{"id":7393,"date":"2018-03-06T16:57:00","date_gmt":"2018-03-06T15:57:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7393"},"modified":"2018-03-21T18:42:34","modified_gmt":"2018-03-21T17:42:34","slug":"manon-koeln-staatenhaus","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7393","title":{"rendered":"Manon &#8211; K\u00f6ln, Staatenhaus"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Jules Massenet (1842-1912) Op\u00e9ra-comique in f\u00fcnf Akten, Libretto: Henri Meilhac und Philippe Gille<br \/>\nnach <em>Histoire du Chevalier Des Grieux et de Manon Lescaut<\/em> von Abb\u00e9 Pr\u00e9vost<\/p>\n<p>Dirigent: Claude Schnitzler, G\u00fcrzenich Orchester K\u00f6ln, Chor der Oper K\u00f6ln, Choreinstudierung: Sierd Quarr\u00e9<\/p>\n<p>Regie: Johannes Erath, B\u00fchne: Herbert Barz-Murauer, Kost\u00fcme: Gesine V\u00f6llm, Video: Bibi Abel, Dramaturgie: Georg Kehren<\/p>\n<p>Licht: Nicol Hungsber, Choreographie: Athol Farmer,<\/p>\n<p>Solisten: Zuzana Makov\u00e1 (Manon Lescaut), Menna Cazel (Poussette), Marto Wryk (Javotte), Dara Savinova (Rosette), Atalla Ayan (Chevalier des Grieux), Nikolay Didenko (des Grieux\u2018 Vater), Wolfgang Stefan Schaiger (Lescaut), John Heuzenreoeder (Guillot de Morfontaine), Insik Choi (de Br\u00e9trigny), Julian Schulzki (Wirt\/Pf\u00f6rtner\/Croupier) u.a., Franziska Gassmann (T\u00e4nzerin <em>Double Manon<\/em>), Ivica Novakovic (T\u00e4nzer <em>Double Manon<\/em>), Filip Eakovic (Akkordeonist)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 4. M\u00e4rz 2018<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Vorbemerkung zur Musik<\/strong><\/p>\n<div id=\"attachment_7394\" style=\"width: 660px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/K\u00f6ln-Manon_13_small.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-7394\" class=\"size-full wp-image-7394\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/K\u00f6ln-Manon_13_small.jpg\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"259\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/K\u00f6ln-Manon_13_small.jpg 650w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/K\u00f6ln-Manon_13_small-300x120.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-7394\" class=\"wp-caption-text\">Oper K\u00f6ln<br \/>MANON<br \/>Inszenierung: Johannes Erath<br \/>B\u00fchne: Herbert Murauer<br \/>Kost\u00fcme: Gesine V\u00f6llm<br \/>Licht: Nicol Hungsberg<\/p><\/div>\n<p>Massenet spiegelt das einfache, doch edle Textbuch in einer ebenso adeligen wie unaufdringlichen Musik. Sie enth\u00e4lt kaum \u201egro\u00dfe Nummern\u201c \u2013 wie in Puccinis <em>Manon Lescaut<\/em> (neun Jahre nach Massenets <em>Manon in <\/em>1893 in Turin aufgef\u00fchrt) \u2013 verletzt jedoch nirgendwo den nat\u00fcrlichen Lauf ihrer Entwicklung. Dem Zuh\u00f6rer bietet sich daf\u00fcr ein breites Kaleidoskop verschiedener Formen dar, Bravourarien, lyrische Arien, verschiedene Arten von Melodramen und Rezitativen bis hin zur Ensemblenummer und zum Sprechgesang ohne Orchesterbegleitung (Melodram, etwas, was es ausgezeichnet in Bizets <em>Carmen<\/em> gibt), je nachdem, was die Situation gerade erfordert. Kunstvoll-unbemerkt vermeidet Massenet damit das Aufkommen von (musikalischer) Langeweile.