{"id":767,"date":"2009-08-09T23:14:22","date_gmt":"2009-08-09T22:14:22","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/?p=767"},"modified":"2011-02-20T19:02:04","modified_gmt":"2011-02-20T18:02:04","slug":"rom-%e2%80%93-terme-di-caracalla","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=767","title":{"rendered":"ROM \u2013 TERME DI CARACALLA"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>Seit einem halben Jahrhundert zieht das das r\u00f6mische Opernhaus im Sommer in die antiken Caracalla-Thermen um. Die Kulisse zieht R\u00f6mer wie Touristen in Scharen an: die gigantischen Ruinen erstrahlen im warmen Licht des Sonnenuntergangs; M\u00f6wen und Zikaden erf\u00fcllen die Luft mit ihren Lauten. Das ist Rom. Rom ist aber auch, da\u00df Motorr\u00e4der am Thermengel\u00e4nde vorbeirauschen und da\u00df eine Parteifeier auf dem Nachbarareal ihre Diskomusik so laut aufdreht, da\u00df der Orchesterklang unterzugehen droht. Eine urr\u00f6mische Oper bildete dann auch den Auftakt der Sommersaison: Tosca. Doch eigentliches Zugpferd des Festivals war Carmen. In der Besetzung der Titelrolle mit El\u012bna Garan\u010da fand Rom eine Publikumsmagnet und auch seinen Festspielstar.<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Kurzinhalt<\/strong><br \/>\nTosca und Carmen &#8211; zwei Opern, die einander mit einer Titelheldin und dem Sujet von Liebe, Eifersucht, Freiheit und Tod \u00e4hneln, aber doch sehr unterschiedlich sind: Hier die eifers\u00fcchtige Tosca, die aus Liebe mordet und die freie Vereinigung mit ihrem Geliebten nur im Tod findet &#8211; dort die verf\u00fchrerische Carmen, die ihre Freiheit so sehr liebt, dass sie sogar akzeptiert, aus Eifersucht get\u00f6tet zu werden.<br \/>\n<strong>Tosca<\/strong><br \/>\nvon Giacomo Puccini (1858-1924), Melodramma in drei Akten<br \/>\nRegie: Franco Ripa de Meana, Kost\u00fcme: Silvia Aymonino, B\u00fchnenbild: Edoardo Sanchi, Licht: Agostino Angelici, Dirigent: Paolo Olmi, Orchester und Chor des Teatro dell\u2019Opera, Rom; Solisten: Micaela Carosi\/Virginia Todisco (Floria Tosca), Fabio Armiliato\/Valter Borin (Cavaradossi), Giorgio Surian\/Giovanni Meoni (Scarpia) u.a. (zweiter Name: Zweitbesetzung 17. Juni)<br \/>\nBesuchte Auff\u00fchrungen: 16. und 17. Juli 2009 (Premiere 14.Juli 2009, Neuproduktion)<br \/>\n<strong>Auff\u00fchrung<\/strong><br \/>\n<a HREF=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/08\/caracalla-tosca.jpg\" TITLE=\"caracalla-tosca.jpg\"><img SRC=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/08\/caracalla-tosca.jpg\" ALT=\"caracalla-tosca.jpg\" ALIGN=\"right\" \/><\/a>Eine gro\u00dfe B\u00fchne will gef\u00fcllt werden: Dies gelingt mit einem einfachen, aber einfallsreichem Trick: Ein Stadtplan Roms, auf dem die Schaupl\u00e4tze blutrot eingekringelt sind, ist das B\u00fchnenbild. Auch der Tiber ist bedeutungsschwanger rot gef\u00e4rbt. Trotzdem wirkt die B\u00fchne nicht leer, da die Personenregie viel Raumbewegung vorsieht und Massen an Statisten auftreten l\u00e4\u00dft. Kleine Spezialeffekte begeistern die Festspielg\u00e4nger. Die Kost\u00fcme allerdings sind weniger \u00fcberzeugend: Auf dem Gel\u00e4nde der Thermen werden wunderbare historische Kost\u00fcme ausgestellt, und man erwartet nun \u00c4hnliches. Doch entt\u00e4uschen um so mehr Scarpias schlichte schwarze Robe und Toscas Kleid in geschmackloser Pink. Hervorzuheben ist die Lichtregie, die die Ruinen im Hintergrund in verschiedenen Farben vom eifers\u00fcchtigen Gr\u00fcn bis zum todbringenden Rot anleuchtet.<br \/>\n<strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><br \/>\nW\u00e4hrend Chor und Orchester hohes Niveau bieten \u2013 zu loben ist die das saubere, kraftvolle Spiel der Blechbl\u00e4ser \u2013  schwanken die Leistungen der S\u00e4nger enorm: <strong>Micaela Carosi<\/strong> (Tosca) scheint sich im ersten Akt noch warm zu singen. Die Zweitbesetzung <strong>Virginia Todisco<\/strong> ist zwar von Anfang an stimmlich pr\u00e4sent, schw\u00e4chelt aber szenisch. <strong>Fabio Armiliato<\/strong> gibt einen guten Cavaradossi, man k\u00f6nnte kaum m\u00e4keln, wenn <strong>Valter Borin<\/strong> dieselbe Partie nicht mit so viel mehr Brillanz interpretierte. Sein <em>E lucevan le stelle \u2013 Und es blitzten die Sterne<\/em> ging unter dem Sternenhimmel Roms jedem unter die Haut! <strong>Giorgio Surian<\/strong> (Scarpia) hat weder die k\u00f6rperliche noch stimmliche Pr\u00e4senz f\u00fcr einen Opernb\u00f6sewicht. <strong>Anders Giovanni Meoni<\/strong> mit seinem profunden Bassbariton.