{"id":7409,"date":"2018-03-18T08:14:30","date_gmt":"2018-03-18T07:14:30","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7409"},"modified":"2018-03-20T08:14:48","modified_gmt":"2018-03-20T07:14:48","slug":"don-carlos-lyon-opera-national","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7409","title":{"rendered":"Don Carlos &#8211; Lyon, Op\u00e9ra National"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Giuseppe Verdi (1813\u20131901), Gro\u00dfe Oper in f\u00fcnf Akten, Libretto: Joseph M\u00e9ry und Camille du Locle nach Friedrich Schillers Drama, UA 11. M\u00e4rz 1867 Paris<\/p>\n<p>Regie: Christophe Honor\u00e9, B\u00fchne: Alban Ho Van, Kost\u00fcme: Pascaline Chavanne, Licht: Dominique Brugui\u00e8re, Choreographie: Ashley Wright<\/p>\n<p>Dirigent: Daniele Rustioni, Orchester und Chor der Oper Lyon, Choreinstudierung: Denis Comtet<\/p>\n<p>Solisten: Sergey Romanovsky (Don Carlos), Michele Pertusi (Philipp II.), St\u00e9phane Degout (Marquis Posa), Roberto Scandiuzzi (Gro\u00dfinquisitor), Sally Matthews (Elisabeth von Valois), Eve-Maud Hubeaux (Prinzessin Eboli) u.a.<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 17. M\u00e4rz 2018 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/Lyon-doncarlos-jeanlouisfernandez009.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-7410\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/Lyon-doncarlos-jeanlouisfernandez009.png\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"433\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/Lyon-doncarlos-jeanlouisfernandez009.png 650w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/Lyon-doncarlos-jeanlouisfernandez009-300x200.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Don Carlos, der spanische Infant, und Elisabeth von Valois sind verlobt, m\u00fcssen sich jedoch trennen als sein Vater Philipp II. um die Hand Elisabeths anh\u00e4lt. Diese Hochzeit besiegelt den Friedensschlu\u00df zwischen Spanien und Frankreich. Don Carlos und sein Vertrauter Marquis Posa sympathisieren mit den Aufst\u00e4ndischen in den spanischen Niederlanden, und auch Don Carlos rebelliert w\u00e4hrend eines Autodaf\u00e9s offen gegen seinen Vater, der ihn ins Gef\u00e4ngnis werfen l\u00e4\u00dft. Der Gro\u00dfinquisitor verlangt au\u00dferdem von Philipp, Marquis Posa seinen Schutz zu entziehen, der sich opfert und alle Schuld auf sich nimmt, um Don Carlos die Freiheit wiederzugeben. Dieser entkommt w\u00e4hrend eines Volksaufstandes, entscheidet sich, in die Niederlande zu gehen, wird jedoch bei seinem Abschied von Elisabeth im Kloster Yuste von Philipp und dem Gro\u00dfinquisitor \u00fcberrascht. Bevor sie ihn festnehmen k\u00f6nnen, zieht ein M\u00f6nch ihn ins Kloster, und alle Beteiligten glauben, die Stimme des abgedankten Kaisers Karl V., des Vaters Philipps und Gro\u00dfvaters Don Carlos\u2019, geh\u00f6rt zu haben.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Das abstrakte B\u00fchnenbild wird bei jedem Tableau (jeder Akt besteht aus ein oder zwei Tableaus, zwischen denen sich der Vorhang schlie\u00dft) ver\u00e4ndert, so da\u00df die Wechsel der Schaupl\u00e4tze anschaulich werden. Es bleibt insgesamt recht dunkel auf der B\u00fchne und die unterschiedlichen Orte werden mit wenigen Elementen lediglich angedeutet. Die Kost\u00fcme weisen historische Einschl\u00e4ge auf und erinnern wie auch die Anordnung der Figuren an historische Gem\u00e4lde. Mitunter wird auf mehreren Ebenen gesungen; so stehen die unterschiedlichen Gruppen der S\u00e4nger \u2013 Solisten, Gesandte Flanderns, M\u00f6nche etc. \u2013 bei dem Autodaf\u00e9-Tableau auf drei G\u00e4ngen \u00fcbereinander, was die r\u00e4umliche Zuordnung der verschiedenen melodischen Linien zu den unterschiedlichen Charakteren in dieser musikalisch komplexen Szene erleichtert. Prinzessin Eboli sitzt mit geschientem Bein in einem Rollstuhl. Dies bleibt der einzige Anachronismus, was die Requisiten betrifft.