{"id":7548,"date":"2018-08-04T14:05:18","date_gmt":"2018-08-04T13:05:18","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7548"},"modified":"2018-11-26T11:10:10","modified_gmt":"2018-11-26T10:10:10","slug":"aida-verona-arena-opera-festival-2018","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7548","title":{"rendered":"Aida &#8211; Verona, Arena Opera Festival 2018"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Giuseppe Verdi (1813-1901), Oper in vier Akten, Libretto: Antonio Ghislanzoni, urspr\u00fcnglich franz\u00f6sischer Prosatext: Camille du Locle, Entwurf: Edouard Mariette-Bey, UA: 4. Dezember Kairo 1871, Italienisches Theater; Februar 1872 Mailand, Teatro alla Scala;<\/p>\n<p>Regie\/B\u00fchne: Franco Zeffirelli, Kost\u00fcme: Anna Anni, szenische Einrichtung: Giuseppe Gaetano Petrosino<\/p>\n<p>Dirigent: Daniel Oren, Orchester, Chor, Ballett der Arena Verona und Choreographie: Vladimir Vasiliev, Choreinstudierung: Vito Lombardi<\/p>\n<p>Solisten: Romano Dal Zovo (K\u00f6nig, Pharao), Carmen Topsciu (Amneris), Susanna Branchini (Aida), Gregory Kunde (Radam\u00e8s), Rafat Siwek (Ramfis), Amartuvshin Enkhbat (Amonasro), Carlo Bosi (ein Bote), Alina Alexeeva (Priesterin)<\/p>\n<p>Prima Ballerina: Beatrice Carbone, Petra Conti, Mick Zeni<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 2. August 2018<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/Verona-Aida-18_1.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-7549\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/Verona-Aida-18_1.png\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"433\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/Verona-Aida-18_1.png 650w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/Verona-Aida-18_1-300x200.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><\/a>Vorbemerkung<\/strong><\/p>\n<p>In Heft 4\/OPERAPOINT 2017 k\u00f6nnen Sie eine Rezension der damals in der Arena von Verona stattgefundenen Auff\u00fchrung nachlesen, die die Inszenierung von <em>Aida<\/em> aus dem Jahr 1913 beschreibt und kritisiert, womit die seit 1913 existierenden Festspiele Oper er\u00f6ffnet wurden. Seither ist sie die am h\u00e4ufigsten aufgef\u00fchrte Oper von Giuseppe Verdi. Der Regisseur von 1913, Gianfranco de Bosio, hielt sich bei seiner Inszenierungsarbeit eng an Verdis Beschreibungen zu Opernpremieren, die dieser seit 1850 von den Premieren seine Opern aufzeichnete (<em>disposizioni<\/em> <em>sceniche<\/em>). Grundlage der Regie von 1913 war der Entwurf von Edouard Mariette, \u00c4gyptologe und Begr\u00fcnder der \u00e4gyptischen Denkmalpflege. Diese Aufzeichnung Mariettes nahm Verdi, um mit Antonio Ghislanzoni das Libretto zu <em>Aida<\/em> zu verfertigten. Was dabei herauskam habe ich in meiner Rezension in Magazinheft 4 voriges Jahr geschildert. Das Geschehen auf der B\u00fchne mit den alt\u00e4gyptischen Papyruss\u00e4ulen, den Palmen im Nilakt, den Harfenistinnen auf der B\u00fchne (w\u00e4hrend im Graben vier Harfen gegen\u00fcber dem Dirigenten spielten), den aufmarschierenden Standartentr\u00e4ger, die Pferde und anderer lebendiger Tiere ist das, was unsere Phantasie vom alt\u00e4gyptischen Leben sich vorstellt. Von <em>museal<\/em> redet nur jemand, der wohl weniger ins Museen als in Fu\u00dfballarenen geht. Kurz gesagt, es war ein dem Verdi-Ghislanzoni Libretto und Verdis Musik ad\u00e4quate Auff\u00fchrung. Und diese sollten auch andere Melomanen erleben (es war eine Lesereise von OPERAPOINT). Wie gro\u00df aber war meine Entt\u00e4uschung, als die zuerst auch f\u00fcr dieses Jahr angek\u00fcndigte Wiederholung derInszenierung von 1913 mit einer von Franco Zeffirelli ausgewechselt war! Wer hat das zu verantworten?<\/p>\n<p>Nun, das weitere Attribut guter Inszenierungen war zufriedenstellend gel\u00f6st wie Personenf\u00fchrung, Stimmen, Licht, Orchester.