{"id":7412,"date":"2018-03-17T08:19:59","date_gmt":"2018-03-17T07:19:59","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7412"},"modified":"2018-03-20T15:27:25","modified_gmt":"2018-03-20T14:27:25","slug":"macbeth-lyon-opera-national","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7412","title":{"rendered":"Macbeth &#8211; Lyon, Op\u00e9ra National"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Giuseppe Verdi (1813\u20131901), Oper in vier Akten, Libretto: Francesco Maria Piave und Andrea Maffei nach Shakespeare, UA: 14. M\u00e4rz 1847 Florenz, Teatro della Pargola<\/p>\n<p>Regie\/: Ivo van Hove, B\u00fchne\/Licht: Jan Versweyveld, Kost\u00fcme: Wojciech Dziedzic, Video: Tal Yarden<\/p>\n<p>Dirigent: Daniele Rustioni, Orchester und Chor der Oper Lyon, Choreinstudierung: Marco Ozbic<\/p>\n<p>Solisten: Elchin Azizov (Macbeth), Susanna Branchini (Lady Macbeth), Roberto Scandiuzzi (Banco), Louis Zaitoun (Malcolm), Arseny Yakovlev (Macduff), u.a.<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 16. M\u00e4rz 2018 (Wiederaufnahme dieser Produktion von 2012)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Macbeth gelingt es mit Hilfe von Intrigen und Gewalt zum K\u00f6nig Schottlands zu werden. Unterst\u00fctzt wird er dabei von seiner Frau und seinem Vertrauten Banco. Lady Macbeth ermutigt ihren Gatten dazu, den K\u00f6nig eigenh\u00e4ndig zu ermorden, um so zur Krone zu gelangen. Gemeinsam errichten sie eine Terrorherrschaft. Das Mi\u00dftrauen beider auch gegen\u00fcber ihren Gefolgsleuten steigert sich immer weiter und schlie\u00dflich l\u00e4\u00dft Macbeth auch Banco t\u00f6ten, weil ihm prophezeit wurde, da\u00df dessen Sohn ihn vom Thron sto\u00dfen werde. Bancos Sohn entkommt jedoch, Macduff organisiert eine Revolte und erf\u00fcllt so die Prophezeiung. W\u00e4hrend des Aufstandes kommen Macbeth und seine Frau, die ihren Verstand verliert, ums Leben.<\/p>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/Lyon-Macbeth-c-JP-Maurin-01.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-7413\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/Lyon-Macbeth-c-JP-Maurin-01.png\" alt=\"\" width=\"815\" height=\"383\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/Lyon-Macbeth-c-JP-Maurin-01.png 815w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/Lyon-Macbeth-c-JP-Maurin-01-300x141.png 300w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/Lyon-Macbeth-c-JP-Maurin-01-768x361.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 815px) 100vw, 815px\" \/><\/a>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Die gesamte Handlung spielt in einem B\u00fcro mit Computern und Bildschirmen. Der Chor ist in den ersten Akten formell, nach der Art von B\u00fcroangestellten gekleidet. An der R\u00fcckwand sind Videoprojektionen zu sehen, die teils eine Gro\u00dfstadt mit Wolkenkratzern, teils Momente der Handlung wie z.B. die Ermordung des K\u00f6nigs und Bancos zeigen. Diese Bilder sind zumeist schwarz-wei\u00df und sehen aus wie Filmnegative. Am Ende, als der Aufstand ausbricht, werden die Videoprojektionen wie die Kost\u00fcme der S\u00e4nger, die bis dahin formell und grau gewesen sind, bunt und informell. Die Revolte gegen Macbeth wird als Demonstration der \u201eOccupy Wallstreet\u201c-Bewegung inszeniert. Im Gegensatz zu diesem modernisierenden b\u00fchnenbildnerischen Rahmen bleiben Personenregie und Choreographie konventionell.