{"id":764,"date":"2009-08-09T23:02:35","date_gmt":"2009-08-09T21:02:35","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/?p=764"},"modified":"2010-03-21T23:42:06","modified_gmt":"2010-03-21T22:42:06","slug":"musikfestspiele-potsdam","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=764","title":{"rendered":"MUSIKFESTSPIELE POTSDAM"},"content":{"rendered":"<blockquote><p><a TITLE=\"theater-potsdam.jpg\" HREF=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/08\/theater-potsdam.jpg\"><img ALIGN=\"right\" ALT=\"theater-potsdam.jpg\" SRC=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/08\/theater-potsdam.jpg\" \/><\/a>Neben Schlo\u00df Sanssouci d\u00fcrfte das am westlichen Ende des Parks liegende m\u00e4chtige Neue Palais (1763-1769) wenig bekannt sein. Es enth\u00e4lt im s\u00fcdlichen Fl\u00fcgel ein Rokokotheater, das die Wirren der Kriege unzerst\u00f6rt \u00fcberlebt hat. Kaum ahnt man von au\u00dfen dieses Schmuckst\u00fcck. Lediglich Attikafiguren mit ihren Masken und Musikinstrumenten geben eine vornehme Andeutung.<br \/>\nIn rotem Samt gehaltene, amphitheatralisch im Halbrund ansteigende B\u00e4nke, worauf nur 226 Zuschauern Platz finden, werden von einer mit S\u00e4ulen abgesetzten Galerie begrenzt. Die Akustik ist fabelhaft und da von allen Pl\u00e4tzen die Sicht auf die B\u00fchne mit dem davor liegenden Orchestergraben durch nichts behindert wird, ist der Genu\u00df ungetr\u00fcbt. Auf diese Weise erlebt der Zuschauer die S\u00e4nger auf der B\u00fchne ohne Opernglas und fragt sich vielleicht, auf was er alles in den \u00fcbergro\u00dfen Zuschauerr\u00e4umen der heutigen Opernh\u00e4user verzichten mu\u00df. Allein dieses Erlebnis ist f\u00fcr einen Opernliebhaber eine wichtige Erfahrung.<br \/>\nDas diesj\u00e4hrige Programm enthielt fast ausschlie\u00dflich Werke von Haydn, die man im Schlo\u00dftheater auff\u00fchrte. Zwei Opern wurden dargeboten: die Marionettenoper Philemon und Baucis und L\u2019infedelt\u00e0 delusa \u2013 Die vereitelte Untreue, eine Burletta per musica \u2013 ein musikalischer Spa\u00df. Letztere besuchten wir am 26. Juni 2009 (Premiere).<br \/>\nRegie: Jakob Peters-Messer, B\u00fchne\/Kost\u00fcme: Markus Meyer, Dirigent: Andreas Spering, Capella Augustina<br \/>\nSolisten: Gemma Bertagnolli (Vespina), Raffaella Mallanesi (Sandrina), Andreas Karasiak (Filippo), Daniel Auchincloss (Nencio), Christian Senn (Nanni)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Kurzinhalt<\/strong><br \/>\n<a HREF=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/08\/musikfestspiele-potsdam.jpg\" TITLE=\"musikfestspiele-potsdam.jpg\"><img SRC=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/08\/musikfestspiele-potsdam.jpg\" ALT=\"musikfestspiele-potsdam.jpg\" ALIGN=\"right\" \/><\/a>Die Oper spielt in einem Bauerndorf, wo der reiche Bauer Filippo seine Tochter Sandrina mit dem Bauern Nencio verheiraten will. Aber Sandrina ist in den armen Dorfbauern Nanni verliebt. Echte Schwierigkeiten treten dadurch auf, da\u00df Nencio, der eigentlich Vespina, der Schwester von Nanni, die Ehe versprochen hatte, ihr auf diese Weise untreu wird. Nencios Absicht ist, durch die Heirat mit Sandrina noch reicher zu werden. Sowohl Filippo als auch Nencio haben sich aber im Einfallsreichtum von Vespina verrechnet. Diese versteht es n\u00e4mlich, mit den ulkigsten Verkleidungen das Schicksal f\u00fcr sich g\u00fcnstig zu gestalten. Zum Schlu\u00df gibt\u2019s nat\u00fcrlich eine durch List erreichte Doppelhochzeit von Sandrina\/Nanni und Vespina\/Nencio.<br \/>\n<strong>Auff\u00fchrung<\/strong><br \/>\nEin mit vielen verschiedenen Blumen bedruckter Vorhang trennt ein gr\u00f6\u00dferes Halbrund der B\u00fchne ab. Wir sind offensichtlich in einer G\u00e4rtnerei. Auf der freien B\u00fchnenfl\u00e4che sieht man ab und zu zwei aufblasbaren Sessel und \u2013 im ersten Akt \u2013 mit ein an der Rampe liegender, \u00fcbergro\u00dfer Frosch (Froschk\u00f6nig?). Vespina erscheint mit den ihren Verkleidungen angepa\u00dften Kost\u00fcmen. Sandrina tr\u00e4gt u.a. ein wei\u00dfes Brautkleid, das sie aber bis auf den blendend wei\u00dfen Unterrock auszog, wohl um die schlichte Heirat mit Nanni anzudeuten. Die Kost\u00fcme der Herren sind schwerer einzuordnen: Nencio als vornehmer Reiter in wei\u00dfer Reithose, rotem Jackett, wei\u00dfen Handschuhen und schwarzer Reiterkappe oder Nanni mit Schutzbrille in heller buntbedruckter Hose und Jackett. Filippo hat ein wei\u00dfes Hemd, schwarze Hosen und auffallend gelbe Stiefel an. Man r\u00e4tselt, was diese Kost\u00fcme zu bedeuten haben?