{"id":7433,"date":"2018-03-28T17:07:41","date_gmt":"2018-03-28T16:07:41","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7433"},"modified":"2018-03-29T17:10:38","modified_gmt":"2018-03-29T16:10:38","slug":"benvenuto-cellini-paris-bastille-opera-national","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7433","title":{"rendered":"Benvenuto Cellini &#8211; Paris, Bastille, Op\u00e9ra National"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Hector Berlioz, Komische Oper in zwei Akten, Libretto: L\u00e8on de Wailly und August Barbier, UA: 10. September 1838<\/p>\n<p>Regie &amp; B\u00fchne: Terry Gilliam, Assistenz: Leah Hausman, Aaron Marsden Kost\u00fcme: Katrina Lindsay, Licht: Paule Constable, Video: Finn Ross<\/p>\n<p>Dirigent: Philippe Jordan, Orchestre et Choeurs de l\u2018Op\u00e9ra national de Paris, Chor: Jos\u00e9 Luis Basso<\/p>\n<p>Solisten: John Osborn (Benvenuto Cellini), Maurizio Muraro (Giacomo Balducci), Pretty Yende (Teresa), Audun Iversen (Fieramosca), Marco Spotti (Pape Cl\u00e9ment), Mich\u00e9le Losier (Ascanio), Vincent Delhoume (Francesco), Luc Bertin-Hugualt (Bernardino), Rodolphe Briand (Pompeo), Se-Jin Hwang (Cabaretier) u.a.<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 26. M\u00e4rz 2018 (2. Vorstellung, Premiere: 20. M\u00e4rz)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/Paris-Bastille-Cellini.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-7434\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/Paris-Bastille-Cellini.png\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"433\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/Paris-Bastille-Cellini.png 650w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/Paris-Bastille-Cellini-300x200.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Benvenuto Cellini hat sich sowohl als bildender K\u00fcnstler wie auch als Schlitzohr einen Namen gemacht. Einerseits soll er f\u00fcr den Papst eine Statue gie\u00dfen (das Geld f\u00fcr das Material hat er jedoch bereits versoffen), andererseits will er die Tochter des p\u00e4pstlichen Schatzmeisters aus Rom entf\u00fchren, auf die sich auch der Bildhauer und Konkurrent Fieramosca Hoffnungen macht. Nach einem verschachtelten Katz und Mausspiel gipfelt die Handlung im Kolosseum, wo im letzten Augenblick der gesetzten Frist in Anwesenheit des Papstes unter gro\u00dfem Freudenjubel eine Perseus-Statue gegossen wird.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Diese Oper ist eine Kooperation mit der English National Opera, De Nationale Opera \u00a0Amsterdam und dem Teatro dell\u2018Opera di Roma. Regie f\u00fchrt Terry Gilliam, US-Amerikaner und seit langer Zeit in England wohnhaft.<\/p>\n<p>Auf den ersten Blick wirkt alles sehr sachlich und durchdacht. Zu Beginn sieht man eine fiktive Architekturkomposition, die andeutungsweise Elemente des Tabulariums, des Kolosseums und sonstiger antiker Ruinen wieder aufnimmt. F\u00fcr die Kom\u00f6die am Ende des ersten Aktes und das Finale am Schlu\u00df verschieben sich die Kulissen in geringem Ma\u00dfe. Die Kost\u00fcme sind ordentlich: der Papst tritt in einem Weihrauchnebel mit w\u00fcrdiger Robe auf, die Kom\u00f6dianten Harlekin und Pasquariello sind als solche zu erkennen.