{"id":7586,"date":"2018-09-11T09:48:55","date_gmt":"2018-09-11T08:48:55","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7586"},"modified":"2018-10-08T09:51:05","modified_gmt":"2018-10-08T08:51:05","slug":"die-goetterdaemmerung-minden-stadttheater-richard-wagner-verband-minden","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7586","title":{"rendered":"Die G\u00f6tterd\u00e4mmerung &#8211; Minden, Stadttheater, Richard-Wagner-Verband Minden"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Richard Wagner (1813-1883), drei Aufz\u00fcgen und ein Prolog, Dritter Tag des B\u00fchnenfestspiels <em>Der Ring des Nibelungen<\/em>, Libretto: R. Wagner, UA 17. August 1876 Bayreuth, Festspielhaus<\/p>\n<p>Regie: Gerd Heinz, B\u00fchne und Kost\u00fcme: Frank Philipp Schl\u00f6\u00dfmann, Videos: Matthias Lippert<\/p>\n<p>Dirigent: Frank Beermann, Nordwestdeutsche Philharmonie, Wagner Chor Minden 2018, Chor:\u00a0 Thomas Wirtz<\/p>\n<p>Solisten: Thomas Mohr (Siegfried), Renatus Meszar (Gunther), Andreas H\u00f6rl (Hagen), Dara Hobbs (Br\u00fcnnhilde), Frank Blees (Alberich), Magdalena Anna Hofmann (Gutrune), Kathrin G\u00f6ring (Waltraute) u.a.<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 9. September 2018 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/MindenG\u00f6tterd\u00e4mmerung.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-7587\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/MindenG\u00f6tterd\u00e4mmerung.png\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"433\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/MindenG\u00f6tterd\u00e4mmerung.png 650w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/MindenG\u00f6tterd\u00e4mmerung-300x200.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>F\u00fcr Siegfried besitzt der von Alberich verfluchte Ring des Nibelungen ewige Macht. Auch Hagen, Halbbruder des F\u00fcrsten Gunther, m\u00f6chte den Ring besitzen. Als es Siegfried an den Rhein zu Gunther verschl\u00e4gt, verliert er unter dem Einflu\u00df eines Zaubertranks jede Erinnerung an Br\u00fcnnhilde, heiratet Gutrune und verspricht Gunther Br\u00fcnnhilde zur Frau. Ha\u00dferf\u00fcllt wendet sich Br\u00fcnnhilde gegen Siegfried und berichtet, da\u00df sie quasi verm\u00e4hlt seien. F\u00fcr seinen Betrug an Gunther t\u00f6tet Hagen auf der Jagd Siegfried, doch Hagen erringt nicht den Ring, denn Br\u00fcnnhilde st\u00fcrzt sich mit dem Ring in den f\u00fcr Siegfried errichteten brennenden Scheiterhaufen. Die Flammen erfassen Walhall, die G\u00f6tterd\u00e4mmerung bricht an: Der Ring versinkt im Rhein und die Welt ist erl\u00f6st vom Fluch.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Das B\u00fchnenbild hat sich w\u00e4hrend der gesamten <em>Ring<\/em>-Produktion kaum ge\u00e4ndert, denn die R\u00e4ume in dem kleinen historischen Stadttheater in Minden sind begrenzt. Das gro\u00dfe Orchester sitzt hinter einem Gaze-Vorhang auf der B\u00fchne, in den eigentlichen Orchestergraben f\u00fchren Stufen und bildet mit der Rampe die Spielfl\u00e4che. Viel Dekoration ist nicht vorhanden. Links befindet sich eine Wendeltreppe, um den ersten Rang als zus\u00e4tzliche Spiel- und Auftrittsfl\u00e4che zu nutzen. Ein \u00fcberdimensionaler Ring umschlie\u00dft das B\u00fchnenportal. Beleuchtungseffekte kommentieren die Handlung wie auch durch die Projektion komplexer Figuren auf den Gaze-Vorhang, deren Sinn sich nicht leicht erschlie\u00dfen will. Daher gibt es im Finale keinen echten Weltenbrand, sondern nur unspektakul\u00e4re Beleuchtungseffekte. Die einfachen Kost\u00fcme erinnern an den abstrakten historischen Realismus der Wieland Wagner-Inszenierungen und passen zu den Charakterz\u00fcgen der Rollen, die durch die detaillierte und ausgefeilte Personenf\u00fchrung deutlich hervortreten. Sie orientieren sich zumeist an den Anweisungen Wagners im Textbuch.