{"id":7606,"date":"2018-08-20T10:49:42","date_gmt":"2018-08-20T09:49:42","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7606"},"modified":"2018-10-16T10:52:14","modified_gmt":"2018-10-16T09:52:14","slug":"salzburger-festspiele-2018","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7606","title":{"rendered":"Salzburger Festspiele 2018"},"content":{"rendered":"<blockquote><p><strong><em>Liederabend Jaroussky und Barath<\/em><\/strong><\/p>\n<p><strong><em>Rezitative, Arien, Duette, Ouvert\u00fcren und Concertos<\/em><\/strong><\/p>\n<p>von Georg Friedrich H\u00e4ndel (1685-1759)<\/p>\n<p>Solisten: Philippe Jaroussky (Countertenor), Em\u00f6ke Barath (Sopran), <em>Ensemble Artaserse<\/em><\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 30. Juli 2018 im <em>Haus f\u00fcr Mozart<\/em><\/p>\n<p><strong><em>Die Zauberfl\u00f6te<\/em><\/strong><\/p>\n<p>von Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791), Deutsche Oper in zwei Aufz\u00fcgen, Libretto: Emanuel Schikaneder, UA: 20. September 1791, Wien, Theater im Freihaus auf der Wieden<\/p>\n<p>Regie: Lydia Steier, B\u00fchne: Katharina Schlipf, Kost\u00fcme: Ursula Kudrna<\/p>\n<p>Dirigent: Constantinos Carydis, Wiener Philharmoniker, Konzertvereinigung Wiener Staatsopernchor<\/p>\n<p>Solisten: Matthias Goerne (Sarastro), Mauro Peter (Tamino), Tareq Nazmi (Sprecher \/ 1.Priester \/ 1.Geharnischter), Simon Bode (2. Priester \/ 1. Geharnischter), Hrachuhi Bassenz (K\u00f6nigin der Nacht), Christiane Karg (Pamina), Ilse Eerens (1. Dame), Paula Murrihy (2. Dame) Genevieve King (3. Dame), Adam Plachetka (Papageno), Maria Nazarova (Papagena), Michael Porter (Monostatos)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 4. August 2018 (Gro\u00dfes Festspielhaus)<\/p>\n<p><strong><em>Camerata Salzburg<\/em><\/strong><\/p>\n<p><strong><em>Siegfried-Idyll f\u00fcr Kammerorchester <\/em><\/strong><strong>WWV 103<\/strong><\/p>\n<p>von Richard Wagner (1813-1883), UA: 28. Dezember 1870, Tribschen<\/p>\n<p><strong><em>F\u00fcnf Gedichte f\u00fcr eine Frauenstimme und Klavier <\/em><\/strong><strong>WWV 91 <\/strong>(<em>Wesendonck-Lieder<\/em>)<\/p>\n<p>von Richard Wagner (1813-1883), Instrumentiert f\u00fcr Altstimme und Kammerorchester von Hans Werner Henze, UA: 25. M\u00e4rz 1977, K\u00f6ln<\/p>\n<p><strong><em>Verkl\u00e4rte Nacht. <\/em><\/strong><strong>Streichsextett op. 4<\/strong><\/p>\n<p>von Arnold Sch\u00f6nberg (1874-1951), UA: 18. M\u00e4rz 1902 Wien, Kleiner Musikvereins-Saal<\/p>\n<p>Dirigent: Roger Norrington, Camerata Salzburg, Elisabeth Kulman (Alt)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 13. August 2018 im Gro\u00dfen Saal des Mozarteums<\/p>\n<p><strong><em>Wiener Philharmoniker<\/em><\/strong><\/p>\n<p><strong><em>Symphonie Nr. 2 C-Dur <\/em><\/strong><strong>op.61<\/strong><\/p>\n<p>von Robert Schumann (1810-1856), UA: 5. November 1846, Leipzig.