{"id":7601,"date":"2018-09-01T10:43:10","date_gmt":"2018-09-01T09:43:10","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7601"},"modified":"2018-10-16T10:49:08","modified_gmt":"2018-10-16T09:49:08","slug":"bayreuther-festspiele-2018","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7601","title":{"rendered":"Bayreuther Festspiele 2018"},"content":{"rendered":"<blockquote><p><strong><em>Parsifal<\/em><\/strong><\/p>\n<p>von Richard Wagner (1813-1883), , Libretto: R. Wagner, B\u00fchnenweihfestspiel in drei Akten, UA: 26. Juli 1882 Bayreuth, Festspielhaus<\/p>\n<p>Regie: Uwe Eric Laufenberg, B\u00fchne: Gisbert J\u00e4kel<\/p>\n<p>Dirigent: Semyon Bychkov, Chor und Orchester der Bayreuther Festspiele, Choreinstudierung: Eberhard Friedrich<\/p>\n<p>Solisten: Thomas J. Mayer (Amfortas), Tobias Kehrer (Titurel), G\u00fcnther Groissb\u00f6ck (Gurnemanz), Andreas Schager (Parsifal), Derek Welton (Klingsor), Elena Pankratova (Kundry), u.a.<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 1. August 2018<\/p>\n<p><strong><em>Der Ring des Nibelungen &#8211; f\u00fcr Kinder<\/em><\/strong><\/p>\n<p>von Richard Wagner (1813-1883); Romantische Oper in drei Aufz\u00fcgen; , Libretto: R. Wagner, Fassung von Katharina Wagner und Dorothea Becker, UA: 2018 Bayreuth-Probeb\u00fchne IV<\/p>\n<p>Regie: David Merz, B\u00fchne : Julius T. Semmelmann<\/p>\n<p>Dirigent: Azis Sadikovic, Brandenburgisches Staatsorchester Frankfurt (Oder)<\/p>\n<p>Solisten: Jukka Rasilainen (Wotan, Wanderer), Vincent Wolfsteiner (Siegmund, Siegfried), Stefan Heibach (Loge), Simone Schr\u00f6der (Fricka, Flosshilde), Daniela K\u00f6hler (Br\u00fcnnhilde), Armin Kolarczyk (Alberich), Paul Kaufmann (Mime), Sebastian Pilgrim (Fasolt, Hunding), Christiane Kohl (Sieglinde), Timo Riihonen (Fafner, Hagen), u.a.<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 1. August 2018<\/p>\n<p><strong><em>Der Fliegende Holl\u00e4nder<\/em><\/strong>.<\/p>\n<p>von Richard Wagner, Oper in drei Aufz\u00fcgen, Libretto: R. Wagner, UA: 2. Januar 1843 Dresden, K\u00f6nigliches Hoftheater<\/p>\n<p>Regie: Jan Philipp Gloger, B\u00fchne: Christof Hetzer<\/p>\n<p>Dirigent: Axel Kober, Chor und Orchester der Bayreuther Festspiele, Choreinstudierung: Eberhard Friedrich<\/p>\n<p>Solisten: Peter Rose (Daland), Ricarda Merbeth (Senta), Tomislav Muzek (Erik), Christa Mayer (Mary), Rainer Trost (Steuermann), John Lundgren (Holl\u00e4nder)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 26. August 2018<\/p>\n<p><strong><em>Die Meistersinger von N\u00fcrnberg<\/em><\/strong><\/p>\n<p>von Richard Wagner, Oper in drei Aufz\u00fcgen, Libretto: R. Wagner, UA: 21. Juni 1868 M\u00fcnchen, Nationaltheater<\/p>\n<p>Regie: Barrie Kosky, B\u00fchne: Rebecca Ringst<\/p>\n<p>Dirigent: Philippe Jordan, Chor und Orchester der Bayreuther Festspiele, Choreinstudierung: Eberhard Friedrich<\/p>\n<p>Solisten: Michael Volle (Hans Sachs), G\u00fcnther Groissb\u00f6ck (Veit Pogner), Johannes Martin Kr\u00e4nzle (Sixtus Beckmesser), Klaus Florian Vogt (Walther von Stolzing), Daniel Schmutzhard (Fritz Kothner), Daniel Behle (David), Emily Magee (Eva), Wiebke Lehmhuhl (Magdalene), Tobias Kehrer (Nachtw\u00e4chter), u.a.