{"id":7663,"date":"2018-12-20T20:25:57","date_gmt":"2018-12-20T19:25:57","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7663"},"modified":"2018-12-20T20:25:57","modified_gmt":"2018-12-20T19:25:57","slug":"hamlet-paris-opera-comique","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7663","title":{"rendered":"Hamlet &#8211; Paris Op\u00e9ra-Comique"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Ambroise Thomas (1811-1896) Oper in f\u00fcnf Akten, Libretto: Michel Florentin Carr\u00e9 und Jules Paul Barbier nach dem Schauspiel (1847) von Alexandre Dumas d.\u00c4. und Fran\u00e7ois Paul Meurice, nach <em>The Tragical History of Hamle<\/em>t, <em>Prince of Denmark<\/em> (1602) von William Shakespeare<\/p>\n<p>UA: 9. M\u00e4rz 1868 Paris, Op\u00e9ra, Salle de la rue le Peletier<\/p>\n<p>Regie: Cyril Teste, B\u00fchne: Ramy Fischler Kost\u00fcme: Isabelle Deffin, Dramaturgie Leila Adham, Licht: Julien Boizard, Conception Vid\u00e9o: Nicolas Dor\u00e9mus, Mehdi Toutain-Lopez<\/p>\n<p>Dirigent: Louis Lengr\u00e9e, Orchestre des Champs-\u00c9lys\u00e9es, Choreinstudierung. Jo\u00ebl Suhubiette<\/p>\n<p>Solisten: St\u00e9phane Degout (Hamlet), Sabine Devieilhe (Oph\u00e9lie), Laurent Alvaro (Claudius), Sylvie Brunet-Grupposo (Gertrude), Julien Behr (La\u00ebrte), J\u00e9r\u00f4me Varnier (der Geist von Hamlets Vater)<\/p>\n<p>Kevin Amiel (Marcellus, 2. Totengr\u00e4ber), Yoann Dubruque (Horatio, 1. Totengr\u00e4ber), Nicolas Legoux, (Polonius, Oberk\u00e4mmerer) Chor der Luftgeister<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 17. Dezember 2018 (Premiere)<\/p>\n<p>Coproduktion mit Collectif MXM, Op\u00e9ra Royal de Wallonie, Croatian National Theatre in Zagreb.<\/p>\n<p>Op\u00e9ra-Comique ist Teilnehmer beim Beijing Music Festival<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/Paris-OC-Hamlet.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-7664\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/Paris-OC-Hamlet.png\" alt=\"\" width=\"433\" height=\"650\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/Paris-OC-Hamlet.png 433w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/Paris-OC-Hamlet-200x300.png 200w\" sizes=\"auto, (max-width: 433px) 100vw, 433px\" \/><\/a>Vorbemerkung<\/strong><\/p>\n<p>Im Jahr 1868 schrieb Ambroise Thomas <em>Hamlet, <\/em>eine Grand Op\u00e9ra, die gro\u00dfen Erfolg in Frankreich und in Europa, aber weniger in Deutschland hatte. Gerade wurde <em>Hamlet<\/em> zum einhundertsten Mal aufgef\u00fchrt, als die salle de la rue le Peletier (Acad\u00e9mie royale de musique)\u00a0 am 28. Oktober 1873 ein Raub der Flammen wurde. Danach beeilte man sich, den unweit der Salle le Peletier gelegenen Bau des Palais Garnier im Jahr 1875 fertigzustellen. Doch die <em>Hamlet<\/em> Auff\u00fchrungen waren unterbrochen und unterblieben fast vollst\u00e4ndig bis in unsere Zeit. So ist es verst\u00e4ndlich, da\u00df die jetzige Auff\u00fchrung von <em>Hamlet<\/em> eine gro\u00dfe Attraktion besa\u00df, was dazu f\u00fchrte, da\u00df in der Op\u00e9ra-Comique kein Sitz mehr frei war.<\/p>\n<p><strong>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Im k\u00f6niglichen Palast von Helsing\u00f6r im sp\u00e4ten Mittelalter in D\u00e4nemark feiert man die Hochzeit des neuen K\u00f6nigs Claudius mit Gertrude, der Witwe seines pl\u00f6tzlich verstorbenen Bruders. Diesem folgt er auf dem Thron. Im Beisein der beiden Freunde Horatio und Marcellus erlebt Hamlet auf der Esplanade des Schlosses das Erscheinen des Geistes seines Vaters. Nur Hamlet allein enth\u00fcllt er ein Verbrechen: der Bruder habe ihn mit Wissen der K\u00f6nigin vergiftet, indem er ihm Gift ins Ohr getr\u00e4ufelt habe. Die Ursache war eine geheime Liebschaft zwischen K\u00f6nigin Gertrude und Claudius. Der Geist fordert Rache gegen\u00fcber Claudius. Doch die Mutter sollte er verschonen.