{"id":7363,"date":"2017-11-19T17:54:48","date_gmt":"2017-11-19T16:54:48","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7363"},"modified":"2018-01-20T17:57:17","modified_gmt":"2018-01-20T16:57:17","slug":"lucia-di-lammermoor-dresden-semperoper","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7363","title":{"rendered":"Lucia di Lammermoor &#8211; Dresden, Semperoper"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Gaetano Donizetti (1797-1848), Dramma tragico in 3 Akten, Libretto: Salvatore Cammarano nach Walter Scotts <em>The Bride of Lammermoor,<\/em> UA: 26. September 1835 Neapel, Teatro San Carlo<\/p>\n<p>Regie: Dietrich W. Hilsdorf, B\u00fchne: Johannes Leiacker, Kost\u00fcme: Gesine V\u00f6llm<\/p>\n<p>Dirigent: Giampaolo Bisanti, Staatskapelle und S\u00e4chsischer Staatsopernchor Dresden, Choreinstudierung: Cornelius Volke<\/p>\n<p>Solisten: Aleksey Isaev (Enrico Aston), Venera Gimadieva (Lucia), Edgaras Montvidas (Edgardo), Simeon Esper (Arturo Buklaw), Georg Zeppenfeld (Raimondo, Lucias Erzieher), Susanne Gasch (Alisa), Tom Martinsen (Normanno), u.a.<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 18. November 2017 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Dresden-Lucia.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-7364\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Dresden-Lucia.png\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"433\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Dresden-Lucia.png 650w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Dresden-Lucia-300x200.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Lord Enrico Ashton m\u00f6chte seine Schwester Lucia mit Lord Arturo Buklaw verheiraten. Sie liebt aber Sir Edgardo von Ravenswood. Diese Familie ist mit der ihren verfeindet. Vor seiner Abreise schw\u00f6ren sich Edgardo und Lucia heimlich ewige Treue. Enrico Ashton f\u00e4ngt Edgardos Briefe ab. Mit einem gef\u00e4lschten Brief von Edgardos angeblicher Untreue dr\u00e4ngen Raimondo und er Lucia zur Hochzeit mit Lord Arturo. In dem Augenblick, als Lucia auf ihrer Hochzeitsfeier den Hochzeitsvertrag unterschreiben soll, erscheint Edgardo. Er verflucht sie wegen ihrer anscheinenden Untreue, worauf sie zusammenbricht. Sp\u00e4ter berichtet Raimondo, Lucia habe Arturo im Wahnsinn erstochen. Enrico fordert Edgardo zum Duell. Vor dem Duell erf\u00e4hrt dieser, da\u00df Lucia gestorben sei. Er begeht Selbstmord.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Eine Schrift an der Rampe zitiert: <em>Mors certa hora incerta<\/em> \u2013 <em>Sicher ist der Tod, unsicher der Zeitpunkt<\/em>. Ein Hund auf der B\u00fchne bellt dazu. Im Einheitsb\u00fchnenbild findet sich kein Hinweis auf Schottland und auf sein Hochland, und ein Kilt ist nirgends zu sehen. Wir befinden uns im Britischen Empire (britisches Weltreich) vor dem Ersten Weltkrieg, und nur der Bowler (Hut) ist ein Hinweis auf Ort und Zeit. <strong>Johannes Leiacker<\/strong> hat einen fensterlosen und dunklen, kaum bestimmbaren Raum geschaffen, der mit vielen umgruppierbaren St\u00fchlen und Tischen und sp\u00e4ter einem markanten Ehebett besetzt ist. Letzteres macht dann wieder Platz f\u00fcr den schwarzen Sarg. Die Wand ist durch einen Fries aus senkrechten, manchmal flackernden Neonr\u00f6hren angedeutet, schwarze T\u00fcren f\u00fchren hinaus. Die Kleidung der gehobenen Gesellschaft ist schwarz, nur das Hochzeitskleid der Lucia und das Laken des Ehebetts sind wei\u00df. Und der gro\u00dfe Blutfleck auf dem Kleid bleibt der einzige Farbtupfer.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>In der Titelrolle der Lucia singt <strong>Venera Gimadieva<\/strong> als schwerer Koloratursopran. Sie findet den richtigen Ausdruck f\u00fcr die Verletzlichkeit einer verzweifelten Verliebten, aber auch f\u00fcr den dramatischen Ausdruck des finsteren Wahnsinns. Die Strahlkraft, das Leuchtende fehlen ihr, auch ein wenig das (De-)Crescendo, das Legato gelingt ihr formidabel. Da kann man \u00fcber Belcanto streiten, allerdings nicht bei der bekannten <em>Wahnsinnsarie<\/em> der Lucia <em>Il dolce suono \u2013 Der s\u00fc\u00dfe Klang \u2026 spargi d\u2019amaro pianto il mio terrestre velo \u2013 &#8230; vergie\u00dfe bittere Tr\u00e4nen auf meinen irdenen Schleier<\/em>, zu der die bekannte Glasharfe erklingt. Das Fl\u00f6tensolo ist nicht von Donizetti, sondern die Zugabe eines sp\u00e4teren Bearbeiters.