<br \/>\n<strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><br \/>\n<strong>Andreas Karasiak<\/strong> (Filippo) singt mit starker Stimme und gro\u00dfem Elan, wobei ihm die H\u00f6he ein wenig Probleme macht. Bei <strong>Christian Senns <\/strong>(Nanni) Wut und Rachearie: <em>Non v\u2019\u00e8 rimedio, non v\u2019\u00e8 compenso \u2013 Es gibt kein Heilmittel, keine L\u00f6sung<\/em> gibt <strong>Andreas Spering<\/strong> mit der<strong> Capella Augustina<\/strong> ein sehr schnelles Tempo vor, doch Christian Senn meistert dies m\u00fchelos und vergi\u00dft nicht, die zahlreichen vorgeschriebenen Sforzati kunstgerecht anzubringen. Es gibt verdienten Applaus. Dasselbe kann man leider bei <strong>Daniel Auchincloss<\/strong> (Nencio) nicht finden: die Intonation ist \u00f6fter getr\u00fcbt. <strong>Raffaella Milanesi<\/strong> (Sandrina) meistert ihr Schlu\u00dfarie <em>\u00c8 la pompa un gran imbroglio \u2013 der Prunk ist ein gro\u00dfer Schwinde<\/em>l mit allen Finessen, besonders in den ausgedehnten Koloraturen bei <em>io non voglio che la pace del mio cor \u2013 ich m\u00f6chte nur Frieden in meinem Herzen<\/em>. Wenn sie auch noch ihrem strahlenden Sopran in der H\u00f6he statt forcierter Kraft ein wenig mehr W\u00e4rme geben w\u00fcrde, w\u00e4re die Stimme vollkommen.<br \/>\n<strong>Gemma Bertagnolli<\/strong> (Vespina) ist ein gro\u00dfartiges Naturtalent. Ihre vier Verkleidungsszenen (als alte gebrechliche Frau, als Diener, als Marquis und als Notar bei der Trauung) bringt sie umwerfend \u00fcber die Rampe. Unnachahmlich ihre wie bei einem zugrundegehenden K\u00e4tzchen ver\u00e4nderte Stimme in ihrer Arie als humpelnde und augenkranke Frau: <em>Ho un tumore in un ginocchio \u2013 ich habe einen Tumor im Knie<\/em> zu Beginn des zweiten Akts bei den Worten: <em>quella povera ragazza sta l\u00ec l\u00ec per dilefiar \u2013 dies arme M\u00e4dchen<\/em> (wobei sie sich meint) <em>ist dabei zu sterben<\/em>. Das Publikum dankte es ihr mit gro\u00dfem Applaus.<br \/>\n<strong>Fazit<\/strong><br \/>\nHier erg\u00e4nzte das ausgezeichnete Orchester unter Andreas Spering und einer ausgesuchten S\u00e4ngerschar das schon durch das oben beschriebene Ambiente stimulierte Opernvergn\u00fcgen in gl\u00fccklicher Weise. Auch die Regie hatte ausgezeichnete Einf\u00e4lle hinsichtlich der S\u00e4ngeraktionen. Weniger zufrieden konnte man mit dem B\u00fchnenbild und Kost\u00fcmen sein, die eher die Handlung verwirrten als deutlich machten. Aber insgesamt eine sehr sehenswerte Auff\u00fchrung, die im Herbst am 27., 28. und 29. November wiederholt wird.<br \/>\nDr. Olaf Zenner<\/p>\n<p>Bild: Monika Rittershaus<br \/>\nDas Bild zeigt:\u00a0\u00a0Gemma Bertagnolli (Vespina), Raffaella Milanesi (Sandrina) und Andreas Karasiak (Filippo) v.l.n.r.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Neben Schlo\u00df Sanssouci d\u00fcrfte das am westlichen Ende des Parks liegende m\u00e4chtige Neue Palais (1763-1769) wenig bekannt sein. Es enth\u00e4lt im s\u00fcdlichen Fl\u00fcgel ein Rokokotheater, das die Wirren der Kriege unzerst\u00f6rt \u00fcberlebt hat. Kaum ahnt man von au\u00dfen dieses Schmuckst\u00fcck.<span class=\"ellipsis\">&hellip;<\/span><\/p>\n<div class=\"read-more\"><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=764\">Weiterlesen \u203a<\/a><\/div>\n<p><!-- end of .read-more --><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-764","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/764","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=764"}],"version-history":[{"count":1,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/764\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1307,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/764\/revisions\/1307"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=764"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=764"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=764"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}