{"id":7489,"date":"2018-05-09T15:17:48","date_gmt":"2018-05-09T14:17:48","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7489"},"modified":"2018-05-15T15:28:08","modified_gmt":"2018-05-15T14:28:08","slug":"la-clemenza-di-tito-die-milde-des-titus-gent-vlaamse-opera","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7489","title":{"rendered":"La clemenza di Tito \u2013 Die Milde des Titus &#8211; Gent, Vlaamse Opera"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791), Dramma serio per musica in 2 Akten, Libretto: Caterino Tommaso Mazzol\u00e0 nach dem Dramma per musica (1734) von Pietro Metastasio, UA: 6. September 1791 Prag, Gr\u00e4flich Nostizsches Nationaltheater<\/p>\n<p>Dirigent: Stefano Montanari, Symfonisch Orkest, Opera Vlaanderen, Koor Opera Vlaanderen<\/p>\n<p>Regie: Michael Hampe, B\u00fchne: Germ\u00e1n Droghetti, Kost\u00fcme: Germ\u00e1n Droghetti , Licht: Hans Toelstede, Choreinstudierung: Jan Schweiger<\/p>\n<p>Solisten: Lothar Odinius (Tito), Agneta Eichenholz (Vitellia), Anna Goryachova (Sesto), Cecilia Molinari (Annio), Anat Edri (Servilia), Markus Suihkonen (Publio)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 6. Mai 2018 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/Gent-La-Clemenza-.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-7491\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/Gent-La-Clemenza-.png\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"433\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/Gent-La-Clemenza-.png 650w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/Gent-La-Clemenza--300x200.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Die Tochter des Imperator Vitellius, den Titus vom Thron vertrieben hatte, liebt Titus. Dieser hat Berenice, die Tochter des K\u00f6nigs von Jud\u00e4a, die eine Orientalin war und daher von den R\u00f6mern nicht angenommen wurde, wegschicken m\u00fcssen, obwohl er sie liebte. Dieses Verhalten Titus\u2018 versetzte Vitellia in Wut. Sie veranla\u00dft Sextus, der sie unterw\u00fcrfig liebt, gegen\u00fcber Titus eine Verschw\u00f6rung anzuzetteln, in dessen Verlauf Sextus den Imperator t\u00f6ten sollte.<\/p>\n<p>Nachdem er Berenice hat wegschicken m\u00fcssen hat Titus den Wunsch, Servilia, Annius\u2018 Geliebte, zu ehelichen. Doch Servilia hat den Mut, das Ansinnen des Imperators zur\u00fcckzuweisen, da Annio ihre erste Liebe sei. Schlie\u00dflich entscheidet sich Titus, Vitellia zur Gattin zu nehmen. Als diese dies erf\u00e4hrt, erschrickt sie, denn sie hat Sesto auf den Weg zum Kapitol geschickt. Doch bevor Sesto das Kapitol betreten will, geht es in Flammen auf.<\/p>\n<p>Titus \u00fcberlebt und sucht nach den Urhebern der Verschw\u00f6rung. Es ist Sesto, der sich dazu bekennt. Titus ist tief entt\u00e4uscht, da er Sextus f\u00fcr einen echten Freund h\u00e4lt. Dennoch unterschreibt er das vom r\u00f6mischen Senat ausgesprochene Todesurteil gegen\u00fcber Sextus. In letzter Minute erscheint Vitellia vor Titus und gesteht ihm, da\u00df sie die eigentliche Urheberin des Aufruhrs gewesenen sei. Aber Titus verzeiht allen. Das Volk r\u00fchmt seine Gro\u00dfherzigkeit und Milde.