{"id":751,"date":"2009-06-06T11:08:47","date_gmt":"2009-06-06T09:08:47","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/?p=751"},"modified":"2011-12-12T11:56:01","modified_gmt":"2011-12-12T10:56:01","slug":"gottingen-deutsches-theater-admeto-konig-von-thessalien-1727","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=751","title":{"rendered":"G\u00f6ttingen, Deutsches Theater &#8211; ADMETO, K\u00d6NIG VON THESSALIEN  (1727)"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von G.F. H\u00e4ndel, Oper in drei Akten, Libretto: Nicola F. Haym nach L\u2019Antigona delusa da Alceste \u2013 Die von Alceste verhinderte Antigona<br \/>\nRegie: Doris Dorrie, B\u00fchne\/Kost\u00fcme: Bernd Lepel, Choreographie: Tadashi Endo<br \/>\nDirigent: Nicholas McGegan, Festspielorchester G\u00f6ttingen,<br \/>\nTim Mead (Admeto, Altus, C), Marie Arnet (Alceste, S), Kirsten Blaise (Antigona, S), William Berger (Ercole, B), Mamu Dance Theatre<br \/>\nBesuchte Auff\u00fchrung: 2. Juni 2009<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Vorbemerkung<\/strong><br \/>\n<em>Internationale H\u00e4ndel-Festspiele in G\u00f6ttingen<\/em><br \/>\nEs hat immer einen besonderen Reiz, Festspiele zu besuchen, erwartet man dort doch etwas Au\u00dfergew\u00f6hnliches, etwas, das man gew\u00f6hnlich bei dem Besuch eines Konzerts oder einer Oper nicht antrifft. Dar\u00fcber hinaus ist die traditionsreiche Universit\u00e4tsstadt neben Halle und Karlsruhe eine der drei St\u00e4dte, die sich dem Werk des gro\u00dfen Georg Friedrich H\u00e4ndel widmet. In G\u00f6ttingen setzte mit der Erstauff\u00fchrung der Opern<em> Rodelinde, Julius Cesar<\/em> und<em> Xerxes<\/em> in den zwanziger Jahren des vorigen Jh. die sog. <em>G\u00f6ttinger H\u00e4ndel-Renaissance<\/em> ein. Unter vielen gr\u00f6\u00dferen und kleineren Konzerten waren hier w\u00e4hrend der Festspielzeit vom 22. Mai bis 3. Juni 2009 unter dem Motto <em>H\u00e4ndel \u2013 Faszination &amp; Inspiration<\/em> die in G\u00f6ttingen erstmals aufgef\u00fchrte Oper<em> Admeto<\/em> und das <em>Dettinger Tedeum<\/em> in der Bearbeitung von Felix Mendelssohn Bartholdy zu sehen und zu h\u00f6ren. Mendelssohn n\u00e4mlich hat sich mit H\u00e4ndel, \u00e4hnlich wie Mozart und Haydn, intensiv kompositorisch auseinandergesetzt. Davon zeugen seine eigene Oratorien <em>Paulus<\/em> und <em>Elias<\/em>.<br \/>\nDie Stra\u00dfen der nieders\u00e4chsischen Stadt waren mit zahlreichen roten Transparenten, die das Festspiel-Logo zeigten, geschm\u00fcckt. Um die beiden wichtigsten Festspielst\u00e4tten rahmten ebensolche Fahnenmasten die Spielst\u00e4tten ein. Das sonnige Wetter sorgte f\u00fcr zahlreiche Besucher der Altstadtrestaurants und Kneipen.<br \/>\nDas \u00e4u\u00dfere Ambiente stimmte also, weniger einladend war dagegen die Stadthalle, in der das Festspielorchester unter der Leitung des langj\u00e4hrigen Festspieldirigenten Nicholas McGegan das ber\u00fchmte Dettinger Tedeum in Mendelsohns Bearbeitung auff\u00fchrte. Am gleichen Abend bot man noch Haydns erstes in englischer Sprache verfa\u00dftes Madrigal <em>The Storm<\/em>, seine Sinfonie 103 <em>Mit dem Paukenwirbel<\/em> und Luigi Cherubinis <em>Chant sur la mort de Joseph Haydn<\/em>. Im <em>Dettinger Te Deum<\/em> bew\u00e4hrte sich der mitwirkende Chor des NDR auf das Beste.