{"id":7443,"date":"2018-03-27T16:13:50","date_gmt":"2018-03-27T15:13:50","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7443"},"modified":"2018-03-30T17:23:41","modified_gmt":"2018-03-30T16:23:41","slug":"le-domino-noir-der-schwarze-domino-paris-opera-comique","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7443","title":{"rendered":"Le Domino Noir \u2013 Der schwarze Domino- Paris, Op\u00e9ra-Comique"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Daniel Fran\u00e7ois Esprit Auber (1782-1871), Op\u00e9ra-comique in drei Akten, Libretto: Augustin Eug\u00e8ne Scribe (1791-1861), UA: 2. Dezember 1837 Paris, Op\u00e9ra-Comique, Salle des Nouveaut\u00e9s<\/p>\n<p>Regie: Val\u00e9rie Lesort, Christian Hecq (Mitglied der Com\u00e9die-Fran\u00e7aise)<\/p>\n<p>B\u00fchne:: Laurent Peduzzi, Kost\u00fcme: Vanessa Sannino, Licht: Christian Pinaud<\/p>\n<p>Dirigent: Patrick Davin, Orchestre Philharmonique de Radio France, Choreographie: Glyslein Lefever, <em>Choeur accentus<\/em>, Choreinstudierung: Christophe Grapperon, Marionetten: Val\u00e9rie Lesort und Carole Allemand<\/p>\n<p>Solisten: Anne-Catherine Gillet (Ang\u00e8le d\u2019Olivar\u00e8s), Cyrille Dubois (Horace de Massarena), Antoinette Dennefeld, (Brigitte de San Lucar), Fran\u00e7ois Rougier (Comte Juliano), Marie Lenormand (Jacinthe), Laurent Kubla (Gil Perez), Sylvia Berg\u00e9 (Ursule), Laurent Montel (Lord Elfort) u.a. T\u00e4nzer: Anna Beghelli, Sandrine Chapuis u.a.<\/p>\n<p>(Koproduktion mit Op\u00e9ra-Comique, Op\u00e9ra Royal de Wallonie, dort Premiere le 23\/02\/2018, Li\u00e8ge, Op\u00e9ra de Lausanne)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 25. M\u00e4rz 2018 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/Paris-OC-Domino-noir.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-7444\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/Paris-OC-Domino-noir.png\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"431\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/Paris-OC-Domino-noir.png 650w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/Paris-OC-Domino-noir-300x199.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><\/a>Vorbemerkung<\/strong><\/p>\n<p>Eug\u00e8ne Scribe und Daniel Fran\u00e7ois Esprit Auber arbeiteten von 1830 bis 1870 f\u00fcr viele Opern zusammen. Damit schenkten sie der Opera-Comique viele Urauff\u00fchrungen. Ihre erfolgreichen, im leichten beschwingten Stil geschriebenen Musikwerke stellen die damalige Lebensart und Anschauungen der nachrestaurativen Zeit bemerkenswert genau dar. Von Aubers f\u00fcnfzig komponierten Opern war diese\u00a0 die zweiundzwanzigste. Immer ist seine Musik leicht, brillant, bezeugt einen nie verletzenden Humor, ist voll von Geistesblitzen und koketten Einf\u00e4llen. Die Opern wurden, indem sie rasch \u00fcbersetzt wurden, in ganz Europa verbreitet, doch weniger in Deutschland, zu sehr unterschied sich die franz\u00f6sische Lebensart von der deutschen.<\/p>\n<p>Der erste Akt des Domino Noir zeigt aristokratischen Lebenswandel, der zweite ist von b\u00fcrgerlichem der dritte von religi\u00f6sen Leben gepr\u00e4gt. Wie in einem Singspiel \u00fcblich gibt es gesprochene wie gesungene Teile, etwas, was wir aus Mozarts <em>Entf\u00fchrung aus dem Serail<\/em> kennen. Vieles ist dem Vaudeville, dem Gesang auf der Stra\u00dfe (vulgo: Gassenhauer) abgeguckt. Mozart selbst hat diese Gesangsform immer gern eingesetzt. Trotz allem h\u00e4lt sich Scribe an die aristotelische Dreiheit: Einheit von Zeit, Handlung