{"id":7519,"date":"2018-06-22T16:54:25","date_gmt":"2018-06-22T15:54:25","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7519"},"modified":"2018-06-24T16:56:42","modified_gmt":"2018-06-24T15:56:42","slug":"don-pasquale-paris-palais-garnier","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7519","title":{"rendered":"Don Pasquale &#8211; Paris, Palais Garnier"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Ga\u00ebtano Donizetti (1797-1848) Opera buffa in 3 Akten, Libretto: Giovanni Ruffini und G. Donizetti, nach <em>Ser Antonio<\/em> von Anelli (1910), UA: 3. Januar 1843 Paris, Th\u00e9\u00e2tre-Italien<\/p>\n<p>Regie: Damiano Michieletto, B\u00fchne: Paolo Fantin, Kost\u00fcme: Agostino Cavalca, Licht: Alessandro Carletti, Video: rocafilm<\/p>\n<p>Dirigent: Evelino Pid\u00f2, Orchestre et Ch\u0153urs de l\u2019Op\u00e9ra national de Paris, Choreinstudierung: Alessandro Di Stefano<\/p>\n<p>Solisten: Michele Pertusi (Don Pasquale), Florian Sempey (Dottore Malatesta), Lawrence Brawnlee (Ernesto), Nadine Sierra (Norina), Fr\u00e9d\u00e9ric Guieu (ein Notar)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 19. Juni 2018 (im Rahmen einer Lesereise des Magazins OPERAPOINT<\/p>\n<p>Koproduktion mit dem Royal Opera House, Covent Garden, London und dem Teatro Massimo, Palermo<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/Paris-Don-Pasquale.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-7520\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/Paris-Don-Pasquale.png\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"429\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/Paris-Don-Pasquale.png 650w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/Paris-Don-Pasquale-300x198.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><\/a>Vorbemerkung<\/strong><\/p>\n<p>Bei der Entstehung des Librettos griff Donizetti immer wieder in den Text, so da\u00df Ruffini seine Mitarbeit beendete. Donizetti wollte die Sitten seiner Zeit herausstellen und \u2013 um zeitgem\u00e4\u00df zu sein \u2013 den S\u00e4ngern b\u00fcrgerliche Kost\u00fcme verpassen. Obwohl er sich mit den Personen an die<em> Commedia dell\u2019arte<\/em> anlehnte, kam es ihm darauf an, das Individuelle einer Person herauszustreichen. Er hatte die beste S\u00e4ngerschar seiner Zeit zur Verf\u00fcgung. Manche Namen sind auch heute noch bekannt: Giulia Grisi (Nadine), Antonia Tamburini (Malatesta) und Luigi Lablache (Don Pasquale). Jedenfalls bescherten diese S\u00e4nger der Oper bei der Urauff\u00fchrung am 3. Januar 1843 einen vollen Erfolg. Sie ist Donizettis letzte Oper bevor er in geistiger Umnachtung drei Jahre sp\u00e4ter in seine Geburtsstadt Bergamo starb.<\/p>\n<p><strong>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Es ist die Geschichte eines Hagestolzes, eines unverheirateten Mannes, der sich mit sechzig Jahren entschlo\u00df zu heiraten. Seine junge Braut f\u00fchrte ihm sein Doktor und Freund Malatesta zu. Es ist Ernestos Freundin, des Neffen des reichen Don Pasquale. Das ist Don Pasquale nicht bekannt. Er ist nur gegen die Heirat Ernestos mit einer verarmten Witwe. Doch Ernesto will ihn unbedingt beerben.<\/p>\n<p>Aber Malatesta bringt es fertig, da\u00df Ernesto sowohl Norina als Frau und er auch Don Pasquales Erbe bekommt. So gibt Malatesta Norina gegen\u00fcber Don Pasquale als seine Schwester Sofronia aus. Zuvor hatte Sofronia nur im Kloster gelebt. Sie zeigt sich bei der Vorstellung Don Pasquales \u00e4u\u00dferst sch\u00fcchtern. Kurz nach der Verheiratung aber zeigt sie die Krallen: sie erh\u00f6ht der Dienerschaft das Gehalt, kauft mehrere Kutschen und Pferde sowie neue M\u00f6bel und ist abends nie zu Hause, da sie sich in der Stadt vergn\u00fcgt, bis eines Tages Don Pasquale ihr das Haus verbietet und sich von ihr trennt. Durch eine weitere Finte gelingt es allerdings Malatesta und Ernesto, letzterem ein \u00fcppiges Jahresgehalt von Don Pasquale zu bekommen und auch Norina als Frau heimzuf\u00fchren. Don Pasquale mu\u00df einsehen, da\u00df die Heirat mit einer jungen Frau eine gewaltige Fehlentscheidung gewesen war.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Auf v\u00f6llig leerer B\u00fchne sind T\u00fcren, Sofa, Tisch, einfache Holzst\u00fchle, sp\u00e4ter Badewanne, Standuhr, dann K\u00fcchenherd sowie ein Auto \u201evor\u201c der T\u00fcr zu erblicken. Ein mit Neonr\u00f6hren angedeutetes Satteldach mit kleinem Schornstein \u201esch\u00fctzt\u201c das ganze M\u00f6belensemble. W\u00e4nde sind nicht sichtbar. Zum Entfernen und Erneuern der von Sofronia bestellten M\u00f6bel erscheinen viele Helfer in blauen Arbeitsanz\u00fcgen. Es ist Don Pasquales Dienerschaft.