<\/p>\n<p><strong>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Feldherr Radam\u00e8s ist begierig darauf, zum Heerf\u00fchrer gegen die \u00c4thiopier erw\u00e4hlt zu werden. Er wird es! Aber er wird auch von Amneris,\u00a0 Tochter des Pharao, geliebt. Da Radam\u00e8s Aida, die Tochter des \u00e4thiopischen K\u00f6nigs Amonasro, liebt, ist er in einem Dilemma. Dies h\u00e4tte er als klardenkender Heerf\u00fchrer ber\u00fccksichtigen m\u00fcssen. Doch er tr\u00e4umt und mu\u00df zum Schlu\u00df den Tod durch Ersticken erleiden, der ihm durch die Anwesenheit Aidas, die mit ihm stirbt, vers\u00fc\u00dft wird.<\/p>\n<p>Amneris wei\u00df ziemlich bald, da\u00df Radam\u00e8s in die \u00c4thiopierin verliebt ist. Sie belauscht beide und erf\u00e4hrt, da\u00df Radam\u00e8s Aida den geheimen Plan der \u00c4gypter zum Angriff auf die \u00c4thiopier unbedacht verr\u00e4t. Sie bringt ihren Geliebten vor das Tribunal der Priester, die ihn zum Tode verurteilen. Sie ist sodann verzweifelt, da\u00df sie, die ihn doch immer noch inbr\u00fcnstig liebt, seinen Tod verursacht hat. Aida, die geflohen war, kehrt heimlich zur\u00fcck und stirbt zusammen mit Radam\u00e8s im unterirdischen Verlies.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Mit senkrechten und verqueren Stangen will man die Illusion einer \u00e4gyptischen Pyramide erwecken!? Eine riesige Tutanchamun Goldmaske \u00fcberh\u00f6ht den Pharaothron, begleitet von zwei Riesenfiguren, links Pharao, rechts Horus (K\u00f6nigsgott, auch Emblem am Heck \u00e4gyptischer Flugzeuge). An den B\u00fchnenr\u00e4ndern riesige Sphinxen mit menschlichen Gesichtern sowie &#8211; beim Triumphmarsch \u2013 Krieger, W\u00fcrdentr\u00e4ger, Standartentr\u00e4ger etc., in allen Farben gewandet. Die k\u00f6niglichen Personen erscheinen in Gew\u00e4nder mit helleren Farben. Die beiden Vort\u00e4nzer des Balletts sind nur mit Hose und Bikini bekleitet. Die zum Teil recht ausgepr\u00e4gten athletisch, akrobatischen T\u00e4nze scheinen recht gewollt und ein wenig \u00fcberzogen \u2013 soweit man das \u00fcberhaupt sagen kann, denn Aufzeichnungen von alt\u00e4gyptischen Balletten gibt\u2019s wohl nicht.<\/p>\n<p>Die Protagonisten sind durchweg in bunten, wallenden Gew\u00e4ndern festlich gekleidet. Aida, anfangs in bescheidener dunkler Sklavenkleidung, kommt in Amneris Privatgem\u00e4cher rot gewandet, im Nilakt, ist ihre Kleidung blau. Auch Amneris tr\u00e4gt im Opernverlauf blaue, pr\u00e4chtige Kleidung und eine ebensolche Kopfbedeckung. Am auffallendsten ist Amonasros Aussehen: gr\u00fcnes Hemd, rote gemusterte Toga und gr\u00fcner, von der linken Schulter zu H\u00fcfte geschlungenen Sch\u00e4rpe. Radam\u00e8s schlie\u00dflich zeigt sich in einer gr\u00fcn-blauen Toga mit Bauchsch\u00e4rpe und blauem Stirnband.<\/p>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/Verona-Aida18.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-7550\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/Verona-Aida18.png\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"433\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/Verona-Aida18.png 650w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/Verona-Aida18-300x200.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><\/a>S\u00e4nger und Orchester <\/strong><\/p>\n<p>Die erste gro\u00dfe Bew\u00e4hrungsprobe f\u00fcr Radam\u00e8s, Amneris und Aida kommt beim Terzett im ersten Aufzug. Die tiefsitzenden Leidenschaften treten dabei z\u00f6gernd zutage. Hier ist neben Dramatik, die die jetzt noch unterdr\u00fcckten Gef\u00fchlswallungen, Empfindungen und Stimmungen in K\u00f6rperhaltung und Gestik ausdr\u00fcckt, auch gro\u00dfe stimmliche Treffsicherheit gefordert. Alles dies geschieht durch die von Verdi jeder Person zugeordneten Motive. Und diese sollten tongerecht und wortverst\u00e4ndlich klingen, Ma\u00dfst\u00e4be f\u00fcrs Gelingen oder Scheitern. Allen