{"id":7651,"date":"2018-12-05T18:33:07","date_gmt":"2018-12-05T17:33:07","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7651"},"modified":"2019-03-12T17:34:41","modified_gmt":"2019-03-12T16:34:41","slug":"messiah-messias-koeln-philharmonie","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7651","title":{"rendered":"Messiah \u2013 Messias &#8211; K\u00f6ln, Philharmonie"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von<strong> Georg Friedrich H\u00e4ndel<\/strong> (1685-1759), Oratorium f\u00fcr Soli, Chor und Orchester. Libretto: Charles Jennens (1700-1772) nach Texten aus dem Alten und Neuen Testament, UA: 13. April 1742 Dublin (Irland), Great Music Hall, Fishamble Street unter H\u00e4ndels Leitung<\/p>\n<p>Dirigent: Arndt Martin Henzelmann, Rodenkirchener Kammerorchester und Rodenkirchener Kammerchor<\/p>\n<p>Solisten: Jana Marie Gropp, (Sopran), Elvira Bill, (Alt), Wolfgang Klose (Tenor), Klaus H\u00e4ger, (Ba\u00dfbariton)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 2. Dezember 2018<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/RKCO-Bild.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-7730\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/RKCO-Bild.png\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"434\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/RKCO-Bild.png 650w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/RKCO-Bild-300x200.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><\/a>Vorbemerkung<\/strong><\/p>\n<p>Vom irischen Vizek\u00f6nig William Cavendish von Irland erhielt H\u00e4ndel Mitte des Jahres 1741 eine Einladung, in Dublin eine Reihe von Konzerten zu geben. H\u00e4ndel war in Dublin wohlbekannt, seine Werke wurden dort oft zu Wohlt\u00e4tigkeitszwecken aufgef\u00fchrt. Besonders bekannt war seine Kirchenmusik wie das <em>Te Deum<\/em>, das <em>Jubilate<\/em> und verschiedene <em>Anthems<\/em>. Letzteres sind kantaten\u00e4hnliche Vertonungen in englischer Sprache. H\u00e4ndel begann den ersten Teil der drei Teile umfassenden Komposition des <em>Messias<\/em> am 22. August und beendete sie am 12. September 1741. Er ben\u00f6tigte folglich lediglich vierundzwanzig Tage zu Vollendung dieser riesigen Komposition! Anzumerken ist, da\u00df <em>der ganze Messias durchsetzt ist mit h\u00f6chst einfallsreichen Umarbeitungen italienische Liebesmusik<\/em> (Paul Henry Lang <em>G.F. H\u00e4ndel<\/em>, S. 304). Diese Liebeslieder waren allerdings alle von ihm fr\u00fcher in Italien komponiert worden.<\/p>\n<p>Der <em>Messiah<\/em> wurde im Anschlu\u00df an zw\u00f6lf Konzerte mit H\u00e4ndelkompositionen in der neuerbauten Great Music-Hall in Fishamble Street, Dublin, aufgef\u00fchrt. Die Auff\u00fchrungen wurden gef\u00f6rdert durch die <em>Charitable Musical Society<\/em>. Dies war eine <em>Wohlt\u00e4tige Gesellschaft<\/em> und hatte den Zweck, die Freilassung von Gefangenen in den verschiedenen Gef\u00e4ngnissen zu erm\u00f6glichen sowie die Unterst\u00fctzung des Mercer\u2019s Hospital und des Armenkrankenhauses am Inn\u2019s Quay. H\u00e4ndels erster und wichtigster Biograph, John Mainwaring, schrieb: <em>Der Messias blieb ein Werk, das die Hungrigen n\u00e4hrte, die Nackten kleidete, die Waisen aufzog. <\/em>Die endg\u00fcltige Popularit\u00e4t des <em>Messias<\/em> ist den Auff\u00fchrungen zuzuschreiben, die mit den j\u00e4hrlichen Wohlt\u00e4tigkeitsauff\u00fchrungen (seit 1750 unter H\u00e4ndels Leitung) in der dortigen Kapelle stattfanden.