<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 27. August 2018<\/p>\n<p><strong><em>Die Walk\u00fcre (Erster Abend aus Der Ring des Nibelungen)<\/em><\/strong><\/p>\n<p>von Richard Wagner, Ein B\u00fchnenfestspiel f\u00fcr drei Tage und einen Vorabend, UA: 21. Juni 1868 M\u00fcnchen, K\u00f6nigliches Hof- und Nationaltheater<\/p>\n<p>Regie: Frank Castorf, B\u00fchne: Aleksandar Denic und Kost\u00fcme: Adriana Braga Peretzki<\/p>\n<p>Dirigent: Placido Domingo, Orchester der Bayreuther Festspiele<\/p>\n<p>Solisten: Greer Grimsley (Wotan), Vincent Wolfsteiner (Siegmund), Tobias Kehrer (Hunding), Anja Kampe (Sieglinde), Catherine Foster (Br\u00fcnnhilde), Marina Prudenskaya (Fricka)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 29. August 2018<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/Festival-Bayreuth-Kinderoper.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-7602\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/Festival-Bayreuth-Kinderoper.png\" alt=\"\" width=\"645\" height=\"423\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/Festival-Bayreuth-Kinderoper.png 645w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/Festival-Bayreuth-Kinderoper-300x197.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 645px) 100vw, 645px\" \/><\/a>Vorbemerkung<\/strong><\/p>\n<p>Das Festspielhaus und damit die Bayreuther Festspiele, wurden 1876 mit dem <em>Ring des Nibelungen<\/em> er\u00f6ffnet \u2013 in der \u201eabgelegenen Kleinstadt\u201c Bayreuth, um sich auf das Werk zu konzentrieren. Das wichtigste Werk war das Festspielhaus selbst. Einst gedacht, nach der Vorstellung abgebrannt zu werden, wird es nun generalsaniert. Zuerst wurde die Frontfassade saniert, nun folgte die Ostfassade. Nach der Festspielzeit 2018 werden noch gr\u00f6\u00dfere Konzepte umgesetzt, wie Renovierung der B\u00fchnentechnik oder der barrierefreie Zugang mit Einbau von Aufz\u00fcgen. Auch nicht mehr neu: das Sicherheitskonzept! Man darf ab zwei Stunden vor der Vorstellung nicht mehr direkt vor dem Haus vorfahren, die Zufahrt zum Parkplatz geschieht jetzt \u00fcber eine Nebenstra\u00dfe hinter dem Festspielhauskomplex. Der Taxiplatz ist mitten im Festspielpark (Vorsicht Fu\u00dfg\u00e4nger!) und Behinderte m\u00fcssen mit der Polizei verhandeln. Ein privater Sicherheitsdienst bewacht einen Gitterzaun um das Festspielhaus und verhindert so das direkte Umgehen des Hauses. Die Kosten f\u00fcr diese <em>sicherheitssteigernde Ma\u00dfnahme mit erheiterndem Moment<\/em> werden sp\u00e4ter geregelt, erst einmal werden sie dem Vernehmen nach dem Etat f\u00fcr die n\u00e4chste Ringkonzeption entnommen. Das Geld wird also erst 2020 ben\u00f6tigt \u2013 mal sehen, ob\u2019s reicht!<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung, S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Eigentliches Hauptaugenmerk liegt jedes Jahr auf der Er\u00f6ffnungspremiere am 25. Juli. Dieses Jahr ist es eine, einen Tag vor der Premiere vorgestellte, Urauff\u00fchrung eines Auftragswerks der Bayreuther Festspiele, die nicht im Rahmen der Festspiele im Festspielhaus stattfindet, sondern in dem alten Kinosaal <em>Reichshof<\/em>. Urspr\u00fcnglich sollte es dem Vernehmen nach im neu er\u00f6ffneten Markgr\u00e4flichen Opernhaus aufgef\u00fchrt werden, aber wegen der langen Schlie\u00dfdauer f\u00fcr Proben und Auff\u00fchrungen, mu\u00dfte man davon absehen. Schlie\u00dflich soll das Opernhaus als Weltkulturerbe tagt\u00e4glich zur Besichtigung zur Verf\u00fcgung stehen.