{"id":7476,"date":"2018-05-01T16:47:34","date_gmt":"2018-05-01T15:47:34","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7476"},"modified":"2018-05-08T16:56:38","modified_gmt":"2018-05-08T15:56:38","slug":"die-soldaten-koeln-oper-staatenhaus","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7476","title":{"rendered":"Die Soldaten &#8211; K\u00f6ln, Oper (Staatenhaus)"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Bernd Alois Zimmermann (1918-1970) Oper in vier Akten, Libretto: Komponisten nach dem gleichnamigen Schauspiel von Jakob Michael Reinhold Lenz (1776)<\/p>\n<p>Dirigent: Fran\u00e7ois-Xavier Roth, G\u00fcrzenich Orchester K\u00f6ln<\/p>\n<p>Inszenierung: Carlus Padrissa (La Fura dels Baus), B\u00fchne: Roland Olbeter, Kost\u00fcme: Chu Uroz, Licht: Andreas Gr\u00fcter, Video: Marc Molinos, Alberto de Gobbi, Klangregie: Paul Jeukendrup, Choreographie: Mireia Romero Miralles, Dramaturgie: Georg Kehren,<\/p>\n<p>Solisten: Frank van Hove (Wesener, ein Galanterieh\u00e4ndler in Lilli), Emily Hindrichs (Marie, seine erste Tochter), Judith Thielsen (Charlotte, seine zweite Tochter), Kismara Pessatti (Weseners alte Mutter), Nikolay Borchev (Stolzius, Tuchh\u00e4ndler in Armenti\u00e8res), Dalia Schaechter (Stolzius&#8216; Mutter), Sharon Kempton (die Gr\u00e4fin de la Roche), Alexander Kaimbacher (der junge Graf, ihr Sohn), Alexander Fedin (der Bediente des Grafen de la Roche), Martin Koch (Desportes, ein Edelmann), Miroslav Stricevic (Obrist, Graf von Spannheim), John Heuzenroeder (Pirzel, ein Hauptmann), Oliver Zwarg (Eisenhardt, ein Feldprediger), Miljenko Turk (Haudy, Offizier), Wolfgang Stefan Schwaiger (Mary, Offizier), Katerina Giannakopoulou (Andalusierin), Silke Natho (Madame Roux, Inhaberin des Kaffehauses) u.a., Annika Wiessner \/ Tanja Baumgart (Marie-Double\/Frauenzimmer), Volker Eckhardt (Leibj\u00e4ger des Barons Desportes), sowie Mitglieder des Herren- und Extrachores der Oper K\u00f6ln und G\u00e4ste (Offiziere und F\u00e4hnriche)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 29. April 2018 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/K\u00f6ln-Soldaten_1.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-7477\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/K\u00f6ln-Soldaten_1.png\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"433\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/K\u00f6ln-Soldaten_1.png 650w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/K\u00f6ln-Soldaten_1-300x200.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><\/a>Vorbemerkung<\/strong><\/p>\n<p>Es gibt Opern, die erheitern, und Opern, die ersch\u00fcttern. Beide dienen im weitesten Sinne der Unterhaltung des Publikums. Nur ganz wenige transzendieren sich und ihre Gattung und \u00f6ffnen damit neue geistige R\u00e4ume, sprengen die vorgefundene Form und definieren sie damit zugleich neu. Wagners <em>Tristan<\/em> ist so ein Werk, oder <em>Pell\u00e9as et M\u00e9lisande<\/em> von Debussy und <em>Wozzeck<\/em> von Alban Berg. <em>Die Soldaten<\/em> von Bernd Alois Zimmermann reihen sich ein in diese Riege vision\u00e4rer Meisterwerke, die nicht mehr erheitern oder ersch\u00fcttern (obwohl diese Gef\u00fchle tats\u00e4chlich auch empfunden werden), sondern tiefere, unaussprechbarere Schichten des Seins ber\u00fchren, die dem Menschen normalerweise unzug\u00e4nglich sind.