<\/p>\n<p>Das Ballett im dritten Akt wurde zum Gro\u00dfteil von vier Solisten getanzt. Hier bekam man kein klassisches Ballett, sondern ungez\u00fcgelten Ausdruckstanz zu sehen.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Die Solisten dieses Abends waren darstellerisch und s\u00e4ngerisch ausnahmslos erstklassig. Die vokaltechnischen Verzierungen, die sich vor allem in den Partien der Prinzessin Eboli und des Marquis Posa finden, wurden souver\u00e4n vorgetragen. S\u00e4mtliche tragenden Rollen waren mit Akteuren besetzt, die eine starke szenische Pr\u00e4senz und Ausstrahlung haben.<\/p>\n<p><strong>Sergey Romanovsky <\/strong>gibt einen eleganten Don Carlos mit einem stilechten franz\u00f6sischen Tenortimbre, bei dem er in den hohen Lagen in die hohe Mischung oder die Kopfstimme wechselt statt die volle heldentenorale Bruststimme beizubehalten. \u00dcbertroffen wurde er lediglich von <strong>St\u00e9phane Degout <\/strong>(Marquis Posa), der \u00fcber eine schlanke Baritonstimme mit brillanter Spitze und Durchschlagskraft verf\u00fcgt und dar\u00fcberhinaus den Text tadellos deutlich ausspricht. <strong>Michele Pertusi <\/strong>gab einen schauspielerisch ergreifenden und im wahrsten Sinne des Wortes majest\u00e4tischen Philipp II., w\u00e4hrend <strong>Roberto Scandiuzzi <\/strong>als Gro\u00dfinquisitor bei in seinem ersten Auftritt seinen bis ins tiefste Register vollt\u00f6nenden Ba\u00df effektvoll in Szene setzen konnte. <strong>Sally Matthews <\/strong>(Elisabeth von Valois) spielte engagiert, hat aber leider ein recht starkes Tremolo. <strong>Eve-Maud Hubeaux <\/strong>(Prinzessin Eboli) stellte sie stimmlich ein wenig in den Schatten. Die Leichtigkeit, Sicherheit und Eleganz ihres musikalischen Vortrags war schlichtweg beeindruckend.<\/p>\n<p><strong>Chor<\/strong>, <strong>Orchester<\/strong> und <strong>Solisten<\/strong> musizierten unter der Leitung von <strong>Daniele Rustioni <\/strong>rhythmisch und dynamisch nuanciert \u00fcber die gesamte L\u00e4nge der Oper hinweg, was angesichts der viereinhalbst\u00fcndigen Dauer der Auff\u00fchrung eine enorme Leistung ist. Da\u00df im vierten Akt ein paar kleine intonatorische Unsicherheiten zutage traten, tat der Sache \u00fcberhaupt keinen Abbruch.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Diese Inszenierung ist gleicherma\u00dfen s\u00e4nger- und publikumsfreundlich. Packend der erste Auftritt von Gro\u00dfinquisitor und das Autodaf\u00e9, ergreifend die Duette von Don Carlos und Elisabeth von Valois in den Randakten und effektvoll die Gestaltung des B\u00fchnenbildes. Die Regie nimmt ihre literarisch-musikalische Vorlage auf und interpretiert sie als psychologisches Drama mit umsichtig komponierten Bildern. Weder szenisch noch musikalisch gab es hier irgendeinen Leerlauf. Bei dieser Produktion pa\u00dft einfach alles.<\/p>\n<p>Dr. Martin Knust<\/p>\n<p>Bild: Jean Louis Fernandez<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Sergey Romanovsky (Don Carlos)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Giuseppe Verdi (1813\u20131901), Gro\u00dfe Oper in f\u00fcnf Akten, Libretto: Joseph M\u00e9ry und Camille du Locle nach Friedrich Schillers Drama, UA 11. 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