{"id":7543,"date":"2018-06-26T15:09:28","date_gmt":"2018-06-26T14:09:28","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7543"},"modified":"2018-11-26T11:09:00","modified_gmt":"2018-11-26T10:09:00","slug":"berlin-staatsoper-unter-den-linden-macbeth","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7543","title":{"rendered":"Berlin, Staatsoper unter den Linden &#8211; Macbeth"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Giuseppe Verdi (1813-1901), Oper in vier Akten, Libretto: G. Verdi, Francesco Maria Piave und Andrea Maffei nach <em>The Tragedy of Macbeth<\/em> (1606) von William Shakespeare in der italienischen Prosa\u00fcbersetzung von Carlo Rusconi, UA: 14. M\u00e4rz 1847 Florenz, Teatro della Pergola, Zweitfassung: 21. April 1865 Paris, Th\u00e9\u00e2tre Lyrique<\/p>\n<p>Regie: Harry Kupfer, B\u00fchne: Hans Schavernoch<\/p>\n<p>Dirigent: Daniel Barenboim, Staatskapelle Berlin, Staatsopernchor und Solisten des Kinderchors, Choreinstudierung: Martin Wright.<\/p>\n<p>Placido Domingo (Macbeth), Anna Netrebko (Lady Macbeth), Kwangchul Youn (Banquo), Fabio Sartori (Macduff), Florian Hoffmann (Malcolm), Evelin Novak (Kammerfrau).<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 24. Juni 2018<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/Berlin-Macbeth_30.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-7544\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/Berlin-Macbeth_30.png\" alt=\"\" width=\"433\" height=\"650\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/Berlin-Macbeth_30.png 433w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/Berlin-Macbeth_30-200x300.png 200w\" sizes=\"auto, (max-width: 433px) 100vw, 433px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Den schottischen F\u00fcrsten Macbeth prophezeien Hexen nach einer Schlacht, da\u00df er zum neuen Than von Cawdor ernannt werden wird. Mit diesem tats\u00e4chlichen Aufstieg ist sein \u2013 und seiner Gemahlin \u2013 Ehrgeiz angestachelt, auch nach der K\u00f6nigsw\u00fcrde zu greifen. Macbeth ersticht diesen im Schlaf, um danach selbst gekr\u00f6nt zu werden und zusammen mit seiner Gattin eine von Angst, Mi\u00dftrauen und Terror gekennzeichnete Epoche in der schottischen Geschichte einzuleiten. Das Blut der zahllosen Opfer f\u00e4llt schlie\u00dflich auf die beiden zur\u00fcck: Lady Macbeth t\u00f6tet sich im Wahn und Macbeth wird bei einer Revolte umgebracht, kurz nachdem ihm die Sinn- und Fruchtlosigkeit seines gesamten Handelns aufgegangen ist.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Das B\u00fchnenbild von Hans Schavernoch mit zwei seitlichen W\u00e4nden mit jeweils schmaler Zugangst\u00fcr wird von beeindruckenden messerscharf gestochenen Projektionen dominiert, die auch jedem heutigen Monumentalfilm zur Ehre gereichen w\u00fcrden. Die Projektionen zeigen brennende Schlachtfelder, aus den brennenden Siedlungen fliehen Zivilisten, unter die sich auch Hexen gemischt haben. Die Protagonisten tragen Operettenuniformen im italienischen Monumentalschnitt, lediglich Lady Macbeth ist ein schwarzes Kleid, beim wahnsinnigen Schlafwandeln nur das wei\u00dfe Unterkleid gekleidet.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Im Fokus des Interesses steht sicherlich <strong>Anna Netrebko<\/strong> als Lady Macbeth. Sie verf\u00fcgt immer noch \u00fcber eine jugendlich klare, aber auch eine durchschlagsstarke Stimme, mit atemberaubend sicherer H\u00f6he, die immer schwerer wird. Ihre M\u00f6glichkeiten im Piano und Fortissimo wirken endlos, mit tragenden T\u00f6nen in der Tiefe. Ihr H\u00f6hepunkt ist die Wahnsinnsarie, die sie sterbend im wei\u00dfen Hemd, barfu\u00df, langsam verl\u00f6schend, aber immer mit tragender Stimme, mitleiderweckend gestaltet. Selbst wenn die ganz hohen T\u00f6ne (Schlu\u00dfton Des) manchmal etwas wackeln. Auch wenn die Koloratur im Trinklied nicht ganz \u00fcberzeugt, so liebreizend kann Ha\u00df in den sch\u00f6nsten T\u00f6nen erklingen.