{"id":7468,"date":"2018-04-15T08:31:08","date_gmt":"2018-04-15T07:31:08","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7468"},"modified":"2018-04-16T08:33:05","modified_gmt":"2018-04-16T07:33:05","slug":"artaserse-bayreuth-markgraefliches-opernhaus-theaterakademie-august-everding-muenchen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7468","title":{"rendered":"Artaserse &#8211; Bayreuth, Markgr\u00e4fliches Opernhaus, Theaterakademie August Everding M\u00fcnchen"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Johann Adolf Hasse (1699-1783); Libretto: Pietro Metastasio, nach Texten der Markgr\u00e4fin Wilhelmine von Bayreuth, UA: 11. Februar 1730, Venedig, Teatro San Giovanni Cristostomi<\/p>\n<p>Regie: Balazs Kovalik, B\u00fchne: Csaba Antal, Kost\u00fcme: Sebastian Ellrich<\/p>\n<p>Dirigent: Michael Hofstetter, Hofkapelle M\u00fcnchen<\/p>\n<p>Solisten: Pauline Rinvet (Schwester), Kathrin Zukowski (Bruder), Natalya Boeva (Mutter), Eric Ander (Vater), Tianji Lin (Intrigant), Anja Silja (Markgr\u00e4fin Wilhelmine von Bayreuth)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 12. April 2018 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/Bayreuth_Artaserse.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-7469\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/Bayreuth_Artaserse.png\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"433\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/Bayreuth_Artaserse.png 650w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/Bayreuth_Artaserse-300x200.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Artabano ermordet den Perserk\u00f6nig Serse, um seine Dynastie an die Macht zu bringen. Doch man findet bei Artabanos Sohn Arbace den blutigen Dolch \u2013 alle halten ihn nun f\u00fcr den M\u00f6rder. Artabano will seine Tochter Semira zwingen, Megabise zu heiraten, doch sie liebt Artaserse, den neuen K\u00f6nig. Semira fleht um Gnade f\u00fcr ihren Bruder Arbace, der aber nicht aussagen will, um seinen Vater zu sch\u00fctzen. Artaserse, der seinen Freund Arbace f\u00fcr unschuldig h\u00e4lt, l\u00e4\u00dft ihn frei. Dieser stoppt die Rebellion Artabanos gegen Artaserse und t\u00f6tet General Megabise. Bei der Kr\u00f6nung Artaserses versucht Artabano den K\u00f6nig mit einem Giftbecher zu ermorden. Arbace will den Becher austrinken, aber sein Vater hindert ihn daran, gesteht den Mord an Serse und wird daf\u00fcr verbannt. Artaserse und Semira wie auch Arbace und Mandane finden zueinander.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Auf einer sonst komplett leeren B\u00fchne, die sich im dunklen Hintergrund verliert, steht zentral ein drehbarer Holzturm mit dem Roten-Adler-Wappen der Hohenzollern-Markgrafen an der Spitze, der barocke B\u00fchnentechnik nachahmt, unterst\u00fctzt mit Deckenkulissen (Soffitten) und vielen beweglichen Teilen. Daneben stehen Nachbauten einer barocken Donner- und Windmaschine. Rechts wird von eifrig herumeilenden B\u00fchnenarbeitern ein Holzger\u00fcst aufgebaut, links einige St\u00fchle.<\/p>\n<p>Die Darsteller werden im Programmheft nur noch als Schwester, Bruder, Mutter und Vater bezeichnet, denn sie wechseln des \u00f6fteren die barocken Kost\u00fcme und kommen u.a. als Friedrich der Gro\u00dfe, dessen Eltern, Ehepartner oder Leutnant Katte daher. In einem Traum aus Rot erscheint Anja Silja in einer Sprechrolle als Markgr\u00e4fin Wilhelmine, die aus Ihren Werken rezitiert. Die generelle Kenntnis dieser Werke ist ratsam, um die Verkleidung der Gesellschaft mit Hundemasken zu verstehen, denn Hund und ein Mops-Orden sind wichtige Konversationsthemen zwischen Friedrich II. und Wilhelmine.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Auch musikalisch hat dieser Opernabend mit dem Artaserse von Hasse nicht viel gemein, denn es wurde viel gestrichen und gek\u00fcrzt, um das Leben der Markgr\u00e4fin Wilhelmine und Friedrich des Gro\u00dfen darstellen zu k\u00f6nnen. Zus\u00e4tzlich sind noch drei Arien aus dem <em>Ezio<\/em> eingef\u00fcgt (Oper von Hasse) und eine Arie aus der <em>Argenore<\/em>, der einzigen Opernkomposition Wilhelmines.<\/p>\n<p>Die gesprochenen Dialoge sind in deutscher Sprache, die Arien sind durchg\u00e4ngig in italienisch, so da\u00df die Umdeutung der Handlung zumeist nicht auff\u00e4llt. Mit diesen Arien hatten die Nachwuchss\u00e4nger der Theaterakademie ihre Probleme, denn die technischen Fertigkeiten f\u00fcr Koloraturen, hohe exponierte T\u00f6ne und komplexe Notenlinien sind noch wenig ausgebildet. Einzig <strong>Pauline Rinvet<\/strong> kann in diesen Bereichen entsprechende Erfahrungen und K\u00f6nnen vorweisen. Der Ba\u00df <strong>Eric Ander<\/strong> wird kaum gefordert und gibt den b\u00f6sartig strengen Vater mit sicherer Tiefe. <strong>Natalya Boeva<\/strong> gibt die Mutter mit rauhem Mezzo. <strong>Anja Silja<\/strong> als Wilhelmine hat mit einem Rezitativ das \u201eletzte Wort\u201c, womit dieses Barockopern-Pasticcio ein ungew\u00f6hnliches Ende nimmt, denn meist endet eine Barockoper mit einem pomp\u00f6sen Finale. Die <strong>Hofkapelle M\u00fcnchen<\/strong> ist nur Eingeweihten des Themas \u201ehistorisch informierte Barockmusik\u201c bekannt, denn es fehlt ihnen die M\u00f6glichkeit, die Sch\u00f6nheiten des Barock mit den technische Herausforderung Hasses zum Leben zu erwecken. Ein Orchester sollte eben mehr sein als eine lose Zusammenkunft von Instrumentalsolisten.