{"id":7639,"date":"2018-11-20T12:05:41","date_gmt":"2018-11-20T11:05:41","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7639"},"modified":"2019-01-02T12:35:07","modified_gmt":"2019-01-02T11:35:07","slug":"lorfeo-plauen-theater","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7639","title":{"rendered":"L\u2019Orfeo  &#8211; Plauen, Theater"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Claudio Monteverdi (1567-1643), Favola in musica in f\u00fcnf Akten, Libretto: Alessandro Striggio, UA: 24. Februar.1607 Mantua, Herzoglicher Palast<\/p>\n<p>Arrangement und Neukomposition: Katharina S. M\u00fcller, UA des Finales: 31. Januar 2018, Plauen<\/p>\n<p>Regie: J\u00fcrgen P\u00f6ckel, B\u00fchne\/Kost\u00fcme: Oliver Opara, Dramaturgie\/\u00dcbertitel: Vera Gertz und Ulrike Berger, Programmierung Klangelektronik: GMD Leo Siberski<\/p>\n<p>Dirigent: Mark Johnston, Orchester: Philharmonisches Orchester Plauen-Zwickau<\/p>\n<p>Solisten: Marija Miti\u0107 (La musica), Andr\u00e9 Gass (Orfeo), Nataliia Ulasevych (Euridice\/Eco), Christina-Maria Heuel (Messaggera\/Proserpina), Manja Ilgen (Speranza\/Ninfe\/Bacchante), Frank Blees (Caronte), Frederik Tucker (Plutone), Constantin Philippoff (Apollo), Annemieke Lepetit (Ninfe\/Bacchante), Dong-Bum Kim (Pastore\/Spirito), Frank Bless (Pastore), Michael Simmen (Pastore\/Spirito), Holger Rieck (Pastore), Theresa Schultz\/Valentin Popov (ein junges Paar)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 17. November 2018 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/Plauen_L\u00b4Orfeo.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-7640\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/Plauen_L\u00b4Orfeo.png\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"433\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/Plauen_L\u00b4Orfeo.png 650w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/Plauen_L\u00b4Orfeo-300x200.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><\/a><\/strong><\/p>\n<p><strong>Kurzinhalt <\/strong><\/p>\n<p><em>La Musica<\/em> \u2013 die Musik \u2013 berichtet zu Beginn von ihrer F\u00e4higkeit, sowohl die Natur als auch Menschen verzaubern zu k\u00f6nnen. Sie erkl\u00e4rt au\u00dferdem, nun die Geschichte von <em>Orfeo<\/em> erz\u00e4hlen zu wollen. Im Anschlu\u00df an ihren Prolog sind Orfeo und Euridice zu sehen, die gemeinsam mit Hirten und Nymphen ausgelassen ihre Hochzeit feiern. Nachdem Euridice abgetreten ist, berichtet Orfeo ausgiebig, da\u00df er traurige Tage hinter sich und unter Liebeskummer gelitten hat. Nun ist er durch die Heirat mit seiner geliebten Euridice \u00fcbergl\u00fccklich.<\/p>\n<p>Pl\u00f6tzlich kommt eine Botin herein und teilt mit, da\u00df Euridice durch den Bi\u00df einer giftigen Schlage gestorben sei. Die anwesenden Hirten und Nymphen beklagen Euridices Tod und leiden mit Orfeo. Orfeo entscheidet, in die Unterwelt zu ziehen und sie zur\u00fcckzuholen. Falls das Unterfangen mi\u00dflingen sollte, will er mit ihr gemeinsam in der Unterwelt bleiben.