{"id":7596,"date":"2018-07-30T12:09:20","date_gmt":"2018-07-30T11:09:20","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7596"},"modified":"2018-10-17T08:22:09","modified_gmt":"2018-10-17T07:22:09","slug":"muenchner-opernfestspiele-prinzregententheater","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7596","title":{"rendered":"M\u00fcnchner Opernfestspiele, Prinzregententheater"},"content":{"rendered":"<blockquote><p><strong><em>Orlando Paladino<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Joseph Haydn (1732-1809), Dramma eroicomico in drei Akten, Libretto: Nunziato Porta, UA: 6. Dezember 1782 Schlo\u00df Eszterh\u00e1za<\/p>\n<p>Regie: Axel Ranisch, B\u00fchne\/Kost\u00fcme: Falko Herold, Choreographie: Magdalena Padrosa Celada<\/p>\n<p>Dirigent: Ivor Bolton, M\u00fcnchner Kammerorchester, Opernballett der Bayerischen Staatsoper<\/p>\n<p>Solisten: Adela Zaharia (Angelica), Edwin Crossley-Mercer (Rodomonte), Mathias Vidal (Orlando), Dovlet Nurgeldiyev (Medoro), Guy de Mey (Licone), Elena Sancho Pereg (Eurilla), David Portillo (Pasquale), Tara Erraught (Alcina), Francois Lis (Caronte)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 27. Juli 2018 (Prinzregententheater)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/Festival-M\u00fcnchen-Orlando-Pal.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-7597\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/Festival-M\u00fcnchen-Orlando-Pal.png\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"442\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/Festival-M\u00fcnchen-Orlando-Pal.png 650w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/Festival-M\u00fcnchen-Orlando-Pal-300x204.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Die K\u00f6nigin Angelica und ihr Liebhaber Medoro sind vor Orlandos Eifersucht in ein entlegenes Haus im Wald geflohen. Rodomonte, der K\u00f6nig von Barbarien (Afrika), sucht die beiden, um sie vor Orlando zu besch\u00fctzen. Angelica wendet sich in ihrer Verzweiflung an ein Zauberbuch, woraufhin Alcina erscheint. Sie verspricht daf\u00fcr zu sorgen, da\u00df niemand zu Schaden kommen sollte. Als Orlando eintrifft, kommt es beinahe zum Blutbad, aber Alcina verzaubert Orlando, so da\u00df die anderen entkommen k\u00f6nnen. In der Verwirrung verlaufen sich alle im Wald. Wieder begegnen sie sich, und wieder mu\u00df Alcina Orlando verzaubern. Seine Wut ist weiter ungeb\u00e4ndigt. Schlie\u00dflich bringt Alcina ihn zu Charon, dem F\u00e4hrmann zur Unterwelt, und bittet diesen darum, Orlandos Raserei mit Wasser aus dem Flu\u00df des Vergessens wegzuwaschen. Danach erkennt Orlando niemanden mehr, er hat seine Liebe zu Angelica vergessen. Er schlie\u00dft Frieden mit Rodomonte, Angelica und Medoro k\u00f6nnen ihre Flucht aufgeben, und Orlandos Knappe Pasquale heiratet das Hirtenm\u00e4dchen Eurilla.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Die Oper spielt in einem Kino, anfangs am Kassenh\u00e4uschen, dann im Kinosaal. Nicht etwa, da\u00df dem Publikum ein Film gezeigt wird, nein, es werden Filme als Kommentare gezeigt, in denen ein mittelalterlicher Ritter in einem Wald bei einer Brotzeit aus der Tupperdose gefangen genommen wird und an einem See wieder frei gelassen wird, an dem sich ein P\u00e4rchen in Wei\u00df trifft. Die eigentliche Handlung findet vor den Stuhlreihen statt, bevor diese in den Hintergrund verschoben werden und eine lichtdurchflutete Waldlandschaft auftaucht. Orlando plagen die Erinnyen (Ballett mit Gruselmaske), Pasquale tr\u00e4gt eine von Pfeilen durchl\u00f6cherte R\u00fcstung, Alcina ist die rothaarige Hexe mit Schlabberhemd und Sneakern. Zus\u00e4tzlich wuseln die Hausmeister durch das Bild, das Hausmeister-Ehepaar Heinz wurde neu in die Handlung aufgenommen.