{"id":7463,"date":"2018-02-05T10:41:25","date_gmt":"2018-02-05T09:41:25","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7463"},"modified":"2018-04-13T10:43:25","modified_gmt":"2018-04-13T09:43:25","slug":"das-rheingold-chemnitz-theater","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7463","title":{"rendered":"Das Rheingold &#8211; Chemnitz, Theater"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Richard Wagner (1813-1883), Vorabend zum B\u00fchnenfestspiel in vier Szenen, Libretto: Richard Wagner, UA: 22. September 1869 M\u00fcnchen, Nationaltheater<\/p>\n<p>Regie: Verena Stoiber, B\u00fchne\/Kost\u00fcme: Sophia Schneider<\/p>\n<p>Dirigent: Felix Bender, Robert-Schuhmann-Philharmonie<\/p>\n<p>Solisten: Krisztian Cser (Wotan), Monika Bohinec (Fricka), Maraike Schr\u00f6ter (Freia), Matthias Winter (Donner), Petter Wulfsberg Moen (Froh), Benjamin Bruns (Loge), Jukka Rasilainen (Alberich), Edward Randall (Mime), Magnus Piontek (Fasolt), James Moellenhoff (Fafner), Bernadett Fodor (Erda), Guibee Yang (Woglinde), Sylvia Rena Ziegler (Wellgunde), Sophia Maeno (Flo\u00dfhilde)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 3. Februar 2018 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/Chemnitz-Rheingold.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-7464\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/Chemnitz-Rheingold.png\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"438\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/Chemnitz-Rheingold.png 650w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/Chemnitz-Rheingold-300x202.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Alberich wirbt um die drei Rheint\u00f6chter, die ihn aber nur verspotten. Daraufhin entsagt er der Liebe und stiehlt ihnen das Rheingold. Aus diesem Gold l\u00e4\u00dft er einen machtvollen Ring schmieden, mit dessen Kraft er sich die Nibelungen untert\u00e4nig macht. Die Riesen Fafner und Fasolt haben f\u00fcr den Gott Wotan die Burg Walhall erbaut, und fordern nun von ihm die G\u00f6ttin Freia als ihren Lohn. Doch Wotan will Freia nicht herausgeben, und der intrigante Gott Loge \u00fcberzeugt ihn davon, als Ersatz Alberich den Ring und das Rheingold wieder zu entrei\u00dfen. Alberich verflucht den Ring, den Wotan den Riesen reicht, um Freia \u00a0auszul\u00f6sen. Fafner erschl\u00e4gt seinen Bruder, die G\u00f6tter aber ziehen in die Burg Walhall ein.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Was ist das <em>Rheingold<\/em>? Eine zentrale Frage, da in Chemnitz der Ring von vier unterschiedlichen Regisseurinnen inszeniert wird, deren einzig gemeinsames Thema zu sein scheint, einen weiblichen Blick auf den Ring werfen zu wollen. So ist f\u00fcr Verena Stoiber das Rheingold das goldene Haar der Rheint\u00f6chter, das von Alberich im haarigen Adamskost\u00fcm, schn\u00f6de abgeschnitten wird. Alberich und Mime betreiben einen modernen Ausbeuterbetrieb mit entsprechenden Damen des horizontalen Gewerbes, dargestellt mit Lichtreklame und heutiger dekadenter Kleidung auf und in einer Art Stahlgitterger\u00fcst. Als L\u00f6segeld f\u00fcr Freia werden Konsumg\u00fcter aufgestellt, die die Nibelungen in Sklaven- und Kinderarbeit hergestellt haben. Fafner f\u00fchrt alle G\u00fcter und Sklaven in seine Welt ab. Ein Walhall gibt es nicht, auch keine Speere und Schwerter. Oben freuen sich die G\u00f6tter \u201efalsch und feig\u201c, unten gemahnen die zerrissenen und zerzausten Rheint\u00f6chter bereits an den Untergang.