<\/p>\n<p><strong><em>Die Soldaten<\/em><\/strong><strong>,<\/strong> komponiert 1957-1965, sind mit zwei Stunden Spielzeit nicht besonders lang, aber sie enthalten allein auf technischer Ebene eine Reihe bahnbrechender Ideen, die dieses schwierige Werk erst heute den Intentionen des Komponisten n\u00e4her realisierbar machen. Dazu geh\u00f6ren neben dem Einsatz von Tonband, Elektronik und Videoprojektionen vor allem die Idee der Simultanszenen, wo die Handlung auf mehreren B\u00fchnen verteilt an verschiedenen Orten des Raums stattfindet, meist auch noch auf verschiedenen zeitlichen Ebenen spielend.<\/p>\n<p>Musikalisch spiegelt sich dies durch an mehrere Stellen des Auff\u00fchrungsraums verteilte Nebenorchester bzw. Instrumentengruppen wider, die auch noch in verschiedenen Tempi spielen, oft auch noch stilistisch sehr heterogen. Auch im immens riesigen Hauptorchester treten immer wieder stilistische Anachronismen bzw. Heterogenismen zutage: gregorianische und protestantische Chor\u00e4le, Jazz-Combos, Dodekaphonie, Aleatorik, Serialismus&#8230; All diese heutzutage verf\u00fcgbaren Mittel setzt der Komponist je nach Bedarf ein, oft auch noch collagenhaft \u00fcbereinanderget\u00fcrmt und scheinbar chaotisch durcheinanderspielend. Die Bandbreite reicht von dieser allerh\u00f6chsten musikalischen Komplexit\u00e4t jedoch auch hin bis zum einfachen, einstimmigen Ton, wie der Schu\u00dfszene, wo am Ende das D in einfachstem, brutalem Rhythmus gnadenlos immer und immer wieder geh\u00e4mmert ert\u00f6nt.<\/p>\n<p>Die manchmal gleichzeitig auf unterschiedlichen zeitlichen Ebenen spielenden Szenen und die polystilistischen musikalischen Techniken spiegeln die geistige Haltung Zimmermanns wider, da\u00df der Zeitablauf nicht linear sei, wie im Alltag empfunden, sondern kugelf\u00f6rmig in sich gekr\u00fcmmt, Vergangenheit und Zukunft mit dem Brennpunkt in der Gegenwart. Mit der musikalisch-szenischen Realisation eines solchen philosophischen Gedankens erweist Zimmermann sich als geistiger Vision\u00e4r, als Musikphilosoph im besten Sinne in der Nachfolge Gustav Mahlers, der ebenfalls manchmal philosophische Gedanken in seinen Symphonien verwirklichte.<\/p>\n<p>Diese musikphilosophische Haltung spiegelt sich wiederum in der Handlung wider (siehe unten), in welcher das Schicksal von Einzelpersonen in einer bestimmten historischen Zeit als Gleichnis f\u00fcr das zeitlose menschliche Allgemeinschicksal gedeutet wird.<\/p>\n<p><strong>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Marie, die Tochter des angesehenen Kaufmanns Wesener l\u00e4\u00dft sich mit dem sie umwerbenden Offizier Desportes ein, der sie jedoch sp\u00e4ter wieder fallen l\u00e4\u00dft. Stolzius, ihr Verlobter, kann sie nicht festhalten. Marie ger\u00e4t durch eine Intrige in eine gesellschaftliche Abw\u00e4rtsspirale, die sie am Ende nach einer Vergewaltigung von Desportes\u2018 J\u00e4ger als Stra\u00dfenm\u00e4dchen und Bettlerin enden l\u00e4\u00dft, wo sie nicht einmal ihr eigener Vater wiedererkennt. Desportes wird durch Stolzius umgebracht, der sich gleich darauf selbst vergiftet.<\/p>\n<p><strong>Erl\u00e4uterungen\u00a0 zur Handlung<\/strong><\/p>\n<p>Die umri\u00dfhafte Inhaltsangabe bildet den roten Handlungsfaden durch die Oper. Sie ist jedoch \u2013 wie schon erw\u00e4hnt \u2013 an vielen Stellen durch das Einzelschicksal, bzw. die konkrete schicksalshafte Verkettung der Individuen, szenisch-kantatenhaft in das allgemeine Kollektivschicksal der Menschheit \u00fcberh\u00f6ht. Dabei bleibt Zimmermann nicht nur subtil, sondern auch pr\u00e4zise. Oft ist als treibende Kraft von Maries gesellschaftlichem Abstieg die m\u00e4nnliche Gewalt gegen die Frau bemerkt worden, doch Zimmermann spart in den Szenen von Stolzius und seiner Mutter, bzw. der Gr\u00e4fin und ihrem Sohn nicht mit der ganz anderen Gewalt von Frau gegen den Mann. Gewalt ist eines der Schl\u00fcsselelemente im Miteinander-Agieren der Hauptpersonen, niemand wird davon verschont.