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Die S\u00e4nger der beiden Hauptrollen von Verdis Oper lieferten in dieser Auff\u00fchrung ordentliche, aber keine hervorragenden Leistungen ab. <strong>Elchin Azizov<\/strong> als Macbeth hat eine ansprechende, jedoch nicht sonderlich volumin\u00f6se oder klanglich abwechslungsreiche Stimme und blieb auch darstellerisch ein wenig bla\u00df. Dar\u00fcberhinaus gab es zwischen ihm und dem Dirigenten <strong>Daniele Rustioni <\/strong>stellenweise Unstimmigkeiten, was die Wahl des Tempos anging.<strong> Susanna Branchini <\/strong>sang die Lady Macbeth \u00fcberaus energisch; diese Partie zeichnet sich durch das Fehlen einer ausgepr\u00e4gten Mittellage aus und bewegt sich \u00fcberwiegend an den \u00e4u\u00dferen R\u00e4ndern des Sopranfachs. Branchinis tiefe Lage ist kr\u00e4ftig, ausdrucksvoll und durchweg angenehm. In der hohen Mittellage \u2013 nicht jedoch in der h\u00f6chsten \u2013 war ihr Tremolo bei den forcierten Stellen mitunter etwas unausgeglichen, so zum Beispiel bei ihrem allerersten Auftritt. Dadurch wurde der Gesamteindruck etwas getr\u00fcbt. Darstellerisch lie\u00df ihre Verk\u00f6rperung der Lady Macbeth hingegen nichts zu w\u00fcnschen \u00fcbrig.<\/p>\n<p>Gesanglich am st\u00e4rksten war <strong>Roberto Scandiuzzi <\/strong>(Banco), w\u00e4hrend <strong>Arseny Yakovlev<\/strong> in der Rolle des Macduff einen ganz schlechten Tag erwischte; ihm brach die Stimme mehrfach beinahe komplett weg. Da\u00df er dabei mit einer Handkamera gefilmt und sein Gesicht in Gro\u00dfaufnahme an die R\u00fcckwand projiziert wurde, machte das Ganze nicht besser.<\/p>\n<p>Chor und Orchester sangen uns spielten an diesem Abend gut, vollbrachten jedoch ebenfalls keine Glanztaten. M\u00f6glicherweise w\u00fcrde eine andere Choreographie den Choristen behilflich gewesen sein; beispielsweise ist es akustisch fast unm\u00f6glich, mit dem R\u00fccken zueinander und zum Publikum einen stabilen Chorklang zustande zu bekommen, wenn die Chors\u00e4nger an ihren Computerbildschirmen sitzend zu singen haben.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Der Auftakt des Lyoner Verdifestivals war ein wenig lau. M\u00f6glicherweise hat die etwas unzusammenh\u00e4ngende Inszenierung hieran einen Anteil. Es bleibt unklar, warum das Volk gegen den mordenden B\u00f6rsianer Macbeth aufbegehren soll, und der utopische Schlu\u00df, bei dem die Demonstranten die B\u00fchne einnehmen, ber\u00fchrt peinlich nicht nur wegen seiner Naivit\u00e4t, sondern auch weil er hoffnungslos angestaubt ist. Diese Produktion ist ein gutes Beispiel daf\u00fcr, wie eine vermeintliche \u201eAktualisierung\u201c von seiten der Regie bereits nach wenigen Jahren viel inaktueller werden kann, als das Original es jemals war. Ohne Videoprojektionen w\u00e4re der Gesamteindruck noch schw\u00e4cher gewesen. Weder Publikum noch \u2013 so schien es \u2013 die Ausf\u00fchrenden konnten sich recht f\u00fcr diese ziemlich uninspirierte und abgestandene Interpretation von Verdis <em>Macbeth<\/em> erw\u00e4rmen.<\/p>\n<p>Dr. Martin Knust<\/p>\n<p>Bild: Stofleth<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Schlussbild, Occupy Wallstreet als Sieger \u00fcber Macbeth<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Giuseppe Verdi (1813\u20131901), Oper in vier Akten, Libretto: Francesco Maria Piave und Andrea Maffei nach Shakespeare, UA: 14. 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