<\/p>\n<p><strong><em>Messe Es-Dur <\/em><\/strong><strong>op. 80 f\u00fcr Soli, Chor und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>von Franz Schubert (1797-1828), UA: 4. Oktober 1829, Wien<\/p>\n<p>Dirigent: Riccardo Muti, Wiener Philharmoniker, Konzertvereinigung Wiener Staatsopernchor, Choreinstudierung: Ernst Raffelsberger<\/p>\n<p>Solisten: Krassimira Stoyanova (Sopran), Alisa Kolosova (Alt), Michael Spyres (Tenor), Maciej Kwasnikowski (Tenor), Gianluca Buratto (Bass)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 14. August 2018 im Gro\u00dfen Festspielhaus<\/p>\n<p><strong><em>L\u2018 INCORONAZIONE DI POPPEA \u2013 DIE KR\u00d6NUNG DER POPPEA <\/em><\/strong><\/p>\n<p>von Claudio Monteverdi (1567-1643), Oper in einem Prolog und drei Akten, Libretto: Giovanni Francesco Busenello, UA: 1643 Venedig<\/p>\n<p>Regie, B\u00fchne und Choreographie: Jan Lauwers, Kost\u00fcme: Lemm&amp;Barkey<\/p>\n<p>Dirigent: William Christie, <em>Les Arts Florissants<\/em>, BODHI PROJECT &amp; SEAD Salzburg Experimental Academy of Dance<\/p>\n<p>Solisten: Sonya Yoncheva (Poppea), Kate Lindsey (Nerone), Stephanie d&#8217;Oustrac (Ottavia), Carlo Vistoli (Ottone), Renato Dolcini (Seneca), Ana Quintans (Virt\u00f9\/Drusilla), Marcel Beekman (Nutrice\/Famigliare), Dominique Visse (Arnalta), Lea Desandre (Amore\/Valetto), Tamara Banjesevic (Fortuna\/Damigella), Claire Debono (Pallade\/Venere), u.a.<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 15. August 2018 im <em>Haus f\u00fcr Mozart<\/em><\/p>\n<p><strong>West-Eastern Divan Orchestra 1<\/strong><\/p>\n<p><strong><em>Looking for Palestine<\/em><\/strong><\/p>\n<p>von David Robert Coleman (*1969), UA: 9.August 2018, Aarhus<\/p>\n<p><strong><em>Symphonie Nr. 9 d-Moll WAB 109<\/em><\/strong><\/p>\n<p>von Anton Bruckner (1824-1896), UA: 2.April 1932, M\u00fcnchen.<\/p>\n<p>Dirigent: <strong>Daniel Barenboim<\/strong>, West-Eastern Divan Orchestra, Elsa Dreisig (Sopran)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 16. August 2018 im Gro\u00dfen Festspielhaus<\/p>\n<p><strong><em>Die Bassariden\u00a0 &#8211; The Bassarids <\/em><\/strong><\/p>\n<p>von Hans Werner Henze (1926-2012), Opera seria mit Intermezzo in einem Akt, Libretto: Wystan Hugh Auden und Chester Kallmann nach Euripides, UA am 6. April 1966 Salzburg<\/p>\n<p>Regie: Krzysztof Warlikowski, B\u00fchne und Kost\u00fcme: Malgorzata Szczesniak, Choreographie: Claude Bardouil<\/p>\n<p>Dirigent: Kent Nagano, Wiener Philharmoniker, Konzertvereinigung Wiener Staatsopernchor, Choreinstudierung: Huw Rhys James<\/p>\n<p>Solisten: Sean Panikkar (Dionysos), Russell Braun (Pentheus, K\u00f6nig von Theben), Willard White (Cadmus), Nikolai Schukoff (Teiresias\/Calliope), Karoly Szemeredy (Captain\/Adonis), Tanja A. Baumgartner (Agave\/Venus), Vera-Lotte B\u00f6cker (Autonoe\/Proserpine), Anna Maria Dur (Beroe)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 19. August 2018 Felsenreitschule<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Vorbemerkung<\/strong><\/p>\n<p>Salzburg steht f\u00fcr Kunst, Kultur, Mozart, aber auch f\u00fcr Prominentenrummel und Blitzlichtgewitter. Die hochpreisigen Festspiel-Produktionen bieten ein j\u00e4hrliches stattliches Angebot an Oper, Schauspiel und Konzerten. Von den Festspielh\u00e4usern ist es nur ein Schritt zur barocken Altstadt, zu den Wohnungen Mozarts, zur Residenz und Dom. Auf dem Domplatz wird der <em>Jedermann<\/em> aufgef\u00fchrt, gleich daneben steht auch die Videoleinwand des Sponsors Siemens, die tagt\u00e4glich Touristen und Festspielg\u00e4ste mit \u00dcbertragungen und Aufzeichnungen erfreut. Ebenso wenige Schritte entfernen die stets gut gef\u00fcllten Kaffeeh\u00e4user und Restaurants. Ausfl\u00fcge in die n\u00e4here Umgebung bieten viele M\u00f6glichkeiten einer Seen- und Schl\u00f6sserlandschaft im Alpenraum.