{"id":7370,"date":"2018-01-26T18:45:17","date_gmt":"2018-01-26T17:45:17","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7370"},"modified":"2018-01-30T15:30:03","modified_gmt":"2018-01-30T14:30:03","slug":"only-the-sound-remains-es-bleibt-nur-der-ton-paris-palais-garnier","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7370","title":{"rendered":"Only the Sound remains \u2013 Es bleibt nur der Ton &#8211; Paris, Palais Garnier"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Kaija Saariaho (* 1952), Oper in zwei Teilen, Libretto: Ezra Pound\/Fenollosa nach zwei St\u00fccken des japanischen N\u00f4 Theaters. UA: 23. M\u00e4rz 2016, Muziektheater, Amsterdam<\/p>\n<p>Regie: Peter Sellars, B\u00fchne: Julie Mehretu, Kost\u00fcme: Robby Duiveman, Licht: James F. Ingalls, Ton: Christophe Lebreton<\/p>\n<p>Dirigent: Ernest Mart\u00ednez Izquierdo, Streichquartett: Meta4, Kantele: Eija Kankaanranta, Fl\u00f6te: Camilla Hoitenga, Schlagzeug: Heikki Parviainen, Gesangsquartett: Theatre of Voices.<\/p>\n<p>T\u00e4nzerin: Nora Kimball\u2011Mentzos<\/p>\n<p>Solisten: Philippe Jaroussky (Geist, Engel), Dav\u00f3ne Tines (Priester, Fischer)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 23. Januar 2018 (franz\u00f6sische Urauff\u00fchrung)<\/p>\n<p>Auftragskomposition De Nationale Opera, Koproduktion Op\u00e9ra National de Paris mit Amsterdam, Canadian Opera Company, Toronto, Teatro Real, Madrid, Finnish National Opera, Helsinki<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Paris-PGOnly-the-sound.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-7371\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Paris-PGOnly-the-sound.png\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"433\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Paris-PGOnly-the-sound.png 650w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Paris-PGOnly-the-sound-300x200.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><\/a>Vorbemerkung<\/strong><\/p>\n<p>Hier handelt es sich um die finnische Komponistin <strong>Kaija Saariaho.<\/strong> Nach Absolvierung ihres Musikstudiums an der Sibelius Akademie in Helsinki suchte sie in Kursen bei Brian Ferneyhough und Klaus Huber in Darmstadt und Freiburg nach neuen Klangformen und weiter hat sie auf dem Gebiet der neuen Instrumentaltechnik und der computer Musik IRCAM (Institut de recherche et coordination acoustique\/musique) in Paris Erfahrung gesammelt. Weltweiter Erfolg erlangte sie mit der Oper<em> L\u2019Amour de loin<\/em> mit Peter Sellars bei den Salzburger Festspielen 2000 und sp\u00e4ter an der Metropolitan Opera in New York. Ihre hier aufgef\u00fchrte vierte Oper entstand in enger Zusammenarbeit mit Peter Sellars. Auch Philippe Jaroussky wurde bei der Entstehung des Werkes zugezogen. Er hat geraten, seine Rolle im ersten St\u00fcck in tieferen, d\u00fcsteren Lagen zu halten, damit seine Stimme sich aufw\u00e4rmen kann, und die h\u00f6heren Lagen dem zweiten lichteren St\u00fcck vorzubehalten.<\/p>\n<p><strong>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>St\u00fcck I. Der M\u00f6nch Gyokei betet im Tempel f\u00fcr die unruhige Seele Tsunemasas, der in der Schlacht gefallen ist. Der Kaiser hatte seinerzeit Tsunemasa eine Laute zum Geschenk gemacht, die der M\u00f6nch nun auf den Altar legt und ein Opfer darbringt. Durch die Gebete angezogen erscheint der Geist Tsunemasas. Der Schatten verschwindet bald, nur die Stimme bleibt und erz\u00e4hlt von seiner Sehnsucht nach dem Leben. Doch ist er immer noch verst\u00f6rt durch die Bilder der Schlacht, in der er gefallen ist. Er bittet die Lichter auszul\u00f6schen und verschwindet.<\/p>\n<p>St\u00fcck II. An einem Fr\u00fchlingsmorgen findet der Fischer Hakuryo einen wundersch\u00f6nen Federmantel, der an einer Fichte h\u00e4ngt. Er will ihn mitnehmen, als ein<em> Tannin<\/em>, ein Mondengel, erscheint und ihn bittet, ihr ihren Mantel zur\u00fcckzugeben. Er weigert sich. Ger\u00fchrt von ihren Klagen, da\u00df sie ohne ihr Gewand nicht auf den Mond zur\u00fcckkehren kann, erkl\u00e4rt er sich bereit, setzt aber voraus, einen himmlischen Tanz vorzuf\u00fchren. Sie tanzt darauf die Phasen des Mondes und verschwindet schlie\u00dflich in den Wolken, die den Gipfel des Fujijama verh\u00fcllen.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Der M\u00f6nch und der Fischer, also die wirklichen Personen, vollziehen auf der Vorderb\u00fchne eine ausdrucksstarke Pantomime vor einem hohen, mit stilisiert japanischen Zeichen bemalten durchsichtigen Vorhang. Dieser Vorhang wird von vorne stark beleuchtet, was den Darsteller durch Schatten verdoppelt und vergr\u00f6\u00dfert. Die irrealen Figuren (Geist und Engel) handeln vor, aber auch hinter dem Vorhang. Dieser wird von hinten beleuchtet und die Figuren sieht man durch den Vorhang schemenhaftes. Die Kost\u00fcme sind einfach japanisch gehalten.