<\/p>\n<p>Begleitet von <em>Speranza<\/em> \u2013 der Hoffnung \u2013 erreicht Orfeo den Eingang zur Unterwelt. Allerdings weigert sich der F\u00e4hrmann <em>Caronte<\/em> zun\u00e4chst, Orfeo \u00fcber den Styx zu bringen bis Orfeos Gesang ihn schlie\u00dflich einschlafen l\u00e4\u00dft. Orfeo setzt daraufhin selbst \u00fcber den Flu\u00df.<\/p>\n<p>Am anderen Ufer klagt Orfeo <em>Proserpina<\/em> sein Leid. Proserpina bittet <em>Pluto<\/em>, Orfeo zu erh\u00f6ren. Pluto willigt ein, als sie ihn an seine eigene Liebe zu ihr erinnert. Allerdings stellt er eine Bedingung an Euridices R\u00fcckkehr zur Erde: Orfeo darf sich auf seinem Weg nach oben nicht nach ihr umsehen. Orfeo jedoch kann der Versuchung nicht widerstehen und dreht sich nach ihr um. Euridice verschwindet daraufhin erneut.<\/p>\n<p>Orfeo kehrt zur\u00fcck in die Oberwelt. Er beklagt seinen Schmerz und beteuert, nie mehr lieben zu wollen. Bacchantinnen kommen und besingen ihren Gott Bacchus und den Rausch. Orfeo tr\u00e4umt von seinem Vater <em>Apoll<\/em>, der ihn in den Olymp bringt.<\/p>\n<p><strong>Vorbemerkung<\/strong><\/p>\n<p><em>L`Orfeo<\/em> gilt als eine der ersten Opern im engeren Sinne. Die Partitur dazu liegt in einem ber\u00fchmten, farbig instrumentierten Musikdruck des 17. Jahrhunderts vor. Sie wurde 1609 in Venedig bei Ricciardo Amadino gedruckt und ist auch heute noch k\u00e4uflich zu erhalten. Diese originale Version, zu der man im modernen Orchester nicht mehr \u00fcbliche Instrumente wie z.B. den Zink oder die Theorbe ben\u00f6tigt, l\u00e4\u00dft sich nicht einfach mit einem B\u00fchnenorchester realisieren. Aus dem Grunde hat das Theater Plauen-Zwickau (so die offizielle Bezeichnung des Theaters) Katharina S. M\u00fcller gebeten, eine Partitur neu zu schreiben und dazu ein aus heutiger Sicht fehlendes Finale f\u00fcr die Oper zu komponieren. Dieses wurde bereits am 31. Januar 2018 in Plauen uraufgef\u00fchrt. Nun also folgte die Fassung der kompletten neuen Partitur: Katharina S. M\u00fcller verwendet in ihrer Version heutige Instrumente; sie l\u00e4\u00dft so E-Gitarre und Synthesizer in modernen Harmonien gleichberechtigt neben Harfe und Fagott erklingen, alles nat\u00fcrlich nicht historische Instrumente der Monteverdi-Zeit.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung <\/strong><\/p>\n<p>Die Premiere findet auf der kleinen B\u00fchne im Malsaal statt, der nur mit sechs Stuhlreihen bef\u00fcllt werden kann und ungef\u00e4hr 150 Menschen Raum bietet. Das Orchester ist direkt zwischen B\u00fchne und Publikum und somit f\u00fcr die erste Reihe zum Greifen nahe. Durch die r\u00e4umliche Enge entsteht eine kammermusikalische Atmosph\u00e4re, die wohl auch den Bedingungen der Urauff\u00fchrung im Jahr 1607 entspricht.<\/p>\n<p>Das B\u00fchnenbild besteht aus f\u00fcnf Ebenen, die je einen der insgesamt f\u00fcnf Akte symbolisieren. An der Hinterwand sind zwei papierne Gebilde, die wie zwei Felsen wirken und sich \u00f6ffnen und schlie\u00dfen k\u00f6nnen. Einzelne Barockinstrumentalistinnen spielen in Kost\u00fcmen auf der B\u00fchne selbst als Teil des Geschehens mit.