<br \/>\n<strong>Kurzinhalt<\/strong><br \/>\n<a title=\"gottingen-admeto.jpg\" href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/07\/gottingen-admeto.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/07\/gottingen-admeto.jpg\" alt=\"gottingen-admeto.jpg\" align=\"right\" \/><\/a>Admeto ist todkrank und kann nur gerettet werden, wenn jemand in seinem Herrschaftsbereich f\u00fcr ihn geopfert w\u00fcrde. So gibt sich seine Gattin Alceste aus gro\u00dfer Liebe selbst den Tod. Nachdem Admeto wieder gesund geworden ist, entdeckt er den Tod seiner geliebten Alceste. Er beauftragt Herkules, sie aus der Unterwelt zu retten. Inzwischen haben sich jedoch seine fr\u00fchere Verlobte Antigona mit ihrem Lehrer Meraspe, beide als Hirten verkleidet, zu Admetos Schlo\u00df begeben. Antigona m\u00f6chte unbedingt den Platz von Alceste einnehmen. Admeto will zun\u00e4chst seiner Frau die Treue bewahren, ist aber nach und nach von Anitgonas Sch\u00f6nheit eingenommen. Doch schlie\u00dflich f\u00fchrt ihm Herkules Alceste zu. Er hat sie dem Hades entrissen. Admetos Vorhaben, f\u00fcr welche der beiden Frauen er sich entscheiden soll, erleichtert ihm Antigona, indem sie Alceste gro\u00dfz\u00fcgig den Vortritt l\u00e4\u00dft.<br \/>\nDie Handlung l\u00e4uft nicht so geradlinig ab, wie hier geschildert. Das w\u00e4re kein rechter Handlungsablauf einer Barockoper! Mannigfaltige Wege beschreitet das Libretto, dessen Grundlage die Trag\u00f6die <em>Alkestis<\/em> von Euripides (3. Jh. v. Chr.) ist. Diese Trag\u00f6die hat der Italiener Aurelio Aureli 1664 durch die Person Antigona erweitert.<br \/>\n<strong>Auff\u00fchrung<\/strong><br \/>\nDer kranke Admeto liegt hingestreckt auf einem japanischem Bett, die Haare nach k\u00f6niglich japanischer Form hochgesteckt und fantasiert in seinem von Streichern begleiteten Rezitativ von Geistern, die mit blutigen Dolchen in den H\u00e4nden ihn umtanzen (so im Libretto). Hier ist es ein Wei\u00df bepuderter Butoh-T\u00e4nzer in enganliegendem Trikot. Die B\u00fchne wird dabei in gr\u00fcnliches Licht getaucht. Die zweite Szene f\u00fchrt uns dann in eine Pastorallandschaft, in der Antigona mit ihrem Lehrer in Hirtenkost\u00fcmen von Butoh-T\u00e4nzer in Sch\u00e4fchenkost\u00fcmen begleitet werden. Die B\u00fchne wird durch pastellfarbene Vorh\u00e4nge in unterschiedlichen Farben mehrfach in Vorder- und Hinterb\u00fchne geteilt. Schlie\u00dflich erscheint Alceste in wei\u00dfem, mit vielen R\u00fcschen dekoriertem K\u00f6nigingewand, die pechschwarzen Per\u00fcckenhaare in japanischer antiker Mode hochgesteckt, verziert mit f\u00fcnf sternf\u00f6rmig angeordneten Haarnadeln.<br \/>\nZum Ende der Oper werden Transparente mit den Barockg\u00e4rten von Hannover Herrenhausen heruntergelassen. Wir sind wieder in Europa.