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p><strong>Dav\u00f3ne Tines<\/strong> singt mit voller, tiefer Baritonstimme. Sein Gesang ist eindringlich, doch relativ traditionell. <strong>Philippe Jarousskys<\/strong> Rolle ist ein oft lang hinausgezogener, klagendender Legatogesang. Sein Countertenor ist makellos rein, klar und fast vibratolos, was ihm einen \u00e4therisch \u00fcberirdischen Klang verleiht. Aber die Stimmen haben eigentlich kein Eigenleben, sie sind Teil eines Instrumentariums, das als Ganzes versucht das Archaisch-Mythische der N\u00f4 Legenden zum Ausdruck zu bringen.<\/p>\n<p>Das kleine begleitende Ensemble besteht aus dem Streichquartett (Meta4, Fl\u00f6te, Schlagzeug, Kantele), die Kantele ist ein Zupfinstrument aus Finnland, einer Zither \u00e4hnlich, worunter sich elektronische T\u00f6ne mischen. Diese Kantele erlebt in der Szene, in der der Geist des Verstorbenen vom M\u00f6nch vor\u00fcbergehend Besitz ergreift, ein erregend perlendes Solo. Im zweiten St\u00fcck h\u00f6rt man den Wind und die Brandung des Meeres in der Musik. Der im Ablauf des Geschehens wichtige <strong>Chor<\/strong>, der die Rolle einer Art vokalen Unterbewu\u00dftseins zu spielen scheint, wird von dem Vokalquartett <strong>Theater of Voices<\/strong> gesungen.<\/p>\n<p>Einer der bezauberndsten Aspekte des zweiten St\u00fccks ist der grazi\u00f6se, lebendige Schleiertanz der schlanken, feingliedrigen<strong> Nora Kimball-Mentzos<\/strong>, die zusammen mit Philippe Jaroussky den Mondengel verk\u00f6rpert.<\/p>\n<p><strong>Ernest Mart\u00ednez Izquierdo<\/strong> dirigiert die vielschichtige Auff\u00fchrung mit Erfahrung.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Es ist eine sehr vergeistigte Oper, die mit ihren vielf\u00e4ltigen ungewohnten, neuen Klangfarben die Handlung auf eine sehr subtile, sensible, oft auch erschreckende, unheimlich-verzaubernde Art und Weise untermalt. Obwohl auf der B\u00fchne nicht viel passiert, entsteht durch das eindringliche Zusammenspiel von Darstellung und Musik eine sehr starke Atmosph\u00e4re.<\/p>\n<p>Es lie\u00dfe sich sicherlich noch viel mehr \u00fcber das Werk und seine Auff\u00fchrung sagen, doch m\u00fcsste man sich dazu noch weiter in die Tendenzen zeitgen\u00f6ssischer Musik, in die Musik Kaija Saariahos und in den Geist des Theaters N\u00f4 vertiefen.<\/p>\n<p>Die Ausf\u00fchrenden, Peter Sellars und sein Team, und vor allem auch Kaija Saariaho, wurden vom Publikum sehr gefeiert. Umso mehr so, als es ja selten vorkommt, da\u00df man nach einer Opernauff\u00fchrung dem Komponisten pers\u00f6nlich applaudieren kann.<\/p>\n<p>Alexander Jordis-Lohausen<\/p>\n<p>Bild: Elisa Haberer\/Op\u00e9ra National de Paris<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: \u00a0Davone Tines (Priest, Fisherman), Philippe Jaroussky (Geist\/Engel), Nora Kimball\u2011Mentzos (Danseuse)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Kaija Saariaho (* 1952), Oper in zwei Teilen, Libretto: Ezra Pound\/Fenollosa nach zwei St\u00fccken des japanischen N\u00f4 Theaters. UA: 23. M\u00e4rz 2016, Muziektheater, Amsterdam Regie: Peter Sellars, B\u00fchne: Julie Mehretu, Kost\u00fcme: Robby Duiveman, Licht: James F. Ingalls, Ton: Christophe<span class=\"ellipsis\">&hellip;<\/span><\/p>\n<div class=\"read-more\"><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7370\">Weiterlesen \u203a<\/a><\/div>\n<p><!-- end of .read-more --><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":7371,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1,133],"tags":[],"class_list":["post-7370","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemein","category-paris-palais-garnier"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7370","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=7370"}],"version-history":[{"count":3,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7370\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":7381,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7370\/revisions\/7381"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/7371"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=7370"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=7370"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=7370"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}