<\/p>\n<p><strong>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Der Text besteht ausschlie\u00dflich aus Worten des Alten und des Neuen Testaments. Es war Charles Jennens, ein Freund H\u00e4ndels, der das Kunstst\u00fcck fertigbrachte, Verse der Bibel ohne poetischen Zusatz in ansprechender Art zusammenzustellen. Er w\u00e4hlte die indirekte Erz\u00e4hlung des Lebens Jesu aus der Sicht der Prophezeiung des <em>Alten Testaments. <\/em>Mit diesem <em>Sacred Entertainment<\/em> konnte die anglikanische Kirche einverstanden sein, da die liturgischen Lesungen des Evangeliums des <em>Neuen Testaments<\/em> nicht enthalten waren.<\/p>\n<p>Teil I schildert in f\u00fcnf Abschnitten die <em>Prophezeiung des Heils durch den Messias<\/em>, den Sohn Gottes.<\/p>\n<p>Teil II erz\u00e4hlt die <em>Prophezeiung der Erl\u00f6sung in sieben Abschnitten durch den Tod, die Auferstehung und Himmelfahrt des Messias<\/em>. Hier ist anzumerken, da\u00df in der griechischen \u00dcbersetzung des Alten Testaments Messiah mit Christos wiedergegeben wird. Dieser Teil wird durch das herrliche <em>Halleluja<\/em> beendet.<\/p>\n<p>Tel III erl\u00e4utert in vier Abschnitten die <em>Heilsm\u00e4chtigkeit des Messiah\/Christos<\/em>.<\/p>\n<p>Im Mittelpunkt des Oratoriums stehen Arien und Chors\u00e4tze. Sie sind innerhalb der einzelnen Abschnitte im Text aufeinander bezogen. H\u00e4ndel hat die Da-Capo-Arie nur an zwei Stellen angewandt:<\/p>\n<p><em>He was despised <\/em>und <em>The trumpet shall sound<\/em>.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Zu Anfang waren zwei Dinge auffallend, einmal die geringe Zahl der Instrumentalisten und das ruhige Tempo, mit dem Dirigent <strong>Arndt Martin Henzelmann<\/strong> das <em>Grave<\/em> und dann das <em>Allegro moderato<\/em> der Sinfony beginnt. Das Tempo ist gut gew\u00e4hlt, wie oft ist es bei anderen Auff\u00fchrungen \u00fcberzogen! Und das h\u00e4lt der Orchesterleiter, der sein erstes \u00f6ffentliches Auftreten mit dem Kammerorchester und Chor aus Rodenkirchen (K\u00f6ln) absolviert, bis zum Schlu\u00df durch. Den Arien und den pr\u00e4chtigen Ch\u00f6ren kommt dies zugute. Das Verh\u00e4ltnis von Orchester und Chor (Orchester 19 Streicher, 69 Choristen) gereicht dem Chor und den Solisten zum Vorteil, da an keiner Stelle das Orchester die Stimmen \u00fcbert\u00f6nt, etwas, was oft als st\u00f6rende empfunden wird.<\/p>\n<p><strong>Wolfgang Klose<\/strong> (Tenor) gibt seiner Stimme gl\u00fccklicherweise wenig Vibrato bei. Das kommt der Artikulation sehr zustatten, besonders bei l\u00e4ngeren Lieget\u00f6nen, und seine Koloraturen sind in aller Deutlichkeit vernehmbar.<\/p>\n<p>Schon der erste gro\u00dfe <strong>Chor<\/strong> <em>And the glory of the Lord \u2013 Denn die Herrlichkeit des Herrn<\/em> zeigt die gro\u00dfe Disziplin des Chors. Die notwendige Flexibilit\u00e4t und die korrekten Stimmeins\u00e4tzen der Stimmgruppen sind bei dieser und der folgenden Fugen auffallend gut. Der t\u00e4nzerische Dreivierteltakt wirkt anr\u00fchrend. Noch h\u00f6rbarer wird die Qualit\u00e4t des Gesangs bei <em>And He shell purify the sons of Levy \u2013 Und er wird die S\u00f6hne Levi<\/em> reinigen. Es \u00fcberw\u00e4ltigte einen geradezu, wie die Sopranstimmen ohne jegliche Tontr\u00fcbung in den schnellen Teilen (16tel Noten) diesem Musikst\u00fcck Lebendigkeit und Leichtigkeit vermitteln. Die anderen Stimmgruppen sind kaum weniger elastisch und rhythmisch pr\u00e4zise. Wunderbar die Einheitlichkeit aller Stimme, wobei der lyrische Flu\u00df immer gewahrt bleibt. Professionellen Ch\u00f6ren gelingt das selbstverst\u00e4ndlich \u00e4hnlich gut. Doch was ihnen manchmal fehlt, ist das pers\u00f6nliche Engagement der Choristen, was hier deutlich sp\u00fcrbar ist. Der volle H\u00f6rgenu\u00df stellt sich dann ein, wenn auf Deutlichkeit der Aussprache und Homogenit\u00e4t der Stimmgruppen vom Chorleiter geachtet wird. Und hier ist das der Fall.