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung, S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Die akustischen Verh\u00e4ltnisse im <em>Haus f\u00fcr Mozart<\/em> sind ideal f\u00fcr einen Liederabend mit kleinem Barockensemble. Das auf alte Musik spezialisierte <em>Ensemble Artaserse<\/em> wurde von einigen erfahrenen Musikern gegr\u00fcndet \u2013 dazu z\u00e4hlt auch <strong>Philippe Jaroussky<\/strong>. Der bekannte Countertenor hat mit diesem Ensemble eine breite Diskographie aufgebaut. Auch die Zusammenarbeit mit <strong>Em\u00f6ke Barath <\/strong>ist hervorragend. Das zeichnet sich schon in der abgestimmten Harmonie im Duett <em>Prendi da questo mano \u2013 Nimm mit dieser Hand<\/em> aus der Oper <em>Ariodante<\/em> ab. H\u00f6hepunkt ist die Bravourarie <em>Se bramate d&#8217;amar \u2013 Wenn ihr den lieben wollt<\/em> in der Begleitung von Streichern, Oboen und Basso Continuo kann <strong>Jaroussky<\/strong> seine strahlende H\u00f6he unter Beweis stellen. Die Eloquenz mit der er seine Stimme aus strahlenden H\u00f6hen in die allerh\u00f6chsten Kastraten-H\u00f6hen schraubt ist nahezu unfa\u00dfbar sch\u00f6n. Sichere Koloraturen, einen langen Atem und gro\u00dfe Spr\u00fcnge in der Tonh\u00f6he nach oben und unten meistert auch <strong>Em\u00f6ke Barath <\/strong>sicher. Die Arie der Cleopatra aus <em>Giulio Cesare in Egitto<\/em> <em>Se piet\u00e0 di me non senti \u2013 F\u00fchlst du kein Erbarmen mit mir<\/em> ist ein sch\u00f6nes Beispiel daf\u00fcr. Das Publikum ist restlos begeistert. So mu\u00df sich ein barocker Liederabend anh\u00f6ren!<\/p>\n<p>Die Auff\u00fchrung der <strong><em>Zauberfl\u00f6te<\/em><\/strong> steht von Anfang an unter keinem guten Stern: Die angesetzte K\u00f6nigin der Nacht mu\u00df absagen, als Ersatz wird <strong>Emma Posman<\/strong> vorgestellt. Die hoffnungsvolle Nachwuchsk\u00fcnstlerin singt als Teilnehmerin des <em>Young Singers Project<\/em> die <em>K\u00f6nigin der Nacht<\/em> aus der <em>Zauberfl\u00f6te<\/em> <em>f\u00fcr Kinder<\/em>. Dank ihrer wirklich sauberen und glasklaren Koloraturen erh\u00e4lt sie die M\u00f6glichkeit, sich in der gro\u00dfen Opernpartie zu beweisen \u2013 v\u00f6llig zu Recht. Die Regie hat einen Gute-Nacht-Geschichten erz\u00e4hlenden Gro\u00dfvater hinzuerfunden. <strong>Klaus Maria Brandauer<\/strong> liest im Stile eines sterilen Nachrichtensprechers den drei Knaben aus einem Buch vor. Die Handlung nimmt keine Fahrt auf, der Drache spuckt sein Feuer von der Seite \u201ezum Fenster\u201c herein. Auch allgemein kommt auf dem verschiebbaren Ger\u00fcst mit diversen Zimmeraufbauten keine Stimmung auf. Die in der Endzeit der K.u.K. Monarchie angesiedelte Handlung zeigt Tamino als Offizier, das Reich des Sarastro ist ein makabrer, dunkler Zirkus, der mit den Spielereien des Praters nichts zu tun hat. Von Weisheit und Wissenspr\u00fcfungen weit und breit