{"id":7482,"date":"2018-05-06T16:51:53","date_gmt":"2018-05-06T15:51:53","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7482"},"modified":"2018-06-04T13:48:08","modified_gmt":"2018-06-04T12:48:08","slug":"der-park-malmoe-oper","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7482","title":{"rendered":"Der Park &#8211; Malm\u00f6, Oper"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Hans Gefors (*1952), Oper in drei Akten, Libretto vom Komponisten nach dem gleichnamigen Drama von Botho Strau\u00df, UA: 1992 Wiesbaden<\/p>\n<p>Regie: Vera Nemirova, Dramaturgie und Ko-Regie: Sonja Nemirova, Licht: Andreas Fuchs, B\u00fchne: Jens Kilian, Kost\u00fcme: Mathias Clason<\/p>\n<p>Dirigent: Patrik Ringborg, Orchester der Oper Malm\u00f6<\/p>\n<p>Solisten: Hege Gustava Tj\u00f8nn (Titania), Eric Greene (Oberon), Zolt\u00e1n Ny\u00e1ri (Cyprian), Carl Ackerfeldt (Wolf), Susanna Stern (Helma), Line Juul Andersen (Helen), Torstein Fosmo (Georg), Daniel Carlsson (Fabelsohn), Bengt Krantz (Erstling), Stefan Dahlberg (H\u00f6fling), Yazan Alqaq (Norman; der Tod), u.v.a.<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 5. Mai 2018 (nordeurop\u00e4ische Erstauff\u00fchrung)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/Malm\u00f6-Park.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-7485\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/Malm\u00f6-Park.png\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"433\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/Malm\u00f6-Park.png 650w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/Malm\u00f6-Park-300x200.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Die G\u00f6tter Oberon und Titania hausen in einem Park und wollen den Menschen sexuelle Lust zur\u00fcckbringen, die sie vergessen haben. Doch Titania ist ihres Daseins \u00fcberdr\u00fcssig. Wolf und Helma sowie Georg und Helen werden Paare, doch begehren beide M\u00e4nner anfangs Helen und dann Helma. Die Spannungen untereinander nehmen zu, bis Georg Helen schlie\u00dflich verl\u00e4\u00dft. Cyprian ist ein Wissenschaftler, der ebenfalls im Park lebt, und Experimente an Menschen ausf\u00fchrt. Er schafft z.B. kleine Menschenkopien wie Daedalus in der griechischen Sage. Oberon bedient sich seiner K\u00fcnste.<\/p>\n<p>Titania wird immer ungl\u00fccklicher und schl\u00e4ft mit Norman. Aus Rache l\u00e4\u00dft Oberon sie von einer Bande Jugendlicher vergewaltigen und vereinigt sich mit ihr in Gestalt eines Stieres. Ihre Sehnsucht nach dem Stier steigert sich so sehr, da\u00df sie Cyprian darum bittet, ihr den Unterleib einer Kuh zu geben. Er kommt ihrer Bitte nach und erh\u00e4lt daf\u00fcr im Gegenzug Norman, den er ebenfalls liebt. Doch die Umwandlung raubt Titania alle Kraft. Oberon verzweifelt und entsagt seiner G\u00f6ttlichkeit, um das Leben eines Sterblichen zu f\u00fchren. Viele Jahre vergehen. Der Tod sucht Cyprian heim und anschlie\u00dfend Helen, die mittlerweile in einem Pflegeheim lebt. Auch Oberon h\u00e4lt sich dort auf und ist gealtert. Titania besucht ihn und versucht vergeblich, ihn an vergangene Zeiten zu erinnern. Auf ihrer Silberhochzeit tanzt sie mit dem Tod w\u00e4hrend ihr Fabelsohn, der Minotaurus, davon tr\u00e4umt, allein mit seiner Mutter im Paradies zu sein.