{"id":7523,"date":"2018-06-25T13:25:46","date_gmt":"2018-06-25T12:25:46","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7523"},"modified":"2018-06-25T13:25:46","modified_gmt":"2018-06-25T12:25:46","slug":"pollicino-koeln","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7523","title":{"rendered":"Pollicino &#8211; K\u00f6ln"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Hans Werner Henze (1926-2012), M\u00e4rchen f\u00fcr Musik, Libretto: Giuseppe Do Leva nach Carlo Collodi, den Br\u00fcdern Grimm und Charles Perrault, deutsche Fassung von Hans Werner Henze, UA: 2. August 1980, Montepulciano (im Rahmen des <em>5 Cantiere Internazionale d\u2019Arte)<\/em><\/p>\n<p>Regie: Saskia Kuhlmann, B\u00fchne: Tobias Flemming, Kost\u00fcme: Hedda Ladwig, Licht: Philipp Wiechert, Dramaturgie: Tanja Fasching<\/p>\n<p>Dirigent: Rainer M\u00fchlbach, Orchester der Rheinischen Musikschule K\u00f6ln, Sch\u00fcler des Humboldt-Gymnasiums<\/p>\n<p>Solisten: Eva Budde (Mutter\/Frau des Menschenfressers), Frederik Tucker (Vater\/Menschenfresser), David Goldort (Pollicino), Daria Sophie Wergiles, Sascha Repp, Luk Frieder Rescheleit, Vivienne Kulik, Elias Larrain Lagos, Sita Catharina Grabbe (Pollicinos Br\u00fcder), Amy Elizabeth Buttschardt (Uhu), Yunus Schahinger (Wolf), Alida Erwin (Waldkauz), Marlene Wolf (F\u00fcchslein), Ella Sagorski (Hase), Mara L\u00fcke (Igel), Hafia Erlen (Wildsau), Ella Olivia Bender (Clotilde), Toska Mussawisade, Genesis Corallo Suarez, Maria Porcheddu, Alexandra Knauer, Marie Wente, Lea Marie Weikenmeier (Clotildes Schwestern)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 23. Juni 2018 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/K\u00f6ln-Pollicino.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-7524\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/K\u00f6ln-Pollicino.png\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"433\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/K\u00f6ln-Pollicino.png 650w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/K\u00f6ln-Pollicino-300x200.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><\/a>Kurzinhalt <\/strong><\/p>\n<p>Pollicino hat arme Eltern, die ihn und seine sechs Br\u00fcder aussetzen wollen. Auf dem Weg in den Wald hat er Steinchen gestreut, mit deren Hilfe er seine Br\u00fcder wieder nach Hause f\u00fchrt. Die Eltern freuen sich zun\u00e4chst \u00fcber die R\u00fcckkehr der Kinder, versuchen jedoch kurze Zeit danach erneut, die Kinder auszusetzen. Dieses Mal gibt es keine R\u00fcckkehrm\u00f6glichkeit und die Kinder f\u00fcrchten sich im Wald. Die Kinder treffen die Tiere des Waldes und es wird vereinbart, da\u00df Herr Wolf die Kinder zu einem nahegelegenen Haus f\u00fchrt. In dem Haus wohnt ein Menschenfresser mit seiner Familie. Seine Frau versteckt die Kinder vor ihrem Mann, jedoch findet der Menschenfresser die Kinder und will sie am n\u00e4chsten Morgen fressen. Hernach beklagt er sein Schicksal als Menschenfresser.<\/p>\n<p>Die sieben Br\u00fcder schlafen bei den sieben T\u00f6chtern des Menschenfressers. Eine der T\u00f6chter hei\u00dft Clothilde, und sie vereinbart mit Pollicino die Flucht der Kinder. Als der Menschenfresser die Flucht bemerkt ist er au\u00dfer sich vor Wut und will die Kinder mit seinen Siebenmeilenstiefeln fangen. Seine Frau weist ihn darauf hin, da\u00df die Stiefel gerade repariert werden.<\/p>\n<p>Die Kinder bew\u00e4ltigen die Gefahren der Flucht und erfreuen sich schlie\u00dflich am Fr\u00fchling.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung <\/strong><\/p>\n<p>Das B\u00fchnenbild besteht aus einem gemalten Gebirge, welches sich \u00f6ffnen und schlie\u00dfen kann. Aus der Mitte kommt das Haus von Pollicinos Eltern sowie das Haus des Menschenfressers gefahren. Die Kost\u00fcme sind traditionell gehalten und wenig fantasiereich Die Partien von Pollicinos Eltern und des Menschenfresserehepaares werden von den gleichen Personen gesungen. Die Rolle des Wolfs spielt ein professioneller S\u00e4nger. Die \u00fcbrigen Partien werden von Kindern gesungen, also so, wie es auch von Hans Werner Henze vorgesehen war.