<\/p>\n<p>Die philosophisch-moralisierenden Worte, Predigten und Gebete des Hauptmanns Pirzel und des Feldpredigers Eisenhardt gehen unter und bleiben wirkungslos. Das Ende verdichtet sich zum allgemeinen Untergang der Menschheit, im leblosen Marschieren der Soldaten, Maries Ende in der Gosse und schlie\u00dflich im Atomblitz bzw. der Atomwolke in der urspr\u00fcnglichen Intention des Komponisten.<\/p>\n<p><strong>Erl\u00e4uterungen zur Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Allein die szenischen Anforderungen von Zimmermanns Hauptwerk stellen jedes Opernhaus vor beinahe kaum zu bew\u00e4ltigende Herausforderungen. Denn f\u00fcr gew\u00f6hnlich ist das Geschehen auf der B\u00fchne <em>vor<\/em> Publikum und Orchester positioniert. Zimmermann jedoch verteilt die Handlung oft auf <em>mehrere<\/em> B\u00fchnenbilder, l\u00e4\u00dft an mehreren Stellen gleichzeitig spielen. Hier erwies sich das Staatenhaus als idealer Ort, hier konnte die k\u00fcnstlerische Leitung nun in einem quasi neutralen Raum darangehen, die Vision des Komponisten das <em>totale Theater<\/em> Wirklichkeit werden zu lassen.<\/p>\n<p><strong>Umgestaltung des Zuschauerraums<\/strong><\/p>\n<p>Der Aufbau der Zuschauerr\u00e4nge war leicht ansteigend, der B\u00fchnenraum vorne jedoch v\u00f6llig vom Riesenorchester besetzt. Hier legte sich die B\u00fchne leicht erh\u00f6ht als rundes, breites Band um den gesamten Zuschauer- und Orchesterraum und konnte dadurch leicht den Simultanszenen gen\u00fcgend Raum bieten. Gleichzeitig bot sich dadurch auch die M\u00f6glichkeit, die an sich getrennten B\u00fchnenschaupl\u00e4tze szenisch miteinander zu verbinden und gleichzeitig auch den Zuschauerraum auch noch zu integrieren, was mehr als einmal geschah. Eine ununterbrochen umlaufende Videowand begrenzte die kreisf\u00f6rmige B\u00fchne und bot auch noch Platz f\u00fcr die Videoprojektionen, die Zimmermann vorgesehen hatte.<\/p>\n<p>F\u00fcr das Publikum stellte sich nun die Herausforderung, nicht nur einer Handlung vorne, sondern auch an beiden Seiten und m\u00f6glicherweise noch r\u00fcckw\u00e4rts, zu folgen. Daher waren die Sitze drehbar und nur mit minimaler R\u00fcckenlehne ausgestattet, was einerseits sehr hilfreich war, andererseits wiederum durchaus gew\u00f6hnungsbed\u00fcrftig.<\/p>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/K\u00f6ln-Soldaten_2.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-7478\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/K\u00f6ln-Soldaten_2.png\" alt=\"\" width=\"433\" height=\"650\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/K\u00f6ln-Soldaten_2.png 433w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/K\u00f6ln-Soldaten_2-200x300.png 200w\" sizes=\"auto, (max-width: 433px) 100vw, 433px\" \/><\/a>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Die Kost\u00fcme der S\u00e4nger und Schauspieler waren \u201ehistorisch-historisierend\u201c gestaltet, was sich mit der teilweise w\u00f6rtlich \u00fcbernommenen altert\u00fcmelnden Sprache von Lenz&#8216; originalem Schauspiel deckte. Die dadurch entstehenden anachronistischen Spannungen zu den experimentellen Videoprojektionen und den durch eine Diskokugel unterst\u00fctzten Lichteffekten entsprach wiederum die Polystilistik auf der musikalischen Ebene.