<\/p>\n<p>Freilich erfordert diese Art der Musikalisierung eine besondere Kunst in der Wiedergabe: die genaue Durchleuchtung des musikalischen Satzes bis in den letzten Winkel (ph\u00e4nomenologische Durchleuchtung). Nur dann kann die Auff\u00fchrung jenen feinen, adligen Zauber entfalten, den dieses St\u00fcck bis heute aus\u00fcbt<\/p>\n<p><strong>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Manon Lescaut und der Chevalier des Grieux treffen einander in einer Poststation, verlieben sich augenblicklich ineinander und fliehen gemeinsam nach Paris. Dort leben sie zun\u00e4chst in einer einfachen Wohnung, jedoch wird des Grieux auf Gehei\u00df seines Vaters entf\u00fchrt und der reiche Br\u00e9tigny nimmt sich Manons an. Sie kann ihre erste Liebe jedoch nicht vergessen. Als sie auf dem Stadtfest in den Tuilerien in Paris erf\u00e4hrt, des Grieux wolle Priester werden, verl\u00e4\u00dft sie ihren Geliebten Br\u00e9tigny und flieht erneut mit des Grieux, der nach einigem Z\u00f6gern\u00a0 die Priesterw\u00fcrde auf und der \u201eSirene\u201c Manon nachgibt). Manon, die von den weltlichen Lockungen des Luxus gekostet hat, kann jedoch das einfache Leben an des Grieux\u2018 Seite nicht aushalten und bewegt des Grieux den jungen Edelmann, Geld im Gl\u00fccksspiel zu gewinnen. Bei der Gelegenheit des Spiels wird ihm und Manon Betrug vorgeworfen, was in der Verhaftung beider m\u00fcndet. Aber w\u00e4hrend des Grieux\u2018 Vater diesen befreien kann, mu\u00df Manon in Le Havre auf ein Schiff in die Verbannung. Sie stirbt vorher in des Grieux\u2019 Armen durch die Entbehrungen, die sie w\u00e4hrend ihrer Gefangenschaft erlitten hat.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Das B\u00fchnenbild war f\u00fcr alle sechs Szenen gleich, mal ohne, mal mit nebeneinander gereihten, roten Plastikst\u00fchlen ausgestattet. Durch verschiedene Videoprojektionen und Beleuchtungen wurden die verschiedenen Szenen voneinander abgesetzt. Sonst wurde tunlichst der Eindruck der Lebensn\u00e4he und des Naturalismus vermieden und das Abstrakte, K\u00fcnstliche, Ideelle m\u00f6glichst betont. Besonders im Agieren der Personen untereinander wurde das deutlich, wenn etwa das Gros der Schauspieler sich am Ende des ersten Akts nur in Zeitlupe und anschlie\u00dfend r\u00fcckw\u00e4rts bewegen durften oder des Grieux und Manon nur ganz von Ferne \u2013 \u00fcber die ganze B\u00fchne \u2013 hinweg miteinander ins Gespr\u00e4ch und in Liebe kamen.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Leider konnten nur zwei S\u00e4nger das Soll einer guten Darbietung erf\u00fcllen: der brasilianische Tenor <strong>Atalla Ayan<\/strong> in der Rolle des Chevalier des Grieux und der russische Ba\u00df <strong>Nikolay Didenko<\/strong> (Lescaut). Diese beiden allein besa\u00dfen das n\u00f6tige Stimmvolumen, um sowohl sauber, als auch klar und weitgehend m\u00fchelos (wenn auch manchmal etwas massiv klingend) mit dem Orchester musikalisch zu interagieren. Beide konnten dies besonders eindrucksvoll in der zweiten Szene des dritten Akts zeigen, wo Massenet ihre Rollen mit gro\u00dfen Solonummern bedacht hatte. Leider sangen alle anderen S\u00e4nger zu schwach (<strong>John Heuzenroeder<\/strong> (De Br\u00e9tingy) oder <strong>Wolfgang Stefan Schwaiger<\/strong> (Guillot de Morfontaine) oder zu unsauber, (leider ausgerechnet <strong>Zuzana Markov\u00e1<\/strong> in der Titelrolle der Manon).