{"id":7376,"date":"2018-01-30T10:54:19","date_gmt":"2018-01-30T09:54:19","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7376"},"modified":"2018-04-15T17:17:52","modified_gmt":"2018-04-15T16:17:52","slug":"fidelio-hamburg-staatsoper","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7376","title":{"rendered":"Fidelio &#8211; Hamburg, Staatsoper"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Ludwig van Beethoven (1712-1773), Oper, Libretto: Joseph Sonnleithner\/Stephan von Breuning\/Georg Friedrich Treitschke; UA: 20. November 1805 Wien, Theater an der Wien.<\/p>\n<p>Regie: Georges Delnon, B\u00fchne: Kaspar Zwimpfer, Kost\u00fcme: Lydia Kirchleitner, Licht: Michael Bauer, Video: fettFilm, Dramaturgie: Johannes Blum, Klaus-Peter Kehr<\/p>\n<p>Dirigent: Kent Nagano, Philharmonisches Staatsorchester Hamburg, Chor der Hamburgischen Staatsoper<\/p>\n<p>Solisten: Kartal Karagedik (Don Fernando), Werner Van Mechelen (Don Pizarro), Christopher Ventris (Florestan), Simone Schneider (Leonore), Falk Struckmann (Rocco), M\u00e9lissa Petit (Marzelline), Thomas Ebenstein (Jaquino), Thomas Gottschalk (1. Gefangener), Christian Bodenburg (2. Gefangener)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 28. Januar 2018 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Hamburg-Fidelio-6752.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-7378\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Hamburg-Fidelio-6752.png\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"433\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Hamburg-Fidelio-6752.png 650w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Hamburg-Fidelio-6752-300x200.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Die unter dem Namen Fidelio als Mann verkleidete Leonore dient im Gef\u00e4ngnis beim Kerkermeister Rocco, um ihren Ehemann Florestan zu befreien, der von Don Pizzarro aus Angst vor Enth\u00fcllungen widerrechtlich eingesperrt wurde. Als sich der Minister zur Inspektion ank\u00fcndigt, will Pizarro Florestan t\u00f6ten, damit sein H\u00e4ftling nicht entdeckt wird. Es gelingt Fidelio jedoch, in den Kerker zu gelangen und sich sch\u00fctzend vor Florestan zu stellen. In diesem Augenblick erscheint der Minister. Alle Gefangenen werden befreit, Leonore und Florestan fallen sich in die Arme.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Das \u00fcber beide Akte weitgehend gleich bleibende B\u00fchnenbild ist eine im Stil der Mitte des 20. Jahrhunderts gehaltene Mischung aus Wohnzimmer und B\u00fcro \u2013 stark an DDR-\u00c4sthetik erinnernd. Hinter der breiten Fensterfront wird durchgehend der deutsche Wald als Videoanimation projiziert, mal mit Reh, mal mit Wolf. Die Gefangenen sind wie B\u00fccher in ein komplett ausfahrbares Regal gezw\u00e4ngt. An der Wand steht ein Klavier, auf dem Marzelline zu Beginn der Auff\u00fchrung <em>F\u00fcr Elise<\/em> spielt. Diese entgeht im Verlauf mehrfach Jaquinos Vergewaltigungsversuchen, was sie jedoch nicht davon abh\u00e4lt, zu strippen. Florestan weist als Gefangener deutliche Spuren der Folterung auf, auch kommt es zwischen ihm und Leonore zu keiner wirkllichen Vereinigung nach der Rettung. Der gek\u00fcrzte Sprechtext der Figuren wird teilweise vom Band abgespielt bzw. erklingt aus dem Radio. Am Schlu\u00df tritt der nun ganz in wei\u00df gekleidete Gefangenenchor, der stark an eine Sekte erinnert, aus dem Wald heraus.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p><strong>Simone Schneider<\/strong> gibt ihren Fidelio in Uniform darstellerisch angemessen unterk\u00fchlt, so da\u00df man ihr das doppelte Spiel abkauft. Auch s\u00e4ngerisch wei\u00df sie durch druckvolle Dramatik und gespannte Strenge zu \u00fcberzeugen. Die Regie jedoch l\u00e4\u00dft nach der Rettung keine Erleichterung zwischen ihr und <strong>Christopher Ventris<\/strong> als Florestan zu. Diesem bricht bei ansonsten solide plastischer Gestaltung auf dem H\u00f6hepunkt seiner gro\u00dfen Arie zu Beginn des zweiten Aufzugs die Stimme weg, was einerseits dazu pa\u00dft, da\u00df dieser Florestan als gebrochener Mann gezeichnet wird, anderseits jedoch zu offensichtlich zu h\u00f6ren ist. <strong>M\u00e9lissa Petit<\/strong> wei\u00df als stimmlich gewandte Soubrette mit einer charmanten Marzelline zu begeistern. Der ihr \u00fcbergriffig nachsteigende Jaquino, der bei allen anderen auf Ablehnung st\u00f6\u00dft, wirkt dank <strong>Thomas Ebenstein<\/strong> glaubw\u00fcrdig, stimmlich wie darstellerisch. Im Vergleich mit <strong>Falk Struckmann<\/strong>s autorit\u00e4r gewichtigem Rocco k\u00f6nnten beide noch etwas mehr klangliche Pr\u00e4senz vertragen. Gleiches gilt f\u00fcr Werner van Mechelens Don Pizarro, bei dem nur die zentralen T\u00f6ne mit Nachdruck bis in die hinteren Reihen dringen. Demgegen\u00fcber nimmt <strong>Kartal Karagedik<\/strong> am Schlu\u00df (Don Fernando) als charismatischer Sektenf\u00fchrer ein. Auch wenn <strong>das Philharmonische Staatsorchester Hamburg<\/strong> unter <strong>Kent Nagano<\/strong> die Balance zur B\u00fchne gut h\u00e4lt, war es doch nicht der beste Abend des ansonsten so zuverl\u00e4ssigen Klangk\u00f6rpers. So kommt es gerade nach der Pause in den H\u00f6rnern und Holzbl\u00e4sern zu einigen Wacklern.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>F\u00fcr das Regieteam gab es bei der Premiere kr\u00e4ftige Buhs, was angesichsts der unschl\u00fcssigen Inszenierung, die Klischees des Regietheaters wie auf einer Liste nacheinander abhakt, durchaus verst\u00e4ndlich ist. Musikalisch geht dieser Hamburger Fidelio jedoch in Ordnung.<\/p>\n<p>Dr. Aron Sayed<\/p>\n<p>Bild: Arno Declair<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Kartal Karagedik (Don Fernando),\u00a0 Christopher Ventris (Florestan), Simone Schneider (Leonore), Falk Struckmann (Rocco), M\u00e9lissa Petit (Marzelline), Thomas Ebenstein (Jaquino)und Chor der Hamburgischen Staatsoper<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Ludwig van Beethoven (1712-1773), Oper, Libretto: Joseph Sonnleithner\/Stephan von Breuning\/Georg Friedrich Treitschke; UA: 20. November 1805 Wien, Theater an der Wien. 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