<\/p>\n<p>Man kann sich fragen, ob manche inszenatorischen Einf\u00e4lle, wie die zu Ende am Galgen h\u00e4ngenden,<\/p>\n<p>sich in obsz\u00f6nen Zuckungen windenden Soldaten tats\u00e4chlich bis ins Detail Zimmermanns Intentionen entsprachen. Insgesamt wurde der apokalyptische Geist des Werkes jedoch so eindringlich umgesetzt, da\u00df von einem Zimmermann sehr nahen Inszenierung gesprochen werden mu\u00df. Es zeigte sich dar\u00fcber hinaus auch eine sichere Beherrschung des Regiehandwerks. Die Schu\u00dfszene besonders war in ihrer, den gesamten B\u00fchnenraum nutzende und st\u00e4ndig sich steigernden Intensit\u00e4t, von einer ungeheuren, packenden, zwingend Wirkung! Einzig der Lichteffekt am Ende, \u00fcbernommen von der Urauff\u00fchrung 1965, wirkte nach dem Lichtblitz auf der Leinwand etwas veraltet.<\/p>\n<p><strong>Strukturelle Hinweise<\/strong><\/p>\n<p>Nicht nur der inszenatorische, sondern auch der musikalische Teil dieser Oper ist exorbitant schwer und setzt die Ausf\u00fchrenden einem fast nicht endend scheinenden Feuerwerk an Herausforderungen aus. Dies war mit einer der Gr\u00fcnde, da\u00df die urspr\u00fcnglich, f\u00fcr 1960 angesetzte Urauff\u00fchrung erst nach schweren K\u00e4mpfen f\u00fcnf Jahre sp\u00e4ter stattfinden konnte. Zimmermann verlangte damals an manchen Stellen nicht nur mehrere B\u00fchnen und mehrere Szenen gleichzeitig, sondern auch noch mehrere, im Raum verteilte Orchestergruppen, die in verschiedenen musikalischen Stilen und auch noch verschiedenen Tempi (durchaus schwer zu bew\u00e4ltigende Passagen) spielen sollten! Erst nachdem der Komponist die entsprechenden Stellen mit durchgehenden Taktstrichen so umschrieb, da\u00df <em>ein<\/em> Dirigent sie alleine dirigieren konnte, r\u00fcckte eine Auff\u00fchrbarkeit in erreichbare N\u00e4he. Auch ein halbes Jahrhundert nach der Urauff\u00fchrung zeugte die Anwesenheit von drei Hilfsdirigenten noch vom Ausnahmestatus dieses Werks!<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Doch die M\u00fche und der Aufwand hatten sich gelohnt! <strong>Fran\u00e7ois-Xavier Roth<\/strong> und das verst\u00e4rkte G\u00fcrzenich-Orchester zeigten sich den Schwierigkeiten nicht nur gewachsen, sie konnten auch \u00fcberzeugend die ungeheure Expressivit\u00e4t des Werks \u00fcbermitteln.<\/p>\n<p>Das galt auch f\u00fcr die S\u00e4nger, allen voran die durch die Titelpartie enorm in Anspruch genommene <strong>Emily Hindrichs<\/strong>, die manchmal vielleicht mit einem ein wenig zu starken Vibrato sang, was aber bei dem oft bewu\u00dft \u00fcberzeichneten Ausdruck des St\u00fccks kaum auffiel. \u00dcberragend mit souver\u00e4nem Ausdruck in ihren wenigen Szenen zeigten sich auch <strong>Frank<\/strong><strong> van Hove<\/strong> als Maries Vater, <strong>Nikolay Borchev<\/strong> als Stolzius und <strong>Martin Koch<\/strong> in seiner Rolle als Desportes. Manche Stimmen fielen dagegen sowohl ausdrucks- als auch lautst\u00e4rkenm\u00e4\u00dfig etwas ab, wie <strong>John Heuzenroeder<\/strong> als Hauptmann Pirzel oder <strong>Wolfgang Stefan Schwaiger<\/strong> als Offizier Mary. Alles das verschlang jedoch die ma\u00dflose Expressivit\u00e4t des Werks, spiegelte sich darin doch oft die Machtlosigkeit der dargestellten Figuren.<\/p>\n<p>Insgesamt zeigte das ganze Ensemble ein unglaublich hohes Niveau und eine hohe Treffsicherheit, besonders angesichts von Gesangspartien, die manchmal \u00fcbergangslos von schwierigsten Intervallspr\u00fcngen in gesprochenes Wort bis hin zum Fl\u00fcstern wechseln.<\/p>\n<p>Hut ab vor dieser Leistung!<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Man kann ob der apokalyptischen Atmosph\u00e4re und Anlage des Gesamtwerkes streiten, ob B.A. Zimmermann mehr Realist oder Pessimist war. Tats\u00e4chlich scheint hier jedoch eine ungemein sensible Natur all das in der Welt wahrgenommene Leid in einem Werk gesammelt und wie in einem Brennspiegel fokussiert zu haben, und zwar auf allen ihr zur Verf\u00fcgung stehenden musikalischen, szenischen und handlungsorientierten Ebenen.