{"id":7456,"date":"2018-03-26T15:43:58","date_gmt":"2018-03-26T14:43:58","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7456"},"modified":"2018-04-12T15:45:54","modified_gmt":"2018-04-12T14:45:54","slug":"die-walkuere-chemnitz-theater","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7456","title":{"rendered":"Die Walk\u00fcre &#8211; Chemnitz, Theater"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Richard Wagner (1813-1883), Erster Tag des B\u00fchnenfestspiels in drei Akten, Libretto: Richard Wagner, UA: 26. Juni 1870 M\u00fcnchen, Nationaltheater<\/p>\n<p>Regie: Monique Wagemakers, B\u00fchne: Claudia Weinhart, Kost\u00fcme: Erika Landertinger<\/p>\n<p>Dirigent: Felix Bender, Robert-Schuhmann-Philharmonie<\/p>\n<p>Solisten: Zoltan Nyari (Siegmund), Magnus Piontek (Hunding), Aris Argiris (Wotan), Christiane Kohl (Sieglinde), Dara Hobbs (Br\u00fcnnhilde), Monika Bohinec (Fricka), u.a.<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 24. M\u00e4rz 2018 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/Chemnitz-Wlk\u00fcre.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-7457\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/Chemnitz-Wlk\u00fcre.png\" alt=\"\" width=\"433\" height=\"650\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/Chemnitz-Wlk\u00fcre.png 433w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/Chemnitz-Wlk\u00fcre-200x300.png 200w\" sizes=\"auto, (max-width: 433px) 100vw, 433px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Der verfolgte W\u00e4lsunge Siegmund findet bei der verlorengeglaubten Zwillingsschwester Sieglinde Zuflucht und zeugt Siegfried. Fricka verlangt S\u00fchne f\u00fcr Ehebruch und Blutschande. Durch die eigenen Gesetze gebunden, mu\u00df Wotan Siegmund opfern. Todgeweiht will Siegmund die Schwester lieber t\u00f6ten, als ungesch\u00fctzt zur\u00fcckzulassen. Da beschlie\u00dft Br\u00fcnnhilde, entgegen Wotans Befehl, die W\u00e4lsungen zu retten, doch Wotan bewirkt Siegmunds Tod. Br\u00fcnnhilde flieht zun\u00e4chst mit Sieglinde vor Wotan, aber Wotan bestraft Br\u00fcnnhilde und bettet sie in einen Feuerring, aus dem nur ein Held sie erretten kann.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Eine Walk\u00fcre im Einheitsb\u00fchnenbild kann ein spannendes Bild sein. Was die gotische Kuppelhalle, die sich best\u00e4ndig dreht und langsam br\u00fcchig wird, leider nicht ist. F\u00fcr Hundings H\u00fctte fehlt die Esche, nach Walhall taugt es nicht und ein Walk\u00fcrenfelsen ist es auch nicht \u2013 wobei weder ein Walk\u00fcrenritt noch ein Feuerzauber m\u00f6glich wird und auch alle Symbole, die man gemeinhin mit der Walk\u00fcre verbindet, nicht zum Einsatz kommen. Eine durchdachte Personenf\u00fchrung fehlt. Bis auf wenige Ausnahmen ist es statuarisch nichtssagend. Auch die zeitlos mystisch nichtssagende Kleidung ist kein Blickfang, Hundings brustfreier Fellmantel ist da noch das beste Kost\u00fcm.