Protagonisten gl\u00fcckte ihr Einsatz schauspielerisch, k\u00f6rperlich, gestisch (Personenf\u00fchrung!) und besonders stimmlich. Bis auf den letzten Platz der Riesenarena war alles zu sehen und bestens zu h\u00f6ren! Mit ihrem warmen, lyrischen Sopran, der keine H\u00f6he zu scheuen braucht und nie schrill wirkt, schwebt <strong>Susanne Branchini<\/strong> (Aida) mit ihren langen T\u00f6nen zum Terzettende \u00fcber den beiden anderen Stimmen, \u00fcber den tiefgef\u00fchrten Mezzo von <strong>Carmen Topciu<\/strong> (Amneris) und den sich ob seiner Liebe zu Aida ertappte Radam\u00e8s (<strong>Gregory Kunde<\/strong>) mit seinem, keine H\u00f6hen scheuenden, strahlenden Tenor. Durch einen langen Applaus beweist das Publikum, auch durch Rufen der S\u00e4ngernamen, seine Kenntnis und Vertrautheit mit dem Operngeschehen.<\/p>\n<p>Es folgt das perfide, ja infame Hinterfragen Amneris. Das statt \u201eNachfragen\u201c heute benutzte \u201eHinterfragen\u201c will die Boshaftigkeit\u00a0der Pharaotochter andeuten! In Aktion und Stimme gelingt hier <strong>Carmen Topciu<\/strong> mit ihrem fokussierten Mezzo eine Meisterleistung.<\/p>\n<p>Im Nilakt (3. Akt) erleben wir mit <strong>Amartuvshin Enkhbat<\/strong> (Amonasro) einen den Staatsgedanken h\u00f6her als die Liebe zu seiner Tochter wertenden Vater, der mit langem, ausgefranstem Bart und schulterlangen Haaren eine fast angsteinfl\u00f6\u00dfende Person darstellt. Seinen wohllautenden, rollenden Bariton wei\u00df er schmeichelnd und drohend einzusetzen. Dann trifft <strong>Gregory Kunde<\/strong> (Radam\u00e8s) seine Geliebte Aida. Seine anf\u00e4ngliche Abwehr einer gemeinsamen Flucht erlahmt unter der sanften Sopranstimme Aidas. Nachdem er mit <em>Celeste Aida \u2013 holde, himmlische Aida<\/em> am Opernanfang seinen heldischen Tenor ohne jede M\u00fche und Forcieren in die H\u00f6hen des zweigestrichenen B\u2019s f\u00fchrte, zeigt er nun ein \u00fcberzeugendes Verhalten in der Gerichts- und Sterbeszene. Von seiner Stimmf\u00fchrung, seinem Verhalten h\u00e4ngt ja schlie\u00dflich auch der Erfolg des Opernendes ab. Es gelingt ihm \u00fcber die Ma\u00dfen gut. Abgerundet wird das Bild der S\u00e4ngerriege mit den wohllautenden und klar gesungenen B\u00e4ssen von <strong>Romano Dal Zovo<\/strong> (K\u00f6nig, Pharao) und <strong>Rafat Siwek<\/strong> (Ramfis).<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Ja, h\u00e4tte das mit dem vom \u00c4gyptologen Mariette und Gianfranco de Bosio, dem Regisseur von 1913, geschaffene B\u00fchnenbild den Rahmen, ja die Atmosph\u00e4re f\u00fcr diese hervorragenden S\u00e4nger gebildet, es w\u00e4re des Applauses kein Ende gewesen. Jetzt ist er d\u00fcnn, was von der gegen\u00fcber der Auff\u00fchrung 2017 sehr reduzierten Besucherzahl z.T. herr\u00fchrte und vor allem kurz. Wieviel h\u00e4ngt doch das Gelingen und Erleben einer Opernauff\u00fchrung u.a. vom B\u00fchnenbild ab! Sicher, der Geschmack, aber auch die Kenntnisse von Operntext und Musik ergibt im einzelnen unterschiedliche Zustimmung. Aber das \u201ewovon\u201c und \u201ewarum\u201c sollte einmal an anderer Stelle im Magazin besprochen werden. Die hierzulande anzutreffenden Magazine lassen den wi\u00dfbegierigen Melomanen aber nicht selten im Stich. Allerdings machen manche Tageszeitungen ab und an eine r\u00fchmliche Ausnahme.<\/p>\n<p>Dr. Olaf Zenner<\/p>\n<p>Bild: \u00a9Ph Ennevi. Courtesy of Fondazione Arena di Verona<\/p>\n<p>Das Bild oben zeigt: Susanne Branchini (Aida)<\/p>\n<p>Bild unten zeigt: Susanne Branchini (Aida), Gregory Kunde (Radam\u00e8s), Amartuvshin Enkhbat (Amonasro)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Giuseppe Verdi (1813-1901), Oper in vier Akten, Libretto: Antonio Ghislanzoni, urspr\u00fcnglich franz\u00f6sischer Prosatext: Camille du Locle, Entwurf: Edouard Mariette-Bey, UA: 4. 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