{"id":7589,"date":"2018-07-02T08:40:24","date_gmt":"2018-07-02T07:40:24","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7589"},"modified":"2018-10-10T08:43:26","modified_gmt":"2018-10-10T07:43:26","slug":"oedipus-rex-dresden-semperoper","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7589","title":{"rendered":"Oedipus Rex &#8211; Dresden, Semperoper"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Igor Strawinsky (1882-1971), Opern-Oratorium in zwei Akten, Libretto: Jean Cocteau nach der Trag\u00f6die <em>Oidipous Tyrannos<\/em> von Sophokles<em>,<\/em> in lateinischer und deutscher Sprache, UA: 30. Mai 1927<\/p>\n<p>Paris, Theatre Sarah Bernhardt (konzertant), 23. Februar 1928 Wien, Staatsoper (szenisch)<\/p>\n<p>Regie: Elisabeth St\u00f6ppler, B\u00fchne: Annika Haller, Kost\u00fcme: Frank Lichtenberg<\/p>\n<p>Dirigent: Erik Nielsen, S\u00e4chsische Staatskapelle und S\u00e4chsischer Staatsopernchor und Kammerchor Dresden, Choreinstudierung: Cornelius Volke<\/p>\n<p>Solisten Oedipus Rex: Stephan R\u00fcgamer (Oedipus), Claudia Mahnke (Iokaste), Markus Marquardt (Kreon), Kurt Rydl (Teiresias), Tom Martinsen (Hirte), Matthias Henneberg (Bote), Catrin Striebeck (Sprecherin)<\/p>\n<p><strong><em>Il prigioniero<\/em><\/strong><em> \u2013 <strong>Der Gefangene<\/strong><\/em><\/p>\n<p>von Luigi Dallapiccola (1904-1975), Oper in einem Prolog und einem Akt, Libretto: L. Dallapiccola nach <em>La torture par L&#8217;esperance<\/em> aus den <em>Nouveaux Contes Cruels<\/em> von Philippe-Auguste Viliers de L&#8217;Isle-Adam<em>,<\/em> UA: 1.Dezemeber 1949 Turin, Radiotelevisione Italia (konzertat), 20. Mai 1950 (szenisch), in italienischer Sprache<\/p>\n<p>Solisten: Tichina Vaughn (Mutter), Lester Lynch (Gefangener), Mark Le Brocq (Kerkermeister \/ Gro\u00dfinquisitor), Khanyiso Gwenxane (1.Priester\/W\u00e4rter), Alexandros Stavrakakis (2.Priester\/W\u00e4rter)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 30. Juni 2018 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/Dresden_OedipusRex.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-7590\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/Dresden_OedipusRex.png\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"325\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/Dresden_OedipusRex.png 650w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/Dresden_OedipusRex-300x150.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p><strong><em>Oedipus Rex\u00a0 <\/em><\/strong><\/p>\n<p>Oedipus hofft, seinem prophezeiten Schicksal zu entgehen. Aus seiner Heimat geflohen, hat er die Thebaner vor der Sphinx gerettet, ist deren K\u00f6nig geworden und Gatte der Witwe des ermordeten K\u00f6nigs Laios. Jetzt soll er das Volk vor der Pest retten und mu\u00df daf\u00fcr den M\u00f6rder des K\u00f6nigs finden. In seiner Hybris ignoriert er alle Warnzeichen und wird am Ende doch die grausame Wahrheit erkennen, selbst unwissentlich den k\u00f6niglichen Vater get\u00f6tet und die eigene Mutter geheiratet zu haben. Iokaste erh\u00e4ngt sich, Oedipus sticht sich die Augen aus und l\u00e4\u00dft sich vertreiben.<\/p>\n<p><strong><em>Il prigioniero<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Die Mutter des Gefangenen hofft, ihren Sohn wiederzusehen. Ihre Hoffnung schl\u00e4gt in angstvolle Todesbilder um. Der gefolterte Gefangene sch\u00f6pft Hoffnung, nachdem der Kerkermeister ihn \u201eBruder\u201c nennt und die Kerkert\u00fcr offen l\u00e4\u00dft. Der Augenblick jubelnder Freiheitshoffnung beim Anblick des Himmels wird zur Sturzkante der schlimmsten aller Foltern: Bruderruf und Freiheitsversprechen entpuppen sich als Betrug des als Kerkermeister verkleideten Gro\u00dfinquisitors an der urmenschlichen Hoffnung des Todgeweihten, bevor er zum Richtplatz gef\u00fchrt wird.