{"id":7611,"date":"2018-10-16T17:14:10","date_gmt":"2018-10-16T16:14:10","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7611"},"modified":"2018-12-21T11:05:05","modified_gmt":"2018-12-21T10:05:05","slug":"salome-koeln-oper-staatenhaus-saal-2","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7611","title":{"rendered":"Salome &#8211; K\u00f6ln Oper, Staatenhaus, Saal 2"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Richard Strauss (1864-1941); Musik-Drama in einem Aufzug nach Oscar Wildes gleichnamiger Dichtung in der \u00dcbersetzung (1903) von Hedwig Lachmann Libretto: R. Strauss, UA: 9. Dezember 1905 Dresden, K\u00f6nigliches Opernhaus<\/p>\n<p>Regie: Ted Huffmann, B\u00fchne: Ben Baur, Kost\u00fcme: Annemarie Woods, Licht: Andreas Gr\u00fcter, Choreographie: Samuel Pinkleton, Dramaturgie Georg Kehren<\/p>\n<p>Dirigent: Fran\u00e7ois- Xavier Roth, G\u00fcrzenich-Orchester<\/p>\n<p>Solisten: John Heuzenroeder (Herodes), Dahlia Schaechter (Herodias), Ingela Brimberg (Salome), Kostas Smeroriginas (Jochanaan), Dino L\u00fcthy (Narraboth), Judith Tielsen, (Page der Herodias), Martin Koch, J\u00e1n Rusko, William Goforth, Alexander Fedin, Nicolas Legoux, (1.,2.,3.,4.,5. Jude), Luke Stoker, Anton Kuzenok, (1.,2. Nazarener), Matthias Hoffmann, Lucas Singer (1.,2. Soldat), Yunus Schahinger (ein Cappadocier) Alina Wunderlin (Sklave)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 14. Oktober 2018 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/K\u00f6ln-Salome.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-7612\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/K\u00f6ln-Salome.png\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"433\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/K\u00f6ln-Salome.png 650w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/K\u00f6ln-Salome-300x200.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><br \/>\nDie Oper beginnt mit einem Geburtstagsfest im K\u00f6nigspalast. Herodias Tochter Salome hat die Festgesellschaft ihres Stiefvaters Herodes aus Langeweile verlassen und kommt in den Palastkeller zu den Soldaten. Diese bewachen Jochanaan, der in einer Zisterne gefangengehalten wird. Die Stimme von Jochanaan h\u00f6rt man aus einem Gitter, das die Zisterne verschlie\u00dft. Er verw\u00fcnscht das ehebrecherische Verhalten von Herodias und Herodes, denn Herodes hatte die Frau seines Bruders Philipp geheiratet. Von Jochanaans Stimme erregt zwingt Salome die Soldaten, diesen trotz des strikten k\u00f6niglichen Verbots ihr vorzuf\u00fchren. Seine ungeschlachte Art, sein wildes Aussehen, seine verfilzten Haare reizen Salome noch mehr: sie ger\u00e4t geradezu in eine Obsession. Sie ber\u00fchrt ihn, streift mit den H\u00e4nden durch seine Haare und will ihn schlie\u00dflich k\u00fcssen. Doch Jochanaan weist sie brutal zur\u00fcck und wird in sein Erdloch zur\u00fcckgeworfen.<br \/>\nVon der Terrasse herunter kommen ihr Stiefvater, ihre Mutter Herodias und die Festg\u00e4ste in das Kellergescho\u00df. Herodes ist so sehr vernarrt in seine Stieftochter, da\u00df er sie bittet, f\u00fcr ihn zu tanzen. Als sie sich weigert, schw\u00f6rt er, ihr alle seine Sch\u00e4tze und sogar die H\u00e4lfte seines K\u00f6nigsreichs zu geben. Endlich tanzt sie. Danach fordert sie den Kopf des Jochanaan. Ihre Mutter ist dar\u00fcber entz\u00fcckt. Br\u00fcsk weist Salome alle Kleinodien, die Herodes ihr bietet, zur\u00fcck. Schlie\u00dflich wird ihr das Haupt Jochanaans auf einer Silbersch\u00fcssel pr\u00e4sentiert. Ganz au\u00dfer sich k\u00fc\u00dft sie ekstatisch den Mund des abgeschlagenen Kopfes. Da l\u00e4\u00dft Herodes sie umbringen.<br \/>\n<strong>Auff\u00fchrung<\/strong><br \/>\nStatt der Zisterne, in der K\u00f6nig Herodes den Propheten Jochanaan gefangenh\u00e4lt, verschlie\u00dft eine bis zur Decke reichende doppelt\u00fcrige Pforte von dunkelbrauner Farbe den B\u00fchnenhintergrund. Auf der rechten Seite sieht man eine Treppe, die vom Hintergrund bis zum B\u00fchnenrand mehrstufig aufsteigt. Dahinter ist das Orchester positioniert. Der Dirigent sitzt gut sichtbar mit dem R\u00fccken (!) zur B\u00fchne. Die linke Seite wird von einer vom Hintergrund der B\u00fchne bis zum vorderen Rand reichende Stuhlreihe eingenommen. An den W\u00e4nden dahinter schmale Neonbeleuchtung die auch als Leuchter \u00fcber der langen B\u00fchne sich erhellen, wenn Jochanaan singt und dunkler werden beim \u00fcbrigen Geschehen. Die B\u00fchne ist zun\u00e4chst leer. Sp\u00e4ter wird \u2013 zum Bankett \u2013 ein langer Tisch mit der Schmalseite zum Zuschauer aufgestellt, den man mit Tafelgeschirr, Speisen und Blumen eindeckt.