<\/p>\n<p><strong>Vorbemerkung<\/strong><\/p>\n<p>In den Rahmen f\u00fcrstlich-kaiserlicher Festlichkeiten geh\u00f6rte von alters her eine <em>Opera seria<\/em> (ernste Oper). Zu Mozarts Zeiten war sie eigentlich schon au\u00dfer Mode. Doch dieses Operngenre mu\u00dfte her, um den prunkvollen Rahmen zur Wahl des Kaisers Leopold II. zum b\u00f6hmischen K\u00f6nig zu wahren. Hier wurde der r\u00f6mische Kaiser Titus als Beispiel eines Herrschers mit gro\u00dfer Mildt\u00e4tigkeit ausgew\u00e4hlt. In der r\u00f6mischen Geschichte war Titus ein Kaiser der Milde (Clemenza).<\/p>\n<p>Mozart sollte mit einer solchen Huldigungsoper zur Pracht der Kr\u00f6nungsfeierlichkeiten (sie waren f\u00fcr den 6. September 1791 vorgesehen) beisteuern. Er \u00fcbernahm einen Operntext f\u00fcr \u00e4hnliche Gelegenheiten von Pietro Metastasio (1698-1782). Diesen Operntext hatten schon vorher viele bedeutende Komponisten (u.a. Antonio Caldera, J.A. Hasse, Chr. W. Gluck) als Libretto gedient. Caterino Mazzol\u00e0 bearbeitete das Libretto von Metastasio. Mozart hatte nicht die Zeit, die Rezitative selbst anzufertigen. Er beauftragte daher seinen Sch\u00fcler Franz Xaver S\u00fc\u00dfmayr wie auch andere Sch\u00fcler mit der Arbeit.<\/p>\n<p>Wir sollten hinsichtlich einer Huldigungsoper im Auge behalten, da\u00df auch in unserer Zeit noch Opern dieser Art komponiert werden. Die Oper <em>Die Tiefe des Raums <\/em>wurde zur Weltmeisterschaft 2006 sogar mit Unterst\u00fctzung der deutschen Bundesregierung uraufgef\u00fchrt.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Die B\u00fchne zeigt ein Boudoir mit einer R\u00e9cami\u00e8re im Stil Louis XIV., versehen mit Goldf\u00fc\u00dfen und mit rotem Velours bedeckt. Viele Kissen s\u00e4umen die Lehnen beiderseits. Der Hintergrund verschwindet hinter einem roten Vorhang. Schr\u00e4g daneben steht ein Frisiertisch in ebensolchem Louis XIV. Stil.<\/p>\n<p>Im zweiten Bild erblickt man durch einen riesigen Torbogen im Hintergrund die goldene Kapitolkuppel. Flankiert rechts und links wird die Porta von W\u00e4nden, die mit Pilastern verziert sind. Im n\u00e4chsten Bild ist der Torbogen durch hohe Holzt\u00fcren verschlossen. Es zeigt ein Zimmer in Titos Palast. (Die Namen der Solisten werden sp\u00e4ter im Text italienisch benannt.)Dieses Zimmer wird in den weiteren Szenen noch mehrmals gezeigt.<\/p>\n<p>Zum Ende des zweiten Akts steht das Kapitol in Flammen; sp\u00e4ter sind die ausgegl\u00fchten Teile der Kuppel ineinander verkeilt zu sehen. Die eleganten, farbenpr\u00e4chtigen Kost\u00fcme sind dem Empire Stil nachgebildet.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>In flottem Tempo legt <strong>Stefano Montanari<\/strong> und das <strong>Symfonisch Orkest<\/strong> der fl\u00e4mischen Oper die Ouvert\u00fcre hin, wobei die Streicher in ihrer Genauigkeit hervorzuheben sind. <strong>Lothar Odinius<\/strong> (Tito) bringt die rechte Statur mit, einen Herrscher \u2013 Imperator \u2013 darzustellen. Leider hat seine Stimme wenig einschmeichelndes Timbre. Neben den Problemen mit der H\u00f6he legt er wenig Wert auf ausgefeilte Koloraturtechnik. Dieser Eindruck \u00e4ndert sich im Handlungsverlauf: seine Stimme wird konzentrierter und m\u00e4nnlicher in seiner Arie: <em>Del pi\u00f9 sublime soglio l\u2019unico frutto \u00e8 questo \u2013 Des allerh\u00f6chsten Thron ist dies die einzige Frucht. <\/em><\/p>\n<p>Einen warmen, melodischen Eindruck von gro\u00dfer Geschlossenheit vermittelt das Liebesduett von <strong>Cecilia Molinari<\/strong> (Annio) und <strong>Anat Edri<\/strong> (Servilia). Letztere erkl\u00e4rt: <em>ah, tu fosti il primo oggetto, che finor fede\u2018 amai \u2013 Ach du warst der erste, den ich bis jetzt treu liebte<\/em>.