keine Spur! Der H\u00f6hepunkt sind Filmausschnitte mit Kriegshandlungen aus dem Ersten Weltkrieg, die in Momentaufnahmen auch Kriegsverletzungen zeigen. F\u00fcr Kinder unter 16 Jahren ist diese Produktion daher nicht geeignet. Traumata drohen auch in der S\u00e4ngerbesetzung. <strong>Matthias Goerne<\/strong> ist mit v\u00f6llig fehlender Tiefe eine Fehlbesetzung als Sarastro. F\u00fcr Salzburg ein unhaltbarer Zustand. Wirklich Auffallen aus der Riege des Ensembles kann <strong>Michael Porter<\/strong> als Spieltenor in der Rolle des Monostatos, der als H\u00f6hepunkt der Eingriffe der Regie in die Partitur <em>weil ein Diener h\u00e4\u00dflich ist<\/em> singt \u2013 statt <em>Schwarzer<\/em>. Das Publikum reagiert sehr zur\u00fcckhaltend beim Schlu\u00dfapplaus.<\/p>\n<p>L\u00e4ngst nicht mehr nur ein Geheimtip sind die Konzerte von <strong>Roger Norrington<\/strong> mit der <em>Camerata Salzburg<\/em>. Die drei St\u00fccke des Abends jeweils in der Fassung f\u00fcr Kammerorchester erz\u00e4hlen eine aufeinander aufbauende Geschichte von Liebe und Sehnsucht. Das <em>Siegfried-Idyll<\/em> zeigt Norrington als strahlendes Heldenleben auf, der den vorw\u00e4rtsst\u00fcrmenden Siegfried vorwegnimmt. Die selten gespielte Fassung von Hans Werner Henze der <em>Wesendonck-Lieder<\/em> f\u00fcr Kammerorchester ist wie geschaffen f\u00fcr <strong>Elisabeth Kulmann<\/strong>, die sich selbst als \u201eMezzo-Sopran und Contralto\u201c bezeichnet. In dieser etwas tiefer gestimmten Fassung kann man ganz neue Klangbilder entdecken. Sollte es von diesem Vorstellung einen Mitschnitt geben, so w\u00e4re dies ein Standard f\u00fcr jede Sammlung hinsichtlich, Artikulation, Ausdruck, Gesangslinie und Lied-Gestaltung! Den Abschlu\u00df bildet Sch\u00f6nbergs <em>Verkl\u00e4rte Nacht<\/em>. Unter Norrington h\u00f6rt sich dieses Werk wie der Endpunkt der Romantik an, die heraufd\u00e4mmernde Atonalit\u00e4t klingt wie dramatische Harmonik. Hysterischer Beifall ohne Zugaben f\u00fcr eine meisterhafte und inspirierende Interpretation dreier Meisterwerke.<\/p>\n<p>Einen etwas zwiesp\u00e4ltigen Eindruck hinterl\u00e4\u00dft das Konzert der <strong>Wiener Philharmoniker<\/strong> unter <strong>Riccardo Muti<\/strong>. Schumanns <em>Symphonie Nr. 2<\/em> beginnt, endet und pl\u00e4tschert zwischendrin uninspiriert dahin. Sie stellt somit nur das lieblos heruntergespielte Vorspiel f\u00fcr Franz Schuberts <em>Messe in Es-Dur<\/em> dar. Grundlage der herausragenden Umsetzung ist das Solistenensemble, das sowohl in den solistischen Aufgaben \u00fcber sich hinausw\u00e4chst, aber auch in den beiden Solisten-Quartetten im <em>Benedictus<\/em> und im <em>Agnus Dei<\/em> eine harmonische Abstimmung von gro\u00dfer Pr\u00e4gnanz und voller Einf\u00fchlsamkeit erzielt. Die Philharmoniker und der Staatsopernchor sind sowieso eine aufeinander perfekt eingespielte Einheit und der Tutti-Klang der Streicher ist un\u00fcbertroffen und unterstreicht die Wirkung der Musik von Franz Schubert. Aber in diesem Klangbild ist noch Platz f\u00fcr das gesungene Wort: Die Wortverst\u00e4ndlichkeit ist immer gegeben. Hysterischer Beifall am Ende, aber keine Zugaben.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/Festspiele-Salzburg-2018.