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Eine der Vorz\u00fcge dieser Premiere ist ohne Zweifel die Erkenntnis, da\u00df man auch an vermeintlich kleinen H\u00e4usern einen <em>Ring<\/em> auf hohem Niveau besetzen kann. In diesem Fall schon zum zweiten Mal. Der erste <em>Ring<\/em> ging in beeindruckenden Bildern schon in den neunziger Jahren \u00fcber die B\u00fchne. Schon seinerzeit setzte man auf alterfahrene Leistungstr\u00e4ger in den Hauptrollen und auf junge Nachwuchskr\u00e4fte. Dazu z\u00e4hlt <strong>James Moellenhof<\/strong> als altgedienter Fafner. Aber an erster Stelle ist <strong>Jukka Rasilainen <\/strong>zu nennen. Mit seiner dunkel baritonal gef\u00e4rbten Stimme l\u00e4\u00dft er als Alberich stimmliche Gestaltungsm\u00f6glichkeiten erkennen. Er verf\u00fcgt immer noch \u00fcber gen\u00fcgend Reserven, um auch in den tiefen Lagen Charakter zu zeigen. Das wird deutlich in den Dialogen mit Loge oder Wotan.<\/p>\n<p><strong>Edward Randall <\/strong>ist der langj\u00e4hrige deutsche, lyrische Tenor in Chemnitz<strong>. <\/strong>Er singt ein tiefsinniger Mime mit Saft und Kraft, singt die Phrasen betont aus, betont wortverst\u00e4ndlich. Das stimmliche Duell mit Alberich kann Wotan <strong>Krisztian Cser <\/strong>mit d\u00e4monischer Tiefe offen halten. Auch die Nebenrollen k\u00f6nnen sich h\u00f6ren lassen: <strong>Monika Bohinec <\/strong>verf\u00fcgt \u00fcber ein hartes Timbre und Tonumfang und entspricht dem Bild der Xanthippe als G\u00f6ttergattin Fricka. <strong>Maraike Schr\u00f6ter <\/strong>hat kaum Probleme mit der kurzen Rolle der Freia. <strong>Benjamin Bruns <\/strong>als Loge ist ein lyrischer Wagnertenor mit leiseren T\u00f6nen und gro\u00dfer Ausdruckskraft. Er verf\u00fcgt \u00fcber gro\u00dfe Eloquenz.<\/p>\n<p><strong>Petter Wulfsberg Moen <\/strong>als Froh kann mit sicherer H\u00f6he Aufmerksamkeit erregen, <strong>Matthias Winter <\/strong>(Donner) und <strong>Bernadett Fodor <\/strong>(Erda) bleiben eindrucksvoll in Erinnerung. <strong>Felix Bender<\/strong> kann mit den S\u00e4ngern mitf\u00fchlen, gerade der Auftritt der Rheint\u00f6chter bleibt einstimmig in Erinnerung. Auch die Zusammenarbeit mit der <strong>Robert-Schumann-Philharmonie<\/strong> kann orchestral \u00fcberzeugen, selten hat man das Anschwellen des Rheins, den ber\u00fchmten Es-Dur-Akkord am Anfang, so feinsinnig verwoben und transparent geh\u00f6rt. Beim Einzug der G\u00f6tter wird es monumental und wuchtig, aber man h\u00f6rt kleinere Abstimmungsprobleme heraus.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Ein verhei\u00dfungsvoller Auftakt! Die heftig und bildgewaltig formulierte Sozialkritik an der heutigen Gesellschaft mit Ausbeutung durch Sex und Niedrigl\u00f6hne erinnert an die Kritik an der Bourgeoisie von Ch\u00e9reau in Bayreuth 1976 oder den Leipziger <em>Ring<\/em> 1973 von Joachim Herz. Da\u00df es musikalisch noch manche Probleme zu l\u00f6sen gilt, l\u00e4\u00dft sich wohl nicht verhindern, obwohl sich das Solistenensemble aus Alterfahrenen und Jungspunden zusammensetzt. Sicherlich wird es mit entsprechender Praxis in ruhigeres Fahrwasser \u00fcbergehen. Somit zu Recht: enthusiastischer Beifall des Publikums allenthalben.<\/p>\n<p>Oliver Hohlbach<\/p>\n<p>Bild: Kirsten Nijhof<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Guibee Yang (Woglinde) li., Sophia Maeno (Flo\u00dfhilde)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Richard Wagner (1813-1883), Vorabend zum B\u00fchnenfestspiel in vier Szenen, Libretto: Richard Wagner, UA: 22. 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