{"id":7573,"date":"2018-10-05T13:30:22","date_gmt":"2018-10-05T12:30:22","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7573"},"modified":"2018-10-22T16:09:10","modified_gmt":"2018-10-22T15:09:10","slug":"lohengrin-stuttgart-staatsoper","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7573","title":{"rendered":"Lohengrin &#8211; Stuttgart, Staatsoper"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>Oper in drei Akten von Richard Wagner, Libretto R. Wagner, UA: 28. August 1850 Weimar, Herzogliches Hoftheater<\/p>\n<p>Regie: \u00c1rp\u00e1d Schilling, B\u00fchne: Raimund Orfeo Voigt, Kost\u00fcme: Tina Kloempken, Saskia Schneider, Licht: T\u00e1m\u00e1s B\u00e1nyai, Dramaturgie: Miron Hakenbeck<\/p>\n<p>Dirigent: Cornelius Meister, Chor: Manuel Pujal, Staatsorchester, Staatsopernchor und Zusatzchor Stuttgart<\/p>\n<p>Solisten: Goran Juri\u0107 (Heinrich der Vogler), Michael K\u00f6nig (Lohengrin), Jennifer Davis (Elsa von Brabant), Martin Gantner (Telramund), Okka von der Damerau (Ortrud), Shigeo Ishino (Herrufer des K\u00f6nigs), Torsten Hoffmann (Erster Edler), Heinz G\u00f6hrig (Zweiter Edler), Andrew Bogard (Andrew Bogard), Michael Nagl (Vierter Edler), Elisabeth von Stritzky, Heike Beckmann, Simone Jackel, Lucy Williams (Vier Edelknaben)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 3. Oktober 2018 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/Stuttgart_lohengrin_15.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-7574\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/Stuttgart_lohengrin_15.png\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"399\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/Stuttgart_lohengrin_15.png 650w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/Stuttgart_lohengrin_15-300x184.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><\/a>Vorbemerkung<\/strong><\/p>\n<p>Wagners <em>Lohengrin<\/em> gilt bis heute als eine seiner popul\u00e4rsten Opern. Der Komponist selbst hat das Werk als seine letzte eigentliche Oper bezeichnet, bevor er sich dem wagnertypischen Musikdrama zuwandte. Auch f\u00fcr das Stuttgarter Opernhaus hat <em>Lohengrin<\/em> gro\u00dfe Bedeutung: mit dieser Oper wurde 1912 das neue Opernhaus er\u00f6ffnet, das als eines der wenigen Geb\u00e4ude den Bombenterror des zweiten Weltkrieges nahezu unbeschadet \u00fcberstanden hat. Bis zum heutigen Tag kann man das Theatergeb\u00e4ude in seinem urspr\u00fcnglichen Zustand bewundern, da bislang keine zerst\u00f6rerischen Erneuerungen vorgenommen wurden. So kann man in diesen Tagen den Stuttgarter <em>Lohengrin<\/em> nahezu in historischem Flair des Jahres 1912 erleben.<\/p>\n<p><strong>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Elsa von Brabant wird beschuldigt, ihren Bruder der Herrschaft in Brabant wegen ermordet zu haben. Als sie vor Gericht steht, ruft sie einen unbekannten Retter zu Hilfe, der f\u00fcr sie b\u00fcrgen soll. Auf einmal erscheint der Schwanenritter Lohengrin, der sie aus ihrer Not rettet. Als Bedingung f\u00fcr seine Hilfe fordert er von ihr, sie nicht zu fragen, wie er hei\u00dfe, wo er herkomme oder wer er sei. Als Elsa ihm diese Forderung gew\u00e4hrt, bittet er sie um ihre Hand. Allerdings haben Ortrud und Telramund bereits einen Plan, um das Gl\u00fcck der beiden zu zerst\u00f6ren und Lohengrin wieder nach Hause zu schicken und Elsa l\u00e4\u00dft sich in Machenschaften verstricken, die sie am Ende bitter bereuen wird.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Die Stuttgarter Inszenierung von Arpad Schilling ist \u00e4u\u00dferst reduziert und n\u00fcchtern. Die B\u00fchne zeigt eine dunkle zentralperspektivische Verengung nach hinten hin. Zu Beginn treten die Protagonisten allesamt in greulichen Farben auf und erst gegen Ende wechselt die Kost\u00fcmierung zu bunter Alltagskleidung. Auch die Anzahl der Requisiten ist sehr reduziert. Elsa tritt einmal mit einem Dolch in der Hand auf, im dritten Akt wird dann mehrfach mit Schw\u00e4nen geworfen. Allerdings h\u00e4lt man sich streng an die szenisch vorgegebenen Auf- und Abg\u00e4nge, auch die Vorh\u00e4nge sind w\u00e4hrend der Vorspiele zu den Akten geschlossen. \u00dcber Charakter und gesellschaftlichen Stand der Protagonisten sagen die Kost\u00fcme herzlich wenig aus, auch die einzelnen Szenenbilder weichen einem einheitlichen Hintergrund, der lediglich durch Lichtstimmungen variiert wird.