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-7607\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/Festspiele-Salzburg-2018.png\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"616\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/Festspiele-Salzburg-2018.png 650w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/Festspiele-Salzburg-2018-300x284.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><\/a>In Monteverdis Oper <strong><em>L&#8217;Incoronazione di Poppea<\/em><\/strong> bietet sich das Crossover mit dem Ballett an, um die innere Handlung n\u00e4her zu erl\u00e4utern. <strong>Jan Lauwers<\/strong>, hat sich darauf spezialisiert hat, bildende Kunst, Schauspiel und Ballett miteinander zu verweben, versucht nun dasselbe mit der <em>Kr\u00f6nung der Poppea<\/em>. Herausgekommen sind eher statische Monumentalbilder quer \u00fcber die ganze B\u00fchnenbreite, eine Menschenwand aneinander gereihter halbnackter Leiber, die den S\u00e4ngern bei wirren Gestiken zusehen bzw. zuh\u00f6ren. Diese gruppieren sich meist um die in einer Vertiefung sitzenden Orchestermusiker herum \u2013 <strong><em>Les Arts Florissants<\/em><\/strong> stellt auch hier sein gro\u00dfes K\u00f6nnen in der Darstellung Alter Musik in historisch korrekter Auff\u00fchrung unter Beweis. Die gro\u00dfe restliche B\u00fchne nutzt die Abteilung Ausdruckstanz. In der Mitte steht immer ein Mitglied der Ballett-Truppe, der sich nur um sich selber dreht. Aber so k\u00f6nnen die Solisten stets den Kontakt zu <strong>William Christie<\/strong> halten. Schon beim Kr\u00f6nungspaar f\u00fchrt das zu einem h\u00f6rbar positiven Ergebnis. <strong>Sonya Yoncheva<\/strong> leuchtet jede Nuance der Rolle der Poppea aus, da f\u00fchlt man st\u00e4ndig die l\u00fcsterne Lust. <strong>Kate Lindsey<\/strong> ist der entsprechende Gegenpol in der Hosenrolle des Nerone, der sich als korrupter Despot auff\u00fchrt, der alles bekommt, was er will: Poppea. Was f\u00fcr ein Paar! Aber <strong>St\u00e9phanie d\u2019Oustrac<\/strong> als abgehalfterte Kaiserin Ottavia zeigt da keinen Unterschied zu Nerone. Schlie\u00dflich sucht sie mit durchschlagsstarker Stimme einen Auftragskiller f\u00fcr ihn. <strong>Carlo Vistoli<\/strong>\u00a0 als leidtragender Ottone ist der Countertenor in dieser Produktion, der mit gro\u00dfer Intensit\u00e4t, langem Atem und treffsicherer H\u00f6he ausgestattet ist. Der zweite Counter ist <strong>Dominique Visse<\/strong>: mit tollen Koloraturen wird Arnalta zu seiner Paraderolle, man verwechselt ihn bei fast gleicher Ammenkleidung mit dem dritten Counter <strong>Marcel Beekman<\/strong> als unauff\u00e4llige Nutrice. Der jugendlich dynamischen <strong>Ana Quintans<\/strong> (Drusilla) gelingt es noch mit klarer Stimme, Aufmerksamkeit zu erregen, <strong>Renato Dolcini<\/strong> als Seneca gelingt das nicht. Das Publikum blendet die szenische Darstellung aus und bejubelt die musikalische Seite um <strong>William Christie<\/strong> lautstark und lange.