{"id":7576,"date":"2018-10-01T13:37:03","date_gmt":"2018-10-01T12:37:03","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7576"},"modified":"2018-10-06T13:38:51","modified_gmt":"2018-10-06T12:38:51","slug":"siegfried-chemnitz-theater","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7576","title":{"rendered":"Siegfried &#8211; Chemnitz, Theater"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Richard Wagner (1813 \u2013 1883), zweiter Tag des B\u00fchnenfestspiels <em>Der Ring des Nibelungen<\/em>, Libretto: R. Wagner, mit deutschen \u00dcbertiteln, UA: 16. August 1876 Bayreuth, Festspielhaus<\/p>\n<p>Regie: Sabine Hartmannshenn, B\u00fchne: Lukas Kretschmer, Kost\u00fcme: Susana Mendoza<\/p>\n<p>Dirigent: Felix Bender, Robert-Schuhmann-Philharmonie<\/p>\n<p>Solisten: Daniel Kirch (Siegfried), Arnold Bezuyen (Mime), Ralf Lukas (Wanderer), Bjorn Waag (Alberich), Avtandil Kaspeli (Fafner), Simone Schr\u00f6der (Erda), Christiane Kohl (Br\u00fcnnhilde), Guibee Yang (Stimme eines Waldvogels).<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 29. September 2018 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/Chemnitz-Siegfried.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-7577\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/Chemnitz-Siegfried.png\" alt=\"\" width=\"433\" height=\"650\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/Chemnitz-Siegfried.png 433w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/Chemnitz-Siegfried-200x300.png 200w\" sizes=\"auto, (max-width: 433px) 100vw, 433px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Siegfried wird vom Zwerg Mime gro\u00dfgezogen, ohne Respekt oder Furcht zu kennen. Wie es der Wanderer prophezeit, gelingt es dem Furchtlosen das Schwert Nothung aus Tr\u00fcmmern neu zu schmieden. Mimes Ziel ist es, Siegfried gegen Fafner aufzustacheln, damit er ihn t\u00f6te und ihm den Ring verschaffe. Nachdem Siegfried den Riesenwurm get\u00f6tet hat, bringt er den Ring an sich und erkennt durch das magische Drachenblut die wahren Ziele Mimes. Aus Zorn bringt er ihn um und macht sich auf zum Br\u00fcnnhildenfelsen, um dort Br\u00fcnnhilde zu erwecken und ihre Liebe zu erringen. Zuvor trifft er auf den Wanderer \u2013 den umherstreifenden Gott Wotan \u2013 und zerschl\u00e4gt seinen Speer, der Wotan die Macht \u00fcber die Welt sicherte. Wotan tritt ab und macht Siegfried so den Weg frei.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Wir befinden uns zeitlich irgendwo zwischen Heute und Endzeit. Die Kleidung stammt aus einer zeitlosen Altkleidersammlung und hat selbst f\u00fcr Wotan nur einen Schlapphut, einen langen Mantel und eine alte Hose bereit. Siegfried hingegen kann auf khaki-farbene Jacke, Hose und Wanderstiefel zur\u00fcckgreifen. Runen schmiert man sich nicht nur auf den Oberk\u00f6rper, sondern auch auf die stilisierten, rechteckigen Baumst\u00e4mme des Waldes, die nur f\u00fcr den Br\u00fcnnhildenfelsen am Schlu\u00df beiseite ger\u00e4umt werden. Dazwischen lagern sich Statisten, die mit einer goldenen Maske entweder, wie der Chor, in einer griechischen Trag\u00f6die das Geschehen wortlos kommentieren, den Drachen nachformen sollen oder am Schlu\u00df als Fackeltr\u00e4ger einen mageren Feuerzauber produzieren.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p><strong>Daniel Kirch<\/strong> ist ein strahlender lyrischer Tenor, der unendlichen Melodie verbunden und Poesie ausstrahlend. In der Premiere schien er leicht angeschlagen, denn die Stimmef\u00fchrung wirkte oft kehlig, eng gef\u00fchrt, in der H\u00f6he manchmal nicht strahlend und in der Gesangslinie wie im Forte unsicher. Doch wer die <em>Schmiedelieder<\/em> durch alle H\u00f6hen und Tiefen im Forte stemmt und am Ende noch Kraft und Volumen hat, den Dialog mit Br\u00fcnnhilde <em>Leuchtende Liebe, lachender Tod<\/em> durchzustehen, der z\u00e4hlt zur ersten Garde der Wagner-Ten\u00f6re. Seine Partnerin