{"id":7660,"date":"2018-12-18T20:20:31","date_gmt":"2018-12-18T19:20:31","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7660"},"modified":"2018-12-20T20:29:10","modified_gmt":"2018-12-20T19:29:10","slug":"rodelinda-opera-national-de-lyon","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7660","title":{"rendered":"Rodelinda &#8211; Op\u00e9ra National de Lyon"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Georg Friedrich H\u00e4ndel(1685-1759), Oper in drei Akten, Libretto: Nicola Francesco Haym, UA: 13. Februar 1725 London, Haymarket Theatre<\/p>\n<p>Regie: Klaus Guth, B\u00fchne\/Kost\u00fcme: Christian Schmidt, Licht: Joachim Klein, Choreographie: Ramses Sigl, Video: Andi M\u00fcller, Dramaturgie: Konrad Kuhn<\/p>\n<p>Dirigent: Stefano Montanari, Orchester der Op\u00e9ra de Lyon<\/p>\n<p>Solisten: Sabina Pu\u00e9rtolas (Rodelinda), Krystian Adam (Grimoaldo), Avery Amereau, (Eduige), Christopher Ainslie (Unulfo), Lawrence Zazzo (Bertarido), Jean-S\u00e9bastien Bou (Garibaldo), Fabi\u00e1n Augusto G\u00f3mez Boh\u00f3rquez (Flavio)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 15. Dezember 2018 (Premiere)<\/p>\n<p>Koproduktion mit dem Teatro Real Madrid und dem Teatro Liceu Barcelona und der Oper Frankfurt<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/Lyon-Rodelinda.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-7661\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/Lyon-Rodelinda.png\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"426\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/Lyon-Rodelinda.png 650w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/Lyon-Rodelinda-300x197.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><\/a>Vorbemerkung<\/strong><\/p>\n<p>H\u00e4ndel brachte seine <em>Rodelinda<\/em> im Jahr 1725 zur Auff\u00fchrung, als er schon etliche Erfolge als Opernkomponist in London vorweisen konnte. Zu dieser Zeit standen ihm die damals weltbesten S\u00e4nger wie Francesca Cuzzoni (Rodelinda) und der Kastrat Senesino (Bertarido) zur Verf\u00fcgung. Im Vergleich zu anderen Opern wie <em>Amadigi<\/em>, <em>Giulio Cesare<\/em> oder <em>Flavio<\/em>, der in <em>Rodelinda<\/em> als kleines Kind eine stumme Rolle hat, wird in diesem Werk ein Schwerpunkt auf die inneren Prozesse der Figuren gesetzt. Beim Handlungsgeschehen wird alles \u00dcberfl\u00fcssige fortgelassen und viel Raum f\u00fcr gro\u00dfe Gef\u00fchlsschilderungen geschaffen. Mit der stummen Rolle des Flavio schuf H\u00e4ndel eine Besonderheit, die wir aus anderen Opern von ihm nicht kennen. Des weiteren verwendet er einen Kunstgriff, der in gro\u00dfem Stil erst im 19. Jahrhundert Verbreitung findet: ein Melodiefragment der Ouvert\u00fcre findet sich nahezu identisch in einer Arie des Garibaldo wieder: <em>Di Cupido impiego i vanni \/ per salire al regal soglio \u2013 mit Hilfe der Fl\u00fcgel des Cupido will ich den Thron ersteigen<\/em>. Hier wird das Motto der gesamten Oper musikalisch vorangestellt: man will durch vorget\u00e4uschte oder echte Liebe die Herrschaft ergattern.<\/p>\n<p><strong>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Rodelinda glaubt, ihr Gatte Bertarido sei im Kampf gefallen. In Wahrheit hat Grimoaldo dieses Ger\u00fccht verbreiten lassen um sich sowohl die Herrschaft wie auch Rodelinda als Gattin zu sichern. Garibaldo hingegen will sich die Herrschaft erringen, indem er Bertaridos Schwester Eduige f\u00fcr sich gewinnt. Rodelinda nimmt den Antrag Grimoaldos an, wenn dieser es wagen w\u00fcrde, ihren Sohn zu t\u00f6ten und sich somit als Tyrann unter Beweis stellt. In der Zwischenzeit ist Bertarido zur\u00fcckgekehrt und soll sich auf Rat seines Freundes Unulfo noch nicht zu erkennen geben. So bangt er um Rodelindas Treue und wird sp\u00e4ter von Grimoaldo bei einer Umarmung mit Rodelinda ertappt und in den Kerker geworfen. Zusammen mit Eduige beschlie\u00dft Rodelinda, den Machenschaften ein Ende zu setzen und ihren Gatten zu befreien.