<br \/>\nNarraboth und die \u00fcbrigen Soldaten tragen graublaue Hosen mit G\u00fcrtel und entsprechenden Hemden.\u00a0 Manche haben auch Schirmm\u00fctzen auf dem Kopf. Herodes tr\u00e4gt einen Frack, meist ohne Jackett, ist manchmal nur im Morgenmantel, Herodias hat ein blaues Kleid mit langem hellfarbenem Mantel dar\u00fcber. Salome erscheint in frei ausgeschnittenem schwarzem Kleid. Die Pumps werden oft als hinderlich abgestreift, die Juden tragen Dinner-Jacketts. Jochanaan schlie\u00dflich erscheint in wei\u00dfem, langem Gewand und einem Jackett. Meist sind seine Augen mit einer Binde verdeckt.<br \/>\nS\u00e4nger und Orchester<br \/>\nDie Plazierung des Orchesters unterliegt im Staatenhaus bei verschiedenen Opern variabler Anordnung. Diesmal sitzt es ganz rechts von der B\u00fchne. Das bringt erhebliche Schwierigkeiten mit der Koordination von Orchester und S\u00e4ngern, zumal der Dirigent mit dem R\u00fccken zur B\u00fchne sitzt. Dennoch gelingt Fran\u00e7ois-Xavier Roth eine gute F\u00fchrung seiner Musiker und der Solisten. Nur an wenigen Stellen \u00fcbert\u00f6nt das Riesenorchester die S\u00e4nger, die ohnehin viel im\u00a0Forte bis Fortissimo singen m\u00fcssen.<br \/>\nBei dieser Oper gibt es kaum Sch\u00f6ngesang. Hier geht Strauss einen anderen Weg als sp\u00e4ter beim Rosenkavalier. Hier ist reiner Expressionismus gefragt mit nicht wenigen \u00dcbertreibungen. Aber alles ordnet sich dem dramatischen Geschehen unter.<br \/>\nAuffallend dennoch der Schweizer Dino L\u00fcthy (Narraboth) mit seinem hellen Tenor. Auch die anderen Komparsen machen einen guten Eindruck. Dalia Schaechters (Herodias) Mezzosopran setzt sich gegen\u00fcber dem Orchester gut durch. Auffallend ist ihre Wortverst\u00e4ndlichkeit, die leider bei Ingela Brimberg (Salome) meist auf der Strecke bleibt. Ihr lyrischer Sopran mu\u00df sie sehr stark in den h\u00e4ufigen Fortepassagen einsetzen, was ihr aber souver\u00e4n gelingt. Leider gibt es viele Intonationsprobleme, w\u00e4hrend ihr die leisen Passagen gut gelingen. Kostas Smeroriginas (Jochanaan) setzt seinen Bariton vollendet ein und ist auch in seiner Artikulation gut. Schlie\u00dflich macht die beste Figur der australische Tenor John Heuzenroeder (Herodes). Er besitzt eine gut fokussierte klare Tenorstimme und seine B\u00fchnenagilit\u00e4t ist vollendet.<br \/>\n<strong>Fazit<\/strong><br \/>\nWas soll man von einem Regisseur halten, der offensichtlich das Libretto von Richard Strauss aus Oscar Wildes\u2018 Dichtung f\u00fcrs Libretto klug strukturiert, wohl nicht ganz verstanden hat oder nicht verstehen wollte. Denn die Darstellung des Dolchsto\u00dfes von Salome, der Jochanaan den Tod gibt statt der historisch belegten Enthauptung von Johannes des T\u00e4ufers, der ja von den besten Malern auf Gem\u00e4lden festgehalten wird (abgesehen von der authentisch berichtenden Bibelstelle im Leviticus) sowie der Erschie\u00dfung von Herodes durch Salome auf der B\u00fchne halten? Offensichtlich tendiert die Achtung des New Yorkers gegen\u00fcber der Autorenschaft und Botschaft von Richard Strauss gegen Null. Die auch f\u00fcr K\u00f6ln ungew\u00f6hnlichen Buhs am Schlu\u00df des z\u00f6gernd einsetzenden Applauses sprechen f\u00fcr eine wohl respektvollere Haltung des K\u00f6lner Publikums!<br \/>\nDer S\u00e4ngerschar und auch dem Generalmusikdirektor Roth wird guter Beifall gezollt.<\/p>\n<p>Dr. Olaf Zenner<\/p>\n<p>Bild: Paul Leclaire<\/p>\n<p>Das Bild zeigt von hinten: John Heuzenroeder (Herodes), Dalia Schaechter (Herodias),\u00a0Ingela Brimberg (Salome)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Richard Strauss (1864-1941); Musik-Drama in einem Aufzug nach Oscar Wildes gleichnamiger Dichtung in der \u00dcbersetzung (1903) von Hedwig Lachmann Libretto: R. Strauss, UA: 9. 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