<\/p>\n<p>Bei dem Auftragswerk, der Urauff\u00fchrung <strong><em>Der Verschwundene Hochzeiter<\/em><\/strong> f\u00fcr Klaus Lang geht es um einen Trachtler, der von einem Fremden zum Hochzeitsfest eingeladen wird und dort trotz Verbot zu lange tanzt. Als er nach Hause zur\u00fcckkehrt, sind 300 Jahre verstrichen, er zerf\u00e4llt zu Staub. Die Braut, die Teil dieser alpenl\u00e4ndischen Sage ist, wird nicht thematisiert. So fokussiert die Handlung auf den Hochzeiter und auf einen virtuellen Doppelg\u00e4nger, dessen Videoprojektionen mal mit dem Hochzeiter ineinander aufgehen, sich dann wieder von ihm trennen und ein Eigenleben f\u00fchren. \u00b4<\/p>\n<p>Im Hintergrund geben zwei Fenster den Blick auf Projektionen von Alpenlandschaften frei. Oder auf Hochzeiter, die hereinblicken. Die Handlung l\u00e4uft teils in Zeitlupe ab und der Zuschauer wird in den hypnotischen Sog des B\u00fchnengeschehens aufgenommen. Dazu kommt, da\u00df der Hochzeiter durch die abwechselnd agierenden Br\u00fcder Jiri und Otto Bubenicek dargestellt wird \u2013 inklusive ihrer interagierenden Projektionen.<\/p>\n<p><strong>Klaus Lang<\/strong>, Komponist und Dirigent schafft einen mathematisch exakt konstruierten Klangteppich, inklusive des Zitats einer <em>Sarabande<\/em> aus dem sp\u00e4ten 17. Jahrhundert als Tanz. Es entsteht eine neue Art von Mischklang, deren Auff\u00fchrung Aufgabe des Br\u00fcsseler <em>Ictus-Ensembles<\/em> ist. Bestehend aus Holz und Blech inklusive Saxophon, Streicher, Akkordeon, Klavier und Harmonium sind sie zusammen mit den S\u00e4ngern, die sich mit ihrem Singsang ins Orchester integrieren \u2013 an beiden L\u00e4ngsseiten des Saales und auf der Empore aufgestellt \u2013 Musik kommt nie von der B\u00fchne. Nach \u00a0zweist\u00fcndiger, pausenloser Vorstellung sehr freundlicher Beifall des Publikums, das mit der Aufnahme der modernen Musik an seine Aufnahmegrenzen zu kommen scheint.<\/p>\n<p>Dem besonderen Interesse der Wagnerianer gilt die Wiederaufnahme des <strong><em>Parsifal<\/em><\/strong>. Weniger wegen dem im Sande verlaufenen Diskurs zwischen Islam und Christentum, zwischen Amfortas und Klingsor (Uwe Eric Laufenberg), sondern weil dies das wichtigste und letzte Werk des Meisters ist, das eigentlich ausschlie\u00dflich dem gr\u00fcnen H\u00fcgel vorbehalten sein sollte. In vier Positionen neu besetzt, war man gespannt auf die neue Leitung von <strong>Semyon Bychkov<\/strong>, der die Nachfolge von Hartmut Haenchen antrat, und erwartungsgem\u00e4\u00df ein sehr strukturiertes, klanggetreues, aber auch unspektakul\u00e4res Dirigat zelebrierte. Er k\u00f6nnte sich durchaus als langfristiger \u201eDiener im Geiste Wagners\u201c am Haus anbieten. Auch s\u00e4ngerisch k\u00f6nnen die Solisten gl\u00e4nzen. <strong>G\u00fcnther Groissb\u00f6ck<\/strong> als volumin\u00f6ser kraftvoller Gurnemanz, <strong>Elena Pankratova<\/strong> als hochdramatische und nichtsdestoweniger liebestolle Kundry, <strong>Thomas J. Mayer<\/strong> als ewig leidender Amfortas und <strong>Andreas Schager<\/strong> in der Titelrolle sind mehr als festspielw\u00fcrdig.