{"id":7497,"date":"2018-05-22T11:36:35","date_gmt":"2018-05-22T10:36:35","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7497"},"modified":"2018-06-24T17:00:25","modified_gmt":"2018-06-24T16:00:25","slug":"parsifal-opera-national-de-paris","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7497","title":{"rendered":"Parsifal &#8211; Paris, Op\u00e9ra Bastille"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Richard Wagner (1813-1883), B\u00fchnenweihfestspiel in drei Akten, Libretto: Richard Wagner, UA: 26. Juli 1882 Bayreuth., Festspielhaus<\/p>\n<p>Regie: Richard Jones, B\u00fchn\/Kost\u00fcme: Ultz<\/p>\n<p>Dirigent: Philippe Jordan, Orchestre et Cheurs de l&#8217;Opera national de Paris, Choreinstudierung: Jose Luis Basso.<\/p>\n<p>Solisten: Peter Mattei (Amfortas), Reinhard Hagen (Titurel), G\u00fcnther Groissb\u00f6ck (Gurnemanz), Evgeny Nikitin (Klingsor), Andreas Schager (Parsifal), Anja Kampe (Kundry), Daniela Entcheva (Stimme aus der H\u00f6he), u.a.<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 20. Mai 2018 (mit deutschen \u00dcbertiteln)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Kurzinhalt<a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/Opera_national_de_Paris-Parsifal-17.18-Emilie-Brouchon_small.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-7498\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/Opera_national_de_Paris-Parsifal-17.18-Emilie-Brouchon_small.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"400\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/Opera_national_de_Paris-Parsifal-17.18-Emilie-Brouchon_small.jpg 600w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/Opera_national_de_Paris-Parsifal-17.18-Emilie-Brouchon_small-300x200.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><\/a><\/strong><\/p>\n<p>Amfortas leidet an einer Verletzung, die er bei dem Raub des heiligen Speers durch Klingsor erlitten hat. Nur durch die Ber\u00fchrung mit dem heiligen Speer ist Heilung m\u00f6glich \u2013 durch \u201eeinen reinen Toren\u201c. Gurnemanz h\u00e4lt Parsifal f\u00fcr den \u201ereinen Tor\u201c und nimmt ihn mit in die Gralsburg. Als er sich get\u00e4uscht sieht, setzt er Parsifal vor die T\u00fcr. Parsifal findet den Zaubergarten Klingsors mit seinen verf\u00fchrerischen M\u00e4dchen. Als auch Kundry ihn nicht halten kann, versucht Klingsor ihn mit dem Speer zu bannen. Parsifal ergreift den Speer, der Zaubergarten versinkt. Parsifal kehrt zur\u00fcck zu den Gralsrittern, die von Amfortas fordern, den Gral zu enth\u00fcllen, doch Amfortas will lieber sterben. Parsifal heilt die Wunde mit dem Speer und enth\u00fcllt den Gral.<\/p>\n<p><strong>Vorbemerkung<\/strong><\/p>\n<p>Zeit sollte man schon haben, wenn man die Staatsoper Paris besucht. Schlangen weisen den Weg zu dem einzigen (Neben-)Zugang, die gro\u00dfe dominante Panoramatreppe, dient nur noch den Sonnenanbetern, die sich dort ausgiebig ausruhen. Die Personenkontrolle und Durchleuchtung deutet auf die Terrorlage hin und macht deutlich, wie entspannt die Lage in Deutschland noch ist. Auf diese Weise kann kein Gep\u00e4ck mehr in den Zuschauerraum mitgenommen werden, der Saal wirkt dennoch wie ein modernes, bequemes Gro\u00dfraumkino f\u00fcr mehrere tausend Personen.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Das \u00fcberdimensionale B\u00fchnenbild ist eine Art Verschiebebahnhof, die Kulissen werden immer wieder nach rechts und links verschoben, um den aktuellen Ort des Geschehens zu zeigen. Ganz links die heilige Quelle, ein Marmorbrunnen, die den Gr\u00fcnder der Gralsgesellschaft Titurel als Brunnenfigur zeigt. Gleich rechts daneben im modernen Speise- und Lesesaal mit Gasherd, Backofen und Knetmaschine h\u00e4ngt ein \u00fcberlebensgro\u00dfes Portr\u00e4t Titurels. Als n\u00e4chstes folgt eine Art Doppeletage: oben stirbt Titurel in seinem Bett vor sich hin, unten siecht Amfortas im Klinik-Ambiente. Er durchtr\u00e4nkt wei\u00dfe Bettlaken aus den Medizinschr\u00e4nken mit Blut, die auf dem Herd wieder ausgekocht werden. Der letzte Raum ist der Chorraum mit aufsteigenden Stufen f\u00fcr etwa siebzig Mitglieder, die auch pseudoreligi\u00f6se Handlungen mit dem Gralskelch durchf\u00fchren.<\/p>\n<p>Der Schrein in dem er aufbewahrt wird, hat auch ein Fach f\u00fcr den Speer. Bei Klingsor ist derselbe Schrein umgekehrt gef\u00fcllt. Nebenher betreibt er eine Blumenzucht. Aus den Kelchen steigen die Blumenm\u00e4dchen hervor, die dann auf dem dreistufigen Blumenbeet flei\u00dfig herumzappeln. Am Ende erschl\u00e4gt Parsifal Klingsor mit seinem Schwert und verbrennt die Blumen. Die Kost\u00fcme sind ein Sammelsurium: Liturgiegew\u00e4nder aus dem Mittelalter, alternativ ein Trainingsanzug mit Sandalen. Oder blaues Sakko mit grauer Hose, wie man es sich f\u00fcr ein franz\u00f6sisches Internat vorstellen k\u00f6nnte. Gurnemanz wirkt wie ein Fitne\u00dftrainer und T\u00fcrsteher in Personalunion. Parsifal zun\u00e4chst in Lederhose, am Ende im schwarzen Kampfanzug. Frauen sind au\u00dfer Kundry im Wickelgewand nicht im Bild.