der deutschen Romantik. Beispielhaft ist auch seine Interpretation: mit stets bl\u00fchendem Streicherklang, l\u00e4chelnder Schmeichelei der Holzblasinstrumente, der dunkel str\u00f6menden Schwermut im Blech, verschlingen sich all die Stimmen dieser schlank gesetzten Partitur miteinander \u2013 und bleiben doch stets eigenst\u00e4ndig h\u00f6rbar. Sie erz\u00e4hlen uns von menschlichen Erlebnissen und Tr\u00e4umen: die Geschichte der Ariadne in einer Umsetzung als Werk der Romantik.<\/p>\n<p>Richard Strauss hat die Anspr\u00fcche hinsichtlich der Hauptrollen sehr hoch gesetzt. Das h\u00f6rt man deutlich an Zerbinettas Rondo-Arie <em>Gro\u00dfm\u00e4chtige Prinzessin<\/em> und <em>Kommt ein neuer Gott gegangen.<\/em> <strong>Daniela Fally<\/strong> ist ein sehr beweglicher Koloratursopran, der spielerisch in h\u00f6chste H\u00f6hen vordringt und dann einen noch h\u00f6heren Ton aufsetzen kann. Ansonsten wei\u00df sie mit einem klaren Klang zu begeistern. Ebenso \u00fcberzeugend <strong>Krassimira Stoyanova<\/strong> als Ariadne. Ihr Sopran klingt viel schwerer, die Koloraturen schwerm\u00fctiger, ihre Klangf\u00fclle souver\u00e4ner. \u00dcber viel Sch\u00f6nklang wiederum verf\u00fcgt <strong>Daniela Sindram.<\/strong> Ihr harter klarer und sehr gelenkiger Sopran erbringt ihr viel Aufmerksamkeit als Komponist.<\/p>\n<p>Als ihr Musiklehrer erf\u00fcllt <strong>Albert Dohmen<\/strong> unauff\u00e4llig alle Erwartungen, hingegen <strong>Stephen Gould<\/strong> als Bacchus mit seinen <em>Circe-Rufen<\/em> alle von den Sitzen rei\u00dft. Mit viel Strahlglanz, Stehverm\u00f6gen und sauberer Gesangstechnik ist er ein echter Heldentenor. Unter den Nebenrollen ist vor allem <strong>Rafael Fingerlos<\/strong> als Harlekin zu nennen, der das Ziel seines Sehnens und Bangens \u2013 Zerbinetta \u2013 ausdrucksstark umgarnt.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Der Abend verging wie im Flug \u2013 zeitloses Auskosten des bestens austarierten Instrumentenglanzes verbindet sich mit der intonierenden Brillanz einer Elite von namhaften Solisten, die von dem Chefdirigenten der Staatskapelle zu einer Sternstunde der romantischen Oper zusammengef\u00fchrt werden. Hinzu kommen ein B\u00fchnenbild, das als opulenter Augenschmaus bezeichnet werden kann, und eine Personenf\u00fchrung, die sowohl werktreu als auch zeitgem\u00e4\u00df ist \u2013 auch weil unverst\u00e4ndliche Regieeinf\u00e4lle unterbleiben! Am Ende st\u00fcrmischer Applaus f\u00fcr alle Beteiligten.<\/p>\n<p>Oliver Hohlbach<\/p>\n<p>Bild: Ludwig Olah<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Daniela Fally (Zerbinetta), Rafael Fingerlos (Harlekin), Carlos Osuna (Scaramuccio), Torben J\u00fcrgens (Truffaldin)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Richard Strauss (1864-1949), (1916), Libretto. Hugo von Hofmannsthal, UA: 25. Oktober 1912 Stuttgart, Hoftheater (Oper in einem Aufzuge (1912), 4. Oktober 1916 Wien, Hofoper (mit Erg\u00e4nzung eines Vorspiels) Regie: David Hermann, B\u00fchne: Paul Zoller\/Kost\u00fcme: Michaela Barth Dirigent: Christian Thielemann,<span class=\"ellipsis\">&hellip;<\/span><\/p>\n<div class=\"read-more\"><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7688\">Weiterlesen \u203a<\/a><\/div>\n<p><!-- end of .read-more --><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":7689,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[21,1],"tags":[],"class_list":["post-7688","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-dresden-semperoper","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7688","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=7688"}],"version-history":[{"count":1,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7688\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":7690,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7688\/revisions\/7690"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/7689"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=7688"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=7688"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=7688"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}