<\/p>\n<p>Eine Videoprojektion bebildert u.a. die Vorstellungen, die Norina beim Lesen eines Buches kommen: ein Ritter in einem Plattenpanzer mit v\u00f6llig geschlossenem Stechhelm erscheint, wird auch von ihr umarmt.<\/p>\n<p>Die Kost\u00fcme: Ernesto mit orangefarbenem Hood-Jacket, wei\u00dfem T-Hirt, blauer Jeans und Baseballm\u00fctze, Don Pasquale im Anzug mit und ohne Krawatte, Norina mit grauer, unauff\u00e4lliger Kleidung, sp\u00e4ter in rotem, bodenlangem gemustertem Abendkleid, mit Beinschlitz und schulterfrei. Manchmal h\u00fcllt sie sich in einen Pelzmantel. Dottore Malatesta in brauner Lederjacke, meist mit Sonnenbrille bewehrt.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Temperamentvoller Beginn der Sinfonia. Die Kantilenen von Violoncello und Trompete werden perfekt dargeboten, dann mitrei\u00dfende Schlu\u00dfstretta. Der Vorhang geht auf und ein \u201eoffenes B\u00fchnenbild\u201c \u00fcberrascht. Bei <strong>Michele Pertusi<\/strong> (Don Pasquale) und <strong>Florian Sempey<\/strong> (Dottore Malatesta) f\u00e4llt in der Er\u00f6ffnungsszene das ziemlich starke Vibrato auf. Soll es die M\u00e4nnlichkeit beider betonen? Jedenfalls wird dadurch die Wortverst\u00e4ndlichkeit unterbunden. Durch Zur\u00fccknahme des Vibrato im sp\u00e4teren Verlauf sind die Worte weniger verschleiert, wobei Florian Sempeys Artikulation vorz\u00fcglich ist (s. Interview mit Florian Sempey in OPERAPOINT Heft I\/2015).<\/p>\n<p>Mit <em>Sogno soave \u2013 s\u00fc\u00dfer Traum<\/em> erscheint <strong>Lawrence Brawnlee<\/strong> (Ernesto) in seiner Auftrittsarie. Seine helle, klare, ja samtene Tenorstimme und perfekter Aussprache begeistert. Allein seine Kleidung, die ihm die Regie verordnet hat, um ihn als Loser zu stempeln (er ist nur auf ein Erbe aus und h\u00e4lt wenig vom eigenen Arbeiten), ist wenig dazu angetan, da\u00df das Publikum ihn annimmt.<\/p>\n<p>Hingegen ist die Amerikanerin <strong>Nadine Sierra<\/strong> (Norina), meist mit schulterfreiem Abendkleid eine Augenweide. Sie hat einen biegsamen Sopran, allein die Koloraturen werden doch vielmals verschliffen, was bei Donizetti weniger auff\u00e4llig ist als bei Rossini. Aber mit den h\u00e4ufiger vorkommenden langen Kettentriller und einer \u00fcberzeugenden Dynamik macht sie vieles wett, auch die zuweilen h\u00f6rbaren Intonationstr\u00fcbungen.<\/p>\n<p>Die <em>Probeszene<\/em> mit Florian Sempey gestalten die beiden so \u00fcberzeugend, besonders bei den dynamisch h\u00f6chst wirkungsvollen Triolenl\u00e4ufe, die sich chromatisch \u00fcber ein Oktav nach oben winden wie auch ihre spitzen Zwischenrufe, da\u00df der Applaus danach nicht enden will.<\/p>\n<p>Ein H\u00f6hepunkt in szenischer Darstellung und Gesangsgestaltung ist auch das bittere, traurige <em>Zankduett<\/em> im dritten Akt, als Don Pasquale (Michele Pertusi) \u201etonlos\u201c singt: <em>\u00e8 finita Don Pasquale \u2013 es ist vorbei, Don Pasquale<\/em>, was Norina (Nadine Sierra) mit <em>\u00e8 duretta la lezione \u2013 die Lektion ist hart<\/em> beantwortet.<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich noch ein Wort zu den Ensembles, die in dieser Oper h\u00e4ufig vertreten sind, vor allem das <em>Quartett<\/em> Norina\/Ernesto\/Malatesta\/Don Pasquale im zweiten Akt. Hier singt Norina: <em>vegli, o sogni non sabene \u2013 er wei\u00df nicht, ist es Tr\u00e4umen oder Wachen<\/em> und Malatesta: <em>va corragio \u2013 nur Mut, Don Pasquale<\/em> und Don Pasquale: <em>una dona a far tremar \u2013 eine Frau, die F\u00fcrchten macht<\/em>. Es wird auf hohem Niveau, ergreifend und bewegend vorgetragen.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>S\u00e4ngerisch z.T. vorz\u00fcglich, darstellerisch angenehm. Etwas \u00fcberzogen ist die Videoeinblendung, die man auch missen k\u00f6nnte. Das Hinstellen der M\u00f6bel auf die leere B\u00fchne, was wom\u00f6glich sagen soll, so geht\u2019s in der heutigen Welt zu, l\u00e4\u00dft kaum W\u00e4rme, Mitempfinden oder Enthusiasmus aufkommen. Schade! Denn sie ist in ihrer <em>Commedia dell\u2019Arte<\/em>-Anlage eine der seltenen \u00fcberzeugenden Kom\u00f6dien des vorvorigen Jahrhunderts, in dem schon viele Dinge entstanden, die heute unser Leben z.T. nicht gerade reicher machen.<\/p>\n<p>Dr. Olaf Zenner<\/p>\n<p>Bild: Vincent Pontet, Opera national de Paris<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: (von li. nach re): Florian Sempey (Dottore Malatesta), Michele Pertusi (Don Pasquale), Nadine Sierra (Norina)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Ga\u00ebtano Donizetti (1797-1848) Opera buffa in 3 Akten, Libretto: Giovanni Ruffini und G. Donizetti, nach Ser Antonio von Anelli (1910), UA: 3. 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