{"id":7450,"date":"2018-03-18T09:57:38","date_gmt":"2018-03-18T08:57:38","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7450"},"modified":"2018-04-11T10:04:30","modified_gmt":"2018-04-11T09:04:30","slug":"ein-traumspiel-hof-theater","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7450","title":{"rendered":"Ein Traumspiel &#8211; Hof, Theater"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Aribert Reimann (geb. 1936), Libretto: Carla Henius nach dem Schauspiel von August Strindberg, \u00dcbersetzung: Peter Weiss, UA: 1965, Kiel<\/p>\n<p>Regie: Lothar Krause, B\u00fchne\/Kost\u00fcme: Annette Mahlendorf<\/p>\n<p>Dirigent: Walter E. Gugerbauer, Hofer Symphoniker, Opernchor (Chorleitung: Claudio Novati).<\/p>\n<p>Solisten: Franziska Rabl (Indras Tochter), Karsten Jesgarz (Der Offizier), James Tolksdorf (Der Advokat), Rainer Mesecke (Vater\/ Polizist\/ Quarant\u00e4nemeister\/ Universit\u00e4tskanzler), Laura Louisa Lietzmann (Mutter\/ Viktoria), Marek Reichert (Der Dichter), Stefanie Rhaue (Pf\u00f6rtnerin), Yvonne Prentki (S\u00e4ngerin\/ Sie\/ Edith) u.a.<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 17. M\u00e4rz 2018 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/Hof-Traumspiel.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-7451\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/Hof-Traumspiel.png\" alt=\"\" width=\"424\" height=\"650\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/Hof-Traumspiel.png 424w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/Hof-Traumspiel-196x300.png 196w\" sizes=\"auto, (max-width: 424px) 100vw, 424px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Der Gott Indra schickt seine Tochter auf die Erde damit sie pr\u00fcft, ob die Klagen der Menschen \u00fcber die Sinnlosigkeit ihrer Existenz berechtigt seien. Auf ihrer Reise durch die Welt mu\u00df sie erfahren, da\u00df sich alles menschliche Hoffen und Sehnen ins Gegenteil verkehrt: Liebe wird zu Gleichg\u00fcltigkeit, Ehrgeiz f\u00fchrt zum Scheitern, die Suche nach Erkenntnis f\u00fchrt zur Leere und das Streben nach Gerechtigkeit wird mit Hohn und Spott beantwortet. Schlie\u00dflich gibt es nur noch ein Ziel: hinter der geheimnisvollen T\u00fcr die Antwort auf die Fragen zu finden nach dem Leiden der Menschen oder nach dem Sinn des Lebens. Doch hinter der T\u00fcr, die sich pl\u00f6tzlich von selbst \u00f6ffnet, ist nichts. Die Menschen machen Indras Tochter f\u00fcr Ihr Leiden verantwortlich, sie kehrt zu Ihrem Vater zur\u00fcck.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Die szenische Umsetzung der Handlung eines Traumes folgt keiner Logik, kreist immer um sich selbst und l\u00e4\u00dft surreale Bilder entstehen: ein Schlo\u00df, dessen Mauern gr\u00f6\u00dfer werden, Wolken als Portale auf der Erde, ein Sternenhimmel, der den gesamten Hintergrund f\u00fcllt und die leere B\u00fchne in Dunkel h\u00fcllt \u2013 und vor allem die T\u00fcr, die als allzeit geschlossene Fl\u00fcgelt\u00fcr auf der B\u00fchne herumf\u00e4hrt, an die die Menschen klopfen, um die Antwort auf die Frage nach dem Sinn des Lebens zu erhalten. Als sich die T\u00fcr pl\u00f6tzlich \u00f6ffnet, blickt man auf eine leere B\u00fchne.