im Finale ist <strong>Christiane Kohl<\/strong> als Br\u00fcnnhilde. Sie kann als jugendlicher Sopran die Dialog auf Augenh\u00f6he gestalten, aber auch der Verzweiflung mit Durchschlagskraft und Lautst\u00e4rke Raum verleihen. <strong>Ralf Lukas<\/strong> gestaltet den Wanderer mit viel Erfahrung (u.a. als Gunther in Bayreuth): Als sicher fundierter Ba\u00dfbariton verf\u00fcgt er \u00fcber ein leuchtendes Timbre, ist auch immer wortverst\u00e4ndlich \u2013 auch wenn die Sch\u00f6nheit der Durchschlagskraft mittlerweile etwas abgeht. Genauso altgedient ist <strong>Arnold Bezuyen<\/strong>: Mit seiner Erfahrung kann er die Rolle des Mime als Charakterfachstudie anlegen und n\u00e4hert sich dem Sprechgesang immer mehr an. In der H\u00f6he kann er geschickt kaschieren. \u00dcber ein gro\u00dfes Stimmvolumen verf\u00fcgt <strong>Bjorn Waag<\/strong>. Mit kluger Gestaltung der Gesangslinie und Einsatz seiner M\u00f6glichkeiten gelingt es ihm, die kurzen Auftritte des Alberich \u00e4u\u00dferst wirkungsvoll als b\u00f6sen Antihelden Alberich zu gestalten. Ebensolche Wirkung erzielt <strong>Avtandil Kaspeli<\/strong> (Fafner) als ein tiefensicherer Ba\u00df mit leicht schwarzer Stimme.<strong> Guibee Yang<\/strong> ist mit ihrem verspielten Koloratursopran mit warmer, technisch sauberer Stimme die richtige Besetzung f\u00fcr das hohe Gezwitscher des Waldvogels. <strong>Felix Bender<\/strong> arbeitet wunderbar mit den S\u00e4ngern zusammen, gerade das Zusammenspiel in der Wissenswette zwischen Wotan und Mime und das Finale zwischen Siegfried und Br\u00fcnnhilde bleibt in Erinnerung. Auch die Zusammenarbeit mit der Robert-Schumann-Philharmonie kann orchestral \u00fcberzeugen. Es gelingt zum einen die klare Ausziselierung der Leitmotive, die monumentale Wucht Wagners wird harmonisch abgemildert. Zuerst zur\u00fcckhaltend, aber dann bringen die Temposteigerungen Aufmerksamkeit und erregende Dynamik ins Spiel, wie z.B. beim <em>Waldweben<\/em>. <em>Der vorw\u00e4rtst\u00fcrmende Siegfried<\/em> (Vorspiel dritter Akt) leidet auch unter der Konterkarierung auf der B\u00fchne, wenn Wotan, Erda und Br\u00fcnnhilde durch die Reihen der Statisten und B\u00e4ume agitieren.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>\u201eKopf Runter!\u201c ruft das kleine M\u00e4dchen in der vorderen Reihe ihren beiden kleineren Br\u00fcdern zu. Somit bekommen die Kleinen nichts mit von der sinnlos-brutalen Vergewaltigung einer Statistin durch Alberich, der brutalen Kaiserschnittgeburt Sieglindes durch Mime und dem gro\u00dfen entstellten B\u00e4renkadaver mit Fell und Klauen, aus dem Siegfried die Organe auf die B\u00fchne wirft. Diesen aufwendigen Grusel-Teddyb\u00e4r wird kein Kindergarten haben wollen. Die Liebesszene zwischen Siegfried und Br\u00fcnnhilde dagegen bleibt fast ber\u00fchrungs- und blickkontaktfrei und ger\u00e4t absolut einfallslos: Siegfried wird Anzugtr\u00e4ger. \u201eKopf Runter!\u201c ruft sie nicht, als das Regie-Team vor die B\u00fchne tritt, aber einige Buh-Rufe m\u00fcssen sie sich schon gefallen lassen \u2013 f\u00fcr eine \u00fcber weite Strecken belanglose und langweilige Szenerie, in der \u201eFrau Regisseurin\u201c der #Metoo-Bewegung nachl\u00e4uft anstatt die Handlung der Personen aufzuzeigen. Ungehemmter Jubel hingegen f\u00fcr Orchester, Solisten und Dirigent, die nachweisen, da\u00df auch alte Hasen respektive altgediente Solisten mit Bayreutherfahrung es noch drauf haben. Und ihren Rollen stimmlich Tiefe und W\u00fcrde verleihen!<\/p>\n<p>Oliver Hohlbach<\/p>\n<p>Bild: Nasser Hashemi<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Christiane Kohl (Br\u00fcnnhilde), Daniel Kirch (Siegfried)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Richard Wagner (1813 \u2013 1883), zweiter Tag des B\u00fchnenfestspiels Der Ring des Nibelungen, Libretto: R. Wagner, mit deutschen \u00dcbertiteln, UA: 16. 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