und Ort. Doch beim Ort wechselt er vom Ballsaal in ein gastliches Haus und landet schlie\u00dflich im Nonnenkloster. Alles ist auf Ang\u00e8le d\u2019Olivar\u00e8s, Nichte der spanischen K\u00f6nigin, ausgerichtet, und Scribe gelingt es, die Identit\u00e4t dieser geheimnisvollen Dame bis zuletzt zu verheimlichen. Zwischen Mitternacht und vier Uhr morgens (Matutin) erlebt die sch\u00f6ne Ang\u00e8le eine turbulente Nacht zwischen dem leichtgl\u00e4ubigen, tr\u00e4umerischen Horace, dem Lebemann Juliano und der b\u00e4urischen Jacinthe sowie \u00a0ihrem Liebhaber, dem Klosterpf\u00f6rtner Gil Perez<\/p>\n<p><strong>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Am Weihnachtsabend kommen Ang\u00e8le d\u2019Olivar\u00e8s, verkleidet als Domino auf den j\u00e4hrlichen Maskenball in den Gem\u00e4chern der spanischen K\u00f6nigin. Ebenso erscheinen auch Horace de Massarena und sein Freund Comte Juliano. Beim Maskenball ein Jahr vorher hatte Horace Ang\u00e8le kennengelernt. Beide verliebten sich Hals \u00fcber Kopf, doch erkl\u00e4rte Ang\u00e8le, ihn nicht erh\u00f6ren zu k\u00f6nnen, da sie anderweitig gebunden sei.<\/p>\n<p>Juliano und Horace gelingt es, da\u00df Ang\u00e8le ihre bestellte Kutsche um Mitternacht nicht erreicht. Diese sollte sie zur\u00fcck ins Kloster bringen, wo sie anderntags als \u00c4btissin geweiht werden sollte. Ang\u00e8le gelangt zu Fu\u00df ans Kloster und, da sie nicht hineinkommt, gelangt sie in Julianos Wohnung, wo sie von seiner Haush\u00e4lterin Jacinthe aufgenommen wird. endlich gelangt sie in das Kloster. Dort erh\u00e4lt sie kurz vor der Wahl zur \u00c4btissin \u00a0einen Brief von der K\u00f6nigin, in dem diese die Nonne Ursule zur \u00c4btissin des Klosters bestimmt. Ang\u00e8le dagegen forderte sie auf, sich sofort einen Gatten zu nehmen. Horace, der ebenfalls ins Koster gekommen war, nimmt sie \u00fcbergl\u00fccklich in seine Arme.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Zu Anfang imponiert eine riesige Uhr. Ihr Ziffernblatt ist durchscheinend, so da\u00df man den Ballsaal dahinter sieht. Der Raum davor ist in roter Farbe gehalten mit umlaufender Bank und einer T\u00fcr links.<\/p>\n<p>Das zweite Bild zeigt ein Zimmer mit bunter Tapete mit ornamentalem Muster. Eine mittlere T\u00fcr, f\u00fchrt mit drei Stufen ins Zimmer hinab, zwei weitere T\u00fcren bzw. Ausg\u00e4nge seitlich. Einige runde Tische mit St\u00fchlen drumherum f\u00fcllen den gro\u00dfen Raum. Im Hintergrund seitlich links steht ein riesiger geschm\u00fcckter Weihnachtsbaum .<\/p>\n<p>Das letzte Bild zeigt den Klosterkircheneingang mit einer angedeuteten Vorhalle mit je einer Karyatiden an den Seiten. Linker Hand zwei Betst\u00fchle, die offensichtlich auf eine nicht sichtbare Heiligenfigur gerichtet sind. Im mittleren Hintergrund der Eingang zur Kirche, \u201ebewacht\u201c von zwei Teufelsfiguren an jeder Seite.<\/p>\n<p>Die beiden Adeligen tragen Junkeranz\u00fcge, der Klosterpf\u00f6rtner und Freund Jacinthes ist b\u00e4urisch derb gekleidet. Julianos Haush\u00e4lterin Jacinthe kommt im Dirndl mit riesigem Busen und Bauch daher. Ang\u00e8le d\u2019Olivar\u00e8s tr\u00e4gt zu Anfang ein spitzenbesetztes schwarzes Dominokost\u00fcm, danach im Haus Julianos ebenfalls ein Dirndlkleid und schlie\u00dflich eine Nonnenrobe mit einer helmartigen Kopfbedeckung, an der Spitze verziert mit einem leuchtenden Kreuz. Die Nonnen erscheinen in \u00fcblicher schwarzer Nonnenkutte mit wei\u00dfen, seitlich ausladender Kopfbedeckung.