<\/p>\n<p>Zum kompositorischen Genie gesellte sich hier nun ein durchaus gleichgestelltes, interpretatorisches und inszenatorisches Genie.<\/p>\n<p>Immer wieder wurde der Blick des Zuschauers von den vielen B\u00fchnen und Texttafeln hin zur Mitte des Geschehens, dem Dirigenten Fran\u00e7ois-Xavier Roth, gelenkt, der nicht nur eine ungeheure Konzentration und Energie, sondern auch Sicherheit ausstrahlte. Die drei Hilfsdirigenten hatten an keiner Stelle M\u00fche, seinen Schlag an ihre Instrumentengruppen weiterzugeben.<\/p>\n<p>Des weiteren verdient das verst\u00e4rkte G\u00fcrzenich-Orchester ein ganz gro\u00dfes Lob, nicht nur ob ihrer sicheren und souver\u00e4nen Handhabung dieser schwierigen Musik, sondern besonders ob ihres Feuers und der Leidenschaft beim Musizieren! Hier \u00fcbertrug sich der Geist des Dirigenten sehr klar auf die Musiker und in Folge auch auf das Publikum.<\/p>\n<p>Die <strong>Regie<\/strong> zeigte in manchen Details einige Krankheiten und Manierismen unserer Zeit, siehe etwa die oben angesprochene Schlu\u00dfszene. Auch wirkten manche Videoprojektionen etwas obskur und nicht ganz streng im Dienste der Verst\u00e4ndlichkeit, jedoch immer im Dienste des Ausdrucks. Das leidenschaftliche Schauspiel der S\u00e4nger trug seines dazu bei, da\u00df der Zuh\u00f6rer und Zuschauer an diesem letzten Sonntag des Aprils 2018 ein rundum von allen Seiten her gelungenes Ganzes zu h\u00f6ren und sehen bekamen.<\/p>\n<p>Ein sehr langer, frenetischer Schlu\u00dfapplaus und Ovationen waren der Lohn f\u00fcr die M\u00fchen, die Dirigent, Regisseur, Musiker und Veranstalter auf sich genommen hatten, um Zimmermanns Vision zu verwirklichen. Sie haben es geschafft!<\/p>\n<p>Philipp Kronbichler<\/p>\n<p>Bilder: Paul Leclaire<\/p>\n<p>Bild 1: G\u00fcrzenich-Orchester K\u00f6ln, Musikalische Leitung: Fran\u00e7ois-Xavier Roth<\/p>\n<p>Bild 2: Mitglieder des Herren- &amp; Extrachores der Oper K\u00f6ln und G\u00e4ste (Offiziere und F\u00e4hnriche), Emily Hindrichs (Marie)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Bernd Alois Zimmermann (1918-1970) Oper in vier Akten, Libretto: Komponisten nach dem gleichnamigen Schauspiel von Jakob Michael Reinhold Lenz (1776) Dirigent: Fran\u00e7ois-Xavier Roth, G\u00fcrzenich Orchester K\u00f6ln Inszenierung: Carlus Padrissa (La Fura dels Baus), B\u00fchne: Roland Olbeter, Kost\u00fcme: Chu Uroz,<span class=\"ellipsis\">&hellip;<\/span><\/p>\n<div class=\"read-more\"><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7476\">Weiterlesen \u203a<\/a><\/div>\n<p><!-- end of .read-more --><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":7478,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3,1],"tags":[],"class_list":["post-7476","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-koln-buhnen-der-stadt","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7476","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=7476"}],"version-history":[{"count":1,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7476\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":7479,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7476\/revisions\/7479"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/7478"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=7476"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=7476"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=7476"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}