<\/p>\n<p><strong>Placido Domingo<\/strong> in der Titelrolle ist stimmlich ein T\u00e4ter und ein Opfer, ein Antreibender und Angetriebener, aber immer noch eine Stimme mit tenoralen F\u00e4rbung und einem immer noch unverkennbaren Timbre. F\u00fcr einen Bariton fehlt eine sichere, warm timbrierte Mittellage. Das Alter zeigt Wirkung, die Stimme wird leiser, zerbrechlicher, die Eleganz und sichere Phrasierung gehen mehr und mehr verloren. Aus der langen Pause zum dritten Akt kommt Domingo mit neuer Energie zur\u00fcck Hier kann er sich in der gro\u00dfen Arie und im Duett mit <strong>Netrebko<\/strong> <em>Ora di morte e di vendetta<\/em> <em>\u2013 Stunde des Todes<\/em> <em>und der Rache<\/em> gewaltig steigern. Desgleichen im \u00a0vierten Akt mit der aus der Erstfassung \u00fcbernommenen Sterbeszene anstelle des furiosen Chorfinales.<\/p>\n<p>Ebenso \u00fcberaltert wirkt <strong>Kwangchul Youn<\/strong> als Banquo, mit Vibrato und schmallippig pr\u00e4sentiert sich <strong>Fabio Sartori<\/strong> als Macduff. Eindrucksvoll die Leistung des Bewegungschores, der als Zivilisten-Hexen in Oliv oder als amerikanische G.I. \u00fcber die B\u00fchne wuselt. Trotzdem war die Einheitlichkeit der Eins\u00e4tze in der Einstudierung von <strong>Martin Wright<\/strong> ohne Schwierigkeiten m\u00f6glich. Ebenso sicher leitet <strong>Daniel Barenboim<\/strong> die Staatskapelle Berlin, die \u00fcber einen der Italianit\u00e0 verpflichteten Antrieb bei manchmal hohem Tempo verf\u00fcgt und so die heftigen Gef\u00fchlswelten des Werkes aufzeigen kann.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Optisch ist vieles sehr beeindruckend, was Harry Kupfer mit aufwendigen Hintergrund-Projektionen mit viel Rauch und Feuer auf die B\u00fchne bringt. Die Videoeinblendungen sind aber grunds\u00e4tzlich fehl am Platz einer Operndarstellung (das gilt nat\u00fcrlich nicht nur f\u00fcr diese Auff\u00fchrung). Eine Oper sollte nicht mit anderswo produzierten Zusatzb\u00fchneneffekte ausgestattet werden!<\/p>\n<p>Ebenso eindrucksvoll erlebt man die aufwendigen Verwandlungen, die rasch mittels Hubpodien nach oben und unten gefahren werden. Das B\u00fchnenbild und die Kost\u00fcme im Stil des italienischen Faschismus passen aber einfach nicht zu der archaischen, schottischen Sage und verharmlosen die Handlung des St\u00fcckes! Statt Blut sieht man viel Feuer (Video!). Mord und Totschlag finden im Verborgenen statt, Kriegsgreuel treten in den Vordergrund, die Hexen sind Zivilisten, die pl\u00fcndern, Macbeth und Lady Macbeth gleichen eher einem netten Gro\u00dfonkel und einer etwas verschrobene Tante, die am Altersunterschied scheitern (so, als sich Domingo am Ende des zweiten Akts auf Netrebko wirft!). Das hat dann einen bitteren Beigeschmack!).<\/p>\n<p>Am Ende donnernder Applaus f\u00fcr Netrebko, f\u00fcr eine wirklich ansprechende Leistung und f\u00fcr Daniel Barenboim, der im italienischen Fach und bei Verdi die Emotionen z\u00fcgig und straff beherrscht. Und freundlicher Applaus f\u00fcr einen alternden Domingo und ein staatsopernw\u00fcrdiges Ensemble.<\/p>\n<p>Oliver Hohlbach<\/p>\n<p>Bild: Bernd Uhlig<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Pl\u00e1cido Domingo (Macbeth), Anna Netrebko (Lady Macbeth)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Giuseppe Verdi (1813-1901), Oper in vier Akten, Libretto: G. Verdi, Francesco Maria Piave und Andrea Maffei nach The Tragedy of Macbeth (1606) von William Shakespeare in der italienischen Prosa\u00fcbersetzung von Carlo Rusconi, UA: 14. 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