<\/p>\n<p>Indem Hamlet eine geistige Verwirrung vort\u00e4uscht, kann er doch das Gewissen von K\u00f6nigin und Claudius beunruhigen. Er l\u00e4dt eine Schauspielgruppe ein, die vor dem K\u00f6nigspaar und dem ganzen Hof die Mordtat in einer Pantomime darstellen soll. Als Hamlet zudem erf\u00e4hrt, da\u00df Polonius, der Oberk\u00e4mmerer des K\u00f6nigs, Mitwisser von Claudius ist, trennt er sich von Claudius\u2018 Tochter Oph\u00e9lie, obwohl er sie sehr liebt. Oph\u00e9lie wird dar\u00fcber wahnsinnig und sucht den Tod in einem See.<\/p>\n<p>Kurz bevor sich Hamlet vor Gram am Sarg Oph\u00e9lies das Leben nehmen will, erscheint seines Vaters Geist und gemahnt ihn an sein Versprechen. Daraufhin ersticht Hamlet Claudius und wird zum K\u00f6nig ausgerufen.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Auf dem Vorhang erscheint in gro\u00dfer Schrift: HAMLET, ACTE I. Dann folgen Vorspiel und Huldigungs-Chor der Hofleute, die den neuen K\u00f6nig und die K\u00f6nigin hochpreisen.<\/p>\n<p>Zu Beginn sieht man auf der B\u00fchne drei nebeneinander angeordnete, gleichhohe, wei\u00dfe Rahmen. Weiter gibt es drei Vorh\u00e4nge, die in drei Abteilungen (vorne, mitten, hinten) die B\u00fchne einzeln und nacheinander in die Abschnitte vorn, in der Mitte und hinten einh\u00fcllen.<\/p>\n<p>Zwei Videoprojektionen zeigen die Personen in riesigen Nahaufnahmen \u00fcbereinander. Die Aufnahmen werden von zwei Kamerafrauen aufgenommen. Das macht ein Opernglas eigentlich \u00fcberfl\u00fcssig. Liebe Leser, haben Sie das verstanden oder ist es verwirrend? Tats\u00e4chlich lassen sich die Bilder: vorne die Wirklichkeit, dann die Videoprojektionen, kaum blickm\u00e4\u00dfig bew\u00e4ltigen, denn die Zuschauer m\u00fcssen dauernd von den pr\u00e4senten Personen auf die Videoabgebildeten wechseln.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Mit leisem Trommelwirbel beginnt die Trag\u00f6die von Blutschande (Ehe zwischen Schwager und Schw\u00e4gerin) und Brudermord. Pr\u00e4zis und mit deutlicher Artikulation entbieten die Hofleute (<strong>Chor<\/strong>) dem neuen Herrscherpaar ihre Referenz. Markig und stolz antwortet der K\u00f6nig Claudius (<strong>Laurent Alvaro<\/strong>) und seine Frau, K\u00f6nigin Gertrude (<strong>Sylvie Brunet-Grupposo<\/strong>).<\/p>\n<p>Hamlet (St\u00e9phane Degout), der im Parterre rechts der B\u00fchne in einem grauen Mantel von Opernbeginn an gestanden hatte, steigt zur B\u00fchne hoch und er\u00f6ffnet seinen Feldzug gegen Schicksal und K\u00f6nig mit den Worten: <em>Vains regrets! <\/em>\u2026 <em>Mon p\u00e8re tombe sous les coups du destin aveugle et jaloux \u2013 vergebliche Trauer! \u2026 Mein Vater f\u00e4llt unter den blinden und eifers\u00fcchtigen Schl\u00e4gen des Schicksals.<\/em><\/p>\n<p>Von Anfang an nimmt <strong>St\u00e9phane Degouts<\/strong> Bariton den Zuh\u00f6rer gefangen, gefangen durch die Eindringlichkeit seiner fokussierten Stimme, der Genauigkeit seiner Aussprache, der Rundung der Stimme, der er aber auch starke M\u00e4nnlichkeit verleihen kann. Schon in der folgende Szene mit Oph\u00e9lie zeigt er, wie weich und biegsam er seinen Bariton einzusetzen vermag. Er ist die\u00a0 Hauptstimme und eben die Hauptperson. Von ihm h\u00e4ngt Gedeih und Verderb des ganzen Opernverlaufs ab. Und Degout gelingt das \u00fcber die Ma\u00dfen vollendet. Daf\u00fcr wird er mit h\u00e4ufigem Applaus gefeiert.<\/p>\n<p>Den zweiten H\u00f6hepunkt erreicht ohne Abstriche <strong>Sabine Devieilhe<\/strong> (Oph\u00e9lie), gleicherma\u00dfen in Aktion und Musik. Die im Belcantofach vielbesch\u00e4ftigte, junge Franz\u00f6sin setzt ihren Sopran zielsicher in jeder Stimmlage und f\u00fcr jede Simmung ein. Sie besitzt eine fabelhafte <em>mezza voce:<\/em> kaum zu glauben, wie sie in der Szene vor ihrem Suizid im Meer ihre Stimme scheinbar im Nichts verschwinden l\u00e4\u00dft, um sie in allm\u00e4hlichem Crescendo im sch\u00f6nsten Forte erklingen zu lassen! Daf\u00fcr erh\u00e4lt sie den m\u00e4chigsten Beifall des vollbesetzten Hauses.