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Wie bereits aus dieser sehr verknappten Zusammenfassung ersichtlich wird, verkn\u00fcpft die Handlung viele unterschiedliche Mythen und klassische Texte, darunter nat\u00fcrlich an erster Stelle Shakespeares <em>Sommernachtstraum<\/em>. Alle literarischen Details aufzuz\u00e4hlen ist hier nicht der Ort. Lediglich anzudeuten ist, da\u00df die reichhaltige Handlung \u2013 die Oper hat 40 Szenen \u2013 ihren Widerpart in der ebenso detaillierten und anspielungsreichen Inszenierung hat, die ihrerseits den durch die Musik vorgegebenen rhythmischen und emotionalen Akzenten eng folgt. Die geschwind wechselnden Tonbilder des ersten und zweiten Aktes \u2013 neben perkussiven und ironischen Abschnitten gibt es hier auch lyrische und historisierende, einschlie\u00dflich von Zitaten aus der Musikgeschichte \u2013 werden ebenso abwechslungsreich inszeniert, w\u00e4hrend der statische dritte Akt das Tempo aus Bildwechseln und Aktionen der Darstellern nimmt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Park der ersten beiden Akte ist ein d\u00fcsterer, heruntergekommener Ort mit alten Autos und beschmierten W\u00e4nden. Durch Drehb\u00fchne und subtile \u00c4nderungen der Beleuchtung wird ein changierendes B\u00fchnenbild geschaffen, das die Haupt- und Nebenhandlungen choreographisch geschickt aufteilt. Schatten und die Ausweitung des Spiels in den Zuschauerraum schaffen zus\u00e4tzlich R\u00e4ume der Handlung. Im dritten Akt ist es Winter und s\u00e4mtliche Darsteller mit Ausnahme Titanias bewegen sich langsam und gebrechlich \u00fcber die B\u00fchne. Die Kost\u00fcme nehmen auf eine Vielzahl von Vorbildern bezug, u.a. auf die Punkbewegung der fr\u00fchen 1980er Jahre, die Entstehungszeit von Botho Strau\u00df\u2019 Drama.<\/p>\n<p><strong>Vorbemerkung<\/strong><\/p>\n<p>Bevor die musikalischen Leistungen im einzelnen gew\u00fcrdigt werden sind ein paar Worte zur Musik von Hans Gefors angebracht. Wie bereits erw\u00e4hnt ist sie stilistisch vielf\u00e4ltig, vielleicht sogar pluralistisch, und stellt h\u00f6chste Anforderungen an die Interpreten. Neben einem stark erweiterten Schlagwerk kommen elektronische Instrumente, Verst\u00e4rkung und Effekte zum Einsatz, vor allem im zweiten Akt, und die musikalische Faktur \u00e4ndert sich unabl\u00e4ssig. Beispielsweise wird im dritten Akt ein Klaviertrio auf der B\u00fchne aufgef\u00fchrt, bevor das St\u00fcck mit einem dicht orchestrierten und dennoch weichen, filigranen statischen Klangfeld, das an die Kompositionen von Gefors\u2019 Lehrer Per N\u00f8rg\u00e5rd erinnert, abschlie\u00dft und in Trompetenrufen von der B\u00fchne verklingt. Es gibt in der Musik einen enormen Reichtum an instrumentatorischen, satztechnischen und r\u00e4umlichen Strukturen zu entdecken, und das Orchester der <strong>S\u00e4nger <\/strong><strong>und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Oper Malm\u00f6 unter <strong>Tobias Ringborg <\/strong>leistete hier ganze Arbeit.<\/p>\n<p><strong>Hege Gustava Tj\u00f8nn<\/strong> (Titania) und<strong> Eric Greene <\/strong>(Oberon) bew\u00e4ltigten ihre Hauptrollen s\u00e4ngerisch und darstellerisch souver\u00e4n. Tj\u00f8nn hat neben kraftvollen und dr\u00e4ngenden auch lyrische und gebrochene Abschnitte zu singen und ist in der Lage, ihre Stimme entsprechend zu modifizieren. Ebenso abwechslungsreich leuchtete sie die schauspielerischen Facetten ihres Charakters aus. Der Oberon Eric Greenes zeichnet sich hingegen durch eine konstant erhabene Erscheinung aus, die von seiner starken B\u00fchnenpr\u00e4senz getragen wird. Er hat einen schlanken, in der H\u00f6he ungew\u00f6hnlich strahlenden Ba\u00dfbariton. <strong>Zolt\u00e1n Ny\u00e1ri<\/strong> (Cyprian) hat eine durchdringende, schlackenfreie Tenorstimme und spielte seine groteske Rolle sicher. <strong>Carl Ackerfeldt <\/strong>(Wolf) und <strong>Susanna Stern <\/strong>(Helma) singen und spielen ihre Rollen gut.