<\/p>\n<p>Die russische Sopranistin <strong>Anna Goryachova<\/strong> als Sesto zeigt mit: <em>come ti piace imponi \u2013 wie\u2019s dir gef\u00e4llt, so befiel es<\/em> und <em>tutto far\u00f2<\/em> per <em>te \u2013 alles werd ich f\u00fcr dich tun<\/em> (1. Akt, 1.. Szene) und sp\u00e4ter <em>Deh per questo instante \u2013 verzweifelt werde ich sterben<\/em> (2. Akt, 10. Szene) einen ruhigen, ausgeglichenen Melodieflu\u00df. Ihre Intonation ist tadellos, das Timbre ihrer Stimme erklingt warm und lyrisch und die hoch liegenden Stimmlagen erreicht sie m\u00fchelos. Es ist eine Freude ihr zuzuh\u00f6ren. H\u00e4ufiger Szenenapplaus begleitet ihre Auftritte. Der einzige Ba\u00df im Stimmenensemble ist <strong>Markus Suihkonen<\/strong> (Publio). Er besitzt eine grundierte, wohlklingende Stimme. Doch die Koloraturen werden allzu nachl\u00e4ssig angegangen.<\/p>\n<p>Hauptperson neben Sesto ist die Imperatortochter Vitellia, die <strong>Agneta Eichenholz<\/strong> verk\u00f6rpert. Bei ihrer Auftrittsarie (mit Blick auf Sesto) singt sie: <em>deh se piacer mi vuoi, lascia i sospetti tuoi \u2013 ach, wenn du mir gefallen willst, la\u00df dein Mi\u00dftrauen<\/em>. Dabei kann sie nicht recht f\u00fcr sich einnehmen. Sp\u00e4ter, bei der entscheidenden Arie (2. Akt, 15. Szene): <em>non pi\u00f9 di fiori vaghe catene \u2013 um aus Blumen anmutige Ketten zu flechten<\/em> \u00fcberrascht sie mit deutlicher Aussprache, Intonationspr\u00e4gnanz und Dramatik ihrer Stimme. Mit virtuosen L\u00e4ufen begleitet ein Bassetthorn (Tenorklarinette) ihren Gesang, was dieser Arie eine besondere Wertigkeit verleiht.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Regisseur <strong>Michael Hampe<\/strong> und sein B\u00fchnenbildner <strong>Germ\u00e1n Droghetti<\/strong> haben die Angaben im Libretto ernst genommen und nicht schon wieder eine \u201eEinheitsb\u00fchne\u201c geboten, die die Zuschauers zwingt, mehr als zwei Stunden die Blicke parallel zu richten. Mit den Kost\u00fcmen und den abwechslungsreichen B\u00fchnenbildern (wirklichkeitsgetreue Darstellung des Feuers des Kapitols und seiner Kuppel!) war das Geschehen auf der B\u00fchne eine Augenweide. Die Sangesleistung war gut, k\u00f6nnte aber \u2013 der Autor vermutet zu wenig Probezeit \u2013 besser sein. Das betraf besonders die Rezitative, die durchweg unverst\u00e4ndlich dargeboten wurden, wenn auch das Continuo (Tafelklavier und Violoncello) sich bem\u00fchte, eine lebhafte, zum Teil \u00fcberraschende Begleitung abzuliefern. Da\u00df der Handlungsverlauf zeitweilig etwas spannungslos verlief, lag keinesfalls an dem Regisseur Michael Hampe oder am Dirigenten\/Orchester oder Solisten, sondern an dem Genre einer Huldigungsoper. W\u00e4re es nicht aufregender, diese Oper am 11. Juli, dem Nationaltag in Belgien, darzubieten?<\/p>\n<p>Dr. Olaf Zenner<\/p>\n<p>Bild: Annemie Augustijns<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Lothar Odinius (Tito), Bild Mitte und Chor<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791), Dramma serio per musica in 2 Akten, Libretto: Caterino Tommaso Mazzol\u00e0 nach dem Dramma per musica (1734) von Pietro Metastasio, UA: 6. 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