{"id":7648,"date":"2018-11-26T20:51:04","date_gmt":"2018-11-26T19:51:04","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7648"},"modified":"2018-11-27T20:56:56","modified_gmt":"2018-11-27T19:56:56","slug":"peter-grimes-koeln-oper","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7648","title":{"rendered":"Peter Grimes &#8211; K\u00f6ln, Oper"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Benjamin Britten (1913-1976), Oper in drei Akten, Libretto: Montagu Slater, UA: 7. Juni 1945 London, Sadler\u2019s Wells Theatre<\/p>\n<p>Regie: Frederic Wake-Walker, B\u00fchne\/Kost\u00fcme: Anna Jones<\/p>\n<p>Dirigent: Nicholas Collon und das G\u00fcrzenich-Orchester K\u00f6ln<br \/>\nSolisten: Marco Jentzsch (Peter Grimes), Ivana Rusko (Ellen Orford), Robert Bork (Balstrode), Malgorzata Walewska (Auntie), Monica Dewey (1. Nichte), Kathrin Zukowski\u00a0 (2. Nichte), Dino L\u00fcthy (Bob Boles), Lucas Singer (Swallow), Rebecca de Pont Davies (Mrs. Sedley), Philip Sheffield (Horace Adams), Wolfgang Stefan Schwaiger (Ned Keene)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 25. November 2018 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/Peter_Grimes_98.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-7649\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/Peter_Grimes_98.png\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"433\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/Peter_Grimes_98.png 650w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/Peter_Grimes_98-300x200.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Der Fischer Peter Grimes steht vor Gericht, da sein Lehrjunge ums Leben gekommen ist. Der Vorfall wird als Unfall bewertet, die Dorfgemeinde verurteilt Peter Grimes aber trotzdem als M\u00f6rder. Nur die Lehrerin Ellen Orford h\u00e4lt zu ihm. Ein neuer Lehrjunge kommt in Peter Grimes Obhut. Ellen k\u00fcmmert sich um ihn und entdeckt an ihm Spuren der Mi\u00dfhandlung durch Peter Grimes. Als sie ihn zur Rede stellt, gibt er die Mi\u00dfhandlung zu und holt den Jungen ab, um mit ihm in See zu stechen. Beim Klettern von einer steilen Klippe st\u00fcrzt der Junge und stirbt. Die Bewohner suchen nach Grimes, von dem seit zwei Tagen jede Spur fehlt und wollen ihn bestrafen. Grimes folgt Balstrodes Aufforderung und f\u00e4hrt mit seinem Boot aufs Meer um sich umzubringen.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>H\u00f6lzerne Kirchenb\u00e4nke, eine Balustrade und kaputte Kirchenfenster deuten das Innere eines Gotteshauses an. Der Orchestergraben ist auf eine Seite des Saals 1 im Staatenhaus verlegt. Auf Lokalkolorit in Form von Fischeratmosph\u00e4re oder Meereselementen wird verzichtet. Stattdessen liegt der Fokus der Inszenierung auf der Darstellung der bigotten Dorfgemeinschaft, die durch Choreografien, wechselnde Kleidung (bei den M\u00e4nnern Anz\u00fcge, bei den Frauen R\u00f6cke und Blusen) und einstudierte Gesten als eine einheitliche Masse mit gro\u00dfer gesellschaftlicher Macht pr\u00e4sentiert wird. In diesem Gef\u00fcge wirkt Peter Grimes in Jeanshemd und schmutzigen Hosen als Au\u00dfenseiter, der nicht dazugeh\u00f6rt. Das Symbol des toten Kindes schwebt wie ein Mahnmal \u00fcber der gesamten Auff\u00fchrung. Zuerst in Form einer Puppe, die auf den Kirchenb\u00e4nken sitzt, sp\u00e4ter durch ein echtes Kind mit Maske; zum Schlu\u00df tr\u00e4gt das ganze Ensemble Kindermasken.