<\/p>\n<p>Dabei mu\u00df jedoch differenziert werden, denn gerade Zuzana Markov\u00e1 zeigte, da\u00df sie ihr d&#8220;&#8216; auf dem H\u00f6hepunkt des vierten Akts glockenrein bringen konnte. Auch beim Sprechgesang bzw. Gesang ohne viel Ausdruck zeigte sie gute Treffsicherheit. Sobald jedoch ein Mehr an Emotionen verlangt wurde, geriet sie in heftiges Vibrieren.<\/p>\n<p>Das Orchester unter Dirigent <strong>Claude Schnitzler<\/strong> lieferte eine zwar solide, aber etwas uninspiriert klingende Leistung. Es fehlte h\u00f6rbar die Freude, die Feinheiten in der Partitur zu erforschen und &#8230; zu vermitteln. Leider ist gerade das bei einer so subtilen, feinen, doch unaufdringlichen Musik fatal: sie wirkt dadurch etwas oberfl\u00e4chlich und langweilig, ohne es tats\u00e4chlich zu sein!<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Das Zusammenspiel von hochartifizieller Inszenierung, eher unterdurchschnittlicher S\u00e4nger \u2013 und durchschnittlicher Orchesterleistungen mag eine Fundgrube f\u00fcr die Psychologie sein. F\u00fcr den durchschnittlichen Zuh\u00f6rer\/Zuschauer war es jedoch eher langweilig. Der Schlu\u00dfapplaus (Zwischenapplaus gab\u2018s sp\u00e4rlich, zwei bis dreimal) gew\u00fcrzt von einzelnen Mi\u00dffallenskundgebungen. Er erstarb schon nach wenigen Minuten.<\/p>\n<p>Der Eindruck einer ganz bewu\u00dften Unterlaufung des Textbuches dr\u00e4ngte sich schlie\u00dflich auf, wenn in Augenblicken h\u00f6chster dramatischer Zuspitzung, die eigentlich ein H\u00f6chstma\u00df an Aktionen auf der B\u00fchne verlangt, die S\u00e4nger wie \u00d6lg\u00f6tzen, erstarrt mit voneinander abgewandtem Gesicht, ihre Partien sangen. Geschmackliche Richtlinien bei einer modernen Inszenierung anzuwenden verbietet sich im Grunde. Wie sonst sollte der Einsatz des schmalzigen Chansons <em>Manon<\/em> von Serge Gainsbourg zwischen dem vierten und f\u00fcnften Akt (extra wurde daf\u00fcr ein Akkordeonist engagiert) \u00a0gewertet werden?<\/p>\n<p>Philipp Kronbichler<\/p>\n<p>Bild: Bernd Uhlig<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Atalla Ayan (Chevalier Des Grieux), Zuzana Markov\u00e1 (Manon Lescaut)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Jules Massenet (1842-1912) Op\u00e9ra-comique in f\u00fcnf Akten, Libretto: Henri Meilhac und Philippe Gille nach Histoire du Chevalier Des Grieux et de Manon Lescaut von Abb\u00e9 Pr\u00e9vost Dirigent: Claude Schnitzler, G\u00fcrzenich Orchester K\u00f6ln, Chor der Oper K\u00f6ln, Choreinstudierung: Sierd Quarr\u00e9<span class=\"ellipsis\">&hellip;<\/span><\/p>\n<div class=\"read-more\"><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7393\">Weiterlesen \u203a<\/a><\/div>\n<p><!-- end of .read-more --><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":7394,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-7393","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7393","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=7393"}],"version-history":[{"count":3,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7393\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":7402,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7393\/revisions\/7402"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/7394"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=7393"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=7393"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=7393"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}