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Die Inszenierung von Klaus Guth umschreibt w\u00e4hrend des Vorspiels mit einer handgezeichneten Video-Animation die Vorgeschichte und die Personenkonstellation. Mit klaren Federstrichen und Symbolen kann man die Verworrenheit der Umst\u00e4nde aufl\u00f6sen und ist f\u00fcr das weitere Geschehen gut vorbereitet. Es folgt eine kurze Pantomime mit den Akteuren, die wohl auch das vorige Geschehen skizzieren soll. Der Zuschauer kann hier leider nicht wissen, bei wem es sich um wen handelt und steht vor einem R\u00e4tsel. Was folgt, ist eine ansehnliche Architektur mit Au\u00dfen- und Innenansicht im klassizistischen Stil. Da ist ein Schlafzimmer, ein E\u00dfzimmer, ein Treppenhaus und eine Hausfassade, alles in Wei\u00df. Ganz im Gegensatz zur Kleidung der Figuren. Diese sind fast ausschlie\u00dflich in Schwarz gekleidet, lediglich Rodelinda bewegt sich in einem wei\u00dfen Kleid. Die einzelnen Bilder sind greifbar aus der Handlung heraus entwickelt, es entsteht eine groteske Familiensituation w\u00e4hrend des Essens, und auch die Geister der Ahnen spuken immer wieder durch die Szene. Und dann ist da noch die stumme Rolle des Flavio. Ein autistisch-psychotisches Kind, gespielt von Fabi\u00e1n Augusto G\u00f3mez Boh\u00f3rquez, welcher sich bald in Schockstarre befindet, bald in beinahe zirkusartistische Aktionen verf\u00e4llt. Am Ende erweist er sich als derjenige, der w\u00e4hrend der Handlung bis zum lieto fine einen un\u00fcbersehbar inneren Schaden erlitten hat.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p><strong>Stefano Montanari<\/strong> pr\u00e4sentiert dem Publikum einen frischen und unverbrauchten H\u00e4ndel, der allerlei Klangfarben und Schattierungen kennt. Die Ouvert\u00fcre fliegt rasch dahin, die Kontrapunktik ist transparent und die Klangfarben wohl ausgewogen. Ihm steht ein beeindruckendes S\u00e4ngerteam zur Seite, das aufhorchen l\u00e4\u00dft. Allen voran <strong>Sabina Pu\u00e9rtolas<\/strong> als Rodelinda. Sie ist ein sanfter Sopran ohne jede Sch\u00e4rfe, die, wenn sie \u00fcberzeugen will, nicht wie viele Kolleginnen zwanghaft ins Laute verf\u00e4llt. Alles ist sehr zart und fein erarbeitet und gef\u00e4llt in jedem Register dem Ohr des Zuschauers. Ebenso ist <strong>Krystian Adam<\/strong> als Grimoaldo zu erw\u00e4hnen. Der Tenor hat eine gro\u00dfe Strahlkraft und einen starken Atem. Sein Timbre ist warm und hell. Vor allem die Klarheit seiner Akzentuierung l\u00e4\u00dft aufhorchen. Gerade im Rezitativ erkennt man eine Orientierung am Notentext, die in rhythmischer Hinsicht viel Frische verspr\u00fcht, da er sich weitgehend an die vorgegebene Notation h\u00e4lt (vielen S\u00e4nger ist dieser einfache Schritt bislang nicht deutlich geworden).<\/p>\n<p><strong>Avery Amereau<\/strong> als Eduige ist ein schwerer Mezzosopran mit einem Schu\u00df Melancholie. Ihr fehlt noch ein wenig die Flexibilit\u00e4t und Leichtigkeit in der Stimme, jedoch kann sie durch starke B\u00fchnenpr\u00e4senz wieder einiges wett machen. Ein Star des Abends war selbstverst\u00e4ndlich <strong>Lawrence Zazzo<\/strong> als Bertarido. Sein Timbre strahlt, seine Technik ist in aller Hinsicht \u00fcberzeugend und so ist nicht nur bei seiner letzten Arie <em>Vivi tiranno \u2013 lebe, Tyrann<\/em> der st\u00fcrmische Applaus hoch verdient. Etwas farblos bleibt leider <strong>Christopher Ainslie<\/strong> als Unulfo, dem es ein wenig an Glanz und Ausdruckskraft fehlt. Er bleibt im ganzen etwas zu brav und k\u00f6nnte sicherlich ebenfalls aus einer seiner Arien einen H\u00f6hepunkt machen. <strong>Jean-S\u00e9bastien Bou<\/strong> als Garibaldo ist ein sonorer Ba\u00df, der seiner Rolle als B\u00f6sewicht und Pechvogel gesanglich ebenfalls alle Ehre macht! Eine sehr transparente Textverst\u00e4ndlichkeit zieht sich durch den gesamten Abend. Auch im Rezitativgesang achtet Montanari auf Be- und Entschleunigungen und erzeugt so in den Dialogen lebendige Spannungsb\u00f6gen.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Diese <em>Rodelinda<\/em> ist ein mitrei\u00dfender Abend, w\u00e4hrenddessen die \u00fcber drei Stunden Musik in jeder Hinsicht kurzweilig ist. Man erlebt das St\u00fcck ohne sonderliche K\u00fcrzungen und am Ende folgt ein st\u00fcrmischer Applaus, auch f\u00fcr das Regieteam.<\/p>\n<p>Daniel Rilling<\/p>\n<p>Bild: Jean-Pierre Maurin<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Lawrence Zazzo (Bertarido), auf der Treppe: Fabi\u00e1n Augusto G\u00f3mez Boh\u00f3rquez (Flavio), Sabina Pu\u00e9rtolas (Rodelinda)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Georg Friedrich H\u00e4ndel(1685-1759), Oper in drei Akten, Libretto: Nicola Francesco Haym, UA: 13. 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