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p><em>Oedipus Rex<\/em>: Die heutige Welt ist eine Datenautobahn mit Kabeln, Schaltk\u00e4sten, blinkenden Anzeigen und Monitoren. Die G\u00f6tter, Sprecherin und K\u00f6nige steuern sie, der heutige Mensch ist in ihr gefangen, ein Ausbruchsversuch scheitert, man l\u00e4\u00dft sich die Augen ausstechen.<\/p>\n<p><em>Il prigioniero<\/em>: Der Gefangene wird in einem heutigen Gef\u00e4ngnis in sterilen wei\u00dfen R\u00e4umen mit einfachen wei\u00dfen M\u00f6beln in Ketten gehalten. Die W\u00e4rter tragen \u00fcbliche Uniformen, einen Garten gibt es nicht. In seiner Phantasie sieht er wunderliche Kreaturen, die ihn nicht retten k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Bis zu 12 Solisten m\u00fcssen f\u00fcr diese beiden St\u00fccke besetzt werden. Das ist ohne Zweifel ein gro\u00dfes Hindernis f\u00fcr moderne Opern sich in den Spielpl\u00e4nen zu etablieren. Die Semperoper l\u00f6st dies mit einer interessanten Besetzung aus Ensemblemitgliedern, Nachwuchss\u00e4ngern und altgedienten erfahrenen G\u00e4sten.<\/p>\n<p>Dauergast des Abends ist <strong>Kurt Rydl<\/strong>, der dem Seher Teiresias mit markanter und volumin\u00f6ser Ba\u00dfstimme einen eindringlichen Auftritt schafft. Aus dem Ensemble stammt <strong>Tichina Vaughn<\/strong>, die mit ihrem tief fundierten, herben und sehr durchschlagsstarken Mezzo aus der Mutter des Gefangenen eine hochdramatische Rolle macht. Zwei Tenor-Hauptrollen haben <strong>Stephan R\u00fcgamer<\/strong> (Oedipus) und <strong>Mark Le Brocq<\/strong> (Kerkermeister\/Gro\u00dfinquisitor). R\u00fcgamer ist ein lyrischer Tenor mit langem Atem, der den Oedipus zwischen Genie und Wahnsinn vielschichtig anlegt, Le Brocq ist ein \u201eW\u00e4rter und Inquisitor\u201c mit d\u00e4monischer Charakterzeichnung und eher baritonalem Timbre, der tenorale H\u00f6hen erreicht. <strong>Lester Lynch <\/strong>gestaltet den Gefangenen als hochdramatische Bariton-Rolle mit viel Volumen, Durchschlagskraft und solider Tiefe. <strong>Erik Nielsen<\/strong> f\u00fchrt die S\u00e4chsische Staatskapelle unauff\u00e4llig durch die Untiefen der atonalen Zw\u00f6lftonmusik.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Es ist der Semperoper hoch anzurechnen zwei selten gespielte St\u00fccke der Moderne wiederzubeleben zu versuchen. Selbst wenn die Musik schwere Kost ist, die musikalische Umsetzung ist herausragend, der Versuch die historische Handlung des Oedipus zu aktualisieren scheitert jedoch. Der Gefangene lebt von dem zeitlosen Gefangenendrama und der herausragenden s\u00e4ngerischen und szenischen Leistung von <strong>Lester Lynch<\/strong>. Tosender Applaus f\u00fcr die Solisten und die Staatskapelle.<\/p>\n<p>Oliver Hohlbach<\/p>\n<p>Bild: Jochen Quast<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Stephan R\u00fcgamer (Oedipus), Catrin Striebeck (Sprecherin)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Igor Strawinsky (1882-1971), Opern-Oratorium in zwei Akten, Libretto: Jean Cocteau nach der Trag\u00f6die Oidipous Tyrannos von Sophokles, in lateinischer und deutscher Sprache, UA: 30. Mai 1927 Paris, Theatre Sarah Bernhardt (konzertant), 23. 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