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Salzburger Festspiele sind die Konzerte namhafter Orchester immer von besonderer Bedeutung. Ein besonderer H\u00f6hepunkt ist der Auftritt des von <strong>Daniel Barenboim<\/strong> und seinem \u2013 inzwischen verstorbenen \u2013 pal\u00e4stinensischen Freund Edward Said 1999 gegr\u00fcndete <strong>West-Eastern Divan Orchestra<\/strong>. Denn es f\u00fchrt junge Musiker aus Israel und arabischen Staaten zusammen. Unter der Leitung von Daniel Barenboim stehen herausragende Werke der Musikgeschichte auf dem Programm.<\/p>\n<p>Der erste Programmpunkt ist ein Auftragswerk f\u00fcr <strong>David R. Coleman<\/strong> <em>Looking for Palestine<\/em>. Die atonale Musik ist mit dem heutig-modernen Klangbild etwas gew\u00f6hnungsbed\u00fcrftig und bedarf wohl noch etwas Zeit, bis sich das Publikum daran gew\u00f6hnt hat. Es ist die Vertonung eines Textes von Najla Said, der Tochter des Mitbegr\u00fcnders Edward Said. Es soll eine Hymne auf das Leben zwischen den Kulturen und politischen Fronten sein.<\/p>\n<p>Anton Bruckners <em>Neunte Symphonie<\/em> l\u00f6st gewaltige Emotionen im Publikum aus, wird von Barenboim sehr spannend und mit G\u00e4nsehautgef\u00fchl zelebriert und vom Publikum deutlich aufmerksamer verfolgt und sehr positiv aufgenommen. Er zeigt auf, wie Bruckner das Tor zur Moderne aufst\u00f6\u00dft und feiert eine \u00fcberirdisch-friedvolle Entr\u00fcckung am Schlu\u00df. Der Torso gebliebene letzte Satz wird weggelassen. Gro\u00dfer langanhaltender Jubel f\u00fcr diese denkw\u00fcrdigen Konzerte.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Salzburg bietet seinen Besuchern viele M\u00f6glichkeiten f\u00fcr Oper, Schauspiel oder Konzerte \u2013 live an vielen Spielorten, per \u00dcbertragung oder aus der Konserve. Einige Produktionen wurden im Fernsehen oder zeitversetzt auf die Leinwand am Domplatz \u00fcbertragen und waren dann auch noch l\u00e4ngere Zeit im Internet abrufbar. Ob das auf Dauer von Vorteil ist, wenn sich das Publikum vorab \u00fcber die einzelnen Produktionen informieren kann und dann \u00fcber den Besuch entscheidet, mag die Zukunft zeigen.<\/p>\n<p>Wegen der szenischen Defizite ist die beste Produktion 2018 entweder die <strong><em>Bassariden<\/em><\/strong> oder die <strong><em>Italienerin in Algier<\/em><\/strong> als \u00dcbernahme von den Pfingstfestspielen unter Cecilia Bartoli (siehe ebenda). Diese beiden Produktionen waren genauso ausverkauft wie <strong><em>Salome<\/em><\/strong> oder <strong><em>Pique Dame<\/em><\/strong>, Dank herausragender S\u00e4ngerbesetzung! Aber gerade im konzertanten Bereich kann man noch (allerdings teure) Karten an der Abendkasse erhalten. Da kann man gespannt sein, was der Spielplan im n\u00e4chsten Jahr bietet.<\/p>\n<p>Oliver Hohlbach und Wolfgang B\u00e4r<\/p>\n<p>Bild: Salzburger Festspiele \/ Maarten Vanden Abeele<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: L\u2019incoronazione di Poppea: Sonya Yoncheva (Poppea), Carlo Vistoli (Ottone)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Liederabend Jaroussky und Barath Rezitative, Arien, Duette, Ouvert\u00fcren und Concertos von Georg Friedrich H\u00e4ndel (1685-1759) Solisten: Philippe Jaroussky (Countertenor), Em\u00f6ke Barath (Sopran), Ensemble Artaserse Besuchte Auff\u00fchrung: 30. 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