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p><em>Die Walk\u00fcre<\/em> lebt eigentlich von den Spannungen in einer Dreiecksbeziehung im ersten Akt. Leider kamen diese Spannungen nicht ans Licht. An <strong>Magnus Piontek<\/strong> lag es nicht. Ein farbenreicher Ba\u00df mit sicherer Tiefe, allerdings ohne gro\u00dfe d\u00e4monische Ausstrahlungskraft. Aber gerade das gibt ihm eine gewisse Gr\u00f6\u00dfe, was dem Hunding gr\u00f6\u00dfere Wirkung verleiht. Die Sieglinde der <strong>Christiane Kohl<\/strong> geht im ersten Akt als jugendlicher Sopran durch, im zweiten Akt kann sie der Verzweiflung mit Durchschlagskraft und Lautst\u00e4rke Raum verleihen. Leider kann <strong>Zoltan Nyari<\/strong> als Siegmund nicht mithalten. Er besitzt eine sch\u00f6n gef\u00e4rbte tenorale Stimme, diese ist aber leider zu schwach oder zu leise und nimmt manche Abk\u00fcrzung in der Notenlinie. Die gesparte Kraft kann er allerdings ab den <em>W\u00e4lse-Rufen<\/em> bis zum <em>bl\u00fchenden W\u00e4lsungenblut<\/em> gewinnbringend einsetzen.<\/p>\n<p>In diesen Dreikampf kann <strong>Aris Argiris <\/strong>Wotan mit gro\u00dfer Ausdruckskraft eingreifen. <strong>Christiane Kohl<\/strong> ist der schwere dramatische Sopran, der sie zur gro\u00dfen Schwester der Walk\u00fcren macht. Der <em>Walk\u00fcrenritt<\/em> hingegen bleibt eigentlich nur dank der Walk\u00fcren in Erinnerung, die gr\u00f6\u00dftenteils harmonisch zusammenpassen. Eher unauff\u00e4llig bleibt das Dirigat von <strong>Felix Bender<\/strong>. An der Zusammenarbeit mit der Robert-Schumann-Philharmonie kann es nicht liegen, der <em>Walk\u00fcrenritt<\/em> und der <em>Feuerzauber<\/em> k\u00f6nnen orchestral \u00fcberzeugen. Die kleineren Abstimmungsprobleme werden sich sicher nach dem Premierenfieber legen.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Das gro\u00dfe Problem von vier unterschiedlichen Regisseuren f\u00fcr die vier <em>Ring<\/em>-Teile wird hier deutlich: was passiert, wenn einer der Regisseure die Arbeit des Vorg\u00e4ngers nicht aufgreift und dazu sein eigenes Konzept nicht tr\u00e4gt? Antwort: Bodenlose Langeweile! Der Verzicht auf Schwert, Speer, Esche, Herd oder M\u00f6bel reduziert die Handlungsm\u00f6glichkeiten gewaltig, da Siegmund kein Schwert aus dem Stamm ziehen kann, Siegmund nicht gemeinsam mit Sieglinde bzw. Hunding am Herd sitzt oder der Kampf zwischen Hunding und Siegmund zum Ringelspiel mit Anfassen mutiert. Der Flashback, das Wiedererleben von Siegmund und Sieglinde mit ihrer Kindheit (zwei Kinder laufen Hand in Hand \u00fcber die B\u00fchne) bleibt fragw\u00fcrdig und ist auch nach Lekt\u00fcre des Programmhefts kaum erkl\u00e4rbar. Die Bewegungslosigkeit des ersten Aktes wird durch eine musikalische Lesart erg\u00e4nzt, die wenig Dynamik entwickelt und keinerlei musikalische H\u00f6hepunkte gebiert. Sonst ist der erste Akt ein musikalischer Selbstl\u00e4ufer, hier herrscht Langeweile! Auch die Gew\u00f6lbehalle pa\u00dft nicht wirklich zu den Handlungsorten des St\u00fcckes, so wie f\u00fcr manche S\u00e4nger und der Dirigent noch gewaltiges Entwicklungspotential haben. Freundlicher Applaus des Publikums am Ende.<\/p>\n<p>Oliver Hohlbach<\/p>\n<p>Bild: Kirsten Nijhof<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Dara Hobbs (Br\u00fcnnhilde), Aris Argiris (Wotan)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Richard Wagner (1813-1883), Erster Tag des B\u00fchnenfestspiels in drei Akten, Libretto: Richard Wagner, UA: 26. 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