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Von Anfang an sorgt der <strong>Chor<\/strong> als Dorfgemeinschaft f\u00fcr gro\u00dfe B\u00fchnenpr\u00e4senz \u2013 und das sowohl gesanglich wie auch schauspielerisch. Im ersten Akt sitzen alle auf den Kirchenb\u00e4nken und schauen wie hypnotisiert in den Zuschauerraum, dabei singen sie zun\u00e4chst sehr legato mit gro\u00dfer dynamischer Entwicklung von <em>piano<\/em> zu <em>fortissimo, <\/em>sp\u00e4ter mit scharfer Akzentuierung und viel Stimmgewalt in den lauten Partien und ahmen durch Aufstehen und Hinsetzen die Wellenbewegungen in der Melodie nach. Das <strong>Orchester<\/strong> bringt die wellenartigen L\u00e4ufe in den Streichern und Bl\u00e4sern dank des sehr pointierten und rhythmisch pr\u00e4zisen Dirigats von <strong>Nicholas Collon <\/strong>ebenfalls hervorragend auf den Punkt.<\/p>\n<p><strong>Marco Jentzsch<\/strong> (Peter Grimes) bleibt in seiner Rolle bewu\u00dft r\u00e4tselhaft: auf der einen Seite sitzt er als Au\u00dfenseiter zusammengekauert in der Ecke, auf der anderen Seite packt er seinen Lehrjungen grob an und zwingt ihn zur Arbeit. Dabei schmettert er in den Gesangspartien mit seinem blechernen Tenor sehr selbstbewu\u00dft in der H\u00f6he. Die lauten T\u00f6ne liegen ihm aber mehr als die leisen; im zweiten Akt versagt ihm die Stimme in den <em>sotto voce<\/em> gehauchten Teilen das ein oder andere Mal. Daf\u00fcr kann er in seiner Abschlu\u00dfarie im letzten Akt \u00fcberzeugen. Hier schreitet er mit weit aufgerissenen Augen in ein Wasserbecken und besingt symbolisch seinen Untergang, mit gef\u00fchlvoll intonierter Stimme und dynamischer Steigerung.<\/p>\n<p><strong>Ivana Rusko<\/strong> (Ellen Orford) bringt mit die beste Leistung des Abends: ihre sanfte, fast lyrische Sopranstimme klingt auch in den Spitzent\u00f6nen zu keiner Zeit angestrengt. Dabei gelingt ihr das An- und Abschwellen der Stimme besonders gut. In ihrer Rolle strahlt sie sehr viel Sicherheit und W\u00e4rme aus, was gut zu der unschuldigen Lehrerin pa\u00dft. Ebenfalls hervorzuheben ist <strong>Robert Bork<\/strong> (Balstrode) dessen dominanter Ba\u00dfbariton sehr rauh klingt und besonders im ersten Akt knarrend und donnernd von ihm eingesetzt wird, um Peter Grimes ins Gewissen zu reden.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Wenn man sich damit abfinden kann, da\u00df der Schauplatz nicht im Vordergrund der Handlung steht, dann ist diese Inszenierung ein gelungener Versuch, der r\u00e4tselhaften Figur Peter Grimes auf den Grund zu gehen. Besonders die Unf\u00e4higkeit mit der Zwiesp\u00e4ltigkeit zwischen \u201eguter B\u00fcrger\u201c und \u201efehlgeleiteter M\u00f6rder\u201c umzugehen, wird durch die exzellente gesangliche und schauspielerische Leistung des Chors sehr gut hervorgehoben. Das Publikum spendet den gr\u00f6\u00dften Applaus und Bravorufe f\u00fcr den Chor, Ivana Rusko, Marco Jentzsch und das Orchester mit Nicholas Collon. Eine Inszenierung, die auf jeden Fall nachdenklich stimmt!<\/p>\n<p>Melanie Joannidis<\/p>\n<p>Bild: Bernd Uhlig<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Robert Bork (Balstrode), Marco Jentzsch (Peter Grimes), Ivana Rusko (Ellen Orford)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Benjamin Britten (1913-1976), Oper in drei Akten, Libretto: Montagu Slater, UA: 7. 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