<br \/>\n<strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><br \/>\nNahm man noch <strong>Tim Meads<\/strong> (Admeto) leidende Stimme der ihn charakterisierenden Rolle ab \u2013 die Instrumente waren stets im Vordergrund \u2013  so wurde der Eindruck der kaum f\u00fchrenden Gesangsstimmen in den folgenden Szenen nicht besser. Das Orchester dominierte fortw\u00e4hrend. Auch <strong>William Bergers<\/strong> (Ercole) Auftrittsarie: <em>La gloria solo \u2013 einzig der Ruhm<\/em> machte da keine Ausnahme. <strong>Marie Arnets<\/strong> (Alceste) Sopran konnte weniger, wenn auch etwas besser als <strong>Kirsten Blaise<\/strong> (Antigona) sich gegen\u00fcber der Orchesterbegleitung behaupten. Einzige gl\u00e4nzende S\u00e4nger waren der Altus <strong>Andrew Radley<\/strong> (Orindo), und der Bassist <strong>Wolf M. Friedrich<\/strong> (Meraspe). Ebenso undurchsichtig waren die dynamischen Schattierungen der S\u00e4nger. Ein Gewahrwerden des Kontrastes Forte\/Piano oder etwa einer Voce di mascara war kaum m\u00f6glich, genausowenig wie die den Belcanto so faszinierend machende perlende Stimmverl\u00e4ufe. Schuld an dem \u00dcbert\u00f6nen der Stimmen waren aber nicht das Orchester, sondern die wenig hervortretenden Stimmen. Das Orchester unter Nicholas McGegans Leitung m\u00fchte sich redlich, nahm auch die Tempi rasch, doch auch ihm fehlte ein wenig der Alte-Musik-Glanz.<br \/>\n<strong>Fazit<\/strong><br \/>\nDie Verlegung der Handlung ins antike japanische K\u00f6nigsmilieu \u00fcberraschte sicherlich die Zuschauer, die beim Schlu\u00dfapplaus nicht wenig klatschten. Da aber die Festspielzuschauer wohl wenig \u00fcber die Zeremonien und Sitten der Barockzeit (denn dort spielte urspr\u00fcnglich H\u00e4ndels Oper) und wohl noch weniger \u00fcber die Gebr\u00e4uche in Japan wu\u00dften, f\u00fchrte die Verlagerung weit weg von der griechischen Mythologie, die hier der  Handlung zugrunde liegt. Diese beruht n\u00e4mlich auf dem Urmotiv des Liebestodes, des f\u00fcr einen geliebten Menschen ohne Zwang in den Tod gehenden Partners und die M\u00f6glichkeit der Errettung Alcestes aus dem \u00a0Hades durch Herkules.<br \/>\nDie Butoh-T\u00e4nzer machten ihre Sache vortrefflich, besonders sinnf\u00e4llig in den Szenen, in denen sie als Sch\u00e4fchen sich bewegten. Doch insgesamt empfand man sie als Fremdk\u00f6rper der angedeuteten pastoralen europ\u00e4ischen Umgebung.<br \/>\nErcole als Sumo-K\u00e4mpfer (Ringerkampfsport, seit 1950 in Japan bekannt) war nun eine g\u00e4nzliche Fehleinsch\u00e4tzung von Frau <strong>Dorrie<\/strong>. Denn Ercole (Herkules) war H\u00e4ndel durch das ber\u00fchmte Standbild in der Sammlung Farnese von Rom bekannt. W\u00e4hrend der europ\u00e4ische Herkules muskul\u00f6s dargestellt wird, triumphiert beim japanischen Sumo-Ringer mehr das Fett. Die \u00c4sthetik blieb folglich auf der Strecke.<br \/>\nWie harmoniert zu allem Geschilderten H\u00e4ndels barocke Musik? Dies ist doch eine der Hauptfragen, denn ohne diese Musik w\u00fcrde man wohl das Libretto als Schauspiel kaum auff\u00fchren. Die Antwort: gar nicht. Denn diese Musik ist hinsichtlich des japanischen K\u00f6nigsmilieus durchaus unangemessen in ihrer strahlenden Dur\/Moll Harmonie und ihrem k\u00fcnstlerisch hochartifiziellen Ziergesang. Es w\u00fcrde hier zu weit f\u00fchren, diese Anmerkung n\u00e4her zu beschreiben.<br \/>\nDr. Olaf Zenner<\/p>\n<p>Bild: Theodoro da Silva<br \/>\nDas Bild zeigt: Der sterbende K\u00f6nig Admeto (Tim Mead ) und der Butoh-T\u00e4nzer.<\/p>\n<p>em<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von G.F. H\u00e4ndel, Oper in drei Akten, Libretto: Nicola F. 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