<\/p>\n<p>Eigentlich h\u00e4tte das Publikum schon 2016 vom <strong><em>Holl\u00e4nder<\/em><\/strong> erl\u00f6st werden sollen, aber im ringlosen Jahr 2018 wird eine zus\u00e4tzliche Oper mit Chor ben\u00f6tigt. <strong>Jan Philipp Gloger<\/strong> l\u00e4\u00dft den Holl\u00e4nder noch einmal pseudowitzig in einer Datenwelt stranden und versetzt ihn dann in eine Ventilatoren-Fabrik, um als Schlu\u00dfgag die Produktion auf \u201eLiebeslampen\u201c umzustellen \u2013 mit denen Daland und sein Prokurist Steuermann mehr Geld verdienen, zum Leidwesen des Hausmeisters Erik, der auf der Strecke bleibt. Auch s\u00e4ngerisch gibt es keinen Grund mehr die Produktion zu halten, obwohl <strong>Tomislav Muzek<\/strong> ein strahlend h\u00f6hensicherer Erik ist und <strong>John Lundgren<\/strong> mit langem Atem seine Bayreutherfahrung als m\u00e4chtiger Holl\u00e4nder ausspielt. <strong>Christa Mayer<\/strong> kann der Mary mit schwerem samtenen Mezzo stimmliche Konturen verleihen. Dagegen bleiben <strong>Ricarda Merbeth<\/strong> (zu viel Tremolo) und <strong>Peter Rose<\/strong> als Daland einfach zu farblos, zu verhalten.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/Festival-Bayreuth-Meisters.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-7603\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/Festival-Bayreuth-Meisters.png\" alt=\"\" width=\"641\" height=\"423\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/Festival-Bayreuth-Meisters.png 641w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/Festival-Bayreuth-Meisters-300x198.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 641px) 100vw, 641px\" \/><\/a>Das mit Abstand beliebteste Werk sind<strong> <em>Die Meistersinger von N\u00fcrnberg<\/em><\/strong> in der Regie von <strong>Barrie Kosky<\/strong>. Der erste Akt spielt als lustige Kaffee-L\u00f6ffel-Klimper-Gesellschaft in der Villa Wahnfried. Franz Liszt und Hermann Levi sind gekommen, Cosima hat, laut Text, Migr\u00e4ne und Wagner kommt mit seinen Neufundl\u00e4ndern. Man beginnt die <em>Meistersinger<\/em> nachzuspielen: Cosima wird Eva, die Hausdienerin wird deren Amme Magdalene, Vater Liszt der alte, reiche Pogner. Aus dem Fl\u00fcgel steigen Wagner-Doppelg\u00e4nger f\u00fcr Stolzing und David, Wagner ist Sachs. Der Beckmesser wird Hermann Levi aufgen\u00f6tigt, zun\u00e4chst als Niete, der die Partitur nicht versteht, den man zu allem zwingen mu\u00df, sp\u00e4ter ist er nur noch eine h\u00e4\u00dfliche Judenkarikatur auf die man einschl\u00e4gt. Der platte Klamauk endet, wenn die Villa Wahnfried verschwindet und der Schwurgerichtssaal der N\u00fcrnberger Prozesse einzieht. Beckmesser mu\u00df w\u00e4hrend seines St\u00e4ndchens einen Judenkopf tragen, nach der zerklopften (mit dem Hammer auf den Leisten und auf Beckmessers Kopf) <em>Pr\u00fcgelfuge<\/em> bl\u00e4st sich eine h\u00e4\u00dfliche Fratze als Judenkarikatur auf. Der dritte Akt, die Schusterstube und die Festwiese, werden zu einem Aussagemarathon vor einem imagin\u00e4ren Gerichtshof. Szenisch wurde in diesem Jahr viel gestrafft, eine gr\u00fcne Wiese gestrichen \u2013 szenisch und choreographisch befindet man sich im Ziel, schreibt Festspielgeschichte. Musikalisch ist <strong>Philippe Jordan<\/strong> der Erf\u00fcllungsgehilfe der Regie. Er bleibt unauff\u00e4llig und ohne H\u00f6hepunkte, aber es funktioniert im Ablauf ausgezeichnet, auch schwierige Szenen wie <em>Pr\u00fcgelfuge<\/em> und <em>Einzug zur Festwiese<\/em> sind zusammen. Und s\u00e4ngerisch gibt es viele H\u00f6hepunkte. Auf der