{"id":7635,"date":"2018-11-19T18:53:45","date_gmt":"2018-11-19T17:53:45","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7635"},"modified":"2018-11-19T18:53:45","modified_gmt":"2018-11-19T17:53:45","slug":"der-liebestrank-pforzheim-stadttheater","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7635","title":{"rendered":"Der Liebestrank &#8211; Pforzheim, Stadttheater"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Gaetano Donizetti (1797-1848), Oper in zwei Akten, Libretto: Felice Romani, UA: 12. Mai 1832 Mailand, Teatro della Canobbiana,<\/p>\n<p>Regie: Wolfgang Lachnitt, B\u00fchne\/Kost\u00fcme: Christian Albert, Dramaturgie: Annika Hertwig<\/p>\n<p>Dirigent: Florian Erdl, Badische Philharmonie Pforzheim, Chor und Extrachor des Theaters Pforzheim<\/p>\n<p>Solisten: Elisandra Meli\u00e1n (Adina), Theodore Browne (Nemorino), Paul Jadach (Belcore), Aleksandar Stefanoski (Dulcamara), Natasha Sall\u00e9s (Giannetta)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 17. November 2018 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/Pforzheim_Liebestrank.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-7637\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/Pforzheim_Liebestrank.png\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"428\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/Pforzheim_Liebestrank.png 650w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/Pforzheim_Liebestrank-300x198.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Wir befinden uns auf einem l\u00e4ndlichen Gutshof. Dort hat Nemorino (der kleine Niemand) ein Auge auf die Tochter des Gutsbesitzers Adina geworfen. Als er ihr seine Zuneigung gesteht, hat sie nur Spott f\u00fcr ihn \u00fcbrig. Dann kommt noch ein Bataillon Soldaten vorbei, deren Anf\u00fchrer Belcore augenblicklich gro\u00dfen Eindruck bei Adina hinterl\u00e4\u00dft. Nemorino ist verzweifelt. Kurz darauf tritt der Quacksalber Dulcamara auf, der f\u00fcr alle Leiden und N\u00f6te ein Heilmittel bei sich hat: alte Frauen werden wieder jung, Kranke wieder gesund und auch der Liebe will Dulcamara mit einigen Mitteln auf die Spr\u00fcnge helfen k\u00f6nnen. Nemorino erwirbt bei ihm einen Liebestrank, der innerhalb von einem Tag Wirkung zeigen soll (in Wirklichkeit handelt es sich um eine Flasche Rotwein). W\u00e4hrend Nemorino sich schon darauf freut, Adina f\u00fcr sich zu gewinnen, stirbt in Abwesenheit Nemorinos Onkel. Als einziger Erbe verf\u00fcgt er nun \u00fcber einige Millionen und erobert augenblicklich die Herzen der Frauen \u00a0&#8230;<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Die Inszenierung stammt von <strong>Wolfgang Lachnitt<\/strong> und erz\u00e4hlt originalgetreu die Geschichte von Nemorino und Adina. Auf der B\u00fchne (von Christian Albert) sieht man eine Anzahl gro\u00dfer Sonnenblumen auf blauem Hintergrund, der B\u00fchnenboden ist teilweise mit Rasen bedeckt. Es entsteht eine sommerliche Atmosph\u00e4re, als zu Beginn die Arbeiter in erdfarbener Bekleidung die B\u00fchne betreten. Belcore erscheint zu Beginn in einer Art Musketier-Uniform, seine nachfolgenden Uniformen verk\u00f6rpern keine konkreten Regimenter. Dulcamara tr\u00e4gt einen gr\u00fcnen Anzug und sitzt bei seinem Auftritt auf einer Art gr\u00fcnem Thron, in welchem er all seine Mittel und Salben aufzubewahren pflegt. Wie ein Zirkusdompteur hat er bei seiner Ansprache die Gemeinschaft im Griff. Diese scheinen wie hypnotisiert von seinen Bewegungen und reagieren spiegelbildlich zu seiner Gestik. Als Nemorino nach dem Liebeselixir fragt, etikettiert Dulcamara kurzfristig seine Weinflasche mit einem roten Herz. Am Anfang des zweiten Aktes ist die B\u00fchne anl\u00e4\u00dflich der Hochzeit festlich mit Rosen geschm\u00fcckt. Zum Essen gibt es Spaghetti, und die Hochzeitsgesellschaft begibt sich zum Tanz. An einigen Punkten wirkt die Umsetzung ein wenig operettenhaft, was der Wirkung jedoch keinen Abbruch tut.