<\/p>\n<p>Auch die anderen Rollen sind vorz\u00fcglich besetzt und ein Extralob noch einmal f\u00fcr den Chor <strong>Les \u00e9l\u00e9ments, <\/strong>nicht zu vergessen Dirigent <strong>Louis Lengr\u00e9e<\/strong> mit dem <strong>Orchestre des Champs-\u00c9lys\u00e9es<\/strong>, der die schwierige Partitur zum sch\u00f6nsten H\u00f6rerlebnis bringt.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Regisseur <strong>Cyril Teste<\/strong> sollte hier besonders erw\u00e4hnt werden. <em>Hamlet<\/em>, der seine Ber\u00fchmtheit mehr durch Shakespears B\u00fchnenst\u00fcck erh\u00e4lt (es ist ja fast immer umgekehrt, da\u00df n\u00e4mlich die Oper einem B\u00fchnenwerk Bekanntheit verleiht) steht im Ansehen als Musikwerk unter diesem. Daher ist der Inszenierung viel Aufmerksamkeit zu widmen.<\/p>\n<p>Hier kann man man vieles der Problematik heutiger Auff\u00fchrungsansichten mitbekommen. Cyril Teste hat auf jeden Fall eine dem Text ganau folgende Auff\u00fchrung geliefert bis auf eine entscheidende Szene: des K\u00f6nigs wei\u00dfes Hemd erscheint pl\u00f6tzlich blutdurchtr\u00e4nkt, und er singt: <em>Je tombe frapp\u00e9 par l\u2019\u00e9p\u00e9e d\u2019Hamlet \u2013 ich sterbe durch Hamlets Schwert.<\/em> Hamlet steht allerdings in einiger Entfernung. Hatte das auch mit Symbolismen zu tun?<\/p>\n<p>Vieles seiner an Symbolen reichen Inszenierung kann man akzeptieren, obwohl manchmal der Eindruck aufkommt, einer B\u00fchnenprobe ohne Kost\u00fcme beizuwohnen. Doch Cyril Teste hat wohl eine Abneigung gegen Kost\u00fcme, die oft als museal empfunden werden? Aber die Gestalt des <em>Geistes von Hamlets Vater <\/em>war ziemlich gew\u00f6hnungbed\u00fcrftig. Ein Geist in grauem Pullover und Jeans? W\u00e4re nicht etwas Geheimnisvolleres angebrachter?<\/p>\n<p>Kurz: die Schwierigkeiten heutiger Inszenatoren sollten nicht immer dazu f\u00fchren, auch das Publikum einzubeziehen. Vielleicht greift man da doch des \u00f6fteren daneben?<\/p>\n<p>Dr. Olaf Zenner<\/p>\n<p>Bild: DR Vincent Pontet<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: St\u00e9phane Degout (Hamlet), Chor Les \u00e9l\u00e9ments<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Ambroise Thomas (1811-1896) Oper in f\u00fcnf Akten, Libretto: Michel Florentin Carr\u00e9 und Jules Paul Barbier nach dem Schauspiel (1847) von Alexandre Dumas d.\u00c4. und Fran\u00e7ois Paul Meurice, nach The Tragical History of Hamlet, Prince of Denmark (1602) von William<span class=\"ellipsis\">&hellip;<\/span><\/p>\n<div class=\"read-more\"><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7663\">Weiterlesen \u203a<\/a><\/div>\n<p><!-- end of .read-more --><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":7664,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[47,134],"tags":[],"class_list":["post-7663","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-aktuelles","category-featured"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7663","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=7663"}],"version-history":[{"count":1,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7663\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":7665,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7663\/revisions\/7665"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/7664"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=7663"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=7663"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=7663"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}