{"id":7473,"date":"2018-04-18T08:03:18","date_gmt":"2018-04-18T07:03:18","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7473"},"modified":"2018-05-04T08:06:17","modified_gmt":"2018-05-04T07:06:17","slug":"dialogues-des-carmelites-aachen-stadttheater","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7473","title":{"rendered":"Dialogues des Carm\u00e9lites &#8211; Aachen, Stadttheater"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von: Francis Poulenc (1899-1963), Oper in drei Akten, Libretto: Francis Poulenc, UA: 26. Januar 1957 Mailand, Teatro alla Scala<\/p>\n<p>Regie: Ute M. Engelhardt, B\u00fchne\/Kost\u00fcme: Jeannine Cleemen, Moritz Wei\u00dfkopf<br \/>\nDirigent: Justus Thorau und das Sinfonieorchester Aachen<br \/>\nSolisten: Andrew Finden (Marquis de la Force), Suzanne Jerosme (Blanche), Alexey Sayapin (Chevalier de la Force), Katja Starke (Madame de Croissy), Katharina Hagopian (Madame Lidoine), Irina Popova (M\u00e8re Marie), Faustine de Mon\u00e8s (Soeur Constance)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 15. April .2018 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/Aachen-Dialogues.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-7474\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/Aachen-Dialogues.png\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"358\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/Aachen-Dialogues.png 650w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/Aachen-Dialogues-300x165.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Frankreich w\u00e4hrend der franz\u00f6sischen Revolution: aus Angst vor \u00dcbergriffen tritt die junge Blanche dem Karmeliterkloster bei und wird Nonne. Als Revolution\u00e4re die Nonnen zwingen das Kloster zu r\u00e4umen, bewegt M\u00e8re Marie die Schwestern dazu, sich f\u00fcr ihren Glauben zu opfern. Blanche bekommt Panik und flieht in ihr Elternhaus zur\u00fcck. M\u00e8re Marie versucht sie zur R\u00fcckkehr zu \u00fcberreden. W\u00e4hrenddessen werden die Ordensschwestern gefangen genommen und zu Tode verurteilt. Bei ihrer Hinrichtung singen sie gemeinsam, w\u00e4hrend eine nach der anderen hingerichtet wird. Blanche kehrt doch noch zu ihren Ordensschwestern zur\u00fcck und wird zusammen mit Constance als letzte hingerichtet.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Die B\u00fchne ist schlicht und sehr karg ausgestattet. Im ersten Akt ist ein grauer Flur zu sehen, in dessen Mitte ein quadratischer Kasten steht. Er stellt das Innere einer Bibliothek dar. Sp\u00e4ter zeigen zwei gro\u00dfe, graue Betonkl\u00f6tze, die mit einem Kreuz angeleuchtet werden, die Kirche. Sie werden f\u00fcr die einzelnen Szenen gedreht und verschoben und zeigen abwechselnd die Kirchenmauern oder den Altarraum.<\/p>\n<p>Die Kost\u00fcme sind ebenfalls schlicht und zur\u00fcckhaltend: die Karmeliter-Schwestern tragen lilafarbene Ordensgew\u00e4nder, die Vertreter des franz\u00f6sischen Volkes buntgef\u00e4rbte Alltagskleidung. Zum Ende der Oper flie\u00dfen aber dann doch noch dramatische Effekte ein: aus dem quadratischen Kasten an der Decke flie\u00dft Blut auf die B\u00fchne herunter, w\u00e4hrend den Karmeliter-Schwestern der Reihe nach ein Sack \u00fcber den Kopf gest\u00fclpt wird.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p><strong>Justus Thorau<\/strong> dirigiert das Orchester durchweg solide und sorgt f\u00fcr einen ausgewogenen Klang, der den Charakter der Oper hervorhebt. Leider gelingt es ihm nicht immer, die Lautst\u00e4rke, besonders in den Bl\u00e4sern, so auszugleichen, da\u00df auch die S\u00e4nger immer gut zu h\u00f6ren sind. \u00a0<strong>Andrew Finden<\/strong> (Marquis de la Force) wirkt am Anfang durch Aspirieren etwas beim Singen gehetzt. Die \u00dcberg\u00e4nge von hohen zu tiefen T\u00f6nen klingen durch das starke Vibrato in seiner rauen Baritonstimme nicht immer geschmeidig. <strong>Alexey Sayapin<\/strong> (Chevalier de la Force) \u00fcberzeugt dagegen durch eine gewaltige, sehr helle Tenorstimme, die er besonders in der H\u00f6he volumenreich zur Geltung bringt. Die Sorge um seine Schwester bringt er durch einen sehr gleichbleibenden Gesang im Mezzoforte zum Ausdruck, w\u00e4hrend er wie hypnotisiert in den Zuschauerraum starrt.