H\u00f6he der Zeit ist <strong>Michael Volle<\/strong> als Hans Sachs, der Beckmesser des <strong>Johannes M. Kr\u00e4nzle<\/strong> ist stets pointiert und wohlartikulierend. <strong>Klaus Florian Vogt<\/strong> ist als Walther immer noch der jugendliche Tenor vom Dienst, auch wenn es nicht mehr ganz so elegant vonstatten geht. Da singt <strong>G\u00fcnther Groissb\u00f6ck<\/strong> den Veit Pogner als alten Mann viel solider. <strong>Emily Magee <\/strong>gibt der Eva bisher unerh\u00f6rte lyrische Momente. Tosender Applaus!<\/p>\n<p>Zum letzten Mal auf dem Spielplan steht der <em>Ring des Nibelungen<\/em> \u2013 zumindest zum Teil, denn es wird nur die <strong>Walk\u00fcre<\/strong> aufgef\u00fchrt. Zeit wird es, sich endlich und geb\u00fchrend davon zu verabschieden. Die dekonstruktive Inszenierung bleibt hei\u00dfumstritten, wurde aber mit einem komplett neuen Ensemble neu erarbeitet. F\u00fcr drei Vorstellungen \u00fcbernimmt <strong>Placido Domingo<\/strong> die musikalische Leitung. Bisher hat er (vor allem an der Wiener Staatsoper) nachdirigiert, d.h. bestehende Produktionen \u00fcbernommen und einzelne Vorstellungen geleitet. Nun mu\u00dfte er auch die Einstudierung \u00fcbernehmen, was durch eine gr\u00f6\u00dfere Anzahl musikalischer Assistenten geregelt wurde. In der Vorstellung \u00fcbernahmen diese die Eins\u00e4tze f\u00fcr die Solisten, w\u00e4hrend sich Domingo auf die Partitur und eine grunds\u00e4tzliche Abstimmung mit dem Orchester konzentrierte. Eine wirklich spannende Interpretation der <em>Walk\u00fcre<\/em> wurde es nicht. \u00a0Auff\u00e4llig, da\u00df die Pausenzeiten gek\u00fcrzt werden mu\u00dften, um den Abendspielplan einhalten zu k\u00f6nnen. Dennoch mu\u00df man Domingo f\u00fcr sein Engagement am gr\u00fcnen H\u00fcgel dankbar sein, seine souver\u00e4ne und sympathische Art und Weise des Umgangs wird hoffentlich noch lange nachwirken. Die Abschiedsfeier stand im Zeichen dieser <em>Walk\u00fcre<\/em> und die Solisten feierten gemeinsam. <strong>Catherine Foster<\/strong> ist eine herausragende Br\u00fcnnhilde \u2013 mit viel Kraft, vollem Volumen, und dramatischer Durchschlagskraft \u2013 Weltklasse! <strong>Greer Grimsley<\/strong> gestaltet mit langem Atem, Ausdruckskraft und Reichweite in der H\u00f6he und Tiefe <em>Wotans<\/em> <em>Abschied<\/em>, der lange unverge\u00dflich bleiben wird. <strong>Tobias Kehrer<\/strong> zeigt im Hunding mit tief fundiertem Ba\u00df bitterb\u00f6se Strukturen auf, <strong>Marina Prudenskaya<\/strong> ist die keifige Fricka, <strong>Anja Kampe<\/strong> gibt der Sieglinde weiche, warme Z\u00fcge.<\/p>\n<p>Ein Publikumsrenner ist jedes Jahr die <strong>Kinderoper<\/strong>, beliebt bei Jung und (mehrheitlich!) Alt. Nun steht der gesamte <em>Ring des Nibelungen<\/em> auf dem Spielplan. Faszinierend wie man die komplexe Handlung um die Machtfrage zwischen Wotan und Alberich sowie das Schicksal der Protagonisten auf knapp zwei Stunden reduzieren kann. Heraus kommt eine kindgerechte Fassung, in der kaum Gewalt, aber viel bunte Bilder gezeigt werden. Als allgemeine Einf\u00fchrung in die Welten des <em>Rings<\/em> durchaus geeignet. Die musikalische Strichfassung verzichtet auf Ch\u00f6re, die bekanntesten Auftritte der Solisten sind vorhanden. <strong>Vincent Wolfsteiner<\/strong> ist ein Heldentenor f\u00fcr die kleine B\u00fchne als Siegmund und Siegfried. <strong>Stefan Heibach <\/strong>ist ein lyrisch, lustiger Loge, <strong>Jukka Rasilainen<\/strong> streitet als Wotan sehr sch\u00f6n mit <strong>Simone Schr\u00f6der <\/strong>als drachen\u00e4hnliche Fricka und stellt mit <em>Wotans Abschied<\/em> von Br\u00fcnnhilde (<strong>Daniela K\u00f6hler<\/strong>) den musikalischen H\u00f6hepunkt. Die Kinder halten durch, da peppig und spannend. Alle sind zufrieden!