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester <\/strong><\/p>\n<p>Die Auff\u00fchrung lebt vor allem von der Tatsache, da\u00df es Kinder sind, die f\u00fcr Kinder musizieren. Kinder, die unvoreingenommen an die Musik und an die Proben herangegangen sind und vieles neu lernen mu\u00dften. Das Ergebnis ist beeindruckend: sowohl die singenden, als auch die musizierenden Kinder geben eine beachtliche Leistung ab. Die Rollendopplung weist wahrscheinlich auf tiefenpsychologische \u00dcberlegungen hin, vermutlich sollen die \u201egute\u201c und die \u201eb\u00f6se\u201c Mutter sowie der \u201egute\u201c und der \u201eb\u00f6se\u201c Vater auf diese Weise dargestellt werden. Es herrscht eine aufgeregte und konzentrierte Atmosph\u00e4re und die Kinder geben sich fast<\/p>\n<p>professionell bei ihren Auftritten.<\/p>\n<p>Nur an wenigen Stellen zeigt sich, da\u00df es sich bei der Oper um Neue Musik handelt und die Partien teilweise nicht ganz leicht zu bew\u00e4ltigen sind. Hervorzuheben ist <strong>David Goldort<\/strong>, der als Pollicino am h\u00e4ufigsten auf der B\u00fchne ist und seine Partie in beachtlicher Weise meistert. <strong>Ella Olivia Bender<\/strong> gibt mit vielversprechender Stimme und intonationssicherem Gesang ihre Clotilde. <strong>Eva Budde<\/strong> in der Doppelrolle als Mutter und Frau des Menschenfressers zeigt sich mit einem dramatischen und wohlklingenden Sopran, erweist sich aber als schauspielerisch wenig \u00fcberzeugend. <strong>Frederik Tucker<\/strong> beginnt klangsch\u00f6n und glaubhaft in der Darstellung der Partie des Vaters und der des Menschenfressers. Insbesondere die Suche nach den versteckten Kindern gelingt ihm in furchteinfl\u00f6\u00dfender Weise. Wohlklingend tritt auch <strong>Yunus Schahinger<\/strong> (Wolf) in der kurzen Tierszene in Erscheinung. Pollicinos Br\u00fcder <strong>Daria Sophie Wergiles, Sascha Repp, Luk Frieder Rescheleit, Vivienne Kulik, Elias Larrain Lagos, Sita Catharina Grabbe <\/strong>und die T\u00f6chter des Menschenfressers <strong>Toska Mussawisade, Genesis Corallo Suarez, Maria Porcheddu, Alexandra Knauer, Marie Wente, Lea Marie Weikenmeier<\/strong> singen meist im Ensemble; fast immer gelingt es ihnen, gemeinsam einzusetzen und einen gemeinsamen Wohlklang zu entfalten.<\/p>\n<p>Die akustische Herausforderung des Staatenhauses ist durch eine Verst\u00e4rkung der Singenden mit Mikrophonen gel\u00f6st worden. Auf diese Weise klingen die S\u00e4ngerinnen und S\u00e4nger alle \u00e4hnlich laut. Aufgrund der Tatsache, da\u00df professionelle S\u00e4ngerinnen und S\u00e4nger neben Kindern auftreten wird durch die Verst\u00e4rkung eine unnat\u00fcrliche Wirkung erzielt.<\/p>\n<p>Das Orchester unter der Leitung von <strong>Rainer M\u00fchlbach<\/strong> \u00fcberzeugt vom ersten Ton an: die Kinder spielen intonationssicher und sind mit Begeisterung bei der Sache. Besonders das Schlagwerk sticht mit pr\u00e4zisen und nachdr\u00fccklichen Phrasen hervor. <strong>Rainer M\u00fchlbach<\/strong> motiviert die Spielenden mit eindeutiger Schlagtechnik.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Insgesamt ist die Inszenierung wenig einfallsreich und fast etwas bieder; es ist das auf der B\u00fchne zu sehen, was aufgrund der Partitur zu erwarten ist. Die Br\u00fcche innerhalb der Kinderoper, etwa die sich wandelnde Haltung der Eltern gegen\u00fcber den Kindern oder die pl\u00f6tzliche Sentimentalit\u00e4t des Menschenfressers wirken abrupt und werden nicht schl\u00fcssig erkl\u00e4rt.<\/p>\n<p>Trotz der etwas einfallslosen Inszenierung \u00fcbertr\u00e4gt sich die Stimmung der Kinder: es ist deutlich zu sp\u00fcren, um was f\u00fcr ein herausragendes Ereignis es sich bei der Opernauff\u00fchrung f\u00fcr die Kinder handelt. Besonders beeindruckend ist auch die kultur\u00fcbergreifende Ausrichtung; Kinder mit verschiedener kultureller Herkunft spielen und singen mit gleicher Begeisterung und mit gleichem Ernst nebeneinander. Die Kinder werden f\u00fcr ihre Leistungen mit reichem Applaus belohnt. Es ist zu hoffen, dass das Projekt zur Nachahmung einl\u00e4dt und noch mehr Kinder \u00e4hnliche Erfahrungen auf und vor der B\u00fchne haben k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Raika Simone Maier<\/p>\n<p>Bild: \u00a9 Matthias Jung<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Frederik Tucker (Vater\/Menschenfresser), Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler des Humboldgymnasiums<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Hans Werner Henze (1926-2012), M\u00e4rchen f\u00fcr Musik, Libretto: Giuseppe Do Leva nach Carlo Collodi, den Br\u00fcdern Grimm und Charles Perrault, deutsche Fassung von Hans Werner Henze, UA: 2. 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