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Die Solisten sind durchwegs junge Nachwuchss\u00e4nger am Anfang ihrer Kariere, teilweise im Ensemble der M\u00fcnchner Staatsoper, keiner von ihnen wirklich spezialisiert auf alte Musik\u00a0 mit ihren Koloraturen, den Phrasierungen und Verzierungen der Gesangslinie \u2013 haben aber Erfahrungen im Mozart-Bereich. Die auff\u00e4lligste S\u00e4ngerin ist die rothaarige Hexe Alcina, der das Ensemblemitglied <strong>Tara Erraught<\/strong> mit volumin\u00f6sen tief timbrierten Mezzosopran eine mystische Wirkung verleiht. Bei den Herren ist der auff\u00e4lligste der Spieltenor <strong>David Portillo<\/strong> als Knappe Pasquale. In seiner Bravourarie <em>Ecco spiano \u2013 Wie aushaltend<\/em> erteilt er quasi Musikunterricht, spricht von den Trillern, Triolen, H\u00f6hen Tiefen, Spr\u00fcngen und Synkopen mit denen manche Kollegen Probleme haben.<\/p>\n<p>Eurilla, die er so beeindrucken will, singt <strong>Elena Sancho Pereg<\/strong> mit hellen, beweglichen Sopran. <strong>Edwin Crossley-Mercer<\/strong> hat als Heldenbariton in der Ba\u00df-Rolle des Rodomonte Probleme in der Tiefe, kommt aber mit Kraft gut damit zurecht. Kernige Ritter sind auch <strong>Mathias Vidal<\/strong> als Orlando und <strong>Francois Lis<\/strong> als Caronte. Das Liebespaar bestehend aus <strong>Dovlet Nurgeldiyev<\/strong> (ein lyrischer Tenor mit sch\u00f6nem hellem Timbre) als Medoro und <strong>Adela Zaharia<\/strong> (ein sehr lyrischer, weicher Mozartsopran) als Angelica bleibt eher unauff\u00e4llig.<\/p>\n<p>Das <strong>M\u00fcnchner Kammerorchester<\/strong> ist auf die aktuelle moderne Musik spezialisiert und hatte in den letzten 20 Jahren siebzig Urauff\u00fchrungen. 2016 gewann es allerdings auch den <em>Echo Klassik<\/em> f\u00fcr Haydns <em>Prince Esterh\u00e1zy Concertos<\/em> (mit dem Oboisten Fran\u00e7ois Leleux in einer Studioproduktion). Es spielt auf den \u00fcblichen modernen Instrumenten (Streicher mit Stahlsaiten). Die <em>Sackpfeifen<\/em> beim ersten Auftritt von Pasquale werden durch Geigen imitiert. <strong>Ivor<\/strong> <strong>Bolton<\/strong> bem\u00fcht sich die sp\u00e4tbarocken Klangwelten zwischen der italienischen Oper und der Schwelle zur Wiener Klassik zum Leuchten zu bringen, es ist formal technisch einwandfrei, aber es will ihm jedoch nicht so richtig gelingen, es bleibt einfach ein steriler Einheitsbrei, passend als Musik zum Film.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Ein neuer Versuch zu bester Opernfestspielzeit: ein Filmregisseur f\u00fcr B-Movies versucht sich an einer Oper mit gro\u00dfem Ensemble und komplexer Handlung. Die Verlagerung ins Kino mit Stummfilm und Hausmeisterpaar nebst rothaariger Tochter, die die Rolle der Hexe \u00fcbernimmt nachdem der Popcorn-Automat explodiert ist. Sie schafft zwar eine neue Handlungsebene, die mit quietschender Ritterr\u00fcstung die Haupthandlung unverst\u00e4ndlich l\u00e4\u00dft, aber f\u00fcr Gel\u00e4chter sorgt. Sozusagen ein Crossover der Oper mit dem Film ohne irgendeiner Logik zu folgen. Musikalisch problematisch ist es, sich ein M\u00fcnchner Gastorchester ins Haus zu holen, das f\u00fcr den Crossover zwischen moderner Musik und alter Musik steht. S\u00e4ngerisch sorgt das hochmotivierte Nachwuchs-Ensemble immerhin f\u00fcr einen begl\u00fcckenden Abend f\u00fcr ein erfreutes Publikum.<\/p>\n<p>Oliver Hohlbach<\/p>\n<p>Bild: Wilfried H\u00f6sl<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Elena Sancho Pereg (Eurilla), David Portillo (Pasquale)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Orlando Paladino Joseph Haydn (1732-1809), Dramma eroicomico in drei Akten, Libretto: Nunziato Porta, UA: 6. 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