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Ein leider nur wenig beeindruckender Opernabend geht zu Ende \u2013 ohne Werbewirkung f\u00fcr die \u201eZukunft des Barocks\u201c, irgendwo ist das Leuchten barocker Musik verlorengegangen, die Handlung hat zumeist nur Verwirrung gestiftet und das einzige wirkliche barocke Zitat, die barocke B\u00fchnentechnik, die mit einem gewaltigen h\u00f6lzernen Turm simuliert wurde, kam optisch sehr bestaunenswert, aber leider nur einmal zum Zuge. Was bleibt? Zum einen die Erkenntnis, da\u00df mehr \u00f6ffentliche Wirkung m\u00f6glich gewesen w\u00e4re. Zwar war die Fachpresse von weither angereist, aber f\u00fcr einen Festakt ohne Musik, nur mit den Reden des bayrischen Finanzministers, des Ministerpr\u00e4sidenten und der Selbstbeweihr\u00e4ucherung des Theaterakademiepr\u00e4sidenten interessiert sich das Fernsehen wohl weniger!<\/p>\n<p>Und so war dieser Termin eher f\u00fcr die politische Nomenklatur Nordbayerns gedacht, mit der Folge, da\u00df nach dem Festakt viele Pl\u00e4tze frei wurden. Man war wohl froh, etwas f\u00fcr die Provinz getan zu haben und wieder nach M\u00fcnchen eilen zu k\u00f6nnen. Denn auch das wurde deutlich: die staatliche Schl\u00f6sserverwaltung sieht diese Einweihungsfeier als einmaliges Projekt und wird keinen zweiten Auftrag vergeben. Eine Bespielung wird auch weiterhin m\u00f6glich sein und zwar drei\u00dfig Termine im Sommer \u2013wer aber soll das durchf\u00fchren, planen und gar bezahlen? Man mu\u00df n\u00e4mlich das Haus f\u00fcr teueres Geld vom Freistaat mieten. Dazu gibt es kaum Produktionsr\u00e4ume und die mit wenig Maschinerie ausgestattete B\u00fchnentechnik bleibt trotz modernisierter Z\u00fcge sehr spartanisch.<\/p>\n<p>Eigentlich w\u00e4re die Stadt Bayreuth am Zug, aber die sucht gerade wieder einmal einen Kulturreferenten und hat sich bislang nicht vorgedr\u00e4ngt oder Interesse oder Zahlungsbereitschaft gezeigt. Dieser Referent m\u00fc\u00dfte gar nicht \u00fcber Fachwissen, sondern vielmehr \u00fcber intelligenteres Durchsetzungsverm\u00f6gen verf\u00fcgen. Mit der Universit\u00e4t Bayreuth bzw. dem Musikwissenschaftlichen Forschungsinstitut k\u00f6nnte eine \u201eBarocke Akademie\u201c entstehen, die entsprechende K\u00fcnstler ausbildet \u2013 in Gesang, barocker Gestik, barockem Ballett, dazu die entsprechende B\u00fchnentechnik herstellt, historische Kompositionen erforscht und Partituren erstellt. Aber das ist zur Zeit wenig absehbar. Und vor allem mit international bekannten G\u00e4sten Produktionen auf die Beine stellt und die barocke Auff\u00fchrungspraxis \u00e4hnlich wie in Frankreich das Centre de Musique Baroque.<\/p>\n<p>Oliver Hohlbach<\/p>\n<p>Bild: Jean-Marc-Turmes<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Tianji Lin (Intrigant)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Johann Adolf Hasse (1699-1783); Libretto: Pietro Metastasio, nach Texten der Markgr\u00e4fin Wilhelmine von Bayreuth, UA: 11. Februar 1730, Venedig, Teatro San Giovanni Cristostomi Regie: Balazs Kovalik, B\u00fchne: Csaba Antal, Kost\u00fcme: Sebastian Ellrich Dirigent: Michael Hofstetter, Hofkapelle M\u00fcnchen Solisten: Pauline<span class=\"ellipsis\">&hellip;<\/span><\/p>\n<div class=\"read-more\"><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7468\">Weiterlesen \u203a<\/a><\/div>\n<p><!-- end of .read-more --><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":7469,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[16,1],"tags":[],"class_list":["post-7468","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-bayreuth-markgrafliches-opernhaus","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7468","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=7468"}],"version-history":[{"count":2,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7468\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":7471,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7468\/revisions\/7471"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/7469"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=7468"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=7468"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=7468"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}