<\/p>\n<p>Dramaturgisch interessanter sind die Partien der Helen, mit Hingabe dargestellt und gesungen von <strong>Line Juul Andersen<\/strong>, und des Georg, den<strong> Torstein Fosmo<\/strong> zupackend spielt und vor allem singt; seine Stimme ist noch nicht sehr gro\u00df, aber ausgewogen und kraftvoll, und seine Aussprache des Deutschen in seinen Sprechpartien ist tadellos. Diese beiden Operns\u00e4nger stehen am Beginn ihrer Karrieren und d\u00fcrften in Zukunft noch von sich reden machen. Der Countertenor <strong>Daniel Carlsson <\/strong>(Fabelsohn) hat die letzte gro\u00dfe Partie in dieser Oper, in deren ruhigem Flu\u00df er mit seiner ausgeglichene Tongebung brillieren kann.<strong> Bengt Krantz <\/strong>(Erstling) und<strong> Stefan Dahlberg <\/strong>(H\u00f6fling) verleihen der Oper kom\u00f6diantische Z\u00fcge in ihren Rollen als grantelnde Alte.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Vorab mu\u00df man der Oper Malm\u00f6 Respekt daf\u00fcr zollen, ein solches Werk, das musikalisch \u00fcberaus anspruchsvoll ist und kein breites Publikum ansprechen wird, ins Programm zu nehmen. Mit Sicherheit ist das St\u00fcck nicht jedermann zug\u00e4nglich.<\/p>\n<p>Wenn man sich aber f\u00fcr die zeitgen\u00f6ssische Oper interessiert, sollte man unbedingt eine Reise nach Malm\u00f6 in Erw\u00e4gung ziehen. Dieses St\u00fcck ist ein musikalisches F\u00fcllhorn, voll von vielen ergreifenden, sch\u00f6nen Stellen, von denen sich etliche nur in dreidimensionaler Wiedergabe erschlie\u00dfen. Die S\u00e4nger sind ihrer Sache musikalisch und choreographisch so sicher, da\u00df das Zuschauen eine reine Freude ist. Und schlie\u00dflich hat der Komponist in der Regisseurin <strong>Vera Nemirova <\/strong>eine kongeniale Partnerin gefunden, die ihre Inszenierung minuti\u00f6s an die jeweilige Ereignisdichte in der Musik anpa\u00dft, das St\u00fcck respektiert und mit einem Feuerwerk von szenischen Einf\u00e4llen aufwartet und den Zuschauer selber in einen traumartigen Zustand zu versetzen vermag. Ihr gelingt es, das Werk zwischen Dystopie und Lustspiel, zwischen Schock und Erhabenen in der Schwebe zu lassen. Was das Engagement von Regie und S\u00e4ngern angeht, kann man der Oper Malm\u00f6 nur gratulieren.<\/p>\n<p>Dr. Martin Knust<\/p>\n<p>Bild: Malin Arnesson<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Hege Gustava Tj\u00f8nn (Titania); Eir Inderhaug (Flickan)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Hans Gefors (*1952), Oper in drei Akten, Libretto vom Komponisten nach dem gleichnamigen Drama von Botho Strau\u00df, UA: 1992 Wiesbaden Regie: Vera Nemirova, Dramaturgie und Ko-Regie: Sonja Nemirova, Licht: Andreas Fuchs, B\u00fchne: Jens Kilian, Kost\u00fcme: Mathias Clason Dirigent: Patrik<span class=\"ellipsis\">&hellip;<\/span><\/p>\n<div class=\"read-more\"><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7482\">Weiterlesen \u203a<\/a><\/div>\n<p><!-- end of .read-more --><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":7485,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-7482","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7482","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=7482"}],"version-history":[{"count":4,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7482\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":7500,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7482\/revisions\/7500"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/7485"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=7482"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=7482"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=7482"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}