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Die Interpretation von <strong>Cornelius Meister<\/strong> und dem <strong>Stuttgarter Staatsopernorchester<\/strong> ist frisch und farbenreich. Beim Anfangsakkord des Vorspiels h\u00f6rt man z.B. die hinzutretenden Holzbl\u00e4ser nicht sanft, sondern eher schroff zum Instrumentalteppich hinzutreten, gerade so als habe auch der Gral seine Ecken und Kanten. Die St\u00e4rke der Interpretation liegt weniger in der Wahl der Tempi als in einer fein abgestuften Dynamik. Hier tritt ein \u00e4u\u00dferst vielschichtiger und farbenreicher Wagner zu tage, der vom feinsten Pianissimo bis zum ohrenbet\u00e4ubenden L\u00e4rm unz\u00e4hlige Nuancen kennt. Bei den S\u00e4ngern sticht <strong>Martin Gantner<\/strong> als Telramund eindeutig hervor. Seine Deklamation ist \u00e4u\u00dferst fein erarbeitet, und er hebt die ihm von Wagner einkomponierte F\u00e4rbung jederzeit sehr deutlich hervor. Hier erlebt man die vollst\u00e4ndige Verkn\u00fcpfung von Sprache und Gesang, wie sie dem Komponisten vorschwebte. <strong>Jennifer Davis<\/strong> hingegen verf\u00fcgt zwar \u00fcber ein warmes und sanftes Timbre f\u00fcr die Partie der Elsa, doch leider schm\u00e4lert sich der Genu\u00df durch die englische Einf\u00e4rbung ihrer Vokale, was der Interpretation leider viel von ihrem Glanz nimmt. Man h\u00f6rt hier allzu deutlich, wie wichtig eben nicht nur reiner Klang sondern auch pa\u00dfgenaue Artikulation sein mu\u00df.<\/p>\n<p><strong>Michael K\u00f6nig<\/strong> als Lohengrin liefert zwar eine solide Gralserz\u00e4hlung im dritten Akt, allerdings bleibt er w\u00e4hrend des ganzen St\u00fcckes sehr h\u00f6lzern und statuettenhaft. Der Klang einer Stimme ist passagenweise etwas metallisch, jedoch immer klar und ausgewogen. Allerdings ist sein Ausdruck bez\u00fcglich der Interpretation des Lohengrin weder der eines Helden noch der eines Liebhabers, sondern letzten Endes doch eher starr. Auch <strong>Okka von der Damerau<\/strong> als Ortrud liefert zwar eine eindrucksvolle Leistung mit sattem und warmem Timbre, doch fehlen auch ihr die spezifischen Zutaten f\u00fcr ihre Partie. Stets sind ihre Auftritte geradlinig und glatt. Auch hier h\u00e4tte man sich ein paar Spitzen und Sch\u00e4rfen in den entsprechenden Situationen gew\u00fcnscht. Ein solider Heerrufer steht mit <strong>Shigeo Ishino<\/strong> auf der B\u00fchne. Ein sonorer Bariton mit Durchschlagskraft! <strong>Goran Juri\u0107<\/strong> singt an diesem Abend K\u00f6nig Heinrich. Trotz leicht slawischer F\u00e4rbung gelingt ihm eine bodenst\u00e4ndige Interpretation seiner Partie. Eindrucksvoll sind au\u00dferdem am Ende des dritten Aktes die zw\u00f6lf B\u00fchnentrompeter, die das Wagnersche Fortissimo beim Auftritt des K\u00f6nigs und Lohengrin zu einem prunkvollen H\u00f6hepunkt bringen.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Der Stuttgarter <em>Lohengrin<\/em> ist durchaus sehens- und h\u00f6renswert. Musikalisch ist er gut erarbeitet und die B\u00fchne verzichtet weitgehend auf alberne Umdeutungen. Sicherlich h\u00e4tte man beim Auftakt eines neuen Intendanten und eines neuen Generalmusikdirektor etwas Skandal\u00f6seres erwartet. Allerdings ist es doch erfreulich, nach der \u00c4ra Wieler-Morabito nicht wieder sofort mit erm\u00fcdendem Konzepttheater \u00fcberschwemmt zu werden, sondern dem Zuschauer bisweilen seine eigene geistige Freiheit zuzugestehen.<\/p>\n<p>Dr. Daniel Rilling<\/p>\n<p>Bild: Matthias Baus<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Simone Schneider (Elsa von Brabant), Goran Juri\u0107 (Heinrich der Vogler), Okka von der Damerau (Ortrud), Chor Stuttgart<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Oper in drei Akten von Richard Wagner, Libretto R. Wagner, UA: 28. 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