<\/p>\n<p>Im Finale sieht man den gesch\u00e4ftigen Chor allerlei Material herbeischaffen, um Cellini beim Gie\u00dfen seiner Perseusfigur zu unterst\u00fctzen. Anstelle des fertigen Perseus wird jedoch nur ein \u00fcberdimensionaler Unterleib einer beliebigen Statue pr\u00e4sentiert \u2013 im Zentrum mal wieder ein Geschlechtsteil. Der Zuschauer wird au\u00dferdem mehrmals durch Konfettiregen im Saal \u00fcberrascht, zu Beginn des zweiten Teils wird man auf unerfreuliche Weise von grellem Scheinwerferlicht geblendet.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Eine ordentliche musikalische Interpretation liefert Philippe Jordan und das Orchestre de l\u2018Op\u00e9ra national de Paris. Die Partie der Teresa singt <strong>Pretty Yende<\/strong> mit einer klaren ausgewogenen Stimme, die sowohl in der H\u00f6he eine gewisse W\u00e4rme enth\u00e4lt sowie auch an sprachlicher Artikulation eine durchaus erfreuliche Leistung ist. Ihr zur Seite steht die Titelpartie des Cellini, interpretiert von <strong>John Osborn<\/strong>. Er verf\u00fcgt \u00fcber einen klaren Tenor, der des Lyrischen durchaus f\u00e4hig ist. Zwar kommt das volle Pathos nie so ganz zur Geltung, wird vom S\u00e4nger jedoch immer wieder erfreulicherweise ber\u00fchrt. Teresas Vater Balducci wird von <strong>Maurizio Muraro<\/strong> gesungen, ein Kenner seines Faches. Er \u00fcberzeugt durch n\u00fcchterne Pr\u00e4senz und eine Nat\u00fcrlichkeit des Ausdrucks. Auch solide ist die Interpretation des Fieramosca durch <strong>Audun Iversen<\/strong>. Hier kommt der sonore Bariton des S\u00e4ngers umfassend zur Geltung. Etwas verwaschen in Ausdruck und Artikulation erscheint <strong>Marco Spotti<\/strong> in der Rolle des Papstes. Seine Stimme schwingt nicht frei, er tendiert mehr zum reinen Klang als zum gesungenen Wort. Etwas entt\u00e4uschend auch <strong>Mich\u00e9le Losier<\/strong> (was auch an der eher beil\u00e4ufigen Partie des Ascanio liegen kann). Im Gegensatz zu <em>La Cenerentola<\/em> in Lyon kann sie hier ihr Potential nur geringf\u00fcgig aussch\u00f6pfen.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Berlioz\u2018 <em>Cellini<\/em> ist nicht unbedingt ein starkes St\u00fcck. Das Werk hat L\u00e4ngen, die sowohl die Musik als auch die Szene vor einige Herausforderungen stellt. <strong>Terry Gilliam<\/strong> scheint auf den ersten Blick das Geschehen auf den Punkt zu bringen. Dem Zuschauer werden aber nur vage Brocken hingeworfen, wovon sich viele t\u00e4uschen lassen werden: die Szene spielt in Rom, das wird aber nur als kubistische Idee angedeutet, der Papst wird mit Weihrauch ber\u00e4uchert, man riecht aber nichts! Die Masse liefert eifrig Metall, statt des eigentlichen Perseus\u2018 leuchtet dem Zuschauer am Ende nur ein nackter Penis ins Gesicht \u2013 <em>Honneur aux ma\u00eetre ciseleurs.<\/em> Dem geschulten Auge wird das Isishafte der Inszenierung bitter aufsto\u00dfen. Auch die schon erw\u00e4hnte Blendung durch Scheinwerfer ist ein dreistes \u00c4rgernis, das bei den meisten Besuchern jedoch keinerlei Protest hervorruft. \u00dcbrigens handelt es sich in solchen F\u00e4llen selten um Unachtsamkeiten, sondern sie sind vielmehr um einen fest verankerten ideologischen Plan gruppiet.<\/p>\n<p>Daniel Rilling<\/p>\n<p>Bild: Agathe Poupeney\/Op\u00e9ra national de Paris<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Pretty Yende (Teresa), John Osborn (Benvenuto Cellini) und Audun Iversen (Fieramosca)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Hector Berlioz, Komische Oper in zwei Akten, Libretto: L\u00e8on de Wailly und August Barbier, UA: 10. 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