<\/p>\n<p>Die Kost\u00fcme sind fantasie- und detailreich und lassen die verschiedenen Personengruppen erkennen: Orfeo und Euridice etwa sind traditionell gekleidet, Nymphen und Hirten hingegen haben farbenfrohe Kost\u00fcme aus gl\u00e4nzenden Stoffen. <em>La musica<\/em> \u2013 vermutlich als zeiten\u00fcbergreifende Figur \u2013 tr\u00e4gt auch ein zeiten\u00fcbergreifendes Kost\u00fcm: hohe Plateaustiefel kontrastieren beispielsweise zu einem Reif ohne Rock.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester <\/strong><\/p>\n<p><strong>Marija Miti\u0107 <\/strong>er\u00f6ffnet als <em>La musica<\/em> den Abend. Trotz ihrer angek\u00fcndigten Erk\u00e4ltung klingt ihr \u00fcppiger So-pran wundersch\u00f6n ausgeglichen, tragf\u00e4hig und vor allem nat\u00fcrlich echt. Es f\u00e4llt nicht schwer, ihr die Aussagen des Textes zu glauben. <strong>Andr\u00e9 Gass<\/strong> als Orfeo kann zu Beginn der Oper nicht \u00fcberzeugen, seine Freude \u00fcber die Hochzeit mit Euridice wirkt aufgesetzt. In den Momenten seines Entsetzens h\u00e4tte er au\u00dferdem etwas innere \u00dcberzeugungskraft entfalten k\u00f6nnen. Er f\u00e4ngt sich jedoch erfreulicherweise im Verlauf des Abends und kann dann insbesondere durch seine Klageges\u00e4nge mit klarer und wohlklingender H\u00f6he und gut verst\u00e4ndlichem Italienisch \u00fcberzeugen.<\/p>\n<p><strong>Nataliia Ulasevych <\/strong>tritt in der Rolle der Euridice nur wenige Male auf. Eine anteilnehmend liebende Spannung zwischen Orfeo und Euridice entwickelt sich nicht. <strong>Christina-Maria Heuel<\/strong> \u2013 <em>Messaggera<\/em> und <em>Proserpina<\/em> \u2013 setzt auf Dramatik. Ihre Sopranstimme klingt wohlgerundet und klar in allen Lagen, allerdings w\u00e4re etwas Innerlichkeit auch f\u00fcr ihre Partie w\u00fcnschenswert gewesen. Die \u00fcbrigen Partien sind teilweise mit Solisten aus dem Opernchor besetzt, die sich allesamt h\u00f6ren lassen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Das Orchester unter der Leitung von <strong>Mark Johnston<\/strong> spielt engagiert und l\u00e4\u00dft sich weder von den eingeschobenen modernen Kl\u00e4ngen, noch von der ungewohnten N\u00e4he zum Zuschauerraum irritieren. Der Orchesterleiter zeigt sich voll Schwung und dynamisch; es gelingt ihm ohne Schwierigkeiten, die barocke und die moderne Klangwelt zu verbinden.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p><em>L\u2019Orfeo<\/em> hat vor einem ausverkauften Malsaal eine durch das Publikum wohlwollend aufgenommene Premiere. Zwar er\u00f6ffnet der Abend keine neuen Erfahrungswelten, doch die Geschichte um den traurigen Orfeo ist schl\u00fcssig erz\u00e4hlt. Insbesondere gelingt Katharina S. M\u00fcller die Vereinigung von Monteverdis Partitur und den modernen Klangwelten unserer Zeit ausgesprochen gut.<\/p>\n<p>Dr. Raika Simone Maier<\/p>\n<p>Bild: Peter Awtukowitsch<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Michael Simmen (Pastore\/Spirito), Annemieke Lepetit (Ninfe\/Bacchante), Nataliia Ulasevych (Euridice\/Eco), Dong-Bum Kim (Pastore\/Spirito), Opernchor<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Claudio Monteverdi (1567-1643), Favola in musica in f\u00fcnf Akten, Libretto: Alessandro Striggio, UA: 24. 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