<\/p>\n<p><strong>Klaus H\u00e4ger<\/strong> (Ba\u00dfbariton) zeigt seine Qualit\u00e4t, besonders bei den Trillern im Rezitativ <em>For behold, darkness shall cover the earth \u2013 denn siehe, Finsternis bedeckt das Erdreich<\/em>. Seine Stimme ist gut fokussiert bei den Unisonostellen der folgenden Arie <em>The peopel that walked in darkness \u2013 Das Volk, das im Finstern wandelt.<\/em> Hier zeigt H\u00e4ndel, wie er das Herumtappen des Volks in der Finsternis tonmalerisch imitieren kann. Davor wirkte H\u00e4ger bei seinem ersten Auftritt mit <em>Thus saith the Lord \u2013 Denn so spricht der Herr<\/em> in seinem Gesang eher statisch. Jetzt ist alles bestens, sein Gesang dr\u00e4ngt vorw\u00e4rts und wirkt lebendig.<\/p>\n<p>Etwas entt\u00e4uschend wirkt die Altistin <strong>Elvira Bill<\/strong> ebenfalls bei ihrem ersten Einsatz. Das liegt wom\u00f6glich am \u00fcbergro\u00dfen Raum der Philharmonie. H\u00e4ndel hatte 1741 in der Great Music Hall in Dublin nur sechshundert Pl\u00e4tz, hier sind es \u00fcber 2000. Doch nach der Pause trotzte Elvira Bill dem gro\u00dfen Saal, und man kann die Akkuratesse ihrer Koloraturen und die Klarheit ihrer Altstimme gut verfolgen. Das ist im ber\u00fchmten <em>He was despised \u2013 er war verachtet gut <\/em>zu h\u00f6ren. Bei der hier vom Alt vorgetragenen Arie, (urspr\u00fcnglich war es in Dublin ein Countertenor), geht manches vom erwarteten, gequ\u00e4lten Ausdruck verloren. Daf\u00fcr kann man aber die Altistin nicht verantwortlich machte. Sie wird der Arie dagegen mit gro\u00dfer Inbrunst und lyrischem Timbre gerecht.<\/p>\n<p>Mit klarem Sopran l\u00e4\u00dft <strong>Jana Marie Gropp<\/strong> ihren Sopran in der Arie: <em>Rejoice greatly o daughter Sion \u2013 Freu doch sehr, Tochter Zion<\/em> aufleuchten. Sie singt hier die einzige, von H\u00e4ndel urspr\u00fcnglich mit Ornamenten versehene Arie (die Verzierungen der anderen Arien waren sp\u00e4ter von H\u00e4ndel hinzugesetzt worden), f\u00fcr die er aus London extra die Italienerin Christina Maria Avoglio mitbrachte. Denn H\u00e4ndel mu\u00dfte in Dublin mit einheimischen S\u00e4ngern auskommen. Gropps Atemtechnik bei den Trillern und den ausgedehnten Koloraturen sowie ihre Intonation h\u00f6ren sich tadellos an.<\/p>\n<p>Das <em>Halleluja<\/em>, wozu das Publikum von den Sitzen aufsteht \u2013 aufgefordert durch eine Bitte im Programmheft, das den Text dankenswerterweise in Englisch und Deutsch enth\u00e4lt (die Opernh\u00e4usern unterlassen eine Textwidergabe in ihren Programmheften seit 1995), kommt ruhig und mit W\u00fcrde zur Darstellung. Durch die ungemein subtile F\u00fchrung der Chorstimmen wird die Bedeutungsschwere dieses pr\u00e4chtigen Chors dennoch erlebbar. Wie oft wird hierbei im Tempo und der Dynamik ges\u00fcndigt! Hier ist dieser mit Recht ber\u00fchmte Chor in den Ablauf des gesamten Oratoriums im richtigen Verh\u00e4ltnis eingeordnet. Vielleicht hat das einige entt\u00e4uscht? Aber es geht bei diesem au\u00dferordentlichen Musikwerk um eine Harmonie zu einem h\u00f6heren Zweck. Und mit dem Niveau der Solisten und des Chors war diese Auff\u00fchrung eine harmonische Gl\u00fccksstunde!<\/p>\n<p>Dr. Olaf Zenner<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Georg Friedrich H\u00e4ndel (1685-1759), Oratorium f\u00fcr Soli, Chor und Orchester. Libretto: Charles Jennens (1700-1772) nach Texten aus dem Alten und Neuen Testament, UA: 13. 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