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Die Badische Philharmonie Pforzheim wird an diesem Abend von <strong>Florian Erdl<\/strong> geleitet. Sein Dirigat ist sehr impulsiv und phasenweise etwas st\u00fcrmisch. An einigen Stellen tendiert die Interpretation dazu, sich in ihrer Geschwindigkeit zu \u00fcberst\u00fcrzen und an Pr\u00e4zision zu verlieren. Dann wieder werden Generalpausen in die L\u00e4nge gedehnt, um die S\u00e4nger auf der B\u00fchne schauspielerisch mehr Freiraum zu geben. Der H\u00f6hepunkt dieses Abends ist ohne Frage <strong>Elisandra Meli\u00e1n<\/strong> als Adina. Ihr Sopran ist klar, warm und beweglich. Ihr Italienisch ist deutlich in der Artikulation, der Ausdruck bald kokett, bald verliebt, bald ernsthaft. Auch in der tiefen Lage Me <em>l\u2018hai da pagar \u2013 Das zahlst du mir heim<\/em> hat sie noch gen\u00fcgend Volumen \u2013 nicht allen S\u00e4ngerinnen gelingt das.<\/p>\n<p>An ihrer Seite ist <strong>Theodore Browne<\/strong> als Nemorino zu erleben. Sein Tenor ist sehr schlank und lyrisch, wenn auch oftmals etwas bieder. Das Italienische geht ihm nicht allzu authentisch \u00fcber die Lippen und so wirkt er an vielen Stellen noch etwas bla\u00df und farblos, obwohl das sanglich-stimmliche Potential hier auf alle F\u00e4lle gegeben ist. <strong>Aleksandar Stefanoski<\/strong> ist der Dulcamara dieses Abends. An vielen Stellen tendiert die Partie des Dulcamara bekanntlich zum Sprechgesang, was Stefanoski eindrucksvoll gelingt. Oft verf\u00e4llt er vom Singen ins Sprechen, was der Interpretation eine gro\u00dfe Vielf\u00e4ltigkeit verleiht. Nur schade, da\u00df die Textsicherheit an einigen markanten Stellen nicht gegeben war. Dagegen gelingen ihm die sehr schnellen Parlando-Passagen ohne jeden Makel: er ist ein markanter Ba\u00df und eine gute Besetzung f\u00fcr diese Partie.<\/p>\n<p>Belcore wird von <strong>Paul Jadach<\/strong> mit einem sonoren Bariton interpretiert, der das soldatische Element gut in den Vordergrund r\u00fcckt. Seine Auftritte haben stimmlich gro\u00dfe Pr\u00e4senz, die Gesangsb\u00f6gen sind melodi\u00f6s und die Parlando-Partien zeugen von guter Textverst\u00e4ndlichkeit. Die eher kleinere Partie der Giannetta wird mit gro\u00dfer Verspieltheit von <strong>Natasha Sall\u00e9s<\/strong> in Szene gesetzt. Auch der <strong>Opernchor<\/strong> leistet an diesem Abend einiges: sowohl gesanglich als auch schauspielerisch erkennt man die Liebe zur k\u00fcnstlerischen Umsetzung und Freude an Gesang und Spiel.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Dieser <em>Liebestrank<\/em> wurde von Wolfgang Lachnitt sehr bodenst\u00e4ndig und authentisch auf die B\u00fchne gebracht. Er ist ein Regisseur der alten Schule, der sein Handwerk versteht und das Werk in seiner urspr\u00fcnglichen Gestalt sehr ernst nimmt. Viele Kandidaten des <em>Ring-Awards<\/em> k\u00f6nnten sich hier eine Scheibe abschneiden. Die Ausstattung ist einfach, aber sehr charmant und der Zuschauer mu\u00df nicht um die Ecke denken, um die Handlung zu verstehen. Der Schlu\u00dfapplaus gibt den K\u00fcnstlern und dem Regisseur recht. In Pforzheim sch\u00e4tzt man sein Publikum, und der Zuschauer hat das Gef\u00fchl, ernst genommen zu werden. So darf man dem Theater Pforzheim f\u00fcr die kommenden Vorstellungen dieser Oper ein stets gut gef\u00fclltes Haus w\u00fcnschen!<\/p>\n<p>Daniel Rilling<\/p>\n<p>Bild: Sabine Haymann<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Elisandra Meli\u00e1n (Adina), Paul Jadach (Belcore), Natasha Sall\u00e9s (Giannetta)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Gaetano Donizetti (1797-1848), Oper in zwei Akten, Libretto: Felice Romani, UA: 12. 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