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>In rhythmisch z\u00fcgigem Drive entwickelt Patrick Davin, der sich mit der Wiederauff\u00fchrung von Aubers Oper <em>Die Stumme von Portici<\/em> 2012 einen Namen gemacht hatte, die elegante, eing\u00e4ngige Ouvert\u00fcre und begleitet vorz\u00fcglich die S\u00e4nger. Die tiefe Pauke imponiert mit dumpfen Schl\u00e4gen, die Solisten, besonders die Streichegruppe versieht vorz\u00fcglich ihren Part.<\/p>\n<p>Obwohl vieles der Ges\u00e4nge in der Art von Vaudevilles erklingt, gibt es doch auffallend gro\u00dfangelegte Arien, Duette und andere Ensembles, die ein erhebliches K\u00f6nnen an artikuliertem Singen und Koloraturen aufzeigen. Hier merkt man, wieviel Auber vom etwa gleichaltrigem Gioachino Rossini gelernt hat. Dieser war ja ab 1823 im Th\u00e9\u00e2tre des Italiens, das damals das Geb\u00e4ude der Opera Comique besa\u00df, t\u00e4tig, wo viele seiner Opern aufgef\u00fchrt wurden.<\/p>\n<p>Gut gef\u00fchrte Stimmen, bei meist deutlicher Aussprache mit lyrischem Timbre besitzen die S\u00e4nger alle. Besonders auffallend hoch und gut fokussiert f\u00fchren die beiden Ten\u00f6re <strong>Cyrille Dubois<\/strong> (Horace de Massarena) und <strong>Fran\u00e7ois Rougier<\/strong> (Comte Juliano) ihre Soli aus. <strong>Antoinette Dennefeld<\/strong> (Brigitte de San Lucar) ist eine ebenso gute Schauspielerin wie S\u00e4ngerin mit einem sch\u00f6nen, bis in die H\u00f6he klingenden Sopran. Und schlie\u00dflich <strong>Anne-Catherine Gillet<\/strong> (Ang\u00e8le d\u2019Olivar\u00e8s) hat einen ansprechenden Sopranstimme, die sie in ausgedehnten Koloraturen wie in einigen Vaudeville \u00e4hnlichen Arien, Duetten und Trios biegsam und elegant einbringt. Ihre Rolle mit dem dreifachen Kleiderwechsel ist vielgestaltig. Schlie\u00dflich ist sie als noch nicht gew\u00e4hlte \u00c4btissin am \u00fcberzeugendsten. Ihre Freude \u00fcber das Gl\u00fcck, endlich doch ihren geliebten Horace in die Arme schlie\u00dfen zu k\u00f6nnen, zeigt sie in sch\u00f6ner Form in der Umarmung mit Horace. Aber am besten gefiel dann doch <strong>Sylvia Berg\u00e9<\/strong> (Ursule) in ihrem Neid gegen\u00fcber Ang\u00e8le. Ihr h\u00e4\u00dfliches Lachen \u00fcber ihren unverhofften Sieg \u00fcber die Konkurrentin ist kaum zu vergessen.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Mi leichter Hand bringt Regisseur <strong>Christian Hecq<\/strong> zusammen mit <strong>Val\u00e9rie Lesort<\/strong> diese elegant strukturierte Oper auf die B\u00fchne, wobei es mir scheint, da\u00df beide sich ein wenig weit am Geist der von Librettist und Komponist dabei entfernen, zuviel Slapstick beherrschen den Ablauf, besonders den Beginn. Wiederum ist die Einbeziehung der am Kloster sowie am Kircheingang seitlich angeordneten Figuren in das Geschehen durch Verziehen der Gesichter und Aufbl\u00e4hen der K\u00f6rper (beider Teufelsfiguren) \u00fcberraschend und auflockernd. Dieses und vieles andere quittiert das Publikum durch Lachen und langanhaltenden Schlu\u00dfapplaus.<\/p>\n<p>Dr. Olaf Zenner<\/p>\n<p>Bild: DR Vincent Pontet<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Chor der Nonnen (choeur accentus) und zwei Schwestern h\u00e4ngen an den Glockenseilen. Die seitlichen Figuren sind in die Handlung einbezogen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Daniel Fran\u00e7ois Esprit Auber (1782-1871), Op\u00e9ra-comique in drei Akten, Libretto: Augustin Eug\u00e8ne Scribe (1791-1861), UA: 2. 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