<\/p>\n<p><strong>Carmen<\/strong><br \/>\nvon George Bizet (1838-1875), Op\u00e9ra comique in drei Akten<br \/>\nRegie\/B\u00fchnenbild\/Kost\u00fcme\/Licht: Renzo Giacchieri; Dirigent: Karel Mark Chichon, Orchester, Chor und Ballett des Teatro dell\u2019Opera; Solisten: El\u012bna Garan\u010da\/Irini Karaianni (Carmen), Valter Borin\/Andrea Car\u00e8 (Don Jos\u00e9), Carlo Colombara\/Dario Solari (Escamillo), Ermonela Jaho\/Francesca Sassu (Mica\u00ebla) u.a.<br \/>\nBesuchte Auff\u00fchrungen: 29. (Premiere, Neuproduktion) und 31. Juli 2009<br \/>\n<strong>Auff\u00fchrung<\/strong><br \/>\n<a TITLE=\"carman-caracalla.jpg\" HREF=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/08\/carman-caracalla.jpg\"><img ALIGN=\"right\" ALT=\"carman-caracalla.jpg\" SRC=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/08\/carman-caracalla.jpg\" \/><\/a>Eine einzige Kost\u00fcmschlacht! Im Gegensatz zu Tosca ist an Stoff und Requisite nicht gespart: Eine Br\u00fccke ist Grundstock f\u00fcr das B\u00fchnenbild, die auch zur Zimmerwand oder Stierkampfarena umgebaut wird. Rundherum Blumen, Tischen, Kisten&#8230; Statisterie und Flamencot\u00e4nzern fehlen ebenso wenig. Das ist bestimmt nicht jedermanns Geschmack, aber eine Abwechslung zu den oft kargen Kulissen der deutschen Theaterlandschaft.<br \/>\n<strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><br \/>\nFreilichtauff\u00fchrungen bergen akustische Probleme. S\u00e4nger und Orchester sind unsynchron, der Dirigent hat M\u00fche, die Interpreten beieinander zu halten. So k\u00f6nnte man auch hier meinen:<strong> Andrea Car\u00e8<\/strong> (Don Jos\u00e9) und <strong>Irini Karaianni <\/strong>(Carmen) treffen kaum die T\u00f6ne, schleppen und \u00fcberspielen diese Unsicherheiten mit \u00fcbertriebenem Vibrato. Da\u00df dies jedoch nicht mit Spielst\u00e4tte oder Dirigent <strong>Karel Mark Chichon<\/strong> zusammenh\u00e4ngt, bewies die Premiere: <strong>Valter Borin<\/strong> gl\u00e4nzt auch als Don Jos\u00e9 und verleiht mit lockerer Stimme dem Gef\u00fchlschaos Don Jos\u00e9s Ausdruck. Doch selbst dieses K\u00f6nnen wird durch das Auftreten von <strong>El\u012bna Garan\u010da<\/strong> \u00fcberboten: Diese Frau hat nicht nur das n\u00f6tige Aussehen, die Eleganz und den Charme, um Carmen zu sein, ihr stimmliches Potenzial ist umwerfend! Jeder Ton sitzt und selbst Tanzen kann sie noch dabei! So kann man nachvollziehen, da\u00df einer Carmen die M\u00e4nner reihenweise verfallen \u2013 und da\u00df El\u012bna Garan\u010da ihren Erfolg mehr als verdient hat!<br \/>\n<strong>Fazit<\/strong><br \/>\nEin Festival f\u00fcr Liebhaber, nicht f\u00fcr Kenner: Das zeigt die Wahl zweier Opernkassenschlager f\u00fcr die diesj\u00e4hrigen Neuinszenierungen. Hier kann man mit Kartoffelchips und Eist\u00fcte hohe Kunst genie\u00dfen, Hits werden mitgebrummt und mitdirigiert. Hier mischen sich die Stars auch mal unter das Publikum: ganz ohne All\u00fcren lauscht El\u012bna Garan\u010da ihren Kollegen und am\u00fcsiert sich mit ihren Fans \u00fcber das liebenswert in breitestem Italienisch ausgesprochene Franz\u00f6sisch des Chores. Auch das ist Rom!<br \/>\nChristine Lauter<\/p>\n<p>Bilder: Corrado Maria Falsini<\/p>\n<p>Tosca: Das Bild zeigt Micaela Carosi (Tosca) und Fabio Armiliato (Cavaradossi) im dritten Akt.<\/p>\n<p>Carmen: Das Bild zeigt Valter Borin (Don Jos\u00e9) und El\u012bna Garan\u010da (Carmen) im zweiten Akt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit einem halben Jahrhundert zieht das das r\u00f6mische Opernhaus im Sommer in die antiken Caracalla-Thermen um. Die Kulisse zieht R\u00f6mer wie Touristen in Scharen an: die gigantischen Ruinen erstrahlen im warmen Licht des Sonnenuntergangs; M\u00f6wen und Zikaden erf\u00fcllen die Luft<span class=\"ellipsis\">&hellip;<\/span><\/p>\n<div class=\"read-more\"><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=767\">Weiterlesen \u203a<\/a><\/div>\n<p><!-- end of .read-more --><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-767","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/767","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=767"}],"version-history":[{"count":3,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/767\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2526,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/767\/revisions\/2526"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=767"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=767"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=767"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}