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>In diesem Ensemble der Stars des Wagner-Universums m\u00f6chte man niemanden hervorheben, aber an erster Stelle ist doch das zentrale Duo Parsifal und Kundry zu nennen, sprich <strong>Andreas Schager<\/strong>, der sich zu einem, momentan vielleicht <u>dem<\/u>, Heldentenor im Wagnerfach entwickelt hat, der sich tenoralem Glanz, Durchschlagskraft und doch die Effekte eines Operettentenors bewahrt hat. <strong>Anja Kampe<\/strong> ist ein dramatischer Sopran. Sie gibt der Kundry harte kr\u00e4ftige Z\u00fcge; im zweiten Akt fehlt ein wenig die Sch\u00f6nheit, die Verf\u00fchrung in der Stimme. Dank tadelloser Stimmf\u00fchrung bleibt aber eine m\u00e4dchenhafte Ausstrahlung. <strong>G\u00fcnther Groissb\u00f6ck<\/strong> ist mit unendlich gro\u00dfem Stimmumfang und viel Volumen der zentrale Erz\u00e4hler, der die Handlung vorantreibt. Seine nuancenreiche, facettenreiche und dynamisch gef\u00fchrte Ba\u00dfstimme bleibt bis zum Schlu\u00df dominant.<br \/>\n<strong>Peter Mattei<\/strong> ist ein auch stimmlich leidender Amfortas. Seine dramatischen Schmerzensausbr\u00fcche sind glaubhaft und lassen das Publikum seine Emotionen mitf\u00fchlen. Eine gro\u00dfe B\u00fchnenpr\u00e4senz hat auch <strong>Evgeny Nikitin <\/strong>als ein bitterb\u00f6ser Klingsor. Er singt ihn unangestrengt mit gro\u00dfer Wucht und gro\u00dfer Wirkung. Der Titurel von <strong>Reinhard Hagen<\/strong> mit sonorer und ehrbarer W\u00fcrde wird zu einer grandios besetzten Nebenrolle, was man auch von den Knappen und Gralsrittern sagen kann.<\/p>\n<p>Musikalisch ist <strong>Philippe Jordan<\/strong> der Erf\u00fcllungsgehilfe der Regie. Er bleibt unauff\u00e4llig und ohne H\u00f6hepunkte, aber es dirigiert ausgezeichnet; er leitet die Vorstellung solide und reibungsfrei. Gro\u00dfes Lob f\u00fcr den <strong>Chor<\/strong>, der auch unter den schwierigen Bedingungen brillieren kann, die auf die Regietheatereinf\u00e4lle zur\u00fcckzuf\u00fchren sind. In den Gralszenen sieht man nur die Herren auf den Chorstufen, die Damen werden aus den \u201emittleren und h\u00f6chsten H\u00f6hen\u201c per Lautsprecher entsprechend zugespielt. Der <strong>Chor der Blumenm\u00e4dchen<\/strong> stehen zweigeteilt links und rechts vom Blumenbeet, aufgeteilt nach den Eins\u00e4tzen und zugeteilt zu den beiden Gruppen der Solisten-Blumenm\u00e4dchen. Unter diesen erschwerten Bedingungen ist es sehr erfreulich, da\u00df sich nur kleinere Ungereimtheiten eingeschlichen haben, insgesamt eine beispielhafte Vorstellung, auch bei den Phrasierungen der einzelnen Stimmgruppen.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Der heftige Jubel des Publikums f\u00fcr die Solisten dieser <em>Parsifal<\/em>-Produktion ist eindeutig. An der Pariser Staatsoper singt die derzeitige Weltelite. Das gilt auch f\u00fcr Chor und Orchester. Etwas zur\u00fcckhaltender ist man bez\u00fcglich des Dirigats von Philippe Jordan, der ein solider Arbeiter zwischen allen St\u00fchlen ist und ausbaden mu\u00df, da\u00df die Regie hier eine betr\u00fcgerische Sekte zeigt. Keine wirkliche Erleuchtung in den Gralszenen, keinen Karfreitagszauber, keinen Kampf um den wirkungslosen Speer, daf\u00fcr viel Blut im Kampf ums \u201eWort\u201c. Diese zentralen Szenen bleiben musikalisch wirkungslos, glanzlos. Parsifal kommt in eine heruntergekommene, langhaarige Gralswelt zur\u00fcck, die er Hand in Hand mit Kundry gleich wieder verl\u00e4\u00dft, nachdem er Amfortas mit dem Speer get\u00f6tet hat. Die Gralsgesellschaft l\u00f6st sich auf, l\u00e4\u00dft alles fallen und folgt ihm \u2013 wahrscheinlich zum Friseur.<\/p>\n<p>Oliver Hohlbach<\/p>\n<p>Bild: Emilie Brouchon\/Op\u00e9ra national de Paris<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Andreas Schager (Parsifal), Evgeny Nikitin (Klingsor), Anja Kampe (Kundry)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Richard Wagner (1813-1883), B\u00fchnenweihfestspiel in drei Akten, Libretto: Richard Wagner, UA: 26. Juli 1882 Bayreuth., Festspielhaus Regie: Richard Jones, B\u00fchn\/Kost\u00fcme: Ultz Dirigent: Philippe Jordan, Orchestre et Cheurs de l&#8217;Opera national de Paris, Choreinstudierung: Jose Luis Basso. 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