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Nicht zum ersten Mal steht<strong> Frank Beermann<\/strong> am Dirigentenpult in Minden. In gewohnt souver\u00e4ner Manier leitet er die Nordwestdeutsche Philharmonie Ostwestfalen-Lippe. Beermann versteht das innerste Wesen der Personen und macht damit den Handlungsablauf transparent. So wird <em>Siegfrieds Trauermarsch<\/em> eher zu einer epischen Erz\u00e4hlung und seine <em>Rheinfahrt<\/em> weniger zu einer blechlastigen Filmmusik. Da die S\u00e4nger direkt vor dem Publikum postiert sind, ist die Wortverst\u00e4ndlichkeit verbessert und die H\u00f6rbarkeit auch leisester T\u00f6ne m\u00f6glich. <strong>Thomas Mohr<\/strong> ist ein Wagner-Tenor mit hoher baritonal gef\u00e4rbter Durchschlagskraft und strahlender H\u00f6he. F\u00fcr den Siegfried mu\u00df er aber noch an der Wortverst\u00e4ndlichkeit und an der Phrasierung innerhalb der Gesangslinie arbeiten. <strong>Renatus Meszar<\/strong> ist ein strahlender Ba\u00dfbariton mit gro\u00dfer Spielfreude und sicherer Technik. Ihm geht ein wenig das Volumen und die Leuchtkraft der Stimme ab. Dennoch schafft er dem Gunther mit zur\u00fcckhaltender tiefbewegender Gestaltung den zustehenden Platz.<\/p>\n<p>Entdeckungen sind Andreas H\u00f6rl und <strong>Dara<\/strong> <strong>Hobbs<\/strong>. Ihr dramatischer Sopran mit eleganter beweglicher Stimmf\u00fchrung macht Br\u00fcnnhildes wechselnde Haltung zu Siegfried h\u00f6rbar und glaubhaft. Die \u00fcberragende Figur des Abends aber ist unzweifelhaft <strong>Andreas H\u00f6rl<\/strong> als Hagen \u2013 eine wundersch\u00f6ne Ba\u00dfstimme mit fast schwarzer Tiefe. Er n\u00e4hert sich Wagners Ideal der unendlichen Melodie und singt trotzdem jeden Ton und betont jedes Wort \u00fcberdeutlich. Ein wahrlich erregender Vortrag! Verschwenderisch besetzt ist die Rolle der Gutrune mit <strong>Magdalena Anna Hofmann<\/strong>: Sie \u00fcberzeugt mit den leiseren T\u00f6nen und mit viel Einf\u00fchlungsverm\u00f6gen und macht aus Gutrune eine Hauptrolle. Etwas mehr Durchschlagskraft m\u00f6chte man auch <strong>Kathrin G\u00f6ring<\/strong> w\u00fcnschen. Ihre Waltraute ist aber eine sch\u00f6n anzuh\u00f6rende Charakterstudie. Ein sch\u00f6nes Ensemble im Zusammenwirken bilden die <strong>Nornen<\/strong>, die so nicht nur die Schicksalsf\u00e4den zusammen halten.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Man tut sich schwer diese Produktion als halbszenisch zu bezeichnen, denn die Personenf\u00fchrung kompensiert den Mangel an B\u00fchnentechnik eindeutig. <strong>Gerd Heinz<\/strong>, darf sich mit diesem <em>Ring<\/em> als Bannertr\u00e4ger werkgetreuer Inszenierungen feiern lassen: Er beweist, da\u00df sich die Handlung des <em>Rings<\/em> auch ohne kontraproduktive Regieeinf\u00e4lle und absurde Bilderwelten spannend umsetzen l\u00e4\u00dft! Nach dem Finale atemlose Spannung im Publikum, bis sich der Enthusiasmus Bahn bricht. Musikalisch und szenisch durchaus eine Sternstunde!<\/p>\n<p>Der v\u00f6llig zu Recht fast schon hysterische Applaus f\u00fcr eine sehens- und h\u00f6renswerte Produktion gilt auch der Vorsitzenden des Richard Wagner Verbandes in Minden, <strong>Dr. Jutta Hering-Winckler<\/strong>, deren b\u00fcrgerliches Engagement wieder einmal eine Oper am Mindener Stadttheater m\u00f6glich gemacht hat, einem kleinen Haus ohne Musiktheater-Ensemble und ohne den riesigen Mitarbeiterstab oder den Etat eines \u00fcblichen Opernhauses. Da kann man durchaus von dem <em>Wunder von Minden<\/em> sprechen, das sich mit zwei <em>Ring<\/em> Zyklen ab dem 12. September 2019 sicherlich erneut beweisen wird.<\/p>\n<p>Oliver Hohlbach<\/p>\n<p>Bild: Friedrich Luchterhandt<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Br\u00fcnnhildes (Dara Hobbs) brennender Stapel geschichteter Scheite<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Richard Wagner (1813-1883), drei Aufz\u00fcgen und ein Prolog, Dritter Tag des B\u00fchnenfestspiels Der Ring des Nibelungen, Libretto: R. Wagner, UA 17. 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