<\/p>\n<p>Die vielen Handlungsorte werden immer nur angedeutet, so die Fingalsgrotte, der Strand der Schande oder die Sch\u00f6ne Bucht sind nur unkonkrete Wolkenlandschaften, die von einem riesigen Ensemble bev\u00f6lkert wird, das in zeitlos passende Phantasiekost\u00fcme gekleidet ist. Der Offizier, der fortw\u00e4hrend seine angebetete Viktoria sucht und die \u00d6ffnung der T\u00fcr beim Advokaten erzwingen will, pa\u00dft in die Kaiserzeit, ebenso der Advokat mit Vaterm\u00f6rderkragen, dem die Dekane im Talar keine Doktorw\u00fcrde verleihen, dagegen dem Offizier, w\u00e4hrend Indras Tochter dem Advokaten statt dessen eine Dornenkrone verleiht, bevor sie ihn heiratet.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>In einem geradezu riesig anmutenden Ensemble nimmt die Rolle als Indras Tochter, die sich auch Agnes nennt, einen zentralen Platz ein. <strong>Franziska Rabl<\/strong> erreicht, dank ihres klangsch\u00f6nen sonoren Mezzo, mit gro\u00dfer Ausdauer und Hingabe bis zum letzten Ton eine praktisch permanent anwesende Pr\u00e4senz. Die ungl\u00fcckliche Edith (<strong>Yvonne Prentki<\/strong>) lauscht einer Fuge von Bach im Orchester und beklagt mit wohlgesetzten Vokalismen den bei\u00dfenden Spott, der auf sie hernieder geht. <strong>Laura Louisa Lietzmann<\/strong> zeigt als Mutter und der sehns\u00fcchtig erwarteten Viktoria in zwei Kurzauftritten eine Soubrette mit klarer Stimme an, w\u00e4hrend <strong>Stefanie Rhaue<\/strong> als Pf\u00f6rtnerin im dunklen Alt-Mezzo die Klagen der Welt d\u00fcster vermittelt.<\/p>\n<p>Auch viele Herren gewinnen gro\u00dfe Aufmerksamkeit. So steht der variable Spieltenor <strong>Karsten Jesgarz<\/strong> als Offizier sehr oft im Mittelpunkt, <strong>James Tolksdorf<\/strong> gibt den Advokaten mit Durchschlagskraft und ausziselierter Stimmf\u00fchrung, <strong>Rainer Mesecke<\/strong> hat eine Vielzahl an Auftritten, die er mit baritonaler Wucht und etwas wenig Tiefe meistert und <strong>Marek Reichert<\/strong> ist ein lyrisch fundierter Dichter. Die unter <strong>Walter E. Gugerbauer<\/strong> bestens eingespielten Hofer Symphoniker arbeiten mit dem gro\u00dfen Ensemble harmonisch zusammen und \u00fcberzeugen auch in den Zwischenaktmusiken mit filigranem Klangteppich. Der <strong>Opernchor<\/strong> ist der gewohnt harmonisch einheitliche Klangk\u00f6rper und verleiht vom Balkon aus dem Gott Indra eine imposante Wirkung.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Das bildgewaltige St\u00fcck fesselt von Anfang an mit seiner melodischen Vielfalt und Intensit\u00e4t \u2013 sowie der herausragenden musikalischen Umsetzung des Hofer Theaters. Dem der Vorstellung beiwohnenden <strong>Aribert Reimann<\/strong>, einem der ber\u00fchmtesten deutschen Komponisten, gelingt es, das Grundthema des zugrundeliegenden gleichnamigen Schauspiels von August Strindberg sinnlich mitf\u00fchlend erlebbar zu machen. Dazu geh\u00f6rt das Resultat dieses absurden-surrealen St\u00fcckes: es ist schade um die Menschen! Ein begeistertes Publikum feiert das St\u00fcck und die ad\u00e4quate szenische Darstellung. Dieses Werk hat verdient. einen vorderen Platz nicht nur in der Operngeschichte, sondern auch im Repertoire einzunehmen.<\/p>\n<p>Oliver Hohlbach<\/p>\n<p>Bild: Harald Dietz<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Karsten Jesgarz (Der Offizier), James Tolksdorf (Der Advokat)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Aribert Reimann (geb. 1936), Libretto: Carla Henius nach dem Schauspiel von August Strindberg, \u00dcbersetzung: Peter Weiss, UA: 1965, Kiel Regie: Lothar Krause, B\u00fchne\/Kost\u00fcme: Annette Mahlendorf Dirigent: Walter E. Gugerbauer, Hofer Symphoniker, Opernchor (Chorleitung: Claudio Novati). 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