<\/p>\n<p>Die S\u00e4ngerinnen sind durchweg sehr gut besetzt. Allen voran <strong>Suzanne Jerosme<\/strong> (Blanche), die mit ihrem klaren, \u201ezerbrechlichen\u201c Sopran den Text sehr verst\u00e4ndlich betont und dabei das Kindliche und \u00c4ngstliche ihrer Rolle hervorhebt. Besonders das sanfte Ansingen der T\u00f6ne in der H\u00f6he gelingt ihr mit viel Leichtigkeit und ohne zu viel Druck auszu\u00fcben. Eine \u00dcberraschung ist vor allem ihre Mitschwester <strong>Faustine de Mon\u00e8s<\/strong> (Soeur Constance), deren Sopran ein noch k\u00fchleres Timbre hat als der von Suzanne Jerosme und den sie besonders in den schnellen L\u00e4ufen sehr behend einsetzt. Im Duett klingen beide engelsgleich, da sie sehr synchron singen und die hohen T\u00f6ne sanft und gef\u00fchlvoll betonen. <strong>Katja Starke<\/strong> (Madame de Croissy) gelingt in ihrer Sterbearie ein dramatischer H\u00f6hepunkt. Ihre warme Altstimme erscheint sehr dunkel und in der Tiefe samtig, was ihr eine nat\u00fcrliche Autorit\u00e4t verleiht. In ihrem Todeskrampf sieht sie, wie das Kloster zerst\u00f6rt wird. Dabei betont sie die T\u00f6ne in der H\u00f6he sehr schrill und scheppernd, w\u00e4hrend sie sich zusammenkr\u00fcmmt. <strong>Irina Popova<\/strong> (M\u00e8re Marie) verf\u00fcgt \u00fcber einen runden, sehr \u00fcppigen Sopran und wechselt oft von der Brust- in die Kopfstimme. Das Vibrato in ihrer Stimme \u00fcbertrumpft hin und wieder ihren Gesang. Daf\u00fcr gelingt es ihr die Mutter als ernste und gottergebene Dienerin schauspielerisch \u00fcberzeugend darzustellen. Eine solide Leistung bringt auch <strong>Katharina Hagopian <\/strong>(Madame Lidoine), die ihren warmen Mezzo im Legato mit viel W\u00fcrde ausstrahlt.<\/p>\n<p>Absoluter H\u00f6hepunkt des Abends ist aber das Chorst\u00fcck <em>Salve Regina \u2013 Gegr\u00fc\u00dfet seist du, K\u00f6nigin. <\/em>Hier klingt der <strong>Frauenchor<\/strong> makellos aufeinander abgestimmt. Besonders wird der gro\u00dfe Spannungsbogen vom Pianissimo zum Fortissimo von den S\u00e4ngerinnen bis zum Schlu\u00df gut durchgehalten. Besonders der Effekt des Zusammenschrumpfens des Chores wirkt sehr dramatisch: die hellen Stimmen intonieren sehr sanft, so da\u00df zusammen mit dem Orchester ein sehr dichter Klangteppich erzeugt wird.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Eine sch\u00f6ne Inszenierung, die die Musik von Poulenc und das Schauspiel ganz in den Mittelpunkt stellt. Die Inszenierung ist durchgehend auf die schauspielerische und gesangliche Leistung fokussiert. Da fehlt es auch nicht an zus\u00e4tzlichen B\u00fchnenelementen oder Effekten. Besonders die Hinrichtung ist sehr dramatisch inszeniert und entl\u00e4\u00dft Publikum und S\u00e4nger sichtlich emotional. Nach dem traurigen Gesang braucht das Ensemble eine Weile, um sich wieder zu fangen. Besonders gro\u00dfen Applaus gibt es f\u00fcr Suzanne Jerosme, Kaja Starke und Faustine de Mon\u00e8s.<\/p>\n<p>Melanie Joannidis<\/p>\n<p>Bild: Ludwig Koerfer<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Faustine de Mon\u00e8s (Constance) und Susanne Jerosme (Blanche)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von: Francis Poulenc (1899-1963), Oper in drei Akten, Libretto: Francis Poulenc, UA: 26. Januar 1957 Mailand, Teatro alla Scala Regie: Ute M. 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