<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Der R\u00fcckblick auf die Festspielsaison 2018 ist zwiesp\u00e4ltig: Die Wiederaufnahme der <em>Meistersinger<\/em> wird zum Publikumsrenner, w\u00e4hrend die unverst\u00e4ndliche blaue Insekten-Oper <em>Lohengrin<\/em> noch vom Premierenhype zehrt. \u00a0Dagegen ist es <strong>Barrie Kosky<\/strong> erfolgreich gelungen im zweiten Jahr den <em>Meistersingern<\/em> eine Kom\u00f6die \u00fcberzust\u00fclpen, bei der das Lachen doch manchmal einfriert. Mit herausragenden S\u00e4ngern und einer Bewegungschoreographie, die den hohen Aufwand rechtfertigt, stehen die <em>Meistersinger<\/em> in der Tradition der Herheim-<em>Parsifal<\/em>-Inszenierung und z\u00e4hlen somit zu den positiven H\u00f6hepunkten des Regietheaters. Das gilt <em>nat\u00fcrlich<\/em> nicht f\u00fcr den derzeitigen <em>Parsifal<\/em> in der Regie von <strong>Uwe Eric Laufenberg<\/strong>. So lie\u00dfen sich beim Parsifal drei Dinge nicht realisieren: da hinter der Kuppel des Grals keine Ger\u00fcste aufgebaut werden k\u00f6nnen, sind auch keine Stimmen aus der H\u00f6he zu h\u00f6ren. Weil w\u00e4hrend der Verwandlung ein Vorhang niedergeht, um einen Sternenfilm zu projizieren, kann man die Gralsglocken nicht auf der B\u00fchne, sondern nur per Band und Lautsprecher einspielen. Und die Verwendung eines Kinderchores ist auch nicht m\u00f6glich. Ebensolches gilt f\u00fcr den nicht existenten Karfreitagszauber, der durch \u201eNackedeis im Regenschauer\u201c als unbescholtene Natur gezeigt wird.<\/p>\n<p>Allgemein scheint die Nachfrage zu sinken, jedenfalls nach diesen \u201eunbeliebten\u201c St\u00fccken. Die Premieren werden aber bis zu 416 \u20ac kosten \u2013 auch dank eines ge\u00e4nderten Sitzplans. Damit n\u00e4hert man sich dem Preisniveau Salzburgs an. Die Absicht Wagners, seine Festspiele kostenlos durchzuf\u00fchren, wird ein immer unwirklich werdender Traum. Die spannende Frage f\u00fcr kommendes Jahr ist \u2013 neben der Erwartung des <em>Tannh\u00e4users<\/em> in der Regie des Tobias Kratzer \u2013 die Frage, ob <strong>Anna Netrebko<\/strong> und <strong>Piotr Beczala<\/strong> nur in zwei <em>Lohengrin<\/em>-Vorstellungen auftreten werden.<\/p>\n<p>Oliver Hohlbach<\/p>\n<p>Bilder: Bayreuther Festspiele\/Enrico Nawrath<\/p>\n<p>Das Bild oben zeigt: Der Ring des Nibelungen &#8211; f\u00fcr Kinder:<\/p>\n<p>Sebastian Pilgrim (Fasolt), Timo Riihonen (Fafner), Simone Schr\u00f6der (Fricka), Jukka Rasilainen (Wotan), Paul Kaufmann (Mime)<\/p>\n<p>Das Bild unten zeigt: Die Meistersinger von N\u00fcrnberg:<\/p>\n<p>Michael Volle (Hans Sachs), Klaus Florian Vogt (Walther von Stolzing), Daniel Behle (David), Chor<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Parsifal von Richard Wagner (1813-1883), , Libretto: R. Wagner, B\u00fchnenweihfestspiel in drei Akten, UA: 26. 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