<\/p>\n<p><strong>Georg Zeppenfeld<\/strong> gilt weltweit als einer der besten, universell einsetzbaren B\u00e4sse. Mit seiner wohlklingenden, unendlich samtweich tiefen und volumin\u00f6sen Stimme gibt er jeder Rolle entsprechende Tiefe und charakterisiert den Betbruder Raimondo entsprechend vielschichtig als verdeckt b\u00f6sartig. Dem anderen, dem einzigen Bruder, Enrico gibt <strong>Aleksey Isaev<\/strong> eine szenisch und gesanglich angemessene Zeichnung eines abgrundtief b\u00f6sartigen B\u00f6sewichtes. Sein Bariton kann von der volumin\u00f6sen Mittellage auch tenoraler H\u00f6hen erklimmen.<\/p>\n<p>Das letzte Wort hat Edgardo. Und er endet mit Selbstmord. Schon mit den ersten T\u00f6nen hat <strong>Edgaras Montvidas<\/strong> die Menschen mit dem Feuer eines Liebhabers ber\u00fchrt. Sein <em>Tu che a Dio spiegasti l\u2019ali \u2013 Du, die du zu Gott mit Fl\u00fcgel schwingst<\/em> entwickelt sich zum mitrei\u00dfenden Schlu\u00dfpunkt. Auch die Nebenrollen, wie <strong>Tom Martinsen<\/strong> als Normanno und <strong>Simeon Esper<\/strong> als Arturo, sind mit Hauskr\u00e4ften solide besetzt. <strong>Susanne Gasch<\/strong> ist ein dramatischer Sopran, der eng und angestrengt klingt und als &#8222;Mutter&#8220; Alisa unauff\u00e4llig ist. <strong>Giampaolo Bisanti<\/strong> treibt mit der Staatskapelle Dresden die Handlung voran, sorgt f\u00fcr flotte Tempi, da k\u00f6nnen die Koloraturen ungehindert sicher dahinrauschen. Mehr noch, das Liebesduett zwischen Lucia und Edgardo macht tiefes Verlangen zu Lucia und eine gro\u00dfe Pers\u00f6nlichkeit gegen\u00fcber deren Familie deutlich: <em>Sulla tomba che rinserra il tradito genitore \u2013 Am Grab, in dem mein verratener Vater ruht.<\/em><\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Einige teilweise diskutable Kunstgriffe hat <strong>Dietrich W. Hilsdorf<\/strong> neben der zeitlichen Verlagerung ins Jahr 1910 noch genutzt, um seine Dramatik auf den Punkt zu bringen: die verstorbene Mutter erhebt sich schon zu Anfang aus dem Sarg, um kommentierend als Alisa einzugreifen (Alisa ist im Libretto eine Hofdame Lucias), ebenso wird Raimondo zum Beichtvater Lucias ernannt und zudem noch zum zweiten Bruder Lucias bef\u00f6rdert. Die Hexen aus dem Roman kommen ebenfalls in Schwarz vor unsere Augen. So findet die Handlung im \u201eEinheitsraum\u201c der Familie Ashton statt, die vorgesehene Handlung im \u201eTurm Ravenswood\u201c wird dorthin \u00fcbertragen. Dennoch unterst\u00fctzt die dunkle Atmosph\u00e4re die musikalische Wirkung einer herausragenden S\u00e4ngergilde und dem genial d\u00fcsteren Klangbild des Orchesters. Eine Sternstunde f\u00fcr die Semperoper und tosender Applaus.<\/p>\n<p>Oliver Hohlbach<\/p>\n<p>Bild: Jochen Quast<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Venera Gimadieva (Lucia di Lammermoor), S\u00e4chsischer Staatopernchor Dresden<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Gaetano Donizetti (1797-1848), Dramma tragico in 3 Akten, Libretto: Salvatore Cammarano nach Walter Scotts The Bride of Lammermoor, UA: 26. September 1835 Neapel, Teatro San Carlo Regie: Dietrich W. Hilsdorf, B\u00fchne: Johannes Leiacker, Kost\u00fcme: Gesine V\u00f6llm Dirigent: Giampaolo Bisanti,<span class=\"ellipsis\">&hellip;<\/span><\/p>\n<div class=\"read-more\"><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=7363\">Weiterlesen \u203a<\/a><\/div>\n<p><!-- end of .read-more --><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":7364,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[21,1],"tags":[],"class_list":["post-7363","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-dresden-semperoper","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7363","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=7363"}],"version-history":[{"count":1,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7363\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":7365,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7363\/revisions\/7365"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/7364"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=7363"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=7363"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=7363"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}